Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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PlE HqHKÖNIQSBURG

Historisohe Skizze von Dr. JOS. GENY.

Hls S. M. Kaiser Wilhelm II. am 4.
Mai 1899 die Hohkönigsburg, welche ihm
bereits aus den Erzählungen seines Vaters,
des Kaisers Friedrich, bekannt war, der
die Burg von Freiburg aus als Kron-
prinz einmal besucht hatte, selbst in
Augenschein nahm, wurde ihm diese
mächtigste Schlossruine Deutschlands im
Namen der damaligen Eigentümerin, der
Stadt Schlettstadt, infolge des Gemeinde-
ratsbeschlusses vom 2. Mai durch Bürger-
meister C. Schlcesser zum Geschenk dar-
geboten. Der Kaiser nahm erfreut die
Schenkung an und gab seinem Entschluss
noch schriftlichen Ausdruck durch einen
eigenhändig unterzeichneten und aus
Schloss Urville an den Bürgermeister
und den Gemeinderat von Schlettstadt
abgeschickten Brief folgenden Inhalts:

« Sie haben Mir bei Meinem Besuche
der Hohkönigsburg diese Burgruine im
Namen der Stadt Schlettstadt zum Ge-
schenk dargeboten. Wie Ich Ihnen bereits
mündlich zu erkennen gegeben habe,
nehme Ich diesen Beweis treuer Anhäng-

lichkeit gern an, und freue Ich Mich,
nunmehr auch in dem schönen Elsass
einen Eigenen Besitz zu haben und
zugleich Eigentümer einer der grössten
und besterhaltenen deutschen Burgen
zu sein, deren Steine uns das Wesen
deutscher Ritterherrlichkeit aus längst
vergangenen Zeiten mit beredter Sprache
verkünden. Möge das Geschenk der Stadt
Schlettstadt ein neues Band vertrauens-
voller Liebe zwischen Mir und dem Reichs-
lande werden, und die Hohkönigsburg
allezeit auf ein friedliches Land und eine
glückliche Bevölkerung hernieder schauen!

Strassburg i. E., den 5. Mai 1899.

gez.: Wilhelm I. R."

Abgesehen von jeder andern Be-
trachtung, muss man es als ganz beson-
dere Fügung gelten lassen, dass wieder
ein deutscher Kaiser, und zwar der Chef
des Hohenzollernhauses, als Besitzherr in
die Gegend Einkehr hält, wo einst die
Hohenstaufen, in deren Adern auch elsäs-
sisches Blut floss, mit Vorliebe gelebt und

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