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Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 29.1986

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Nr. 1
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Buchbesprechungen
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Königer, Wolfgang: [Rezension von: Roland Hampe/Erika Simon: Griechisches Leben im Spiegel der Kunst. Sonderband der Kulturgeschichte der Antiken Welt]
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Nickel, Rainer: [Rezension von: Gnilka, Christian, Der Begriff des "rechten Gebrauchs"]
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https://doi.org/10.11588/diglit.35877#0031

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Hätten sich die Verf. auf die Funktion der Gefäße als Wasser-, Wein-, Ölbehälter, als Trinknapf
oder Schale, als Salbfläschchen oder Dose, als Weihegabe für die Götter oder Beigabe für die To-
ten beschränkt, wäre das nichts Besonderes gewesen. Auch das bloße Anschauen der Bildinhal-
te, des Dargestellten, so wichtig es ist und so sehr es geschult werden muß, trägt nur in begrenz-
tem Maße zum Verständnis bei: dazu bedarf es der Kenntnis des Lebens und der Vorstellungs-
welt, aus denen die Werke stammen. Die Stärke und Faszination dieses Bandes besteht darin,
daß es den Verf. gelungen ist, glänzende Bildbeschreibungen mit der damaligen Vorstellungswelt
in Beziehung zu setzen und - wo das möglich war - auch in die literarische Überlieferung einzu-
betten. Das Ergebnis ist ein durch die Thematik und den Stil beeindruckender, äußerst lehrrei-
cher Bildband.
WoLFGANG KöNiGER, Berlin
Gni/ka, Chrrsfian; XPH2IE . Die Methode der Kirchenväter im Umgang mit der antiken Ku/tur.
8d. 7. Der Begriff des „rechten Gebrauchs", Basei/Stuttgart (Schwabe u. Co.) 7984, 75 7 5.,
DM 30,-
Die vorliegende Publikation ist der 1. Band einer Serie von Studien über die Methode der Kir-
chenväter im Umgang mit der antiken Kultur.
Unter allen anderen Begriffen, mit denen heute der Vorgang der Durchdringung der antiken Kul-
tur durch das Christentum bezeichnet wird (z. B. Akkommodation, Adaptation, Transformation,
Rezeption), nimmt der „rechte Gebrauch" schon deshalb eine besondere Stelle ein, weil die Kir-
chenväter selbst den Begriff der Chresis mit besonderer Vorliebe benutzt haben, um ihren Um-
gang mit vorchristlichen Geistesgütern zu beschreiben.
Daß die Chresis ein zentrales hermeneutisches Instrument des frühchristlichen Denkens werden
konnte, läßt sich nicht zuletzt aus ihrer Bedeutung in der vorchristlichen Philosophie (Sophistik,
Platon, Aristoteles, Stoa) und Medizin (Hippokratische Schriften, Galen) erklären. Chresis ist be-
reits ein philosophisch geprägter Begriff mit einem klar zu umreißenden, aber jeweils autorspezi-
fischen Inhalt. In allen gedanklichen Zusammenhängen ist jedoch die Überlegenheit des Ge-
brauchenden über den Gegenstand des Gebrauchs ein wesentliches Merkmal des Begriffs. Denn
„richtiger Gebrauch" setzt nicht nur den eigentlichen Wert einer Sache frei, sondern beweist
auch die intellektuelle Potenz und die moralische Kraft des Gebrauchenden.
Der Christ, der sich in eine heidnisch geprägte Welt hineingestellt sieht, ist mit dem Problem des
„richtigen Gebrauchs" seiner Umwelt konfrontiert. Die Schöpfung ist dem Menschen zum „rich-
tigen Gebrauch" überlassen, aber zugleich auch dem Mißbrauch ausgesetzt. Der Christ hat die
Aufgabe, die geschaffenen Dinge — und dazu gehören auch die Kulturgüter — dem gottgewoll-
ten Gebrauch zuzuführen (Tertullian). Er kann sich auf die Autorität der Hl. Schrift berufen. Die
christlichen Väter haben — so der Verfasser — den philosophischen Begriff der Chresis „für taug-
lich befunden, das anzugeben, was jeder Christ innerhalb der antiken Kultur tun muß ... Es kam
darauf an, das Gute, Schöne und Wahre in den antiken Bildungsgütern ,auszuwählen', ,zu reini-
gen', ,auszurichten', ,gerade zu machen', ,gefangen zu nehmen'... Diese Begriffe entfalten ge-
wissermaßen verschiedene Aspekte des allgemeinen Begriffs der xpi?w " (52 f.).
Die gründliche Untersuchung zahlreicher Textbeispiele läßt den Leser erkennen, daß bei den Vä-
tern zwar eine große Übereinstimmung hinsichtlich der Grundlagen, Methoden und Ziele der
Chresis besteht, ihre Realisierung aber erwartungsgemäß auf ganz verschiedene Weise erfolgt.
Chresis ist eben ein geschichtlicher Vorgang, der von der jeweils spezifischen historischen Situa-
tion des individuellen Autors bestimmt wird.
An der Verwendung des weit verbreiteten Bienenvergleichs („Bienenarbeit als Bild des rechten
Gebrauchs", 102 - 133) wird deutlich, daß sich die christliche Nutzung antiken Geistesgutes kei-
nesfalls auf ein bloßes Unterscheiden und Auswählen beschränkt, sondern auch als eine kreative
oder konstruktive Geistestat zu verstehen ist — etwa als ein „geistiger Prozeß der verwandelnden
Aneignung des Fremden" (121). „Das Bild behauptet sich durch die Jahrhunderte, weil es wichti-

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