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Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 14.1911

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Premerstein, Anton von: Vorläufiger Bericht über eine Probegrabung in Elis
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https://doi.org/10.11588/diglit.45359#0328

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53: Elis. Blick vom Olivenwald gegen die Akropolis und Palaeopolis.

Vorläufiger Bericht über eine Probegrabung in Elis.

Von der Direktion des Institutes sind die Unter-
zeichneten im Frühjahre 1910 mit einer Probegrabung
in der antiken Stadt Elis betraut worden, die, von
der griechischen Regierung in dankenswerter Weise
gefördert, in zwei je sechswöchentlichen Kampagnen
(13. Mai bis 24. Juni; 5. Oktober bis 20. November
1910) unter der Mitwirkung von O. Walter, C. Prasch-
niker und A. Schober sowie des Architekten A. Or-
landos durchgeführt wurde. Mit Rücksicht darauf,
daß das Unternehmen im folgenden Jahre fortgesetzt
wurde, soll über die Ergebnisse unserer ersten Ver-
suche hier nur ein vorläufiger Bericht erstattet
werden.
Die Erforschung von Elis setzt um die Wende
des 18. und 19. Jahrhunderts mit den Peloponnes-
reisen von W. Μ. Leake und E. Dodwell ein. Stan-
hopes Werk „Olympia“ (1824) bietet eine noch jetzt
nützliche Aufnahme der Ruinen von Th. Allason.
Dagegen haben wissenschaftliche Grabungen in Elis
bisher nicht stattgefunden. Die fortschreitende Zer-
störung der antiken Reste durch die Bedürfnisse der
modernen Besiedelung und Feldwirtschaft sowie
durch die eifrig betriebene Raubgräberei, die es be-
sonders auf den Inhalt der Gräber abgesehen hat,
ließ eine Untersuchung des noch Vorhandenen in
hohem Grade wünschenswert erscheinen, für welche
die Bedeutung der Stadt als Mittelpunkt der Land-
schaft und als Vorort der olympischen Agone und
b Über die territoriale Entwicklung des elischen
Gemeinwesens hat zuletzt B. Niese in dem Gene-

die ausführliche Periegese des Pausanias günstige
Erwartungen erweckte.
Die Stadtgeschichte von Elis reicht nicht
hinaus über das 5. Jahrhundert v. Chr., da den
Nachrichten über eine Besiedelung in mythischer
Zeit kein historischer Wert beizumessen ist. Erst
nach den Perserkriegen, nach Diodor (XI 54, 1) im
Jahre 471/0 v. Chr. erhielt die Landschaft Elis1)
einen städtischen Mittelpunkt durch einen Synoikis-
mos, der die nächstgelegenen Dörfer zur Stadt Elis
zusammenfaßte. Diese blieb immer unbefestigt und
übte noch zur Zeit des Polybios (IV 73, 6 ff.) keine
besondere Anziehungskraft auf die Bevölkerung aus,
welche nach alter Gewohnheit das ländliche Leben
dem städtischen vorzog. Doch war sie von Anfang
an und blieb sie auch in römischer Zeit wichtig als
Sitz der Vorbereitung zu den Agonen von Olympia,
an welchem schon längere Zeit vor dem Feste
Athleten aus der ganzen griechischen Welt sich sam-
melten; diese Rolle drückt sich auch in baulichen
Anlagen — großen Gymnasien, Bädern, Amtsgebäu-
den für die Hellanodiken — aus. Im Mittelalter
trug die Akropolis eine fränkische Burg namens
Beauregard (nicht Belvedere).
Die Lage der Stadt Elis (vergl. Fig. 53 und 54)
wird im allgemeinen durch die auch nach viel-
facher Zerstörung noch in der jüngsten Zeit bedeu-
tenden Ruinen von Backsteinbauten römischer Zeit

thliakon für Carl Robert (Berlin, 1910) S. I ff. ge-
handelt.

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