Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 30.1919

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INNEN-DEKORATION

SPARSAME BAUSTOFFE IN IHRER KUNSTLERISCHEN BEDEUTUNG

VON MAX LANDSBERG—BERLIN

Ist es nötig Künstlern über die Ausstellung »Sparsame
Baustoffe«, welche zurzeit in den Ausstellungshallen
am Zoologischen Garten in Berlin statthat, zu berichten?
Der Künstler findet dort kaum etwas, das ihm unmittel-
bare Anregung böte, wie etwa auf einer Ausstellung des
Deutschen Werkbundes. Er findet dort nicht den ein-
zelnen Ausstellungsgegenstand mit dem Ausstellungs-
rahmen zu untrennbar köstlicher Einheit zusammenge-
stimmt. Keinen künstlerischen Genuß, der Augen und
Sinne liebkost, keine Schönheit, sondern Arbeit. Aber
wertvolle Arbeit, die reiche mittelbare Anregung geben
kann, wenn man durch eigenes Studium hinzutut. Um
solche zukunftsreiche Arbeit hat sich Geheimrat Seessel-
berg bemüht als er die Ausstellung für den Reichsver-
band für sparsame Bauweise ins Leben gerufen hat.

Es spiegelt sich hier der wirtschaftliche und technische
Geist wieder, der deutsche Ingenieure und Industrielle in
dem Glück vergangener Friedensjahre und in den Nöten
des furchtbaren Krieges zu Erfolgen geführt hat. In der
Ausstellung sehen wir die Resultate, die sich ihnen aus
der klaren Erkenntnis der Probleme der Zeit und der

Richtpunkte der Entwickelung ergeben haben. Es ist eine
erste Ausstellung, der weitere folgen müssen. Und sie
muß den deutschen Künstler interessieren, da sie sich mit
seinen eigenen Aufgaben, dem deutschen Bauschaffen der
nächsten Zukunft, so eingehend beschäftigt. Er muß sie
in ihrem Zusammenhang mit der Zeit, in ihren Ursachen
und Folgen erfassen und danach den Punkt bestimmen,
an dem er seine eigene Kraft einsetzen kann.

Es geht für uns Deutsche heute um die nächstliegenden
ursprünglichsten Nöte des Lebens, um Wohnung und
Nahrung. Läßt man das Volk an der Herrichtung seiner
eigenen Kleinhaussiedelungen mit Acker und Gartenland
arbeiten, so schafft man ihm Beides. Und hat ihm auch
das Dritte gegeben, was ihm zur Gesundung noch fehlt:
die Arbeit zum eigenen Wohle. Das Ziel ist erkannt. Um
es zu erreichen ist schon vielerlei vorgearbeitet worden.

Schwierig ist die Entscheidung über Lage und Form
einer Siedelung, über die Verteilung von Garten und
Acker, über die Errichtung von Bauten für Wohnzwecke
und sonstige Lebensbedürfnisse. Sie wird nach den je-
weiligen besonderen Verhältnissen gefällt werden müssen.
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