Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]; Hager, Georg [Oth.]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (2,1): Bezirksamt Roding — München, 1905

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Walderbach.

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Umfassungsmauern der Langseiten auf ungefähr 9 m Länge emchtet, als die Plan- Pfarr- oder
änderung eintrat. Die Planänderung bestand wohl nicht nur in der Wahl einer Kioster-
.größeren Weite für das Mittelschiff, sondern in der Wahl des Systems der Hallen-
kirche überhaupt: die neue, höchst interessante Idee der Hallenanlage veranlaßte
die einschneidende Planänderung. Zu beachten ist auch, daß bei Aufführung des
Chorschlusses ein Rippengewölbe im Mittelschiff noch nicht vorgesehen war. Auch
bei der Planänderung verzichtete man in dem unmittelbar an die Hauptapsis stoßen-
den Mittelschiffjoch auf ein Rippengewölbe. Die Form der Pfeiler beweist, daß hier
nur ein gratiges Kreuzgewölbe eingezogen war.

Wandelte der Meister des Chorschlusses völlig in den Traditionen der heimi-
schen Bauschule, so bewegt sich der das Werk fortsetzende Meister in dem Kreise
der spezifischen Baugedanken des Zisterzienserordens. Die Neuerung ist so groß,
daß wir sie nicht nur der Beeinflussung durch miindlich oder schriftlich übermittelte

Fig. 185. Walderbach. Gewölbedetail der Klosterkirche.

Kenntnis der bei den Zisterziensern üblichen Bauten zuschreiben, sondern auf einen
Wechsel in der Bauleitung, auf einen Wechsel des bauleitenden Meisters, der wohl dem
Orden angehörte, zurückfiihren müssen. Auch in der neuen Bauperiode zeigt sich wieder
-eine Schwankung. Nach der Aufführung der drei östlichen Jqche wählte man statt
der bisher üblichen halbkreisförmigen Scheidbögen spitze Scheidbögen, ebenso in
den Seitenschiffen statt der halbkreisförmigen nun spitze Gurtbögen. Da mit diesem
Wechsel auch eine Schwankung in der Ausladung des Sockelprofils der Pfeiler zu-
:sammentrifft, so miissen wir vom vierten Joch an einen zweiten Bauabschnitt der
Hallenanlage annehmen. Eine irgend längere Unterbrechung zwischen dem ersten
und zweiten Bauabschnitt der Hallenanlage anzus etzen, verbietet aber die Bei-
behaltung der Formensprache in den iibrigen dekorativen Einzellieiten. Das Profil
der Kämpfer der Mittelpfeiler läuft vom östlichen bis zum westlichen Pfeilei' in
.gleicher Ausladung durch, auch die Säulenkapitelle halten im wesentlichen denselben

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