Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hager, Georg [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,1): Bezirksamt Roding — München, 1905

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I. B.-A. Roding.

Kloster-

kirche.

T 24

SVMVS ■ / PORRECTA QVE ■ VERMIBVS • ESCA. Zu beiden Seiten des
Oberkörpers der pfalzbayerische Wappenschild mit Helm und Kleinod (einmal der
gekrönte Löwe, das andere Mal der Löwe zwischen den BiifFelhörnern). Zwischen
dem Kopf des Leichnams und dem Helmkleinod links ein Schriftband, das bis zum
linken Seitenrande des Steines reichte, jetzt aber nur noch zur Hälfte erhalten ist:
NATE ■ DEO ■ DEE ■ CHRISTE ■ MEI ■ [MISERERE ■ REDEMPTOR]. Die
eingeklammerten, jetzt fehlenden Worte sind nach der Abschrift, welche Ende des
15. Jahrhunderts Hartmann Schedel genommen hat (Oefele I, 406. — Clm. 716,
fol. 299), ergänzt. Unter diesen beiden Wappen abermals je ein pfalzbayerisches
Wappen, links mit dem Löwen zwischen den Fliigen, rechts mit dem Löwen zwischen
den Hörnern. Unter dem Leichnam auf einer Schrifttafel ein Spruch in hebräischer
Sprache mit griechischer und lateinischer Verbalübersetzung:

n-Q^ nyn

X ■ AYTON ■ KAIPON ■ MONON ■ f ID ■ TEMPVS ■ SOLVM. Zu beiden
Seiten dieser unteren Schrifttafel lehnt je ein Schild, der eine (links) mit einem
Totenkopf im Feld, der andere (rechts) mit den Buchstaben DCA. In der Kehle
des Randes läuft rings urn den Stein ein Schriftband: IOHANNES ■ D ■ GRA TIA ■
COMES ■ PALATIN 9 ■ RHENI ■ DVX ■ BA VARIAE ■ / PREPOSIT s ■ ECCLE-
SIARVM ■ A VG VSTENSIS ■ ET- ARGENTINENSIS ■ VITAM ■ C[LA VSIT-
EXTREMAM ■ I] N ■ PEREGRINATIONE ■ HIEROSOL YMAE ■/VBI ■ ET ■
SEPVLTVS ■ EST ■ ANNO ■ CHRISTI ■ / M ■ CCCC ■ LXXXVHO . OCTOBRIS-
DIE ■ IIIHO . SAXVM ■ HOC ■ MEMO [RIAEJ ■ SVAE ■ VIVENS ■ IPSE ■ EX-
TRVI ■ CVRAVIT ■ Die eingeklammerten Buchstaben, die jetzt fehlen, hier er-
gänzt nach Oefele I, 406. Diese und die übrigen Inschriften in Frührenaissance-
majuskeln. Unten in der Mitte über dem Schriftband eine Sanduhr. In den vier
Ecken der Kehle am Rande der aragonisch-sizilianische, pfalzbayerische, österreichische
und zollernsche Wappenschild. H. 2,50, Br. 1,31 m. Der Stein bildete ehemals
die Deckplatte eines Hochgrabes, das, wie Hartmann Schedel notierte (clm. 716,
fol. 299), an der Seite des Chores (in latere chori) stand. Die Platte ruhte einst
auf sechs aufrechtsitzenden Löwen, welche Wappenschilde halten: 1. Pfalz-Bayern,
mit Mittelschild, worauf der Reichsadler. 2. Osterreich. 3. Zollern. 4. Aragonien-
Sizilien. 5. Pfalz-Bayern. 6. Thüringen. Also Wappen von Urgroßeltern des Ver-
storbenen.

Im 18. Jahrhundert, wohl gleichzeitig mit dem Stiftergrabmal (1718), wurde
das Denkmal an seinen jetzigen Platz übertragen. Die gotischen Löwen stellte man
zu beiden Seiten der skulpierten Platte in je drei Nischen übereinander auf.

Der Grabstein des Herzogs Johann ist eine tüchtige Arbeit. Von feiner
Beobachtung zeugt insbesondere der niedergetretene Löwe. Beachtenswert ist das
Auftreten der Frührenaissancekapitalschrift, das iibrigens anderwärts schon früher
beobachtet ist. Die Beschädigungen sind sehr gering. An der linken Hand des
Skelettes fehlen der Daurnen und drei Finger teilweise. Die übrigen Defekte betreffen
die Schriftbänder. Im 18. Jahrhundert wurden Kopf und Mähne der sitzenden Löwen
vergoldet, die von ihnen gehaltenen Wappen bernalt. Interessant ist die lang-
gestreckte, vielfach ausgekehlte Form der Schilde neben der unteren Schrifttafel, eine
spezifisch italienische Schildform. Dies deutet wohl auf einen italienischen Bildhauer.
Der Pfalzgraf ließ den Stein noch zu Lebzeiten verfertigen; offenbar hatte er Reichen-
bach, wo sein Vater begraben lag, zu seiner Grabstätte ausersehen. (Die Fürsten-
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