Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 8,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg) — Tübingen, 1913

Seite: 116
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le III. Auf dem verödeten Platze wurde bald darauf das Karmeliter- (Barfüßer-)

Kloster nebst Kirche i. J. 1701 (?) durch Kurfürst Johann Wilhelm neu errichtet
und als kurfürstliche Grabeskirche bestimmt. Die reiche Stiftung verlor aber mit der Ver-
legung der Residenz ihre Bedeutung, so daß unter Kurfürst Maximilian Joseph die Auf-
lösung des Klosters erfolgte, das zu einem Amtshause umgewandelt wurde. Die in der
fürstlichen Gruft beigesetzten Leichname kamen nach Manchen. Die Kirche stand
1805 noch, wurde aber bald darauf abgerissen. Das ehemalige Äußere der Kirche zeigt

Fig. 7_f. Ansicht der chcmaliacn Karmclilcrkirchc im Thesaurus J'alathms.
[Gtt.v»»Th»m .750.)

die Abbildung im Thesaurus Palatinos (Fig. 75). Danach könnte der Baumeister
A. Breunig (s. unten S. 206) auch als Urheber dieses Gotteshauses in Frage kommen.*)
IV. Die Franziskaner- (Minoriten-) Kirche mit Kloster kommt erstmalig
i. J. 1268 urkundlich vor, mag also ungefähr um die Mitte des 13. Jhs. als ältestes Kloster
Heidelbergs gegründet worden sein. (Nach Zeiler-Kayser sei sie ursprünglich außerhalb
der Stadt unten am Neckar gelegen gewesen und erst durch die Gemahlin Ludwigs KL,
Mechtild von Savoyen [also nach 1418], in die Stadt verlegt worden, aber Wimdt [a. a. O-
S. 181] hat bereits die Unnahbarkeit dieser Annahme nachgewiesen.) Bei Merian erscheint
die Kirche als ein stattlicher Bau mit Querschiff und langem Chor, an der Stelle des
jetzigen Karlsplatzes. Im Jahre 1565 erfolgte die Umwandlung des Klosters in eine Latein-
schule. Im Stadtbrande von :6o3 zerstört, wurden Kirche und Kloster i. J. 169°
wieder aufgebaut und den Franziskanern zurückgegeben. Unter Karl Friedrich ist
schließlich i. J. 1804 das Ganze niedergerissen worden, nachdem vorher die Mönche
in das Kapuzinerkloster versetzt worden waren.

*) Wie der Verfasser nachträglich erfährt, befindet sich eine Grundrißzeichming des Klosters
im Besitze des Fabrikanten A. Kall, dessen Villa (Hauptstraße Nr. 238) an der Stelle des Klosters steht,
und ist ein weiterer Plan der ganzen Stadtgegend kürzlich im städtischen Archiv entdeckt worden.
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