Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 12.1887

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Zwei Thessalische Grabstelen.

Als ich Mitte verflossenen Monats die Antikensammlung
besuchte, welche in der Schule von Larisa gebildet ist, und
welche Dank der dauernden Fürsorge aller Behörden ständig
wächst, wurde meine Aufmerksamkeit vor allem durch drei
Reliefbruchstücke gefesselt, die durch ihren archaischen Stil,
ihre verhältnissmässig gute Erhaltung und ihre bedeutende
Grösse wichtig schienen. Das eine derselben, die Grabstele
eines Jünglings, ist von Lölling auf dem jüdischen Friedhof
südlich von Larisa aufgefunden, und in diesen Mitteilungen VII
S. 223,1 kurz beschrieben worden. Ein anderes Bruchstück,
das Oberteil einer Grabstele mit grosser Palmette, war erst
wenige Tage vor meinem Besuch durch den Dimarchen von
Larisa, Herrn Manolakis, entdeckt und der Sammlung ein-
verleibt worden. Die stilistische und sonstige Verwandtschaft
beider Stücke drängte zu der Ansicht, dass sie die Reste einer
und derselben Stele seien, und die Zusammenfügung, welche
ich mit Erlaubniss des liebenswürdigen Leiters der Samm-
lung, des Herrn E. Kusis vornehmen lassen konnte, bestätigte
die Vermutung. In diesem vervollständigten Zustande zeigt
die beigegebene Skizze das Relief.
Allerdings, wären mir die Fundorte, der beiden Bruch-
stücke damals bekannt gewesen, so hätte ich vielleicht nicht
gewagt, eine Zusammengehörigkeit anzunehmen. Denn wäh-
rend das grössere Bruchstück,wie bemerkt, aus der Nähe von
Larisa stammt — der Friedhof liegt etwa eine Viertelstunde
südlich von der Stadt — wurde die Bekrönung im Dorfe Scha-
tombaschi, drei Stunden nördlich von Larisa in einer Kapelle
eingemauert gefunden. Gewiss ein selten glücklicher Zufall,
der die so weit verschleppten disjecta membra im Museum
wieder Zusammenkommen liess.
Der ehemalige Aufstellungsort lässt sich in Folge dieser
wunderlichen Umstände nicht mehr mit Gewissheit angeben.
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