Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

Page: 153
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1866/0153
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
I. IahWilg.

Nr. 23 u. 24.

üritrnge

Znftrate

sind a» I>>. (5. v. Lsihow
<U1icn, Thcrcsiamimg.
25) vd.midieVcrlagch.
(Leipzig, Kreuzstr. 8ft)
zu richteu.

-i2 Sgr.sür die gcspal-
tcue Pctitzcile wcrden
Von jeder Bnch- und
Kiiiisihmidlung ange-
nominen.

17. tloiitiiib.

1866.

Beivlatt zur Zeitschrist sür üildeude Kuust.

Vcrlag tion L. A. Leemaiiii tu Lctiizig.

AnfangS u.Miite jcdes Mi'natS cischcinl eiiieNmiinicr I'VII cinelii lnill'cn l'is cincin Onaitbi'gcn. Dlc 'lll'i'nncntkn dcr „gcitschiift fiir l'ildcndc Ilniist" kichalicn
dikS Blait izrnlii. Ai'art l'czvgcn kvstci daffclbc 1ä Lgr. ball'jäbrlich. SUIc Bnch- nnd .llnnstliandlnngc» wic alle Pi'stänitcr »cl'incn Bcstcllnnge» an.
(kxi>cditil'ncn i in Bcrlin: L. Kachsc » Lv., Hi'fknnslhandlnng; in Wicn: V.Aacscr; in Müncheii: «1. A. Fliischinanii.

Jnhalt: Miiiichcner AvfforiSnien. — Korrcsvvndenzcn (Weimar; Lü-
bccl). — Nckrvloac lNambvux; Scidlcr). — Vermischte Knnftnachrich-
ten. — Pcrsonalnachrichtcii. — Knnstoereine, Sainmlungen. Ausstel-
inngen. — Kuiisthandel. — Zeitschristen. — Neuigkciten dcS Kunst-
hanhcis. — Bcrlincr AiiSstelllliigSkalendcr. — Wiener AuSstellungS-
kalcnder. — Diisseldorfer AiiSfiellungSkalendcr. — Berichtigungen.
— Jnserate.

Münchener Äphorismcn.

Von Ä. Hcicheoin.

Miffliche Lage dcr Äiinstkritik. — DaS Dcnknial siir .stvnig Max ll. und dcr
Nklie Fischl'rnnncu. — Kleine Beilräge zn gewisscn schwebenden Fragen. —
Zninbnsch LanrcatuS. — WaS Michelangelo übcr dcutsche tlunst sägt.

Die Knnstkritik dcr Gegenwart ist nnn cinmal in der
fatalen Lage, beständig zwischen zweierlei Standpunkten
hin nnd hcr gctricl'cn zu wcrdcn. Entwcder wir schlagcn
nns modcrnen Knnstcrscheinnngen gegcnübcr allc Herr-
lichkeit von chcdem, Griechenland nnd Jtalien aus dem
Sinn: — dann hat dic Kritik ihren guten Tag. Sie
mißt die zeitgcnossischcn Prodnktioncn lediglich nnter-
cinandcr, kann gerecht nnd darf sogar billig scin; denn
gcgcn jcde Zndringlichkeit kunsthistorischcr Anklagen hat
sie kiiltllrhistorischc Entlastungszeugen zur Hand nnd cS
ist wohl gcthan, sich ihrer zu bcdicncn; imsere Knnstlcr
habcn cs ja nicht vcrschuldct, daß jetzt nicht die Zeit dcs
Periklcs nnd das ncnnzchntc Jahrhundcrt nicht das sechs-
zchntc ist, sie wollen mit dcm Maße ihrer Zeit gemcssen
sein. Oder dcm Rcchte dcr Lebenden stcllt sich plötz-
lich wiedcr im kritischen Gewisscn die Pflicht cntgcgen, die
klassischcn Borbildcr nicht zn vcrgesscn; — dann drängt
nns das cwig Bollendctc cincn absolutcn Maßstab auf
nnd cS hat dic böse Stundc dcr Kritik gcschlagcn, alles
Modcrnc ist ihr mchr oder wcnigcr vcrbittcrt nnd cs setzt
dcrbc Lcktioncn. Bcidc Standpnnkte bcrnhcn auf Recht
nnd Pflicht. Was bleibt ttbrig als sich abwcchsclnd bcider
zu bcdicncn? Dieß ist srcilich der Wcg, cs schlicßlich
Nicmand rccht zn machen nnd mit Allen zu vcrdcrbcn,
hat abcr doch dcn Bortheil, wcnigstcnS nicht langwcilig zn
werdcn. Vnrintio lleleotnt!

Wollten wir nun an die jiingst in Nliinchen auSgc-
stclltcn Konknrrcnzarbciten fiir das Dcnkmal König Maxi-
milian's II. mit dem absolntcn Maßstabe allcin heran-
trctcn, so wiirdcn wir nns wohl zn dcm Bckcnntniß
genöthigt schen, daß dic monumentalc Plastik dcr Gegen-
wart schon darnm anf keiner sehr hohen Stnfe stchc, wcil
nnscre Bildhaner, wie Kenner mit Nccht bci dieser Gc-
lcgenheit bemcrktcn, zn wcnig architcktonischcn Sinn habcn,
nm im Gesammtban ihrcr Dcnkmalc gliicklich zu scin.
Kollaboration von Architektcn nnd Bildhanern ist gesähr-
lich, wic Fignra in mehrcren Bariantcn zeigtc. Fcrner
bcgegnctcn wir auch bci dicsen Modellen wicdcr der oft
bewährtcn dcutschen K o m poni r w nth. Wir sahc» kom -
plicirte Grnndbauten, gcschmiickt mit zahlreichcn Fignren-
Grnppen nnd gedankenreichen Reliefs, weitläufige Konccp-
tionen, welche bei allem Aufwand an Mitteln doch keinen
rcchtcn Gesammtcindrnck von Größe crziclten. Vicles
bringcn hcißt nvch langc nicht reich scin. Dagcgcn könncn
Einfachheit in dcr Konccption, Beschcidenheit im Stosf-
aufwande, viel chcr dcn Eindrnck vvn Reichthnm hcrvor-
bringcn, dcr vor allcm andcrn anf der Klarheit nnd
Ueberschanlichkcit der Gesammtform nnd ihrcr wahrhaft
großen d. h. cbcnsowvhl schwungvoll lcbendig, als kttnst
lcrisch maßvoll bewegtcn Profilirung in allcn ihrc» An-
sichten und Verschiebnngen beruht. Aus cbcn diescm
Grnnde nahm nns dcnn auch dasMvdcll vonZnmbnsch
auf dcn erstcn Blick vor allcn andcrcn fiir sich cin
und bewährte dcn crsten Eindruck im Gauzcn anch bci
wicdcrholtcr Betrachtnng.

Zumbusch hat wirklich dcn bestcnWurf gcthan. Dic
Ordonnanz seincr siinf Fignrcn ist cinfach, faßlich nnd
flicßend, nnd zcigt so zicmlich nach allcn Seitcn die bc-
deutendsten Silhonettcn. Er hat mit dem geringsten
Aufwand von Mitteln das Mcistc crrcicht. Mit
dieser Ancrkcnnnng sind wir nnn frcilich schvn anf den
loading ...