Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hager, Georg [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,1): Bezirksamt Roding — München, 1905

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I. B.-A. Roding.

farr- oder
Kloster-
kirche.

eitenkapelle.

Fig. 180. Walderbach. Kragsteine außen am Chor der Klosterkirche.

nur an wenigen Stellen
bloßgelegt. Die Ma-
lereien sind in Käse-
farben hergestellt. Der
Grund ist eine sehr
diinne Tiinche von
leichtwarmgrauer, fast
weißer Farbe, die mit

Ausnahme der Gewölbekappen unmittelbar auf den Stein, nicht auf Verputz auf-
getragen ist. Die Gewölbekappen sind vor Auftragen der Tiinche leicht verputzt
worden. Auf der Tünche sind die Ornamente vorgezeichnet mit Grauschwarz, auch
ganz Schwarz, bisweilen auch Gelbgrau oder Rot. Die Hintergründe sind wechselnd
herausgefaßt, vorwiegend mit englisch Rot, hellem rötlichen Gelb und etwas tieferem
Grau. Bisweilen ist der Grund auch rosafarbig herausgefaßt.

Die Bemalung muß von feinster Wirkung gewesen sein. Die ornamentalen
Malereien sind zu dem blauschwarzen Ton der Gewölbekappen gestimmt, der außer-
ordentlich malerisch und reizvoll wirkt, da er nicht auf glatten dicken Putz auf-
getragen ist, sondern auf diinnen Putz, der die Unebenheiten und Rauheiten der
Gewölbeflächen mitsamt den Fugen der Schalbretter zeigt. Trefflich paßt zu dem
farbig belebten Gewölbe der gelbrötliche, bald hellere, bald dunklere Ton des mit
Quarz gespickten Sandsteins der Pfeiler, der durch die hellen Mörtelbänder der
Fugen unterbrochen wird. Wie die Wände urspriinglich gestrichen waren, läßt sich
jetzt nicht erkennen. Man sieht hier schwache Reste spätmittelalterlicher Malereien.

Schon A. Niedermayer, Zur Kunstgeschichte der Diözese Regensburg, Beil.
z. Augsburger Postzeitung, 1856, Nr. 64, S. 253, schreibt von den romanischen Wand-
malereien Walderbachs: »Vor nicht langer Zeit hat man an den Wänden der Kirche,
die leider sehr verzopft ist, bei einer Restauration unter dem modernen Tiinchquast
romanische Wandmalereien entdeckt, welche bewiesen, daß auch der Ivörper des
Schiffes (außer dem vorher erwähnten Westportal) noch dem zwölften Jahrhundert
entstamme. Jetzt deckt die Farbenpracht wieder das alte Leichentuch ein; da die
Zeichnung, die man vor der Ubertiinchung nahm, noch nicht in des Verfassers Hände
gekommen, kann hier keine Beschreibung stehen.«

Die romanischen Wandmalereien Walderbachs stehen in ihrer Art einzig da
unter den jetzt bekannten Resten monumentaler Malereien der romanischen Periode.
Der blauschwarze, ehemals wohl etwas hellere, jetzt durch chemische Veränderungen
nachgedunkelte, vielfach schiefergrau erscheinende Ton der Gewölbekappen wurde
wohl deshalb gewählt, weil die Decke nach damaliger Anschauung den Himmel vor-

stellen sollte. (Joseph
Neuwirth, Gesch. d.
christlichen Kunst in
Böhmen bis zum Aus-
sterben der Premysli-
den, Prag 1888, S. 40.)

An der Nordseite
der Kirche eine ehe-
rnalige Kapelle in
Forrn von vier Jochen

Fig. 181. Walderbach. Romanisches Mauerwerk an der Kiosterkirche! eines Kreuzganges;
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