Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 14.1911

DOI article:
Wilhelm, Adolf: Die lokrische Mädcheninschrift
DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.45359#0177

DWork-Logo
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
i63

Die lokrische Mädcheninschrift
In der athenischen Zeitung Καιροί vom i. Dezember 1896 berichtete D. Ange-
lidis, ein Schüler des verstorbenen Professors Ant. Oikonomos, daß im Vorjahre
eine ziemlich umfängliche Inschrift, in ionischem Alphabet geschrieben, nicht leicht
zu lesen und verstümmelt, εν τινι άγρφ του Χαρ. Σταματοπούλου παρά την Βιτρινίτσαν
της έπαρχίας Δωρίδος entdeckt worden sei; nach einer Abschrift der Herren G. und
K. Karabellos laute die erste Zeile der Urkunde folgendermaßen: ΕΠΙ ΤΟΙΣΔΕ
AIANTEIOI KAI A ΠΟΛΙΣ ΝΑΡΥΚΛΕΛ ΛΟΚΡΟΙΣ ΑΝΕΔΕ^ΑΝΤΟ . . die Stadt, um
die es sich handle, sei als die Heimat des lokrischen Aias, des Sohnes des
Oi’leus, bekannt.
Dem Funde schien mir um so größere Bedeutung zuzukommen, als ich durch
H. G. Löllings Abschrift (s. meine „Beiträge“ S. 128 ff.) einer Freilassungsurkunde
aus dem von Vitrinitsa viereinhalb Stunden entfernten Orte Malandrino, dem alten
Physkos, und durch W. Dittenbergers Veröffentlichung einer kleinen Zahl anderer
Freilassungsurkunden ebendaher IG IX 1, 349 ff. auf ein früher nicht bekanntes
Heiligtum der Athena Ilias in Physkos aufmerksam geworden war. Es lag nahe,
die Erwähnung der Αίάντειοι und der Stadt Ναρύκα in der neuen Urkunde mit
der auffälligen Verehrung der Άθ-ηνά Ίλιάς im westlichen Lokris und der Tatsache
in Beziehung zu setzen, daß die östlichen Lokrer mit dem Heiligtum der Athena
in Ilion durch den jahrhundertelang, freilich nicht ohne Unterbrechung, geübten
Brauch verbunden waren, zur Sühne für den Frevel, den ihr Ahnherr Aias an
der Kassandra begangen haben sollte, zwei vornehme Jungfrauen in den Dienst
der Göttin zu stellen.
Eine Reise, die Wilhelm Dörpfeld und ich im Herbste des Jahres 1897 nach
Lusoi in Arkadien (Jahreshefte IV 8 ff.) und der Insel Ithaka unternahmen, bot
Gelegenheit zu einem freilich nur auf wenige Stunden beschränkten Aufenthalt in
Vitrinitsa und zu einer Besichtigung des Steines. Von der ,Skala', dem Hafenplatze,
der an der lokrischen Küste westlich von der Bucht von Krisa Aigion in Achaia
ungefähr nordöstlich gegenüberliegt, erreichten wir unter der bereitwilligen Führung
des Herrn G. Karabellos am Meere westwärts wandernd nach kaum einer halben
Stunde die Kirche Αγία Παρασκευή, dann jenseits einer kleinen Anhöhe einen
jetzt verlandeten Hafen und westlich von ihm eine Kapodistria zugeschriebene,
 
Annotationen