Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hager, Georg [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,1): Bezirksamt Roding — München, 1905

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I. B.-A. Roding.

Kloster-

kirche.

Baugeschichte.

124 sqq.: Declaratorium instrumentorum astronomicorum ab Engelhardo abbate in
Reichenbach editorum, abbreviatum ex ampliore descriptione Reinhardi plebani in
Tegernhaym.) Daß die Astronomie im Kloster gepflegt wurde, erfahren wir bereits
1422, als der Abt Johannes von Walderbach dem Reichenbacher Konventual Johannes
von Meißen den damals wieder auftauchenden Toledobrief mit seinen Unheil kün-
denden Prophezeiungen zur Begutachtung vorlegte. (H. Grauert, Meister Johann
von Toledo, Sitzungsber. d. philos.-phil. u. hist. Kl. d. Kgl. Bayer. Akad. d. W. 1901,
S. 291 ff. — Andreas von Regensburg, ed. Leidinger, S. 385 f.)

Auch Abt Johannes II. von Falkenstein (1436—1461) war ausgezeichnet in
Mathematik und Astronomie. (Der Abtskatalog des Michael Katzbeck rühmt von
ihm: Ille etiam Astrorum Scrutator sedulus et qui / Mirus arithemeticus Cosmo-
graphusque fuit. Oefele I, 415.) Er erhielt für sich und seine Nachfolger vom
Papste Nikolaus V. das Recht der Pontifikalien. Trötscher (p. 255) berichtet, daß
dieser Abt ein großes Pergamentbuch anlegte mit Malereien, worin die Griindung,
die Privilegien etc. des Klosters verzeichnet waren und dem ein immerwährender
Kalender beigegeben war, der auch iiber den Lauf der Sonne und des Mondes,
iiber die Zeichen des Tierkreises und den Einfluß derselben Aufschluß gab. Noch
jetzt erinnert »der mathematische Turm« (s. u. bei der Beschreibung der Kloster-
gebäude) an die Zeit der mathematischen und astronomischen Studien im Kloster.
Die alte Angabe, daß der berühmte Geograph Nikolaus, irrtümlich de Donis zubenannt,
der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts lebte, Profeß unseres Klosters Reichen-
bach war, erscheint angesichts der regen wissenschaftlichen, mathematischen und astro-
nomischen Studien der Reichenbacher Benediktiner keineswegs auffallend. Die An-
gabe wird allerdings neuestens bestritten, aber, wie wir glauben, mit unzureichenden
Gründen. (F. Falk, Des Benediktiners Nikolaus Donis Verdienste um die Karto-
Igraphie 1470, in der Zeitschrift »Der Katholik«, 71. Jahrg., 1891, II. Teil, S. 72 ff.
— Jos. Fischer S. J., War Pseudo-Donis Benediktiner in Reichenbach? Hist.-pol.
Blätter, Bd. 126 [1900], S. 641 ff. — Ders., Die Entdeckungen der Normannen in
Amerika, Ergänzungshefte zu den Stimmen aus Maria-Laach, Heft 81, Freiburg i. Br.
1902, S. 75'—90. — Neue Forschungen über Nikolaus wird demnächst H. Böes in
Amberg veröffentlichen.) Vielleicht steht die Vorliebe des Herzogs Otto II. von
Mosbach (f 1499) für mathematische Studien mit Reichenbach in Zusammenhang.

1447 errichtete Abt Johannes für den Pfalzgrafen Johann und dessen Sohn
Christoph, König von Dänemark, mehrere Jahrtage dafür, daß dem Kloster aus dem
Nachlasse des Pfalzgrafen wertvolle Schätze übenviesen worden waren, nämlich ein
goldener Kelch samt Patene als Eigentum, ferner zur Verwahrung ein goldenes, mit
Perlen und Edelsteinen besetztes Kreuz, ein ganz goldenes Bild U. I.. Frau und eine
goldene Patene, welche ein Stück des heiligen Kreuzes barg, gefaßt mit Perlen und
Edelsteinen. Die zur Verwahrung überwiesenen Schätze waren bisher vom Dom-
kapitel in Regensburg gehütet worden. Das Kloster sollte dieselben wieder heraus-
geben, wenn ein männlicher Nachkomme des Königs Christoph es wiinsche, und
es sollte sie dem Stifte Neunburg v. W. überweisen, wenn dieses Stift, das Herzog
Johann zu bauen begonnen, vollendet wäre. (MB. XXVII, 435, 437. — Janner III,
468. — Papierkopie der Urkunde des Königs Christoph von Dänemark vom 17. Okt.
1447, ebenso Transsumpt von 1503, bei den Urkk. d. Klosters Reichenbach im Reichs-
archiv, Miinchen, fasz. 3 u. 5. — Vgl. auch VO. XIX, 139, 162; XIV, 309.)

Ende des 15. Jahrhunderts (1488, vgl. Walderbach) besitchte der bekannte Ge-
schichtsforscher Hartmann Schedel (geb. 1440, 1475 Physikus in Amberg, 1484 Physikus
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