Schön, Theodor von
Aus den Papieren des Ministers und Burggrafen von Marienburg Theodor von Schön (Band 4): Anlagen zum 2. Theil, Scharnhorst — Berlin, 1876

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trüber und die Forderungen an Ieden, der von Sr. Majestät
oor das Volk gestellt ist, werden imrner lauter,

daß dem Könige, nnserem Herrn, der Zustand klar
dargestellt wiirde.

Das Gedicht: „Strenz nnd Strang", eins der stärksten
Dinge, die je an einen großen Monarchen eines cultioirten
Volks gerichtet sind, kann man nur mit Kummer und Jn-
dignation lesen, daß unser Staat so sinken konnte. Es ist
oerbreitet, und wenn ein Gouoernement, welches mit der
Kirche das höchste Bild beim Volke sein muß, wenn es im
Volke gut gehen soll, einen solchen Zurnf, in so unwürdiger
und doch anzieheuder Form ersahren muß, ohne nur Necht
zu üben, dann wird sein Zusammenhaug immer loser, uud
die Folge ist nicht zu berechnen. Die Lieferanten haben
sorgfältig die wahre Lage der Sache, daß sie nicht illegal
gehaudelt hätten, ausgebreitet, und die Schuld steht all-
gemein bekannt allein auf dem Gouoernement. Alle er-
sundenen Zeituugs-Artikel wirken gerade entgegeugesekt, wo
man weiß, daß z. B. das französische Gouoernemeut das
in Westpreußen erkaufte Getreide zur rechten Zeit iu Frank-
reich hatte. Der Spott, der in öffentlichen Blättern übcr
unser Gouoernement fortwährend getrieben wird, wie z. B.
der mit dem Nerpetuum uro^ils, erregt den Wiü charak-
terloser Menschen über unseren Staat, nnd dämpft selbst
bei Edelen den Eifer, der jeder Negierung als erste Be-
diugnng nothwendig ist. Der Aufstand in Breslau ist,
soviel man hier weiß, nur Folge oom Mangel an Ver-
trauen nnd Achtung zum Gouoernemeut. Keiir Manu aus
der Dürgerschaft, dessen Wort beim Haufen etwas gilt, fand
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