Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 1.1866

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Bcidlatt zur Zcitschrist sür tiildcudc Kunst.

Jahrgang.

Sriträge

sind an vr. C. n. Liihom
twicn, Vergstr. 14) oder
andie Vcrlagöhandlitng
ld-ipjil,, Kreuzstr. S,'S)
zu riillten.

Nr. 3 u. 4.

Dnftrlite

Ir2 Sgr.fiir die gespal
tene Petitzeile werden
von jeder Buch- und
Kunfthandlung ange-
nommen.

16. Ftbrnar.

1866.

Derl.rg vcili L. A. ^ceiiianii tn Lripztg.

Anfangd' n.Milte icdeö Monats crschcinl clncNilinnicr von cinein haU'en l'ic- einein Qnartl'ogen. Die Ai'onncnten der ..izeitselnift fi'ir bildende .Unnst" erhalten
dies Blatt rrrnHii. Apart dczogcn kostct dasscll'e 15 Sgr. l'all'jäl'rlich. Alle Bnch- nnd .tinnsthandlnngen wie alle Postämtcr ncl'inen Bestellnngcn an.
Expcditionen : in Berlin: Kachse L Co., Hofknnsthandlnng; in Wien: P. Kaeser nnd K. Lzerniak.. in München: <L. A. Fleischmann.

Inhalt: Die Bvhm'scke Knnstanktion in Wien. (Schlnß.) — Korrespon-
denzen (Berlin; Weimar; Dresden). — Nekrologe (Gil'son; Harvev;
^öffler; Naaler; Sotzmann). — Knnsthandel. — Bermischte Knnstnach-
richten. — Personalnachrichten. — Preisbewerbnngen. — Kunftvereine,
Sainmlungen, Ausstellungen. — Kunstliteratur. — Zeitschriften. —
Neuigteiten der Knnstliteratilr. — Berliner AusstellungSkalender.
Wiener Ausstellungskalender. — Jnserate.

Die ilöhm'lche üiliistauktiiui in Wien.

(Schluß.)

V. Oelgemälde. Bci dicsen zeigte es sich, daß das
Prinzip der raffinirteren Kunstliebhaberei, nur auf Bilder
ersteu Nanges, fnr diese dagcgen viel zn bieten, die Meistcr
zweiten nnd dritten Rangcs aber wenig zn berücksichtigen,
sich anch in Wien, wic es in London und Paris der Fall ist,
Bahn breche. Gutc, abcr nicht außerordentliche Gemälde
von Artois, Bourguignon, van Goyen, Momper,
Teniers d. ä. u.A. gingen zu sehr nicdrigcn Prcisen weg,
dagegen entbrannte cin heißcr Kainpf um die zweiHaupt-
stücke, einenherrlichcn Dürer nnd ein nngcniein liebliches
Bildchen von Schongaucr. Das crstcre Bild, Christus
am streuz in dem Momente, als er mit gegcn Himmcl er
hobenen Augen die Worte ruft: „Vater, in deine Hände
empfchle ich meinen Geist". gchört, was Ticfe der Empfin-
bung, ergreifenden Ausdruck und vollcndete Durchfüh-
rung anbelangt, unstreitig zu den herrlichsten Werken des
großen Künstlers, dabei ist es von trcsflicher Erhaltnng
(gemalt 1500, I Vs Zoll hoch, 6Zoll breit); dicses Juwel
wurde nach vielen Angeboten von vcrschiedenen Seilen
endlich um 4000 Fl. für die Gemälde-Galerie in Dresden
erstaiiden, der es znr nicht geringen Zierdc gereichcn wird.O
Das M. Schön'sche Vild, Maria mit dem Christkinde
und dem h. Joseph (10 Zoll hoch, 6'/z Zoll breit) ist
»icht über allcn Zweifel bezüglich der Echtheit erhaben,
ciber von so idealer Schönheit, feinem Ausdruck und mei-
Iterhafter Durchführung, daß es sicher von einem Bkeister

") Vergl. die unlen solgende Dresdner riorrespondenz.

erster Größe herrührt; wir wüßten aber keinen, mit dem
es mehr Verwandtschaft hätte, als mit den Schöpfungen
des seelenvollen Schongauer. Es wurde von der kaiserl.
Galerie im Belvedere um 1200 Fl. angekanft. Unter den
übrigen Bildern sind cin sehr vollendetes Damenporträt
von Gonzales Cogues, zwei Tafeln, Katharina und
Bernhard von Nicolo Alunno da Fuligno (bezeichnet
mit dem Namen und 1407, verkaust nm 211 Fl.), eine
warmtönige Landschaft von Orizonte (dem C. Poussin
zugcschrieben), zwei tresfliche Canaletto, Hunde von
Jean lc Ducq (früher in dcr Eßterhazy'schen Galerie
befiudlich), ein Stillleben von Kalf, mehrere Tinto-
retto's hervorznheben, unter den 26 MiniaturportrÄS
in Oel (Abtheilung VI) das Brustbild der Maria Ruthen,
vcrmuthlich von van Dyck's Hand.

Die VII. Abtheilung umfaßte die antiken Bild-
werke, vertreten durch eine Reihe sehr ausgezeichneter
ägyptischer Bronzen (darnnter ein prachtvoller Apis mit
der Moudscheibe und Gravirungeu, 3'/z Zoll hoch, ver-
kauft um 400 Fl.), Terracotten, Gefäße, römische und
etruskische Bronzen und geschnittene Steine. Die Glanz-
puukte dieser Partie waren nebst dem erwähnlen Apis ein
Marmorrelief mit dem belorbeerten Kopf des Augustus
von der höchsten Vollendung (8( 2 Zoll h°ch, erstanden
vom kaiserl. Antikenkabinet), und die in Holz geschnittene
und bemalte Maske einer jugendlichen Aegyptierin aus
dcr besten Kunstepoche, von hoher Aniniith, ebenfalls
vom kaiserlichen Antikenkabinet um 102 Fl. angekauft.
Bon geschnittenen Steinen warcn dic vorzüglichsten:
ein Kopf des älteren Drnsus (Chalcedou-Camee), ein
an die Säule gebundener, wehklagender Amor, eine
Omphale mit deni Spinnrocken. ein sitzender Amor,
dcr sich einen großcn Helm auf s Haupt setzt und zwei
ringende Amoretten, die beidcn er>teren vom k. t. Anti
keutäbinet, die ubrigen von verschiedenen Privaten er-
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