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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0025
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für die Land-
rsichcrt und im
,ohls nutzbrin-

kehr

iZentkum? Doch lediglich der Unvstand, daö man
roeib, d«h mit den wirtschaftlichcn gleichzoitig dte
Lulturellen Intevessen oewachrt sind... Jndessen
wird letzten Endes für mich in der PoilitÄ nie-
mals die Religion ausschlagsebend
scin. Neligron hal nun einmal grundsätzlich mit
de' Polrtit Nrchts ru tun. Wias wird sich letzten
Endes aus d»r Erkenntnis ergeben, dcrtz die Par-
toi, f-ür die man st'ommt, nur noch Massenp.olt-
lik treibt tm Sinne einer ernsigen Be--
rufsklasse? Man wird der Partei den Rat
oeben, sich als Mrbeiterpartei zu tonstituie-
ren, und wivd se^bst in ein anderes, geneHme^
Laaer abschwenken. Für die meisten Katho-.
Ntsn von Btldung und Besttz wübd« da
wohl di^ Deutsche Volksvartei in Ve->
Iracht kommen. Jch möchte in dieisom Zusam-
menchang nicht unerwähnt lasien, dah eine Lr-
tvächtliche Ansahl Zentrumsanihänger mit der von
der Parter beliobtcm St^ervolitir. die e'mem Alb-
schlachten der milchenden Krch slsichkommt, ganz
und gar nicht e-rnverstanden ist."

Das Sllndenregister, das hier dem Zentvum vor-
gehalten wird, ist besonders wirSsam. weil es aus
dem Mrnde eines überlegenden Zentrumsmannes
kommt.

Der Münchener Ceiselmord-
Prozstz

Jm witeren Verlauf der Verhandlungen wurde
der Angeklagte Schicklhofer. ein äutzerst roher
Alkoholiker und Syphikitiker, verhön. Er erklärt,
uur auf Besehl seiner Vorgesetzten gehandelt zu
iyaben. An der Erschiehung der Gecseln selbst
habe er nicht teilgenommen. sondern nur drei
Gruppen von je 'ucht Mann zusammengostellt.
Landgerichtsrat Profesior Merkel hält den An-
gellagten in strafrechtlicher Beziehung als ver-
mindert und zurechnungsfähig. Ebenso die Ange-
tlagtcn Huber und Pürzer. Die ärztliche Un-
tersuchung der Eräfin Westarp habe nicht erge-
ben, dah sis vor ihrem Tode vergewaltigt worden
sei. Der Angeklagte K i ck erklärt, die Leute hät-
ten sich von der Erschichung nicht mehr zurückhal--
ten lasien. Ein Soldat habe ihn aufgefordert, die
Leiche der G^äsiu Westarp die Jsar zu werfen.
Der Angetlagte Wiedl will von Hauhmann ge-
zwungen wordcn sein, an der Erschiehung teilzu-
nehmen. Man hätte sonst ihn selbst an die WanZ>
Hestellt. Er habe als Rotgard st nur einen mili-
>tärischen -Befehl zur Ausführung gebracht.

Die Vertetdigung wendct sich in einer Erklä-
rung gegen die Verhandlungsweise des Vorsitzen-
ö>en, durch die nach ihrer Meinung der Oeffcnt-
I.chkeit ein ganz falsches Bild gegeben werde. g

Jn der Derhandlung am 3. Septembcr erklän'
der Angeklagto Gsell, er habe von den einzel-
nen Opfern die letzten Aufzeichnungen entgegen-
genommen. Die Eräfin Westarp habe auf seinem
Rücken einen AbschlcKsbricf geschrieben. Dex An-
geklagte Hesselmann sagt, Seidl habe im
Eymnasium die ganze Oberleitung geführt. Den
schriftlichen Vefehl zum Geiselnmord habe'Seidl
Mit dcm Worten empfangen: „Endlich, darauf
warte ich schon lange." Die Ersch'ehung der Gei-
seln sel von Haußmann geleitet worden, er selbst
sei nicht dabei gewesen. Die ihm abgenommenen
Eegenstände habe er den Erschosienen nicht gestoh-
len, sondern schon im Februar durch Tausch erwor-
ben. Der Angeklagte Lerm er will nur zufällig
bei der Erschießung gewesen sein. Mehrere wei-
tere Angeklagten stellen auch in Abrsde. bei der
Erschiehung anwesend ge-wesen zu sein. Wenn fie
früher das Eegenteil behauptet hätten. hatten sie
das im Nausch getan. Der angeklagte Rieth-
mayer bestätigt, daß Befehl gegeben worden sei,
im Falle eines Angriffs auf das Gebäude. die
Geiseln zu erschiehen. Hauhmann habe den Feucr-
befehl gegeben. Nach der Erschiehung hätten die
.Lerren Konrmandanten" ein Sektgelage gs-
feiert. Auch der Angeklagte Hannes will bei
der Erschiehung nicht dabei gewesen sein.

Polnische Beschwerdeindustrie

Der Goruo-SlaLak -vom 27. August bmngt im
Tcrt Ler Zertunlg ein vorgedrucktes Fovmuliar, auf
Grund desien sich die Polen bet der Entmts Mey
dio deutschen Gawalttaten beschweren sollen.

1. Am... ist meine Tochter — Sobn — older ich
selbst — desbcrlb geschlagen worden, weill. ich
<ruf der Strahe laut Polnisch gcsvrochen balbe. Oder
dcswogen, weiil ich einen wethen, Adler besah.
Zeugen: ....

2. Mährend der Rooiston sind mini gestochlen

worden.: eine goldene Tascheuuhr... M.. «Eeld in
bar, in Golld, Sillber ... M., Eeld in Papto«....
Mark, andere Waren für.M.

Waffen sind nicht gefunden woriden. - Jn msrner
Wohnung rvuide geschosien, die Mübol stnll» zerstört.
Der Eescrmtschaden beträgt . . . . M. Zcnsen
sind«: (Unterschrrften).

3. Am — hat der Grenz'chutz mir eitzle volyische
Fahne mit dem Bildnis «der. Mutter Gottes fort-,
gemnrmen. Dte Soldaten haiben mit der Fahne
den Hof ausgefegt. Die Fahne war sowebht durch
den Geistlichen.... Wert der Fachne.... M. Un-
terfchrtften.

Dor Gorno-Slazak fügt hrnzu: ,Mer nicht po!-
niish schreibcn kann, möge dsutsch, englisch oder fran-
zösiich schreichon. Alle uns Wersandten Beschwer-
den weichen wir unseren Dertvauensmännern über-
veichen, deren Aufgabe es seiu wird, alle diese Mn-
gelegencheiten-der Entente eingcchend zu sch ldern."

Aus Baden .

Weinheim, 3. Sept. Der chier wvchnende Arhei-
ter Karl Stahl wurde -unter denr Verdachte ver-
hastet, seine Frau versiftet zu haben.

Mannheim. 3. S>eP«t. Das Ladische Ministerium
des Jnnern hat der vom Bürgevauslchuß chsichlos-
senen Ausgabe 4pro^z. Schuldverschreibungen im
Nenmverte von 25 Mill. Mk. die staatliche Ge-
nehmigung erteilt.

Mannheim, 3. Sept. In der Teerdestilllation
der Slsphalt- und Zomentfabrik in der Difsenestr.
gerieten etwa 90(X) Liter Teer in Brand, wo-
durch ein noch nicht zu Mersechender, aber doch scchr
erhechlicher Dtaterial- und Eechäudeschaden eutstand.

Ludwiqshascn, 3. Sept. In der Ludwigshafencr
Walzmühle haben dis Arbeiter ohne voirherige
Küpdigung wegen Lohnsorherunig die Arbeit
niederselegt. Dis Arbeiter chatten trolj
eines bis 1 Oktocher Altigen Tarifs neue Fovde-
rungeii an die Direktion »estellt, die sie aber cvb-
geleLnt hat. Der Arbsiterausschuh risf das Ee-
werbegericht an, das dann ein-en Dernnttliungsoor-
schlag machte, nachdem bis zum 1. Ottocher ein
neuer Tarif versinbart werden solle. Dio er. Vor-
schHag wurde von den Arboitervertretern abs<chnt,
woräuf das Eewerchegerickßt das Urten fällte, das;
der bestehende Tarif Rechtsgültigkeit hat und dis
Forderungen der Lrbeier uuüerechti.qt wären.

Nastatt, 3. Sew. Die Staa/tsainoaltschaft hat
auf die Ergreifung der Mörder des am 26. 2lug.
tm Wa.de bei Oberndorf -getöteten Forstwartes Ios.
Wolf eine BelohnUna von 1000 Mk- ausse-
setzt.

Badcn-Baden, 3. Sept. Wie im Stadtraitsbe-
e mitgeteilt wird, sind Vorverhandlungen ein

die rn den nackPen acht Tagen stEfinDenden Falhr-

ton von F ' ^ ..

beveits s

Friodrichshafön nach Berlin und zurück sind
samtliche Sttze üelegt.

rtcht

gelei

M-, z-u bestimmen. Die Geselllchaft soll den Flug-
postdienst und später auch den Flugpasiagieroienst
übernchmen. >

Zestetten b. Waldshut. 4. Sept. Bei der am
MonLaq erfolgten Eröffnung der Krcrftwagenlinie
Ieftetten-Eriehen wuvde aus Iestetten an das
Staatsministerium eine Depesck»s gefandt, in der
dio Vertreter der beteiligten Gemeinden der Re-
kierung Dank fiir das ZuUiandekoinmen der Vcr-
tchrseinrichung stigton uud damit das Gelöbnis
treuer Achänglichkeit zum Mutterlamd vevbanden.

Ueberlingcn, 3. Sept. Die Pasiagierl-iMahrton
des Zeppelinschiffes ..Bodensee" zwifchen
Friedrichshafon und Ber.in sind Lis ietzt trotz der
an mlainchen Tagen herrchenden sehr ungünstigen
Witterung ohne Zwischenfäll glatt verlaufen. Für

Aus Sadt und Umgchung

* Postschalterdienstftunden an Sonn- und Feier-
taqen. Dem Beispiel anderer Städte folsend, foll
zur Erleichterung des SonntagSdtenstes von Sann-
ta-g, den 7. Septe-mber ab auch bei den hisstgen
Postämtern 1 (Rolhrbacherstrahe) und Posdcrmt 2
lGrabengasie) die ungeteilte Schalterdreisitzeit
eingvfülhrt werden. Dte in Betracht komme.noen
Schalter sind.daher an Soiirn- -uud Feiertagen küuf-
tig nur noch von 8ZL—10^ vovm. geöffneit, die
Schalterdie-nststuuds von 11^—IL'/L fällt weg.

* Schulgeldnachlah für Kinder oon Auslands-
deutschen. Das Aiinisterrum des Kultus u. Unter-
rtchts hat sich dem Bund der Auslandsdeuischen,
Landesoepband Baden, gegenüber bereit erklärt,
etwaigen Gesuchen um Schul'geldnachlah in
den Ktcvatsschulansta.ten für Kinder unbemit-
teltor Auslandsd-eutscher aufgrund der
Bsautachtuug und Dsfürwortung des Qandesoer-
bandes stattzuqeben; dis Gefuche werdeu dem Mi-
nrsterium durch die Dermittlung der lbetref.serrden
Anlstaltsdtvektionen vorgeleglt.

* Zulajsung zur Staatsprüsung im höheren
Vaufach und zuin höheren Staatsdienfte. Im Jnter-
esss der Freizüqigkeit der Studierenven der techari-
schen Wi>senscha»fteil haben die badifche -und hs-
Uche N-ogierunq vereinbart, dah der a-uf den
Technischen Hochlschulen Karlsrube uud Darm-
stadt ertangte Crad eiyes Diploininsenieurs von
Baden und Hessen gegeiüeitig für die Zulasiuuq
zur Staatspriifunq im höheren Biaufache und zum
hoheren Staatsdicnste anerkannt wird.

* Fllr die kermkehrrnden Kriegsgefauqenen
haben die Eemeinoen Heddesbach. Nuhloch, Eppe'-
beim, Lobsnfld und Daudensell se-wie die evange!.
Pfarrämter HeiligLreuzsteinach und Kirch^eim, fer-
ner die Stabha tereien Greuqlhof «uud Neckürhäuf«r-
hof zusanrmen 1064 Mk. 10 Ppg. zu dcm vcm Ro-
ten Krenr s^anmrelten Volkodank gespendet, dssieu
2. Gabeuliste dieser Ta^e 'erscheint. Bvn den an-
deren Landgsmeinden des Bezirks steht die Mittei-
luug noch aus.

* Geinüsepreiie. Die Reichsstelle für Ge-
müse und Obst chat geiiräü der Li"--crungtsver-
träge für Eemüse die De-rtrauspresie' für die noch-
ftübvnd vcr.zeichnebcn EoiEearten m Zentn-'r bis
arif weiteres wie fo^gt'festgesetzt: WsiUchl 2 Mk.,
Rotkchl 5 Mk., Wirsingkohl 4.50 M'k.. rote Nübeu
und Kcrrotten aller Art ein chliehlich der k eineu
runden Karotten 3.50 Mk., /-ell-c Möhr-en 2.50 Mk.,
rveihe Atohren 1.50 Mk . Zwiebeln. lete. bis zum
31. Oktober 1019 6.50 M>k. Diefe Prc-ise Mlt»n für
gesunde marktfeste Haude.sware frei verladen rn
Bcchnwagcu oder Schiff-

* Keiue Festsetzunq oon Prcisen füe das Herbst-
obst. In d-er Sitzung des land >ständi - chen E r-
nährungsbeirates vom 1- Sept. wurde, wie
die „Karlsruh-er Zmtung" b-'richitet. mit Rücksicht
auf die zu erwartende qute Ernte ur.d da die
Verscvndsch.einpfUcht. für die Aucs.hr au.s ,Vadeil
besteben blcib'M soll. beschlosien. von der Feltsetzunq
von Prei'en für Herbstcbst. stn'üc für Obft- und
Traubemvein durch die Zentralstellen abz-uschzn.
Gevcnr etwa cin^tzcude Preistreib'ercten wird st bs>-
ständlich mit allen Mitteln, nötigenclalls durch Wic-
dereinfüihrui'g vou Höchst- und Nichtpreisen emge-
schritten werden.

* Ncucs Oper-ettcnthsater. H<ute Abeu-d 71b
Ubr kommt die „D 0 l a r v r i n zes s i n" - wieder-
holt zur A"fführung. Herr Schleyer aus Mann-.
heim gastiert als Condcr.

* Warnung vor Schwindlern! Die Ortsgruppe
Hsrdelb-erg >des Vostsbundcs zum Schutze der heut-
lchcm Krie--'- und Zioilgefangsn^n schrei-bt uns:
Wir mackxm daraus aufnwrkfam. dah Leute, die fsix
unsere Hausfammlung IHtig srnd, all^ mit Aus-
weifen, die unstren Stempel traigen. vechehsir
sind. In. Neckargemünd. wo sich scbsinbar
Schwindler umhertreibsn. kommt für n-nssrs Samm-
lung nyr Frl. Schilder in Betracht.

LetzLe Drabtberichte

Prämien sür Vcrgarbcrter

Crgew x Drahtbcricht der „Badischsn Post '

(.) Vcrlin, 4. Sept. In unterr chteten Krei^
scn ist men dev Mnsicht, dah die Arbestszeit im

Vergbau auf 6 Stunden oerkiirzt werden nruh,
Dagegen sollen fürbesondere Mehrleistun-
gen dcr Bergarbeitcr Prämien angesetzt wer-
den. Diese Prämien sollen zum Teil in Gcld, zum
anderen Te'l in Lebensmitteln bestehcn.

Die Haltung der Franzosen rn der Pfalz

Mllnchen, 4. Sevt. GeneralFayolle in
Kaiserslautern hat d'e vonr bayerischen Minist-'r-
vräsidenten wegen der schweren Bonälle in LuL-
wrgsbcvfen evbeteno Unterredung abge-
lehnt mit d-er Beqründung, er habe lediglich die
^Üusgaibe, für die Au-frechterhwltung der Ovbivung
zu sovgen und dreso weide durch die örtl chen de.tt-
schen B»-'hörden unter der Kontrollo der franzö-
sischen Militävbehörde vorgenommen.

B rlin^ 4. Sept. Aus Ludwrgshafen er-
fährt die „Doutsche Allg. Zfg-", datz dort weiters
8000 frandöUchs Svldaten eingetroffen sind. A' ch
in Sveyer und K a i'se r s l a u t e r n sind neue
fransösischa Truvvon cingezogen. Wie .Gcho de
Paris" meldet, d'enen die Truppen-vcvstärk NN-4'
rn d"r Pfalz n-'cht mrlitäri chen Musincchmen ii
ben bssetzten Gsbieten, sondern dem ementu. llen
Dormarsch im'Falle einer a°blehnenden
Haltung Deutfchlan'ds in Sachen d>ss Ar-
t'cksls 61 d-^v Rerchsveriafl' ng.

Cadorna geht

Rom, 3. Scpt. Das Amtsblatt msDct. dah e>ne
Reihe von Generälen, darunter Eadorns, aus
lNiltersrücksichten zur l^isvositiow geftellt w-.rdsn.

Hirschberg, 3. Sevt. Dre Fcchr'lkationsräume der
Hirschb rger Pavierfabrik G. m. b. H. sind beute
durckr Feuer zerstö'rt wo-rden. Der Vctc'veib
richt vollständig.

Brcslau, 3. Sept. Tvs Genevalkomnvando des
6 M.-K. meld t: In de^Nacht stiehen voln rsche
V and 0 n in der Richtung G 0 -d 0 w vor: sie wur.
d«n mr E-ogenstoh gew 0 rfen. Ber Neuberuw
wuvdsn eingedrungene Banden zer vrengt. Ban-
denangriffe östlich Tarno.wrtz >und Georgen-
be-rg wurden «vbgewiescn.^'Bei Vardnig, süd-
'ich Sulnierschütz ei^gedrungene Banden wur-
den verjagt.

Washington, 3. Sevt. (Rsuter.) Das Kricgs-
amt hat eine Verfügung erlasien, wouach dte
Einfuhr einer solch n Farbmenge aus
Deutschland erlaubt wird dah damit der Be-
'oarf dav cvmerikanischon Fabriken auf 6 Monate
gcdeckt rvird.

^ D'e Befreiunq dcr Ukraine. Nach einer
Meldung des ukrainischsn Presiebüros ist der Wi-
derstand der Bolschewisten bei Bojarka gebrochen.
D e Trup^en Petljuras stehen rmS )üdterl von
K i >'w.

!s.'a«litischcr ISottesdienst.

Freitag abeird 6^/2 Uhr.

WittcnlWsbcslichtüiiiien i>er Vüdischeil Post.

Ain 4. Septembcr 1919, morqens 7 Uhr.

Wärme-
Gradc
n. Ccts.

16.4

iriederst. ^ höchster

Wärii-cqrad seit
gestern

15.0

23.6

Wind-

richtung

Himmel

Süd-W. trüb 753.0
0,5 mrn

Luftdr.

mm

. Niederschlag

Mittelwerte von gestern:

Temperatur 17,9

Tunstdruck 10.1 mm

Nelative Fsuchtigkeit_69,0-?j»_

Wasserstände am rt. Septemb. 1918

Hcidclberg: 1,12 m, Heilbronn: 0^20 m
und in vreckarsteinach: 0,73 m

Mocca

Von KnutHamsu n.*)

Die Conne ist aufgegangen über den Mina-
retts des Bosporus. Dre Strahen füllen sich.
Menschen und überall Hunde. Hunde über
Hunde. Eelbe Mihgeburten. Sie, schreien vor
Hunger. Sie beihen sich wie die Wälfe, aber un-
bcckümmert um ihren Spektakel wandern durch sie,
hindurch Pfeyde, Esel, Kamele und alle Men-
schenrasien der Levante.

Wir treten in eine Vude einr Ntngsum sitzen
auf rotgepolsterten Bänken Männer mit dem
Turban. Die Beine unter sich auf die Polster
gezogen, trinken sie Kaffee und rauchen. Auf
dem Herd viel blankes Kupfergeschirr, das macht
es gemütlich. Selbst die Diener ziehen bei ihrem
geschäftigen auf und ab an einer Zigarette. Meine
Begleitun'g ist c-ine Dame. Das sichert uns einen
Platz rn der besten freien Ecke.

Wrr sind in einem Kaffeehaus. Obgleich viel-
leicht zum ersten Male eine Frau in di.ese BiHö
trrtt, ist niemand über unser Kommen erstaunt.
Haben sich die Gäste das Wort gegeben. uns
nicht anzustarren? Nein, es ist überhaupt un-
ter der Würde des Orientalen, Neugierde zu zei-
gen. In winzig kleinen Tasien wird der Kafsee
serviert. stark wie Teer. Wir lauschen den ande-
ren ab. wie sie trinken: man schüttelt jedesmal die
Tasse ein wenig, damit der Satz mitgeht. und
auch gauz wie die ayderen legen wir uns ein we-
rug zurück und lasien die Augen air der Decke aus-
ruhen. Was wir trinken ist ja^der Göttertrank
Mocca! Heimlich gestehen wir uns, dah wir noch
nie solchen Kaffee schmeckten. Nur ist er so süh. Ob
Man ihn nicht ohne Zucker kriegen kann? Dep
Diener versteht uns nicht. Auch unser Französisch
ruhrt ihn nicht. Da spricht ein Türke an der an-
deren Wand ein paar leise Worte zu dem Die-
ner, er hat uns »ersianden. Ietzt serviert der Die-
ner ungezuckerten Kaffee. Jch erhebe mich und
verneige mich dankend vor dem Türken. Er ver-

*) Knut Hamsuw ist der literarische Nobel-
preistrager dieses Iahres..

Leugt sich auch. Aber er steht nicht
auf. Nrnrmt auch sonst keine Notiz von
uns. Ein vornehmer Standpunkt. Stände er
auch auf, uni sich zu verneigen, — das wäre eine
Ausartung. Was gehen wir Touristen ihn an,
wir Abendländer. wir Barbaren?

Der Diener hält ein Nargileh rn den Hän-
den und sieht mich fragend an. Ich nicke und
nehme. Der Diener macht alles bereit. zündet
mit glühender Kohle an und reicht mir das Rohr.
So dick ist das Mundstück. dah es nicht zwischen
pie Zähne gehtz Es wird nur an die Lippen ge-
halten. Jch rauche...

Mit Saiteninstrumenten und einer Trommel
kommt eine Musikbande. Die Zigarette im Munde
rauchend läht sie sich auf deir Boden nieder und
spielt. Unverständliche Akkorde, die unsere Musik-
begr.sfe über den Haufen werfen. Ietzt fangen die
Musikanten gar zu tanzen an. Als sie aufhöreir,
legt man ,ein wenig Eeld in die Blechschale, d
dc-r Trommler herumgehen läht. Dann zllnden sie
sich frische Zigaretten an. Sie gehen. Sie grühen
nicht, sie danken nicht, sie haben gearbeitet und
sind dafür bezahlt worden. Das Eeschäft rst er-
ledigt.

Der Kasfee fängt jetzt zu wirken an. Eine an-
genehme Mattigkeit übcrfällt mich, meine Hand
zittert. Wenn wir etwas zu essen bekämen! Der
Türko von vorhin übersetzt unseven Wunsch dem
Diener. Aber der schüttelt den Kopf. Es gibt
hier nichts zu essin. Doch wir möchten so gerne
hier bleiben. Meine Reisegefährtin sagt: „Bestich
ihnl" Jch tue es — er tut, als merke er das
nicht, grübelt aber sichtbar nach. Er entschlieht
sich und geht hinaus. Jetzt holt er uns ein Huhir,
denken wir.

Jnzwischen gieht uns der anders Diener fri-
schen Kaffee in die Tasse. Wi^ lehnen uns zuriick
wio die Türken und blicken nach dcr Decke. Wici
klug ist doch dieses Volk, das so nahe bei Europa
trotzdem jeder Hctzerei fern bleibt. Zwanzig Mäir-
ner genießen auf dem Diwan ihro Morgenstrmde,
anstatt in die Fabrik zu hasten und bis zum
Abend zu schwitzen. Wovon leben sie? Sis kom-
men, sie gehon, aber alle genichen in Ruhs den
Morgen. Der ärmlich gekleidete Arbeiter. wie der

feine Effendr mit dem Rubin am Finger. Das
Leben in diesem Lande ist auch für den Aümen
billig. Er ist zusr'cden, wenn seine Mahlzeit eine
Scherbe Brot. eine Zwiebel und ein Schluck Fei-
gensaft mct Wasier ist. Vor und nach der Ar-
beit sitzt er im Kaffeehaus im Schatten einer
Moschce und pflegt seine Träume — während der
Europäer um diese Zeit mit Geschrei sich über die
Morgen- und Abendblättcr aufregt. Der Bauer
auj dem Lande macht es ebenso. Einfach. urwelt-
lich ilt sein Pflug. E-Ne Holnstange mit sinem
Ouerholz, das. die Erde gerade so weit aufwühlt.
dah man darin säen kann. Das gcnügt, Sicv
wäre mit einer rationellen Wrrtsckait und estrem
Stahlpflug die Ernte gröhcr, seckzigfach gröher.
Aber der türkische Agraricr will von der Erde
nicht mehr, als sie ihnr miihelos g bt. Das ge-
nügt ihm. Er hat keinc Bedürfnisie — eine
Mahlzeit macht ihn glücklich.^auch wenn sie bloh
aus einer Scheibe Brot, e'ner Zwiebel und einem
Schluck Feigenwasser bcsteht und die Arbeit ist
ihm nicht das Einzige auf dcr Welt. Er arbe ter
nur gerade so viel. dah der Ertrag zimr Leben
reicht. Der Türke hat Zett, täglich viele Avthackts-
stunden einzuhalten. Abendo sitzt er vor seincnr
uieinen Hcim und r'uht aus bis tres in die Nacht
in seinen Träumen.

Ist er glücklicher oder wir? Es handelt sich
darunr, ob er sich darunr grämt, dah er den
Stahlpflug entbehren muh. Hat er John Stuart
M.ll gelesen, der schrieb: „Es fragt sich, ob die
mechanischen Erfindüngen denr Menschen das Le-
ben erleichtern." Oder hat John Stuart Mill
diesen Zweifel von den Türken gelernt?

Der Diener kehrt von dor Strahe zurück. Er
Lringt kein Huhn nrit Salat, aber Obst und cin
paar kleirre Zuckerbrötchen. Mit einer Miene. als
brauchten wir nicht mehr. Ach, er kennt unsere
nordischen Bedürfnisso nicht...

Neues aus aller Welt

* Wie Schlipsnadcln gcstohlcn wcrden. Jm
„Neuen Wiener Tageblatt" veröffentlicht ein Kri-
mmalkommisiar Erfahrungen aus seiner Tätig-
keil. Cr erzählt: Auf der Plattform derElektri-

schen steht ein Herr mit einer funkelnden Brillant-
aradeb in der Krawatte. Vor ihm steht ein fcin
gekleideter Herr, dem sehr warm zu sein scheint,
denn er sächelt sich mit seinem Taschentuch und
hält, dabei seinen steifen Hut in der Hand vor sich
und zwar so, dah die Hutkrmpe gerade unter dis
Krawattennadel seines Nachbars zu Uegen kommt
Der Strahenbahnwagen schwankt e°ii wenig hin
und her und schon ist die Nadel herausgehoben.
Fällt sie Boden, so sällt sofort das Taschen-
tuch darauf, und rasch ist beides aufgehoben. Sitzt
sie etwas festcr, so rvartet der Dieb mit hem Ta-
schentuch in der Hand. anscheinend im Begrifse,
den Schweih auf dcr Stirn zu trocknen, bis der
Wageir bei der Fahrt in einer Kurve oder beim
Bremsen vor der Haltestelle die Pasiagiere ein
wenig durche'-nanderrüttelt: der Herr bcachtet es
kaum, dah sein Gegenüber mit dem Taschentuch in
dc-r Hand gcrade an seine Kravatte anstöht. „Par-
don!" murmelt und hen Wagen verläht. —

tzumor vom Tage

* „Der Nagel zum Sarg!". Der alte Anders
hat beim Gutsbesitzer Carstensen einen Auftrag
ausger chtet. und Earstensen lädt ihn zur Beloh-
nung zu einom Schnaps ein. Ackders lrebt den
Vranntweinn und leert das Glas mit solchem
Behagen, dah -er Eutsbesitzer sich zu cinigen er-
mcrhnenden Worten veranlaht sieht: „Du roeiht
rvohl, Andors, dah jeder Schnaps ein Nagel zum
Sarg ist." Anders wirft der Flcrsche, die Carsten-
sen noch in d-.? Hand hält. einen forscheiHen
Blick zu: „Na," sagt er, „schlagen Sie noch e iien
Nagel ein. weil Sie doch gerade den Hammer in
der Hand haben!"

PAllagogium filLuenlrei'm-stoillelbg. (s/Veboi sti. 4)

6vmas8ia1-, lloslxvmns8lal-. llenl-KIussen Sexts/
?rims. ^loclesn devvMirte Linricl>tu,is cn. dpicl su,
emenem Lpielfelü VÜerk-l.1,te. ?raki.,cum. 6?"^' unck
l/nckbsu. Lörckerunx körporllck u-s. cv. Sclnvacker
^ufeaden vnker ^nleitunA >n tö8>- /irdeitsslunckkn llm-
sckulun« unck lleberleitunx in slle Klassen cker 8I0LI8-

scdulen. LamIUenkeim. 19>8/t9 u. a- >4 ^ditur.
20 ?rims u. 0. II. 37 LlnjrNirlge.
 
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