Meyer, Carla
Die Stadt als Thema: Nürnbergs Entdeckung in Texten um 1500 — Mittelalter-Forschungen, Band 26: Ostfildern, 2009

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CARLA A4 Elf ER
Die Stadt
Nürnbergs Entdeckung in Texten um 1 500
ais Thema

Der modernen Geschichtsschreibung gilt
die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit als
Nürnbergs »große Zeit«, seine »goldene
Epoche«. Diese glänzenden Epitheta wurden
seit dem 19. Jahrhundert durch eine Fülle von
Forschungen zu Wirtschaft und Politik, Kunst
und Wissenschaft bestätigt. Nürnbergs
frühere Blütephasen - die Epoche unter
Friedrich II. im iß. oder unter Karl IV. im
14. Jahrhundert - sind dagegen in Öffentlich-
keit und Wissenschaft weitaus weniger prä-
sent. Die Strahlkraft des dürerzeitlichen
Nürnberg lässt sich also nicht allein mit der
faktischen Bedeutung der Stadt zwischen 1450
und 1550 erklären. Die vorliegende Studie
zeigt, dass Kunst und Wissenschaft dieser Zeit
Nürnberg selbst als Sujet entdeckten und
damit seine Bildmächtigkeit begründeten.
Zum ersten Mal sollte die Stadt systematisch
in Schrift und Bild porträtiert werden.
Damit wurde an der Pegnitz literarisches
Neuland betreten: Die Texte bewirkten einen
nachhaltigen Wandel der Wahrnehmung und
der Vorstellung von Stadt allgemein. Zugleich
formten sie ein Gruppenbewusstsein der
Nürnberger, das sich auch für politische

Interessen mobilisieren ließ. Augenscheinlich
wird dies insbesondere in den scharfen Kon-
flikten zwischen Nürnberg und dem umlie-
genden Adel, die immer wieder auch militä-
risch eskalierten. Ein näherer Blick lässt auch
die Bedeutung städtischer Selbstbilder für die
Stabilisierung der inneren Ordnung und die
Sozialdisziplinierung der Stadtbewohner her-
vortreten. Damit bestätigt sich am Beispiel
Nürnbergs eine in Psychologie und Soziologie
etablierte Hypothese: Identität wird vor allem
dann zum Thema, wenn die eigene Existenz
als unsicher und gefährdet erfahren wird.

THORBECKE

2008 wurde die Studie durch die »Gesellschaft
für Stadtgeschichte und Urbanisierungs-
forschung e. V.« ausgezeichnet.
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