Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

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17°

KREIS ERBACH

welchem das dreigestirnte Hauswappen sichtbar ist. An den Seiten des Nischen-
bögens sind Relieffiguren der knieenden Jungfrau Maria und des schwebenden Erz-
engels Gabriel in der Auffassung der Verkündigung auf zwei kleinere Nischen
vertheilt. Komposition wie Technik erheben sich nicht über Mittelgut. Die Rand-
schrift der Grabplatte lautet:

+ ainm • bin • nnÜL^imo • ccc • ijcjcjc • bti • oüiit noüili^ • bin. • ljenticu£ •
phuTrua • ti • crjpadj • »ya • die • ütiiatic • Ii •

Unter den übrigen gothischen Sepulkral-
steinen seien in chronologischer Folge erwähnt:
Das Grabmal des Schenken Konrad des
Aelteren und seiner Gemahlin Agnes von
Erbach, deren Figuren unter je einem ge-
schweiften Spitzbogen auf symbolischen Thier-
gestalten nebeneinander stehen, der Ritter auf
einem Löwen, die Edelfrau auf einem Hunde.
Auch hier trägt die männliche Figur keine Kopf-
bedeckung; die Hände ruhen auf dem Lendner.

O "

Frau Agnes hat ihre Hände zum Gebet gefaltet;
ihr Haupt umgibt ein Schleier; das Gewand fällt
izr symmetrischem Gefälte herab. Die Seiten-
zwickel über den Nischen zeigen die Familien-
wappen; aus der Mitte erhebt sich der Stechhelm
mit dem Büffelhornpaar. Auf der Randleiste
des Steines liest man die Minuskelinschrift:

anno • tmi • 111 • ittl* • jrjem • f • In • •
üap • s? • noüii • ccnirab ^djenti- »«ciliar •
bin« • b • erpaefj • et • uror • du*. • agne^ • iyu ■
äic rn • in • pace • amen •

Der Denkstein des Schenken Ott von
Erbach zeigt den jugendlichen Ritter in voller
Kriegsrüstung auf einem Löwen mit geöffnetem
Rachen und hochgeringeltem Schweif stehend.
Den Kopf bccleckt ein bei der Reiterei des
15. Jahrhunderts üblicher sogen. Schallerhelm
mit Kamm, Nackenschirm, Barthaube und un-
beweglichem Visir. Der Rumpf ist umhüllt von
einer vollständigen Plattenrüstung mit Stosskragen,
Schulterstücken, Ellbogenkapseln und Beinschienen. Die Eisenschuhe haben noch die
spitze Form. Die Rechte liegt am Schwertgriff; die Linke hält den wappenlosen
Kampfschild. Die heraldischen Schilde am oberen Rande des Monumentes ent-
halten die Elternwappen von Erbach und Bickenbach. Die Randschrift lautet:

antiD • bin • 111 • rccdjcüin • bff nmntöag nadj mitralen ?tarl6 bei* ebri
Imb Inoljiijeüau lUijcnlt €>tt Ijen* Im 11 erpadj be ijot ijnab.

Fig. go. Michelstadt.
Grabstein des Schenken Heinrich
von Erbach, f 1387.
1120 w. Gr.
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