Zeitschrift für christliche Kunst — 34.1921

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ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 1-3

Vetter hat Grünewald gerade den Mut zu seinen drei Tafeln gegeben. Vetter
griff zum Thema der Erlösung, und indem er malte, erlöste er sich selbst
von Matthias Grünewald. Die jüngsten Werke lassen die frühere Beeinflussung
durch das Schaffen Grünewalds so gut wie gar nicht mehr erkennen. Vetter nennt

sein Werk selbst ei-
nen Altar und weist
es damit an eine
Stätte, die heilig ist
und heilig gehalten
werden soll. Auf-
traggeber dieses Al-
tares ist allerdings

keine Kirchen-
gemeinde, sondern
des Künstlers eige-
nes Herz. Wenn
Vetters Altar den
Weg in eine Kirche
nehmen soll, dann
haben auchdieTheo-
logen noch ein Wort
mitzureden. Vom

künstlerischen
Standpunkt kann
man vor seinen Ge-
mälden freudig sa-
gen: habemus arti-
ficem!

Den hier beige-
fügten Reprodukti-
onen (Abb. 1—3)
fehlt die Farbe. Es
fehlt ihnen darum
ein entscheidendes
Element Vetterscher
Wirkungskraft.Doch
läßt sich wenigstens
die außerordentlich
zusammengefaßte!
Komposition und ihr
gedanklicher Inhalt
auch aus den Wie-
dergaben ersehen,
wenn man den Flü-
gel mit dem guten
Schacher (Abb. 2)
links und denjenigen

Abb. 2,

Ewald Vetter, Altar. Linker Flügel. 125 X 226 cm.
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