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Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 14.1911

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Schober, Arnold: Athenastatuette aus Elis
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Schober, Arnold: Zu den Friesen der delphischen Schatzhäuser
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https://doi.org/10.11588/diglit.45359#0339

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119

A. Schober, Athenastatuette aus Elis

I 20

die Epidermis des Marmors bis zum Spiegelglanz ge-
glättet und in ihrer ÄVirkung nur durch zahlreiche
Sinterflecken beeinträchtigt. Die Plinthe zeigt vorne,
auf der linken Seite und hinten auf längeren Strecken
noch ursprünglichen Rand; sonach befand sich links
neben der Göttin kein Beiwerk. Die Plinthe ist zum
Einlassen in eine Basis hergerichtet und in der
unteren Hälfte rauh gelassen.
Die Arbeit ist geschickt und sorgfältig, besonders
im Peplos sind die Brüche und Augen und die leise
konkav geschwungene Oberfläche der Steilfaltenrücken
sauber ausgeführt. Im Gegensatz dazu erscheint das
feingefältelte Untergewand etwas unbeholfen wieder-
gegeben und die Charakterisierung des Gegensatzes
der beiden verschiedenen Stoffe, die dem Künstler
des Torso Medici so hervorragend gelungen ist, ist
hier mißglückt, so daß das Untergewand ein sonder-
bar zerknittertes Aussehen erhalten hat.
Die Rückseite ist weniger sorgfältig behandelt,
die Steilfalten des Peplos sind ohne Gliederung sche-
matisch ausgeführt. Daß bei der Figur auch auf die
Mitwirkung der Farbe nicht verzichtet wurde, zeigen
zahlreiche rote Farbspuren an dem Gewände, auf
der glatten Agis, deren Schuppen in Malerei ausge-
führt waren.
Die Statuette bereichert die Replikenreihe eines
gerade in jüngster Zeit wieder viel besprochenen
Werkes (Amelung, Jahreshefte XI S. 169 f. Köpp,
Neue Jahrbücher XXIII S. 472 ff.; Noack, Berl.
phil. Wochenschrift 1909 n. 20; Sauer, Neue Jahr-

bücher XXV S. 617 ff.) um ein kleines, aber vor-
zügliches Stück. Im Vergleich mit dem allgemein als
getreueste Nachbildung des Originals geltenden Torso
der Ecole des beaux arts in Paris (Brunn-Bruckmann
T. 135) zeigt unsere Kopie vor allem viel schlankere
Verhältnisse, die Breite der Schultern und Hüften
ist gemildert. Sonst herrscht bis auf das hier fehlende
Gorgoneion, das plastisch sicher nicht angegeben war
und auch nicht gut aufgemalt gedacht werden kann,
vollkommene Übereinstimmung im Aufbau, die sich
bis in die Einzelheiten des Gewandes erstreckt, nur
zeigen die Faltenbrüche und Faltentiefen an unserem
Stücke gegenüber der scharfen Bestimmtheit am Torso
Medici etwas weichere Formen. Für die Beurteilung
des Rekonstruktionsversuches, den Amelung a. a. O.
p. 189 Fig. 71 gibt, ist unsere Replik, ohne daß
man ihr bei der Kleinheit entscheidende Bedeutung
beimessen könnte, doch dadurch von Interesse, daß
an ihr das Beiwerk, das ohnedies nur durch das bloß
in Zeichnungen erhaltene, verschollene Relief von
Ambelokipi (Amelung a. a. O. S. 181, Fig. 69) bezeugt
ist, rechts von der Figur fehlt.
Ob unsere Kopie noch aus hellenistischer oder
doch bereits aus römischer Zeit stammt, wage ich
nicht zu entscheiden, ebenso läßt sich nicht erraten,
was der Anlaß für die Aufstellung in Elis war;
immerhin könnte man vermuten, daß sie ein Weih-
geschenk für die elische Athena darstellte.
Graz. ARNOLD SCHOBER

Zu den Friesen der delphischen Schatzhäuser.

Homolle (Bull, de corr. hell. 1896 p. 586) hat
die östliche Schmalseite seines Knidier-Schatzhauses
rechts mit dem Kampf um die Leiche (Fouilles IV
pl. XI/XII 2), links mit der Götterversammlung
(Fouilles IV pl. XI/XII 1) besetzt und für den Fries
eine ursprüngliche Länge von 6-28m angenommen.
Da sich aber die Götterversämmlung durch eine
zehnte Gottheit (Karo, Athen. Mitt. 1909 S. 169)
vermehrt, berechnet Courby (Rev. archeol. 1911
p. 210) die Länge des Frieses auf 6’372ra. Die Rich-
tigkeit dieses Maßes ist bedingt durch die urspüng-
liche Länge der Platten, aus denen sich die Götter-
versammlung zusammensetzt. Hierfür geben einen
bisher noch nicht verwerteten Anhalt die auf der

Oberseite der Platten eingemeißelten Hebelöcher.
Während diese bei der jetzigen Aufstellung im Mu-
seum zu Delphi an allen übrigen Platten zugänglich
sind, sind sie gerade an den für uns in Betracht
kommenden durch ein daraufgelegtes Profil der
Untersuchung entzogen. Um diese durchführen zu
können, erhielt ich vom griechischen Unterrichts-
ministerium in liberalster Weise die Erlaubnis, die
Profilplatten heben zu dürfen.
Die Hebe- (Wolf-) Löcher, die sich als solche
durch die charakteristische Verbreiterung nach unten
leicht erkennen lassen, sind an allen Friesplatten
gleichartig, 0Ό7—0O8m lang, 0Ό3—o-O4m breit,
0Ό8—O’iomtief und sind, um den zu hebenden Block
 
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