Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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I. Jahrgang.

Gritrü'gc

Mid-mvr.C. v. Lützvw
iWiin, Beigstr. 14) oder
a» die VerlagShandlung
lfeipjjg, Kreiizslr. 8/S)
zu richten.

13. April.

Nr. 8.

Iiisrrate

»2 Sgr. für die gespal-
tene Petitzeile werden
von jeder Buch- und
Knnsthandlung ange-
nommen.

1866.

BeiLlatt zur Zeitschrist für Lildende Kuust.

Verlag von L. A. Leemann tn TeipAiN.

Ailfangs u.'Mitte jedes Monats crscheint eincNummcr vo» eincm lmlt'cn bis cincm Qnartbogcn. Die Abonnentcn tcr ,,-jeitschrift fnr bildende Knnst" crhalten
dies Blatt xrrrHn. Apart bezogcn kostet dasselbc l'» Sgr. balbjabrlich. ?llle Bnch- nnd Knnstbandlungen mie alle Postamtcr nebmen Bestellnngen an.
Expeditionen : in Berlin: L. Sachse L Lo., Hosknnstbandlnng; in Wien: V.Kaeserj in München: <L. A. Fleischmann.

-^nhalt: Ein Curiosum aus dem Pariser Knnsthandel. — Korrespon-
denz (Dresden; Schluß). — Dermisckle Kunstnachrichten. — Personal- /
nachrichten. — Kunstvereine, Sammlungen, Ausstellungen. — Knnst-
literatur. — Kunsthandel. — Zeitschriften. — Nenigkeiten der Kunst-
literatur. — Wiener Ausstellungskalender. — Münch'ener Ausstellungs- ^
kalender. — Jnserate.

Ein Lnriosum nus dem pariler üunkhandcl.

Paris, Ende März.

L. k'. Die Versteigerung der Galerie d'Espagnac,
über welche Sie mich nm einen kurzen Bericht angehen,
ist eine jener schillernden Seifenblasen, deren das Pariser
Lebcn und Treibcn nur zu viele hervorbringt und die,
kaum geboren, wieder in der Luft zerplatzen. Ein wahr-
heitsgetrcuer Bericht übcr einen solchen Vorfall ist weder
ein leichtes, noch ein dankbares Geschäft, und kein ein-
ziges Pariser Blatt hat denselben zu geben gewagt oder
für gut gefunden. Alleiu dem dcutscheu Leser gegenüber
wird ein solcher allerdings beinahe zür Pflicht, indem ja
der Lärm, der um diese Sammlung gemacht worden, —
frcilich ein künstlicher und bezahltcr Lärm, — in den
Augen derer, dencn die eigene Anschauung nicht gegönnt
war, nnd die da nicht wissen, bis zu welchem Grade in
solchen Dingen hier gewissenlos verfahren wird, diese
Sammlung an dcr Spitze aller französischen, ja euro-
päischen Privat-Sammlungen stehen müßte. Zählt ja
boch das im Ganzen 266 Nummern starke Verzeichniß
beispjelsweise 7 Raphael's, 7 Correggio's, 6 Tizian's,
4 Andrea's dcl Sarto, 7 Paul Vcroncse's, 3 Giorgione's,
7 Güido Reni's, 7 Claudc Lorrain's, 5 Murillo's,
4 Nembrandt's, 3 Hobbema's, 6 Ponssin's u. s. w. auf!
>1a, wärc nur der vierte Theil der Benennungen und der
Lobeserhebnngcn wahr, welche der hochadelige Bcsitzer
in diesem, von ihm selbst vcrfaßten, aber untcr der Firma
bl- Laneuville in die Welt gcsandten Katalog dem gedul-
bigen Papicr übcrgeben, so wäre wohl ohne allen Zweifel
ber Erfolg dcr Pourtalös-Versteigerung in dcn Schatten

gestellt worden. — Es ist mir von jeher als eines der
schwierigsten psychologischen Räthsel erschienen, daß eine
solchc handgreifliche Verblendung, eine Monomanie der
ausgesprochensten Art, wenn auch kcineswegs so harmlos
wie man glauben könnte, bei sonst ganz vernünftigen, ja
in ihrer Art ausgczeichneten Männern stattfindcn könne,
sie ist mir auch schon bei berühmten Philosophcn, ja bei
Alterthumsforscheru vorgekommen. Jn dem vorliegen-
den Falle nun trisft Alles znsammen, um die Sache zu
einem fast nnbegreiflichen Phänomen zu machen. Der
nahezu 80jährige Besitzer ist unter alten Bildern nufgc-
wachsen, hat von jeher und aus Neigung Umgang mit
Künstlern gepflogen, hat seit etwa 45 Jahren selbst ge-
sammelt, hat als Besitzer des Schlosses Sasfnolo bei
Modena manches Gute, was dort seit den Zeiten der Ent-
stehung aufgehäuft gewesen, auch sonst von sciner Familie
manches werthvolle Bild, besonders ans der französischen
Schule, überkommen, und hätte somit bei mäßigem Glück
und Verständniß und mit verhältnißmäßig geringcm Anf-
wand seine Galerie zu einer den Namcn vollkommcn ver-
dicnenden Bedeutung erheben können, weun ihm nicht, —
und darin liegt das ganze Geheimniß — das Auge von
jeher gefehlt hätte, wenn er nicht, vom Verkchr mit an-
deren erfahrenen Sammlern sich gänzlich abschließend,
mit Hintansetzung jeglichen wohlgemeinten Rathes, auf
eigene Kenntniß vertrauend, das Gute, das er überkom-
men, in unwürdigcr und uichtssagender Umgebnng fast
ertränkt hätte. Und doch hatte es ihm an Warnungen
und bittereu Erfahrungen nicht gefehlt. Einc vor ctwa
18 Jahren unternommenc erste Verstcigerung wurde nach
Bcrlauf ciner halben Stunde von dem anfgcbrachten
Eigenthümer gewaltsamer Weise unterbrochen und das
versammelte Publikum unsanft entlassen. Dicscs Mal
nun wurde mit dcnsclben odcr ganz ähnlichcn Elcmenten
dcr mißglückte Versnch wiederholt, und um den Erfolg zu
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