Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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I. Jahrgcmg.

Nr. 17.

Äeitrnge

sind an 1)r. C. v. Lntzow
(Wicn, Theresianumg.
25) od.andieVerlagt-h.
(Lcipzig, Kreuzstr. 8/9)
zu richten.

10. Äug.

Insrrntr

K2 Sgr. fiir die gespal-
tene Petitzeile werden
von jeder Buch- und
Kunsthandlung ange-
nommen.

1866.

Beiblatt znr Zeitschrist snr üildende Kunst.

Vcrlgcx von L. A. Lcrmann tn TcipziA.

.'unaiigs n.Mittc icdes Monats crscheint eincNnmmcr von cincm l'all'cn l'is eincm Qnartl'ogcn. Die Al'onneilten der „Zeinchrift fnr l'ildende Knnit" erl'alten
dics Blatt xrriti». Aparl bezogcn fostct dasselbc 15 Sgr. ball'iäbrlich. Me Bnch- nnd Knnitbandlnngen wie alle Poitämtcr ncbmen Beitcllnngcn an.
Exveditionen : in Berlin: s. Sachsc ör Lo., Hofknnstbandlnng; in Wien: P.Kacser; in München: E. A. Fleischmann.

Jnhalt: Die nationale Porträt-Ausstellung in London von A. Woltmann
(Tortsetznng). — Korrespondenz: Berlin. — Nekrolog (Watelel). —
Lermischte Kunstnachrichten. — Personalnachrichten. — Preisbewer-
bungen. — Knnstvererne, Sammlungen, Ausstellungen. — Kunft-
handel. — Berliner Ausstellungskalender. — Wiener Ausstellungs-
kalender. — Diünchener Ausstellungskalender. — Düsseldorfer Aüs-
stellungskalender. — Lriefkasten. — Berichtigungen. — Jnserate.

Die mrtionale Norträt-Äusllellmig in London.

Von Aksrcd Wottmann.

(Fortsetzung.)

Alle die Bildnisse, welche Euglands größten Genius,
nicht nur jener Epoche, sondern aller Zeiten, William
Shakspeare, darstellen, sind künstlerisch keine Meister-
werke. Dennoch ist namentlich eines darunter im höchstcn
Grade interessant. Es ist der sogenannte Chandos-
Shakspeare, so genannt, weil er eine Zeit lang im
Besitz dieser Familie war. Bis auf die Zeiten Shakspeare's
läßt sich das Porträt verfolgen. Zucrst besaß es der
Schauspielcr John Taylor und entweder dieser oder
Richard Burbage soll es gemalt haben. Taylor ver-
machte es dem Sir William Davenant, aus dessen
Nachlaß kaufte es der Schauspieler Betterton, nach
Bettertons Tode Mr. Keck. Von dieseni erbte es Mr.
Nicholls, durch den es an seinenSchwiegersohn James
Herzog von Chandos kam. Jn diesem Hause blieb es,
bis cs cndlich auf der Auktion in Stowe im Jahre 1848
vomEarl of Ellesmere gekanftundvondiesemspäterhiu
der National Portrait-Gallery geschenkt war. Der Kops
ist in Verviclfältiguugen bekannt. Shakspeare trägt cinen
einfachcn schwarzen Rock, über den ein breiter weißer
Kragen fällt, und hat goldene Ohrringe. Und wenn er
auch kcinen Holbein fand, der bis in die Tiefe seines
Wesens zn dringen wußte, so sprechen dennoch die sreie
Stirn, dic klaren Augcn und fcinen Lippen deutlich auS,
wer er ist.

Der nächsten Periode seien nur wenige Worte ge-
widmet, da weder die dargestellten Personen, noch die
Hände, die sie darstellten, in dieser bcsonders interessant
sind. Die Niederländer C. Jansen, G. Honthorst und
van Sommer fanden am Hofe Jakob's I. Beschäfti-
gung. Vom ersteu ist sein eigenes Bildniß besouders be-
merkenswerth. Vom letzten wollen wir das des Lord-
Kanzlers Bacon von Verulam, des Philosophen,
Naturforschers und Verfassers des „Novnm Oi^rmum"
nennen. Stattlich, in voller Amtstracht steht er da, der
beobachtende Sinn spricht sich in dcr Bildung der Stirn
nud im Charakter des Auges aus. Das Porträt ist noch
iin Besitz der Familie. Auch das von unbekannter Hand
herrührende, vom Earl of Clarendon gclichcne Bild-
niß des Dichters Fletscher verdient Beachtung.

Einen glänzenden Eindruck macht auf der Ausstellung
die Zeit Karl'sl., welchemitderjenigenHeinrich's VIII.
die klassischc Periode der Porträtmalerci Englands bildet.
Karl, mit Liebe und feincm Geschmack für die Kunst be-
gabt, besaß eine der herrlichsten nnd gewähltestcn Samm-
lungen, welche es je in der Welt gegeben. Dabei zog er
auch die lebenden Künstler heran. Sein Versuch, den
größten Meister seiner Zeit, Peter Paul Nubens,
dauernd an sich zu fesseln, gelaug zwar nicht, doch stand
ihm der Künstler stets persönlich uahe, hat den Festsaal
von Whitehall ausgemalt und auch sonst noch niauches iu
Engländ geschaffen. Auf der Ausstellung sinden sich denn
auch zwei treffliche Bilder von Rubens vor. Eins ist
das Porträt der Charlotte de la Trcmouille, die
aus einer Huguenottenfamilie stammte und init dem Earl
os Derby vermählt war. Sie ist berühmt wegcn ihrer
heldenmüthigen Vertheidigung von Lathom-Honse in
den Bürgerkriegen. Zwei Belagerungcn hielt sie hicr aus,
später war sie genvthigt, die Jsle of Man, wohin sie
sich zurückgezogen hatte, zu übergeben, aber sie war die
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