Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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Beiblatt zur Zeitschrist sür bildeude Kunst.

I. Jahrgang.

Sritrrige

sindanvr.C. v. Lützow
(Witn, Theresianumg.
25) od.andieBcrlagöh.
(Leipzig, Kreuzstr. 8/9)
zu rictzten.

Nr. 18.

Änsrratr

d2 Sgr. für die gespal-
tene Petitzeile werden
von jeder Buch- und
Kunsthandlung ange-
nommen.

27. Äugust.

1866.

VerlgF von L. A. Lermgnn !n TeipziT.

Anfangs u.Mittejcdcs Monats crsckcint cincNninmcr von cineni balbcn l'is cinem Qnartbogcn. Dic Abonncntcn dcr ..Zcitschrift fiir bildcnde Kunst" crhalten
dies Blatt xrnt.i8. Apart bczogcn koi'tet dassclbc 15 Sgr. kalbjäbrlich. Alle Bnch- nud Kunstbandlungen wie allc Postämter nebmen Bcstellnngcn an.
Expcditioncn: in Berlin: L. Sachsc » Lo., Hofkunsthandlnng; in Wien: P.Kaeser^ iu München: E. A. Fleischmann.

Jnhalt: Die nationale Porträt-Ausstellung in London von A. Woltmann
(Schlusi). ^ Korrespondenz: Nom. — Bermischte Kunstnachrichten. —
Knnstvereine, Sammlungen, Ausstellungen. — Kunsiliteratur. —
Zeitschriften. — Neuigkeiten dcr Kunstlitcratnr. — Neuigkeiten desKunsi-
handels. — Berliner Anssiellungskalendcr. — Münchener Ausstel-
lungskalender. — Berichtigungen. — Jnserate.

Die nationale Porträt-Änsstcllung in London.

Von Akfrcd ZSottmann.

(Schluß.)

Weniger die Känipfe nnd Stürnie der Zeit als viel-
mehr ihre glänzende Anßenscite haben wir in seinen übri-
gen Werken, welche die Ansstellung enthält, vvr Augen.
Uns tritt der schiinmerndc Hos und das bunte, leichte
Leben, das sich dort entfaltete, entgegen. Jndem er uns
die schönen Frauen nnd stattlichen Männer dieses Hvses
schildert, erscheint van Dyck recht eigentlich als das, was
cr ist, als dcr Maler der vvrnehmen Welt. Vornehm
sind scine Gestalten in ihrem Sein und Gehaben, in jeder
Bewegung des Körpcrs nnd jcder Geberde der Hand. Er
ist dcr Maler der Stände, denen das Leben leicht und
bequem ist. Das ist aber das Grvße an ihm, daß bei all
jener Eleganz, die ihm eigen ist, diese doch niemals ein-
seitig vorwaltet, sondern Kraft und Charakter ihr stets
das Gegengewicht halten. Das schönste aller übrigen
Gemälde ist das große, dem Earl of Spencer gehvrige
Bild, welchcs, in ganzen Figuren, Gevrge Digby, Earl
of Bristvl und William, Earl of Bcdfvrd vorstellt.
Der erste ist als späterer Staatssekretär Karl's II. bekannt,
verlor aber scin Amt durch seincn Uebertritt zur katholischen
Kirckie. Der zweite ist der Vater des freisinnigen Staats-
mannes Lord William Nussell, der einheftigerGegner
der Stuart war und, auf falsche Anklage, im Iahre 1683
enthauptet ward. Beide sind hier im frühesten Jünglings-
alter abgebildet, George schwarz, William roth gekleidet i
ihnen zu Füßen Waffcn, Bücher, ein Himmelsglobns.

Mit seltener Anmnth sind diese schönen, jugendlich frischen
und dabei so eleganten Gestalten aufgefaßt.

Auch das Bild eines anderen PaareS, vom I. 1635
und aus der Sammlung zu Windsor, ist interessant:
zwei Dichter, Thomas Carew und William Killi-
grew, die beide am Hofe Karls I. lebten. Carew, der
Aeltere, liest ein Gedicht vor, Killigrcw, hort aufmerksam
zu, das bloude Haupt in die Hand gelehnt. Den berühm-
ten Architekten jener Zeit, Jnigo Jones, zeigt eine kleiue,
gran in gran gehaltene Skizze, welche der Oberstleutenant
Jnigo W. Iones, wvhl ein Nachkvnune, besitzt. Breit
und bequem sitzt cr da, ein schwarzes Mützchen auf dem
Haupt, ein Papier in der Haud. Kräftig uud schwer, wie
in seineu Bauwerken, ist er in scinein Weseu, das Gesicht
ist durch das stark vortretendc Kinn nnd das entschieden
blickende Auge benierkcnswerth.

Ebenfalls noch ciueiii Nachkommcn dcs Hauses gehört
dasFamilienbilddesSirKenelm Digby, derHofmann,
Staatsmann und Gelehrter war uud wegen scincr grvßen
Körperkraft bekaunt ist. Er ist ein junger, ziemlich wohl-
beleibter Maun; ein Himmelsglobus steht ncben ihm.
Znr Seitc sitzt, mit ihren beiden hübschen Knaben, seine
Gattin Lady Venetia Digby, eine schönc, vvrnehme
Frau. Nicht ungestraft war sie mit so großen Reizen aus-
gestattet; die Verläumdung snchte ihren Nnf anzutasten,
aber sie triumphirte über diese. Das verherrlicht ein
großes allegorischcs Porträt van Dyck's anS der Samm--
tnng in Windsorcastle. Sie sitzt in prächtigem, halb
idealem Kostüm da, in ciner Hand einc Schlange, in der
andern eine Tanbe, anzudeutcn, daß sic mit der Klugheit
jener die Unschuld dieser vereint. Die Verläumdung mit
ihrem Jannskopf ist gefcsselt, dic Däiuonen der vcrwerf-
lichen Liebe liegen ihr überwunden zu Füßen, während sic
von den Genien der wahrcn Liebe bckränzt wird. An-
sprechender als diese gespreizte Allcgorie ist cin drittes,
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