Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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I. Jahrgang.

Berträge

sindcinvr.C. v. Liitzow
(Wien,Bergstr.14) oder
andieVerlagöhondlung
lkeipzig, Krenzstr. 8/9)
zu richten.

'4. 2ipril.

Nr. 7.

Äilsrrate

d2 Sgr. für die gespal-
tene Petitzeile werden
von jeder Buch- und
Kunsthandlung ange-
nommen.

IÜ66.

BeMatt zur Zeitschrist sür üildcude Kuust.

Verlag bon L. A. Leemsnn !n TetpziT.

Anfangs u.Mitte jtdes Monats erscheink eine dtummcr von cincm balben bis cincm Qnartbogen. Die Nbonnenten der „Zeitschrift fnr bildendc Knnst" crhaltcn
dies Blatt xrnbi». Apart bezogcn kostet dassclbc Sgr. balbjäbrlich. Alle Bnch- nnd Knnstbandlnngen wie alle Postämter nebmen Bcstellnngen an.
Expedit'ioncn : in Berlin: L. Sachse L Lo., Hofknnsthandlnng; in Wien: V.Katser; in München: L. A. Fleischmann.

Jnhalt: Die Betheiliaung 'der österreickischen Kiinstler an der Pariscr
Weltausstellung im äahre 1867. (Schluß.) — Die Hirscher'sche Ver-
steigernng in Freiburg i. Br. — Korrespondenzen (Köln; Dresden). —
Vermisch'te Kunstnachrichten. — Personalnachrichten. — Preisbewer-
bungen. — Kunstvereine, Sammlungen, Ausstellungen. — Kunst-
likeratur. — Kunsthandel. — Zeitschriften. — Nenigkeiten deS Kunkt-
handels. — Kataloge und Geschäflsberickte. — Berliner Ausstellungs-
kalender. — Münchener Ausstellungskalender. —Inserate.

Oie öethkilignng der ölterreichischcn lliinliler an
der pariser Weltausstellung im 1.1867.

(Schluß.)

Die Jdee, ein möglichst vollständiges Bild der
Kunstentwickelung Oesterreichs seit dem Jahre 1855 in
ihren hervorragendsten Leistungen zu geben, ist bei den
unabänderlich festgestellten Raumverhältnissen eine Un-
möglichkeit. Die Wiener Architekten haben unter diesen
Umskänden einen Entschluß gefaßt, der auch in der außer-
österreichischen Künstlerwelt Nachahmung verdient. Sie
haben darauf vcrzichtet, in dcr gewohnten Weise archi-
tektonische Pläne mit allen Details auszustatten. Sie
werden in einer Reihe pcrspektivischer Ansichten ein Bild
der baulichen Thätigkcit Wien's seit dcm Zahre 1855
geben und es werden darin auch die vielbesprochenen Pro-
jekte für die Parlamcntsgcbäude Platz grcifen, die an nnd
für sich dcn Wiener Baukünstlcrn ein glänzendes Zeug-
niß geben, und deren Ausführung zwar sistirt, aber nicht
anfgehoben ist.

Die andcrcn Abtheilnngen, Malerei und zeichnende
Künste, werden sich eben behelfen müssen, wie es gcht.
Es werdcn diesmal nicht blos die in Oesterreich lebenden
Künstler vertrcten scin, sondern auch die hervorragendsten
österrcichischen Künstler, welche im Auslande leben. Ans
Nom werdcn Flatz, L. Pollak, L. Mayer, die Bild-
haner Kundtmann und der Ungar Wolf; aus Düsseldorf
Litschaner; ans Brüsscl Dal Acqna nnd Cechini; aus
Münchcn mehrerc Wiener Künstlcr, zumcist aus dcr Schule
Piloty's; auS Carlsrnhc Canon und andere im Ans-
landc lebendc Künstler nnter Ocstcrrcich ansstellen. Nnr

Herr Koller in Brüssel hat es vorgezogen, unter Belgien
und nicht unter Oesterreich auszustellen.

Da es sich um die Vertretung der hervorragendsten
Werke handelt, die seit dem Jahre 1855 von österreichi-
scheu Künstlern geschasfen wurden, so ist eS selbstverständ'
lich, daß auch die Werke der hervorragendsten Künstler,
die seit dem genannten Jahre gestorben sind, in Paris
zur Ausstellung kommen werden, wir meinen vorzüglich
Karl Nahl uud Ferd. Waldmüller. Jst auch die Schluß-
Periode des letzteren Künstlers nicht gcrade die erquicklichste,
so ist doch Waldmüllcr absolut nicht zu umgehen, und
mehrere seinerhervorragendsten Bilder, die seit dem Jahre
1855 entstanden, wird man in Paris gewiß mit Vergnü-
gcn sehen. Nahl's Kunstthätigkeit hingegen ist in dcu
letzteu Jahren in stetcm Aufschwunge begrisfen gewesen
und der Fries für die Vorhalle dcr Ilniversität zu Athen,
der Entwurf zur Orpheus-Sage, die Porträts und an-
dere Werke, die nach Maßgabe des Raumes in Paris zur
Ausstellung kommen könncn, wcrden von der ungewöhn-
lichen Erfindnugsgabe nnd meisterhaften Technik Nahl's
ein glänzendes Zengniß ablcgen.

VenetianerKünstler haben ziemlich viel für die Pariser
Ausstellung angemeldet. Ans Prag bethciligen sich da-
gegen nur weuige Künstler. meist Maler deutscher Nation;
die Czechen glänzen durch ihre Abwesenheit. Die pol-
nischen nnd nngarischen Künstler der österreichischcn Mon-
archie werden ziemlich zahlreich vcrtrcten scin, nud im
Voraus kann man sagen, daß diejenigen ungarischcn
Künstler, welche Schülcr Nahl's und Piloty's sind, ihre
nationale Richtung mehr in dem Gegcnstande, als in der
Kunstform manifcstircn wcrden. Lctzterc ist durchans
vom deutschen Einslusse abhängig. Bci dcn pvlnischcn
Künstlern Ocstcrreichs dürfte dic Neigung hervortrcten,
sich Frankrcich zuni Vorbilde zu nchmen. Der Anzahl
und Bedeutung nach sind die Wiener Künstlcr bei wcitem
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