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Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 14.1911

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Premerstein, Anton von: Marmorgiebel mit Commodus-Büste
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https://doi.org/10.11588/diglit.45359#0302

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Marmorgiebel mit Commodus-Büste.

Unter den antiken Denkmälern, ivelche wir auf
unserer dritten epigraphischen Reise durch Lydien
im Frühjahr 1911 in Alaschehir (Philadelpheia) auf-
nahmen, befindet sich ein Marmorgiebel, der von
besonderem Interesse ist und daher mit Zustimmung
der kleinasiatischen Kommission der kaiserlichen
Akademie unverzüglich hier ver¬
öffentlicht wird (Fig. 47)1). Er liegt
gegenwärtig im Keller des dem
Arzte Pantelis Turtoglu gehörigen
Hauses, stammt aber nach den uns
gemachten Mitteilungen aus dem
Dorfe Dedeli (westlich von Mende-
chora), nach einer andern Angabe
vielmehr aus Badlidja östlich von
Alaschehir. Obwohl in zwei Stücke
zerschlagen und an den Bruchkanten
etwas beschädigt, ist er im wesent-
lichen vollständig erhalten; nur das
Mittelakroter und mit ihm das ober-
ste Giebeleck sind abgebrochen. Das Material ist
der gewöhnliche, leicht bläuliche kleinasiatische
Marmor; die Hauptmaße sind gr. H. 0^67 m, Br.
i‘37m, D. O'22m. Über einem in zwei Faszien ge-
teilten Architrav, dessen Oberprofil viel höher ist
und viel weiter vorspringt, als es bei monumen-
talen Bauten zulässig wäre, liegt der um etwa ein
Viertel niedrigere Fries, dessen konvexe Fläche mit
stilisierten Weinranken in Flachrelief geschmückt
ist, welche aus einem Krater in der Mitte hervor-
wachsen, sich in symmetrischen Windungen nach
beiden Seiten ziehen und an den Enden nach
oben einringeln. Der Giebel, dessen untere Ecken
von Akroteren mit Halbpalmetten bekrönt sind, denen
das abgebrochene Mittelakroter auf der Giebelspitze
entsprach, zeigt im Tympanon die Büste eines knaben-
haften Jünglings in Tunika und auf der rechten
Schulter geknöpftem Sagum oder Paludamentum,
mit vollem, glattem, etwas ängstlichem Gesicht und
mit sehr üppigem Lockenhaar. Eine längere grie-
chische Inschrift mit ziemlich gut eingegrabenen
Lettern der Antoninenzeit von ΟΌ23—OOi4m Höhe
beginnt im Tympanon zu beiden Seiten der Büste,
setzt sich dann auf dem wagrechten Giebelgeison

fort und bedeckt den ganzen Architrav, um auf
dessen unterster Faszie ihr Ende zu finden. Ihre
Anordnung ist wenig sorgfältig; so stehen im Giebel-
felde links von der Büste nur vier, rechts dagegen
sechs Zeilen, und zwar die vierte links auf derselben
Höhe wie die vierte rechts, obwohl sie inhaltlich

47 : Marmorgiebel in Alaschehir.
zur fünften gehört; am Ende von Z. 7 wurde der
Namensausgang über der Zeile zugesetzt; Z. 10 ist un-
symmetrisch nachträglich eingefügt, Z. 13 nicht genau
in der Mitte angeordnet. Der Text lautet in Um-
schrift:
Αγαθ·η τύχη. Υπέρ της
τού αύτοκράτορος
Κομόδου τύχης καί δι¬
αμονής
5 οί ’Έρωτες έποίησαν έκ των
ιδίων.
Ηλιόδωρος Ηλιοδώρου, Μουσαίος Χαλκεύς, Μου-
σαίος Ηλιοδώρου, "Ερμιππος Εύτυχά,
Μουσαίος Βαλέριος, Μέσσυλλος Μη[τ]ροδώρου, Μη-
τρόδωρος Σιδηρίων, Διονύσιος
Διονυσίου, Διόγνητος Μητροδώρου, Κάρπιμος Εύ-
αρέστου, Διογένης Παμφίλου,
ίο Κόσμος Παπίου, Σωκράτης Διονυσίου,
Επίκτητος Παπίου, Μενεκράτης Βωλανοΰ, Απολ-
λώνιος Γλαύκου, Μενεκράτης Χύλου,
Μουσάις Βολέας, Έρμογένης Δαμαρίωνος, Έρμο-
γένης Χάνδρων, Αούκιος 'Γουλιανού,
so Έργεβιστάται Μενεκράτης Μου[σ]αίου χαλκεύς,
'Ηλιόδωρος Ηλιοδώρου.


t) Α. Conze, dem durch Herrn Sophianos in Weise die Veröffentlichung des Denkmals. Sein Ge-
Bergama eine Zeichnung des Giebels und Kopie der währsmann gibt Badlidja als Fundort an.
Inschrift vorlag, überließ uns in zuvorkommendster
 
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