Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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Nr. 9

I. Jahrgang.

Gritröge

sind anOr. C. n. Liitzow
<Mi!n,Be>'gstr.I4) oder
an die VcrlagShandlung
lseipzig, Kreuzstr. S,'S>
zu richten.

28. Äpril.

Insrrate

->2Sgr.siirdiegespal-
tene Petitzeile werden
von jeder Buch - und
Kunsthandlung ange-
nommen.

1866.

Bciblatt zur Zcitschrist snr liildciidc Kimst.

Vcrlag von L. A. Scemaiin tn Lcipzig.

dws Biai. rrnrm.^Avar.^ogen m p. Aa.s.r; Munchen. «. A. Fi.ischmann.


Exv- oSSSNSSDSSSSSS«



Jnbalt: DaS neue Nationalmuseum im Bargello zu Florenz. — Kor-
reivondenzen sBerlin; Miinchen). — Nelrologe lFischer; Sckeuchzer).
— VermischteKunstnachrichten. — Personalnachrichten.— Knnstvereme.
Sammlungen, AuSstcllungen. — Kunstlitcratur. - Kunsthandel. -
^eitsckriften. — Kcitaloge und Geschaftsberichte. — Berlmer Ausstel-
lungskalender. — Vlünchener Ausstellungskalender. — Jnserate.

Das neue llationalmusenm im Largello ;u
Floren).

Wir habeii kürzlich von derUebersiedelung eiiies Theiles
der Uffizien-Sammlung in den sogenannten Bargello,
eigentlich Palazzo del PodestL, zu Florenz berichtet. Die
eben erschienene siebente Nunimer der „Mittheilungen des
österreichischen Museums" bringt nun über diese höchst
interessante neu entstandene Sammlung aus der Feder
des Hrn. A. v. Zahn einige nähere Details, welche wir !
unsern Lesern in Kürze reproduciren wollen.

Das Mnseum des Bargello besteht seit der Dante- ^
feier vorigen Jahres und hat, nach Analogie des Kensing-
ton-Museums und der diesem nachgebildeten Wiener An-
stalt, den Zweck, die Masse der bisher verborgenen oder
ungenügendaufgestelltenKunstschätze im BesitzedesStaates,
der Korporationen und Privaten, besonders Werke der !
Kunst und KUnstindustric des Mittelalters und der Re- !
uaissance, der öffentlichen Benutzung möglichst zugänglich
zu machen.

Es giebt in der That zu einer solchen Bereinignng von
Kniistdcnkinalen der Vorzeit keine passcnderen Räumlich-
keiten als die weiten Hallen dieses Palastes mit seineni
von Bogcngängcn umzogencn Hof, in dem eine malerisch
angelegte Frcitreppc zu dcn reich mit Wandmalereien ge-
schniückten Räiimcn des Obcrgcschosscs cmporführt. Die
während dcr letztcn Jahre durch Franc. Mazzei und
Ferd. Segoni ausgeführtc Restauration des Gebäudcs
^arf in jeder Beziehung niusterhaft genannt wcrden. Dies >
gilt vorzugsweise von der malerischen Dekoration, deren

ergänzte Theile genau nach dem gedämpften Ton der er-
haltenen Reste gestimmt und mit ciner durch bräunliche
Milchfarbe crzeugten künstlichen Patina versehen sind,
welcher selbst die nachgemachten Sprünge und Risse nicht
fehlen.

Jn den Hallen des Erdgeschosses werden alle größeren
Skulpturen aus den aufgehobenen Klöstern, zerstörten
Palästen u. dergl. aufgestellt. Unter den bisher dort be-
findlichen Werken sind namentlich zwei Brunnenschalen
und ein großesRelief von Giov. Andr. della Robbia
hervorzuheben. — Der große, durch beide Stockwerke
reichende Saal des Consiglio, dessen gewaltige Höhe Naum
für vier Geschosse von cingebautcn Gefängnissen bvt, soll
den kolossalen David Michelangelo's anfnehmcn,
währcnd an dessen Stcllc vor dcm Palazzo vccchio eine
Bronzekopie tritt. — Jm Hauptsaal des ersten Stock-
werkes sindct man sodann dic kostbarcn Majolikcn aus
der Erbschaft dcs Hauscs della Novera (ehemals im
Kabinet der Gemnien in dcn Uffizien), ncbst andercn Ma-
joliken aus den Sammliliigen W. Spcnce und March.
F. di Brcme, sowie verschiedenc Terrakotta-Modclle v.
Verrocchio, Michelangclo (?) u. A. — Unmittclbar
an diesen Saal stößt die scit 1841 von ihrer Tünche be-
befreite Kapelle mit den berühmten Wandmalereicn des
Giotto. Hier haben mehrere gcstickte Meßgewänder
und reichverzierte Bischofsstäbe ihrc passendc Ailfstcllnng
gcfunden. — Dcn an den Hanptsaal anstoßenden Wacht-
saal nchmeu die Saminlungen von kleincn Mctallgeräthen,
Eisenarbeiten und Gläsern dcs I)r. M. Guastalla, fer-
ner eine Reihe von Bronze-Medaillen und kostbare, mit
Elfenbein und Metall eingelegte Schränke ein. — Das
daranf folgende Eckzimmer cnthält ein ans dcm Dom von
Ecrbone stammcndes iinifangreiches Glasgemälde des l 6.
Jahrhunderts. — Den reichstcn Genuß aber gewährcn
die im zweiten Sitznngssaal aiifgcstcllteii moderncii Bronzen
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