Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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Nr. 44. Theod. Hosemann, Berliner Saiidfuhrlente.
146 Thlr.

Nr. 45. F. Jngenmey, Traum-König und sein LieL (nach
Geibers Gedicht). 18» Thlr.

Nr. 46. de Jonghe, Mutterfreuden. 95 Thlr.

Nr. 47. Eug. Jsabey, Meeresstrand mit reicher Staffage.
102 Thlr.

Nr. 50. Graf v. Kalckreuth, am Wolfgangsee. 52 Thlr.
Nr. 52. Jos. Kehren, Mutterglück. 49 Thlr.

Nr. 55. A. Kessler, Gcwitterlandschaft. 130 Thlr.

Nr. 60. M. A. Koekkoek, Eicheuwaldung im Herbst.
132 Thlr.

Nr. 63. Herm. Kretzschmer, Landung des großen Kur-
fürsten auf Nügen, 1678 (unlängst durch einen Kupfer-
stich von Andorff vervielfältigt). 1400 Thlr.

Nr. 77. L. Mecklenburg, Riva ckegli sclür!.voiii in Venedig.
170 Thlr.

Nr. 78. Derselbe, Lüieski 8. lüiorAio Nag§!oro in Bcnedig.
150 Thlr.

Nr. 80. Ad. Menzel, die Toilette. 32 Thlr.

Nr. 85. Dav. de Noter, Fruchtstück. 120 Thlr.

Nr. 86. Opzoomer, General Valdes wird von seiuer Ge-
liebtcn, Margaretha Mous, beschworen, die Belagerung
ihrer Vaterstadt Leyden aufzuheben. 67 Thlr.

Nr. 87. Justin Ouvrik, Dors in der Normandie. 97 Thlr.
Nr. 101. Ant. Seitz, der blinde Spiclmann. 88 Thlr.

Nr. 107. Heiur. Steiuicke, Landschaft. 100 Thlr.

Nr. 117. Verhcyden, Mädchen im Korn Kränze windend.
191 Thlr.

Nr. 120. A. Weber, Mondschein. 81 Thlr.

Nr. 12 l. Theod. Weber, Seestück. 87 Thlr.

Die Ergreifung der Charlotte Corday riach der Er-
mordnng Marat's von Henri Scheffer (Nr. 95) wurde
von der Versteigerung zurückgezogen, da dem bedeutenden
Werthe des Bildes gegenüber die Gebote sich nicht hervor-
wagten. Es ist daher der permanenten Ausstellung, die
es vor einigen Monaten känflich erworben, als eine schöne
Zierde verblieben. Die vorerwähnten Preise der treff-
lichen, zum Theil ausgezeichneten Stücke der Sannnlung
lasscn genügend erkennen, eine wie vortheilhafte Gelegen-
heit zu guten Erwerbungen sich hier dem Liebhaber und
Sammler bot, nnd kein Wundcr, daß oft eine ganze An-
zahl von Gemälden in einer Hand blieb. Auch answär-
tigc Kunfthändlcr nnd anderc Fremde bethciligtcn sich
eifrig. Der Gesammterlös der Anklion belicf sich auf
16,029 Thlr.

Es steht zu hoffen, daß gerade die Niedrigkeit der
diesmal gelösten Erträge späteren Auktionen hierorts ein
um so größeres Pnbliknm zuführen nnd dadnrch das Ge-
schäft cin desto schwnnghasteres werden wird.

Korrespondcnzl'n.

Müilchcn, AnfongS Mai.

8 —t. Daß fnr München eine ncnc Aera knnstgeschicht-
lichcr Forschung begonncn hat, tritt von Tage zu Tage
mit immer stärkcrer Klarhcit heroor, nnd nicht znm klcin-

I sten Theile ist es das Verdienst des trefflichen Archäologcn
I Brunn, um den sich ein, wenn auch noch kleiner, aber
j rüstiger Kreis von Jüngern gebildet hat, welche mit Eifer
! in das Studium der Antike sich vertiefen. Die Errichtung
eines akademischen Gipskabinets, das Brunn znr Be-
! dingnng seines Bleibens gemacht hat, ist als gesichert zn
betrachten, die Münz- und Gemmensammlung wird ge-
ordnet, die Schätze des Antiquariums erhalten eine desi-
nitive Abgrenzuug und den lang vermißten Katalog.
Auch in den alten Sammlungen regt sich ein frischeres
j Leben, besonders in der Pinakothek, in der zu der früher
schon gemeldeten Anbringung von Täfelchen noch vortheil-
hafte Verhängungen und ein theilweises Niedrigerrücken
^ der Bilder getreten sind. Eine Perle der alten flandrischen
Malerei wnrde der Schleißheimer Galerie entnommen
! und der Pinakothek einverleibt; es stellt die Vermählung
i der heil. Katharina mit dem Christuskinde dar, rings um-
' her sind in frühlingsfrischer Gegend mehrere weibliche
Heilige auf dem Boden gelagert. Das Bild verdient ein -
besonderes Jnteresse der Kunstforschung, weil fast die
I gleiche Komposition (doch mit Weglassung der Vermählung)
j im Breviarium Grimani in Venedig vorkommt, ja drei
! der Heiligen gradezu Wiederholungen genannt werden
! müssen. Mit dem Meister der Anbetung deb heil. drei
Könige im ersten Saal der Pinakothek, den man nach dem
Breviarium Horebout genannt hat, ist es nahe verwandt,
doch steht es in Tiefc des Gefühls, Nichtigkeit dcr Zcich--
! nung und zarter miniaturartiger Vollendnng noch über
! jenem, so daß, wenn man vom Nuhme des Meistcrs anf
seine Leistungen schließen will, unserm Bilde der Name
des Horebout noch eher zukommt.

Zum Besten des Künstlerunterstützungsvereins hatte
! A. von Heckel ein Gemälde mit überlebensgroßen Figuren
! ausgestellt, es schildert die gewaltige Scene aus Shake-
j speare's „König Lear", in welcher der greise Fürst seine
getreueste Tochter verflucht und ins Elend schickt. Die
Komposition war einfach und übersichtlich, ohne unnöthigen
Prunk, in welchen so viele Darsteller fürstlicher Scenen
verfallen; auch die Farbengebung entsprach trefflich der
Stimmung der Handelnden, weniger aber befriedigte uns
die Charakterzeichnung, die allzusehr ins Tbeatralische
verfiel, besonders bei der jüngsten Tochter und ihrem
treuen Beschützer Kent. Jn der Ausstellung des Kunstver-
eins selber versammclten Enhubers Kompositionen zn
Melchior Meyr's Erzählnngen aus dcm Nies cincn
ansehnlichen Krcis Verehrer und in dcr That hatte dcr
Künstler dic scheinbar so nnbedcntcnden Gegenstände dnrch
den Zanber gemüthvoller Jnnigkeit zn verklären gewnßt.
j Er hat cin ächtes unvcrdorbenes Geschlecht uns geschildcrt,
das in naiver Hingabe an das, was die Gegenwart mit
sich bringt, Glück und Lcid über sich ergchcn läßt und im
Kontakt mit raffinirter Bildung den cdlen fcsten Kcrn
seines Herzcns sich zu bcwahren weiß; damit aber hat cr
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