Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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so ein schön geätztes Modell einer Rüstung zum Fußkampf, j
14 Zoll hoch (Ambraser-Sammlung, 100 Fl.), ein iu
Gold montirtes persisches Eßbesteck mit den reichsten, ge-
schmackvollsten Ornameuten (311 Fl.), feine Vikux-Iuipus-
Arbeiteu, endlich mit reichem Schnitzwerk oder eingelegter
Arbeit geschmückte Kästchen.

Die für Wien epochemachende Versteigerung ergab ein
Gesammterträgniß von nahezu 70,000 Fl. Leider hat
die österreichische Hauptstadt dadurch eine ihrer ausgezeich-
netsten, für das kunstgeschichtliche Studium jedenfalls ihre
lehrreichste Privatsammlung verloren. E. v. S.

Korresporldenzerr.

Bcrlin, 12. Fedruai.

x Drei, bei der engereu Koukurrenz zur Aus-
schmückung des Schwurgcrichtsaales in Elberfeld,
eingereicbte Entwürfe von A. Baur, G. R. Elster und I
Stürmer, waren unläugst im Akademiegebäude ausge-
stellt. Es erregte allgemeine Verwunderung, daß die
Kommission sich zu Gunsten des Baur'schen Projektes
cntschiedeu, das allerdings Taleut zeigt, aber gegen welcheS
sich dennoch sehr gewichtige Einwendungen machen lassen. ^
Baur hat das jüngste Gericht zum Gegenstand gewählt, j
was praktisch gerechtfertigt ist, weil e§, allgemcin ver- !
ständlich, seiue Wirkung nicht verfehlt. Von dem, was !
man gewöhulich bei dieser Darstellnng sieht, weicht
Baur, wohl um nicht zu katholisch zn sein, erheblich ab. !
Aber die Art, wie der Künstler dabei verfährt, leidet an
großer Unklarheit des Gedankens. Rechts von Christus, ^
welcher sehr typisch aufgefaßt ist, kuiet Gabriel, flehcnd
als Engel der Gnade, links steht Michael, als Engel der
Strafe, mit erhobeucm Schwert. Auf der Seite des
Gabriel siud die bußfertigen Sünder dcr Bibel, Adam,
David, Magdaleua, der verlorenc Sohn, welcher dic
Versöhnung mit scineni Bater auf ziemlich uupasseudc
Weise bei Gelegcnhcit des jüngsten Gerichtes feiert, zu
seheu; auf der Seite des Michael bemerkt mau verschiedeue
Vcrdammte, welche Mord, Uuzucht, Diebstahl u. s. w. i
darstclleu sollen; gewiß cine schr schiefe Gegeueinauder-
stelluug. Ueber den beideu Gruppen erblickt maii außer-
dem die hier sicherlich sehr unpassend angebrachten Schächer
ain Kreuz, der eiue von Engeln losgelöst nnd eine uner-
träglich schwimmende Bewcguug gegen den Heiland
Machend, der andere sich uuter den Tcuseln krünimend,
die ihn ergreifen. Der Küustler ist in den Fehler ver-
sallen, welcher jungcn Talenten naheliegt, nämlich zuviel
z» geben. Tüchtigkeit in der Formgebnng, Kraft in der
Farbe uud niauche auderen Vorzüge könuen ein durchaus
nnrichtig gedachtes Bild nicht zu einem gelnngenen machen.
Merkwürdig ist nanientlich wie wenig die Aussassnng des !
Malers gcrade für die besondere Bestinimung paßt. Wir
sehen kein Gericht, welches verurtheilt und freispricht,

sondern der Verdammung der Schuldigen ist die Begua-
digung der Reuigen, die aber gleichfalls Schuldig sind;
entgegengesetzt. Solch ein Bild würde vielleicht sür eine
Kirche passen, da nach kirchlicher Anschauung die Meuschen
allzumal Sünder sind, aber nimmermehr für den Saal
eines Schwurgerichtes.

Die Skizze von Elster niacht schon dadurch einen
weit befriedigenderen Eindruck, daß der Maler die mäßig
hohe aber sehr breite Wandfläche, welche Baur im Ganzen
benutzt hat, architektonisch eiuzutheileu wußte. Auch er
will Gott als höchsten Nichter zeigen, aber nicht am Endr
aller Tage, sondern im irdischen Gericht selbst, durch
welches er seinen Willen offenbart. Einer der Nichter ist
vorgctreten und bricht den Stab über den Schuldigen, der
nuu auch iunerlich zusammeubricht, währeud der losge-
sprochene llnschuldige seiner jubelnden Familie zurückge-
geben wird. Christus zwischen Engeln erscheint in der
Höhe. Befände er sich in einer Lünette, für welche hier
in Folge der architektouischen Bediugungen kein Naum ist,
so ließe sich nichts dagegen einwenden. So aber hat man
llrsache zu fragen, weshalb uns das als ein Transcen-
dentes vor Augen gestellt wird, was sich immanent in dem
Vorgange selbst aussprechen soll, und das auch thut. Man
kann zur Entschuldiggng nur auführeu, daß der Künstler
diese Erscheinung wegen der biblischen Nebenbilder
braucht, welche iu dcr Vertreibung aus dem Paradiese
die göttliche Strafe, im verlorenen Sohn die göttliche
Gnade, dem göttlichen Gericht an die Seite stellen. Das
Mittelbild ist vielleicht in manchen Zügen zu theatra-
lisch; soust verdieueu die K'larheit der Anordnüng, die
Schönheit der Komposition, dcr Adel in deu Linieu
große Ancrkeunuug, so daß der Spruch der Koiuiliission
uns unbegreiflich scheint. Abcr man ist bci Konkilrrenzen
derartige llnbegreiflichkeiten schon gewohnt.

llnter den neuen Arbeiten einheiniischer Künstler, dlc
in jüngster Zeit auf hiesigen Ausstellungcn zu sehen
wareu, hat wohl nichts so sehr Aufsehen gemacht als zwci
Affen-Bilder von Paul Meyerhcim, Bauket nnd Ge-
richtscene; die auf seltener Kenutniß bcruhende unvergleich-
liche Charakteristik der Thiere, mit Hunior gepaart, sowie
dic Kraft der Färbuug, welche uichts Anderes ueben sich
bestehen ließ, bilden ihre Vorzüge. Sie wurden bei Lepke
ausgestellt, wo auf kurze Zeit auch ein Genrebild vvn
Krans, junge Damen bci einer Bisite, zu sehen war,
das zu seinen feinsten und geistvollsten Arbciten gehört.

Jn Sachse's Ausstellung verdient namentlich ein
weibliches Bilduiß, Kniestück, von Adalbert Begas
Beachtung, der erst in letzter Zeit als Maler hervortrat,
durch Copien nach venetianischen Bildern, wie durch meh-
rere Bildnisse ein gründliches Stndium der alten Meister
bewies, aber mit diesem neneii Werke die srüheren übertrisst
iind ncben dergünstigen Einwirkuugseiner Vorbilder gleich-
zeitig eine größere llnabhängigkeit gegen dieselben zeigt.
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