Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Kreis Erbach — Darmstadt, 1891

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KREIS ERBACH

Stifter. — Das alte Muttergottesbild, welches die Schaaren der Wallfahrer angezogen,
ist verschollen oder zu Grunde gegangen.

Ehem. Langbaus Wo ehedem der Triumphbogen aus dem Chor in's Langhaus führte, steht

und Thurm

jetzt der westliche Wandschluss der Kapelle, durchbrochen von einem aus alten
Werkstücken errichteten Eingang mit dem Wappen des Hauses Erbach und der
Jahrzahl 1782, als Datum des Beginnes der 1783 beendigten Bauveränderung.
Hier ist es, wo aus untrüglichen Merkmalen wichtige Anhaltspunkte für die Be-
urtheilung der tektonischen Verhältnisse des niedergelegten Langhauses sich ergeben
und zu anderen, die Plananlage mitbestimmenden Bauresten hinleiten. Hoch oben
am Aussenbau, zu beiden Seiten des über der neueren Füllmauer hinziehenden
Triumphbogens, treten aus der Chorhoch wand zwei grössere Werksteine- hervor, die
durch ihren Schnitt als Arkadenansätze sich ausweisen. Vor der Westfront ist der
Erdboden in seiner ganzen Ausdehnung bis zu dem niedrigen Gemäuer, welches
den freien Raum umgibt, eingeebnet und mit J^asen bedeckt, so dass keinerlei

Fig. 126. Schöllenbach. Säulenbasatnente.

*720 w. Gr.

Spuren von Arkadenstützen, weder Pfeiler noch Säulen, daraus hervorragen. Indess,
denkt man sich zwei Parallellinien von den Arkadenansätzen bis zum jetzigen Ein-
gangsthor des Mauerumschlusses laufend, so treffen sie auf zwei an den Seiten
des Thores vorspringende Mauerstumpfe, die augenscheinlich als Ueberreste von
Widerlagern der verschwundenen, das Langhaus in drei Schiffe gliedernden Arkaden-
stellung zu betrachten sind, gleichzeitig aber auch zu dem hier anhebenden Thurm
gehörten, dessen Untergeschoss. als Vorhalle diente und dessen Spitzbogenportal
in dem genannten, nunmehr freistehenden Eingangsthor erhalten blieb. Hieraus
ergibt sich, ohne gewagte Hypothese, die Plananlage des Ganzen und der Rück-
schluss, dass die grosse Kapelle eigentlich die Ausdehnung einer ansehnlichen
dreischiffigen Kirche mit mindestens drei Wölbejochen besass. Dass die Stützen
der Arkaden keine Pfeiler sondern Rundsäulen waren, ist schon bei Besprechung
der modernen Kanzel erwähnt worden, deren Fuss aus dem Torso einer solchen
Säule besteht. Andere Fragmente dieser Art (Fig. 126) stehen in der Nähe des
an der Südseite der Umfriedigungsmauer lebhaft sprudelnden Brunnens und dienen
jetzt als Auflager für Wassergefässe.
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