Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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I. Jahrgang.

ÄertrKge

sind an vr. C. v. Lützow
(Wien, Theresianumg.
25) od.an die Verlagkh.
(Leipzig, Kreuzstr. 8/9)
zu richten.

15. -Zrpt.

Nr. 19.

Insrrate

Ü2 Sgr.für die gespal^
tene Petitzeile werden
von jeder Buch- und
Kunsthandlung ange-
nommen.

1866.

Beiblatt zur Zeitschrist sür üildende Kuust.

Verlsg von L. N. Leemgnn in TetpziF.

DifangS n.Mtttcicdcs Monats cncheint eincNnmmcr rcn cincin lialben bis cincin Qiinitbogcn. Dic Abonncntcii dcr „Jcitschrist fnr bildendc Knnst" crhaltcn
dies Blatt nrnlin. Slpart bczogcn kostct dassclbc IS Sgr. halbjälirlich. Alle Bnch- nnd Knnstbandlnngen wie alle Postämter nehmen Bestellnngen an.
Expeditioncn i in Bcrlin : L. Kachsc» Li>., Hofkiiiistb.iiidlinig; in Wicn: P.Aacser; in Münchcn: L. A. Fl-ischmann.

Jnhalt: Korrespondenzen <Berlin; München). — Nelrolog lHanSbofer).
— Vermischte Kunstnachrichten. — Personalnachrichtcn. — Preisbe-
wcrbungen. — Knnstvereine, Sanimlnngen, Ausstellungcn. — Knnst-
literatur. — Kunsthandel. — Zeitschristen. — Berliner Ausstellungs.
kalender. — Wiener AusstellungSkalender. — Münchener AusstellungS-
kalender. — Düsseldorfer AnsstellungSkalender. — Jnserate.

Korrespondenzm.

Bcrlin, Ende August.

-i- Als ich Jhnen das letzte Mal über die zum Besten
verwundeter Krieger in den Karfunkel'schen Räumen ver-
anstaltete Gemäldeausstelluni; schrieb, waren Ad. Men-
zels Aquarellen soeben erst, und zwar ungünstig genug
placirt, und ich hatte sie bei schlechtem Lichte flüchtig ge-
seheu. Nachdcm beide Mäugcl aber beseitigt, könnte ich
es nicht verantworten, käme ich nicht noch einmal auf diese
großartigen, in ihrer Art eiuzigen Blätter zurück. Ein-
fache Wahrheit des Hergauges charaktcrisirt hier wie
überall bei Menzel das Wesen der Komposition, eine
wirklich ideale Auffassung der Ereignisse und Persöulich-
keiten fiudet sich nicht. Aber in jencr Wahrheit sind die
Blätter (entstanden zwischen 1859 und 1862) groß, und
schwerlich kanu man eiue geistvollere sicherere Behandlung
der Aquarclltcchnik sehcu, als fie uns hier cntgegentritt.
Dic kleinen Köpfchcn sprühcn Leben, die Nebensachen siud
bewundernswerth wirkuugsvoll, die Stufenleitcr der um-
faßteu geistigen Töne bedeutend und gleichmäßig vollendet.

Feruer trage ich dreiPorträts nach. Giacomo Meyer-
beer, sitzeud, fast ganze Figur, von Gustav Richter
läßt durch auffallendc Mißverhältnisse, von deneu
ich mir uicht mehr zu entscheideu getraue, in wie weit sie
dem Original eigeu gcwesen oder auf Rechnung der
Zeichnung oder Anordnung kommcn, nicht jenes reine
Wohlgefallcn aufkommen, das die schöne Malerei zu er-
regen vermöchte. — Joseph Stielcr's L. van Beet-
hoven nimmt als cin Originalporträt, das tüchtige Jn
dividualisirung anstrebt (und erreicht, so weit dics der
Bcgabung des Malcrs möglich war), ei» lebhaftes Ju-

teresse in Anspruch. Leider wird der Eindruck durch un-
vermittelte Buntheit getrübt. — Eine hochbedeutcnde
Arbeit ist aber Lenbach'ck Porträt des Genremalers
Ludwig von Hagn, Brustbild. Der pikante Kopf
tritt so frisch und klar aus dem Rahmen, alle Theile sind
so sorgsam und wirkungsvoll in dunklem Tone gemalt,
daß das Bild augenblicklich fesselt und gewinnt.

Jetzt erst kann ich der Geuremalerei iu ihre reichen
Verzweigungen folgen. Die Klassifikation dieser Bilder
ist uicht ganz leicht, ich versuche es daher nur, die Masse
ein wenig zu ordnen.

Die älteste Gencration, die von deu neueren durch eine
fühlbare Kluft getrennt ist, wird durch drei Gemälde des
Iahrcs 1841 repräsentirt. Karl Begas, „spieleude
Kiuder", drei Mädchen unter ciner Eiche, vom Abeud-
strahl beleuchtet, gemahneu wohl Manchen wie ein Nach-
klang aus süß verträumtcr Iugcnd. Es ist der schou in
der Auffassuug des Sujets, mehr uoch in Farbe uud Licht
erkeunbare Hauch der Romautik, welcher dem Bilde zu-
gleich dcu Charakter des Anheimeludeu uud des lleber-
wuudenen verleiht. — Viel näher steheu uns schon Iakob
Becker's „Abschicd des Nekruten" und „Heim-
kehrender Kriegcr." Dic Einkehr iu's wirklichc Leben,
hier zunächst uoch in seiner uaivsten Ofsenbarung ergriffeu,
kennzeichnet den Begiun eines neuen Kunstpriucips, des
Realismus, deu wir dcun unter den Folgendcn, bis auf die
Jüngsten, iunegehalten findeu. Die Darstellungsweise
ist noch etwas befaugen, doch der richtige Mittelpunkt, das
Gemülhsleben, scharf und wahr betont.

Hicran reihe ich zunächst diejenigeu, wclche gleichfalls
die Naivetät der Lebeusäußerungeu zum Licbliugsgegcu
stande erwählt haben, dieselbe aber vorzüglich im Kreise
der Kiuder aufsucheu. Jhr ältester Vertreter, durch deu
wounigen Reiz sciner blondcn, überaus delikatcn Kinder-
köpfchen, durch die gemüthsvollc Licbcnswürdigkeit sciner
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