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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0052
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trftt sonst unsores Wissens, einen ro!rlschastlichcn
Lccheralisnurs. Die Politiker und Mirtjch.rftsvoli-
trter, L-ie tzinter rhm stechen, sollten darum wrssen,
dab die WicÄ'rcherstellung des Kredits. mit dem
Deutsch-land allein roisder an seinen Miedevaivflb'tn:
gehcn kann, vor allom des Zutvauens aus den
deutjchen UnterneHmergeist bedarf.

Aus dem besetzten Gebiet

Die Pfälzer Verrüter in der Maske
dcs Helfers

Ludwigshafen, 9. S-vt. (Pritoattel.) Die
„Areie PfaL", das Oraan der PWser Mrräter,
richtet an alle Pfälzev Familien die Bitte, unoer-
sügilich lib>m Äio genaue KÜdresso derjenigen Ange-
hörigen mitsuteilen, die sich noch in fransöstscher
Cefanaenschaft definden, damit die für die Frel-
lassUTio nötiaon Schrrtto sofort durch den „Bund
,-Freio Pfialtz" eingeleitet werden köninan; wenn
auch Adi«essen jenex KrieLsgefiangencr angenom--
nion weudan, dre nicht auf d«cim Doden der.xZroien
Pfals" stLchen, so sei allerdings selLstoevsüindl ch,
datz Ansechlörige des Bundes in Erster L-inie Bo-
rücksichtisung fi-nden. Dre rnälz. Zeitungen komi°
nrcntieren diese sonderbare Aufforderung dahin,
das; nvan wohl hoffen idcrrf, datz die „noutvale'
fvanzüsche Bcchörde eine Zuinmtunü auf unglsiche
Behandlung der Kriegsgefangenen, auf die es der
„Freie Bund" aibzchehon scheint, ficher äblchnen
wrrd. — Diese Aoitungen scheinen immer noch
an den „ritterliche.nl Sinn" cher Fvcmsofen zu
glauben.

Haatz urü» Gcnosfen im Schutze der Entente

Landcm, 9. Sevt. (Privattel.) Jnfolge der
fvontanen Dolksiboweüung in der gan-en Rhein-
pfalz segen die SonderbünLler und Berräte-r er-
lcncht die fttrnLösrsche Bcchörds den Zeituingen, in
scharfen Artikeln gogen d'rclse Agrtatoren Stellung
öu iiLhmen. TroÄrem stellt sie sich mich fchubend
vor d've bokannten Verräter, wie Haatz und Dor-
ten. Sie hat die -oom Volk goford-rte Asuswei-
sung aus dem beisetzten Gobiet abgelehnt.

Landau, 9. Sevt. (Prtoaltol.) BÄe hrer ver-
lautet, sinid für die nächsie Zoit weitero M lde-
ricnsen für dre Bevölkerung des be>tzten Gob ets
nicht zu erroariten. Namentlich scheinen die Verur-
teilungea bei Ileberschveitungen der Nerordnun-
gen nicht gonrUdert, da drr französisch-e Behörde
auf dom Standvunrt fteht, datz die bösetzten Ge-
biete brs zur endgültigen Ratrfizierung und Noti-
fisierung des Friödensoertrases als unter dem
BelagLrunssAuiftavd befindlich zu betrachten sind.

Die Velgier auf dem rechtsrheinifchen llfer

Düffeldorf, 9. Sevt. (Prrvattel.) Die Lelgi-
schen Besatzunsstmvven haben ichre Vrückenw.r-
chen rn den'letzden Wochen unbsrechtigterwe se bis
vollstänldig auf das rechte RAÄnu.fer vorschchoiboni
und dio geisamte Rcheinbrücke bSfetzt; gestern Haben
rrun die belgrschen Behörden d-iie Bostimnmng ge-
troffen, dah deutschs Schutzvosten LOO Wetex von
don bÄgiischcn entfernt stechen müssen. soldatz ein
Teül des rechten Wers unge.schÄtzt fft. Die deut-
sche Debördo wird LiergLgen' Verwabrung «in-
legen und verlangen, datz d-i« Delgi-er das rechts-
rbeinische ll-ftr verlassen.d

Kehl, 9. Süpt. (Privattel.) Zn den drei letzten
Wochen find vom Kriegsgericht der fvcrnzösischen
BesatzuTlSÄbeHotlde in Kehl gegen me-hr als 120
Personen 'Cefcingnissirafen, zum Teil von mohre-
ren Monaten bis zu 2 und 3 Zähren ausgefvroch'n
worden, vielifach roegen Schnruggels nach dem un-
bHetzten Cöbiet od«r HLufig nur Nemeren Där-
geben. Das Kehler Cefängnis roav während der
sanzen Dcvuer der Bäsetzung n-och nie so üiberfüllt.

Hamburger Brref

„Hamburg ist tot". So sagen die altei-ngesesfe-
nen Hamburger zu thren Besuchern aus dem Rcjch.
Wer aus einer Leineren Stadt kommt, der kann
es im erften Augenblick nicht glauben. Aeußerst
reger«Straßenverkehr. volle Hoch-, Dororts- und
Straßenbahnen, überfüllte Alsterdampfer scheinen
-as Cegenteil zu beweisen. In den Ceschäften
lebhaftes Treiben, bluhender Straßenhandel. in
den Hotels und Castwirtfchaften ist lein Zimmer
frei. Und dennoch: Hamburg ist tot. Zum minde-
sten Uegt das Hamburg. dem dtt Stadt ihren
Wöltruf zu oerdanken hat, in einem totähnUHen
Schlaf. Das wird uns erst klar, wenn wir zur
Elbe wandern. Der Freihafen fast leer, nur
einige Ententeschiffe lassen wie zum Hohn lustig
ihre KLimpel im deutschen Winde wehen. An der
Lanhungsbrücke liegen Personendampfer. die nur
zwischen den Orten an der Elbe verkehren, d'e
großen Ozeanriesen sind verschwunden. Die deut-
sche Schiffahrt ist um Jahrzehnte zurückgeworfen:
Segelschiffe schicken sich an, den großen Teich zu
überqueren.

Aber der hanseatische Kaufmannsgeift ist auf
die Dauer nicht zu unterdrücken. die scharfe See-
prise bläst ihm den Schlaf aus den Augen. Schon
regt er sich allen.thalben. Jn dem Anzeigenteil
der großen Hamburger und Bremer Blätter meh-
rcn sich in den letzten Tagen hre Anzeigen hanse-
atischer und nordischer Reedereien, in denen die
M-cderaufnahme des Dienstes mit Holland. Spa-
uien, Jtalien. Rumänien, Konstantinopel. Süd-
amerika und sogar Wladiwostok und anderen ost-
asiatischen Häfen, hier zum Teil allerhings durch
Dermittelung ausländischcr Reedereien, angekün-
digt wird. Die Oldenburg-Portugiesische Dankpf-
schiffs-Reederei, die vor längerer Zeit ihren S tz
von Oldenburg nach Hamburg verlegte. nimmt
ihren Verkehr nach Portugal wieder auf. deu sie
vor dem Kriege in Cemeinfchaft mit der Deutschen
Dampfschiffahrts-Cesellschaft „Hansa" in Vremen
unterhalten hat. Der erste Dampfer soll Mitte
September nach Oporto und Lisiabon abgefertigt
werden, hem dann Ende September ein zweiter

wie acgenwärt'ng: allgemein herrscht rm Hanauer-
land Cibilteruug darüber, daß die Frantzosen ihv
Negimcnt täglich strenger Mren.

Koblcnz, 9. Sevt. (Privattel.) Dbe bier
schc-inende amerilkanische Zeitung ,-Amcrroc" bestä-
tigt, daß cruch künstig dis ameManischen Truvven
unter der Aufsicht des Höchskkommcmdi^enden der
sranzösischen Truppen, Marschall Foch. stehen
werden. Die für die verschiedenen bosetzten! Zon-vn
geltenden Crlaffö werden jcdoch joweils o>0n dec
fvaiisösi^chen. amerikani/schen. enMchen und bel-
gischen Behörde des hctreffenden Dosatzmrasaib-
schnittes eig-Nmächtig hercrus gegelben.

Die Republik Birkenfeld

Die Negierung der Republik Birkenfeld erläßt
eine Kundinachung. wonach die bisherige Provinz
Birkenfeld dcs Neichslandcs Oldenburg sich von
diesem losgesagt und sich als selbständige Nepublik
im Derbande des Dsutschen' Reiches erklärt. Die
Negierung setzt sich zusammen aus Ludwig Zeller
als Präsident. sowie aus Hubert Eifel und Wilh.
Haut. Dic bisherige Staatseinrichtung bleibt be-
stehen. die Beamten bleiben im Amt. über die Zei-
tungen ist die Vorzensur verhängt worden.

Der franzöfische Militärverwalter Major Va-
sttani soll nach Berliner Mcldungen in einer Ver-
sammlung erklärt haben. daß die neue Verfaffung
im besetzten Gebiet keine Gültigkeit habe. Die Be-

satzungsbehörden erkennten die neue Berfaffung
ntcht oii. sie besetzteu das Land 15 Zahre uno wllr-

den die Cesetze anerkcnnen, die sie anerkennen
wollen.

Deutsches Neich

Die Durchführung

der Reichsverfassung

Das Reichsministerium des Jnnern arbeitet ge-
genwciritz mit Hock)druck an der gesetzgeberischen
Durchführung der Neichsverfaffuug. Eino große
Anzahl grundlegender Neichsgesetze wird im Ent-
wurf schon durchgearbeitet. Sie können dem Par-
lament' in kurzer Zeit zur Veschlußfaffung zugehen.
Die zunächst ausgearbeiteten Entwürfe betreffen:

1. Nach Artikel 13 Absatz 2 soll die Frage des
Konflikts zwischen Rechtsbefugniffen des Reiches
und der Einzelstaten durch Schiedsspruch des Rei-
ches gelöst werden. Dcr Entwurf wird unter Hin-
zuziehung des Justizministeriums bearbeitet.

2. Das Cesetz über die Einsetzung eines Staats-
gerichtshofes.

3. Entwurf eines Rcichswahlgefetzes für das
Parlament und für die Wahl des Reichspräsiden-
ten. Ferner werden in Ergänzung der Wahlge-
setze die Form der Volksabstimmung. des Volksbe-
gehrens und des Volksentscheides festgelegt wer-
dcn. ANes wird zusammengefaht in dem grützen
Reichswahlgcsetz.

4. Die Einsctzung eines Reichsverwaltungsge-
richts.

5. Das Neichsbeamtengesetz und

6. im Anschluß daran die Rechtsstellung der
öffentlichen Veamten, die nicht Reichsbeamte sind.

7. Das Linschreiten der bewaffneten Macht.
Dieses Cesetz wird in Cemeinschaft mit dem Rerchs-
justtz- und Reichswehrministerium entworfen. .

8. Das Cesetz über die Reichs- und Staa.tszu-
gehörigkeit und Regelung .der Auswanderungs-
frage.

9. Die Freizügigkeit.

10. Die Zensur für dje Lichtspieltheater. Dttse
Frage ist noch nicht gelöst. da gegebenenfalls die
Landesgesetzgcbung dafür in Frage kommen kann.
Im Anschluß daran die Bekämpfung der Schund-
literatur und der Schutz der Jugend bei öffent-
lichen Schaustellungen. — Zwangsregeln gegen die
Verwahrlofung der Jugcnd.

11. Anmeldepflicht für Lffentliche Verfammlun-
gen unter freiem Himmel.

12. Das Gesetz über Schule und Kirche.

Dem Neichsministerium des Jnnern fft eine AL-
teilung 111 rur Dearbe'ttung der lulturpolitischen
Aufgaben zngeteilt worden.

Industrie und Betriebsrätegesetz

Die Crregung, die sich der deutsch- n Jndusttie
angesichto der Berschärfiunsen des Defehenlwurfs
über dre Betriebsrctte bomächtist hat. ist scrnz au-
betzordentlich srotz und in cruffälligeim RLatze
stärkcr 'als gegenüber so mancher bedvücke-nden ge-
setzlichen und steuerlichen Matznahme dioser für die
Jnduffti« so schweren Zeit. Durch das Mitbesttm-
nrunssvecht. den Einflutz der Aivbeiter aus vte
Leituno dar P-roduLtton, den swcmgswelssen Mn-
tritt von Arheitern in die AuifsichtÄvate. d?e er-
rwungene Vorlegung der Bilamsen, der Gewinn-
und Verlu.striechnu'ng an die Alrlbeiter sieht der
deutscho Jndustriello die ZEmrft 1er Betricbe uim-
mittsbbar bedroht. Mcm Mrchtet, datz hievaus
eine nunimchr uinheilbare Krisis für das deutsche
Wirtffchaftsloben hericmfgesührt wiöd und zwar un-
nötigovweüse durch Miabnahmen der C-osetzgehung.
In der deutschen Industrie hosft inan. dwtz Neg e-
rung und Notionalvevsammlung w<niiosiens in
letzter Stunde noch sich von diosenCesahren werdcn
überseugen laffen. Crotze Landec-oraanisationen Der
deutischon Jndustrie arbeiten d-araus hin, durch
«ine 'KiMdigebung dcr gosamten deut chen Industrle
der Ende Septomber ruisammentretenden Natro-
NaVversamMlung dre schweve Cefahr dcs jetz gvn
Cesetzentwurfes über die Betriebsräte nochmals
davsulegen. Enisvrechcüde Anträge sind an Vcn
Rerchsivevband der Deutschen Jndustt'ce gelanrn,
deffen Dorstaivd nächster Tcvge darüber berarcn
wttd.

Ein inleressanler deutsch-polnischer
Sireit

Ein interessanter Streit spielt sich augenblicklich
in Danzig zwischen den beiden Nationalftäten ab,
übev den unter der obigen Ueberschrift der „Dzien-
Nik Cdanski" vom 5. 9. Nr. 19 folgendes berichtet:
„Der „Deursche Holzarbefterverband" beschloß auf
der gcstrigen Sitzung, von der Firma Ahlisch und
Beck zu fordern. daß sie alle Mitglieder der polni-
schen Berufsvereinigung entlaffe. Wenn die Fir-
ma dies nicht gutwillig tut. drohen die deutschen
Arbeitcr. sie durch Streik dazu zu zwingen. Sie
«rtennen die polnische Verufsvereinigunq als einen
Cewerkschaftsverband nicht an. Der Leiter des
HolLLrbeiterverbandes. Spill, befahl den deutschen
Arbeitern. dcn Vertreter der polnischen Berufsoer-
einigung aus der Fabrik herauszuwerfen. falls die-
ser mit dem Eigenlümer des Unternehmens zu kcn-
fer'.epen beadsichtigen sollte. — Die polnische Be-
rufMcreinigung wiid entsprechende Schritte gegen
drn Hakatismus des dt.utschen Arbeftcrs untev»ch-

Aus dieser polnischen und daher stark einfetti-
gen Darstellung kann man unschwer erkennen. wie
leicht felbst soz'vlistische Organiscttioncn mit dem
größten polnischen Schimpfwort ..Hakalist" belegt
werden können, wenn ste einmal nicht so wollen,
wie die Polen. Was der Crund dieses Streites ist,
dürftcn wir wöhl bald aus deutschen Zeitungen
erfahren'.

Die Eisenbahnwerkstälten

leisteten vor.und während des Krieges Vorblld-
liches. Es ist bekannt. daß die dort ausgebildeten
Lehrlinge stets die besten Arbeittn auf die Lehr-
liugsarbeitenaussttllungen der Ccwerbevereine sand-
ten. -aß alle Reparctturen mit größter Akkurateffe
und absolutcr Punktlichkeit erledigt wurden. Die
Koalitionsfreiheit hatten allerdings die Arbeiter
nicht, der damalige preußische Eisenbahnminister
von Breitenbach wandte sich gegen dahinzielende
Anträge stets mft größtev Energie „im Intereffe
der Sicherhett des Staates". Die Revoluiion
Lrachte Len Eisenbahnern die Koalitionsfreih-'it.
DieArbeitszeit ist nunmehreingeschränkt, die Löhne
srich enorm erhöht worden. aber die Arbeitsleistung
Hat so nachgelaffen. daß wir noch mehr als vor
einer Kohlen- vor einer Transportkrise stehen.
denn mangels rechtzeftiger und ordnungsmWger

Reparierimg verludert unser rollendes Matcriat
fürchterlichster Weisc.

Das bcreitet natürlich dcr Negierunk die schwer-
sttn Sorgen und so fandcn auch am Freitag letzter
Woche wieder einmal im Ne-.chsarbeitsministerium
unter dem Vorsitz des Reichswirtschaftsminifters
Schmcdt und in Anwesenheit dcs Eisenbahnmini-
sters Oeser Verhandlungen statt zwischen den Eisen-
bahnarbeiter-Cewerkschaflen und 'den betciljaten
Ministerien. um zur Frage einer Steigerung der
Produktivität in den Eisenbahnwerkstätten Stel-
lung zu nehmen. Von den Regierungsvertretern
wurde betont, daß die Kohlenversorgung und die
Aufrechterhaltung der Zndustr.e augenblicklich von
di-esc-r Steigerung vollständig abhängig sei. Eine
Abhilfe erblickt die Regicrung in der Einführung
-er Akkordarbeit. Die Cewerkschaftsführer hinge-
gen versprachen sich davon bei der Eigenatt des
Eisenbahnbetricbes keinen Vorteil, sondern nur
Nachteile. Nachdem aber von der Eisenbahnver-
waltung die Zusicherung gegeben war. datz die
bisher verzögerten Tarifverhandlungen sofort be-
schleunigt werdcm sollten. erklärten sich die Ce-
werkschaftsführer bereit, die Vcrhandlungen weiter
zu führen. Sie sollen am Freitag nächster Woche
fortgesetzt werden. um inzwischen den Cewerkschaf-
len Gelegenheit zu gebcn, im eigenen Kreise die
Frage zu erörtern.

„Die roten Lakaien der Entente"

Unter dioser Ueberschrift redet in der Clocke
der Mechrheitssoziak-ist Paul Lensch mit den „Unab-
hcnrgigen" u. a. wie folgt Fraktur:

..Den en-slischen So.jialisttn ist es woihl noch nie
eingefallen, oesen die Eroberuna der Welt durch
England zu prciteftieren, zam größten Teil -berüm-
mern sio sich nicht um auswärtige Probleme. Die
deutschen Unablhängigen «cher sind nie etwas ande-
res gewesen, als >die roten Lakaien der Entente-

bourgeoiste. vor der sie wie drMevte Pudel ..schön"
machen -unv nur dann ihre melodienreiche Stimme

erhoben, wsnn iihre Herrin ko-nnnandiett: wie spricht
der Hund? In der Tat haben diöse P-udel nie ge-
wag-t, gogen den Annexioiisloahnsinn der Entente-
bourgeoisie auch nur zü knurren. Sie haben ihn
lbefchön'igt, iihn verteidigt. ihn gerechtfertigt, wie
sie fa auch Len Mitttarismus sofort ibezMbernd
fanden. sobald er bei der Enttnte auftrat. Und
diese Lakaien, fchliefft Lensch. schwätzen von „Welt-
rovolution" zu oer sie die Massen auffordevn!"

lJm ZaMmmenhang damit sei festgestellt, datz
'Mich die Prawda, Vas Zentralorgan der russijschen
BoLschswisttn, mit denen die deutschen llnabthättei-
sen so aern kokettieren, rhnen das Zeugnis aus-
stellt, datz stt sich „als eleride Lakaien dazu drängen,
oie Stiefe-I der französischen Cenerale zu lecken, ob-
wohl drese Stiefel mit Arbeiterolut besudeft sind."

Das Schicksal der deutschen Handelsflotk-

Aus Lloyds neuem Rogister üst evsichllich, daß
17 grotze deutsche OzeandamPfer von dem amett-
kanifchen Schiffwhrtsamt, 9 vom chritischen Schift
fahrtskontrolleuer, 6 von Ztalien. zwei vvn
silien und einer von Chile verwaltet rverden. Die
von Amerika übernommeneir Schiffe erhielten a,Ni
dere Nanttn, was darauf schließen -läßt, daß sie LiL
crmerikanische Schiffe angesehen werden, darun«
besinden sich „Vaterland", „Kaiser Wfthelm II. ,
„KronprinKsssin Eecel'ie" und „Amerika".

Die Zeiswerke in Zena

Das eiffte deutsche Crotzunternechnttn. oas su-
folge des TLstwments des früheren Jnhabers,
Alb b wieder seit Jah-r-ehnten seine Arboiter rrm
-Gewinn Leteilist, bckben ihren Aöbeitern eme er-
hebkiche VeNbesserung der Lohm- und AvbeftÄbe-
dingunscn Augosast, verlangtt äber sur FLrderung
der Produktion die Nllckkchr zur AKordarbeit. Di^
erstt Mstimmung eqgalb nur eine gerinse, cino
nach erneu-ten Verhandlungen nochm-ails vorgencmr-
mome Abstrmmung eine erhebliche Mebrhoit fü-v
die ÄMordaibeft deren Wiödereinfübrung somit
gosichirt ist.

s Lord Beresford, der htttische Admiral, ist iin
Aller von 73 Iahrcn in Schottland vlötzl ch
fttrbön.

Dampfer folgen soll. Die Firma Th. und F. Eim-
Leck in Hamburg beabsichtigt mit der Ozean-Linie
die Fahrttn nach Kuba und Mexiko wieder aufzu-
n^men. Wenn es Kohlen gibt!

Nachdem die 'Anierikaner die erften rvaren. die
den Schiffsverlehr zwischen Nordamerika und
Deutschland wieder aufnahmen, käßi es die Japa-
ncr auch nicht ruhen, mit Deutschland wttder in
Schiffsverkehr zu treten. Und zwar nimmt die
Kuhara Trading Co. die Derbindung zwischen Osb-
asien und Deutschland wieder auf. Der erste
Dampfer ist bereits mit Kopra von Iava auf der
Elbe eingetrofsen und weftere Schiffe werden fol-
gen.

Also man sieht, Hamburg ist noch nicht ganz
tot, es fängt an, sich wiedcr zu regen.

Für die nötige Abwechslung in dem Einerlei
des Tages haben bekanntlich in Hamburg auch die
Herren Spartakisten gesorgt. Zahlreiche Wund-
male an dem schönen Nathaus und den Häusern
und Auslagescheiben der Umgegend legen beredtes
Zcugnis davon ab. Dichter Stacheldraht schließt
heute noch den Nathausplatz in weitem Umkreis
ab. In einsamer Höhe ragt aus diesem traurigcn
Drahtgcftrüpp das Denkmal Kaifer-Wilhelms I.
heraus.

Vor dem Drahtverhau eine große Maffenan-
fammlung. Ein edler Spartakist verkaust die neu-
estc Nummer des „Alarm". „Ein Vlatt gegen
jede Verdummung". (Nur nicht gegen die ergene
des Herausgebers.) „Die Abschasfung des Gel-
des", „Meldungen zur Roten Armee in Ham-
burg", „Achtung, die Monarchic ist auf dem
Marsch", das sind seine Schlagwortc. Besonders
der ungezählte Male ausgestoßene Notschrei: Fort
mit dem Celde! findet lebhaften Beifall. Einer
der ganz Schlaucn will daraus gleich die Konse-
quenzen ztthen, fordort ein Blatt und will ohne
Bezahlung sich ganz dem Cenuß des Inhalts
hingeben. Da entschlüpfcn dem Cchege der spar-
takistischen Zähne gräßliche Worte höchsten Unwil-
lens (gewöhnlich sagt man: er fluchte mördettich).
Der „Käufer" antwortet seelenruhig: „Dat Ield
wird abjeschafft" und hat die Lacher auf seiner
Seite. X.

Theater und Musik

* Mamrheimer Nationaltheater. Am Mittwoch,
den 10. Septcmber, geht Coethes „Egmönt" in
neuer Inszenierung mit Fritz Alberti in. der Titel-
rolle in Szene. Dtt Gestaltung dsr Bühnenbilder
besorgt Heinz Crete. Am Donnerstag. den -1.
Septcinber, wird im Nationaltheater als erste Vor-
sttllung in der Neihe bedeutenderer Werke zu be-
sonders ermäßigttn Preisen Beethvvens „Fideltt"
gegeben.

* Franz Neumann. der zuerst durch dtt geschickte
Vertonung der „Lttbelei" unh neuerdings durch
seine mit großem Erfolg am Deutschen Opernhaus
in Charlottenburg gegebene Oper „Herbststurm"
weiteren Kreisen bekannt geworden ist, wurde als
Operndirellor ans Nationalthcater in Vrcmen
berufcn. Herbstfturm ist neuerdings von eim-gen
Croßstadtbühnen autzerhalb Berlins zur Auffüh-
rung angenommen.

^ Ceneralmusikdirektor Prof. Franz Mikorey,
früher am Deffauer Hoftheater, hat einen Nuf zur
Leitung der Oper und der Sinfoniekonzctte nach
Helfingfors erhalten und angenommen. Mit
ihm seichet Deutschland einen crsten Meisttr deut-
scher Dirigierkunst in das finnische Land, desien
hauptstädtische Theaterkultur und Mnsikpftegc von
jcher lebhaft Dcutschland zuneigte.

* Der Nürnberger Theaterstreik ist, wie aus
Nünberg gedrahtet wird, beenhct. Das Ergebnjs
der langwierigen V>.rhandlungen zwischen der
Stadt, dem Direttor und der Bühnengenosienschast,
die durch Iustizrat Dr. Schlesinger vcrtreten wurde,
spricht sehr zugunsten der Theatermitglieder. Die
Stadt wird Divektor Pennarini mit seinem Ein-
verständnis am 31. August 1920 aus dem Vertrag
entlassen. Bis zum September des nächsten Iahres
hofft man die Kommunalisierung des Thoaters
durchführen zu können. Der erste Schritt zur Kom-
munalisttrung ist bereits getan. Die Theatermit-
glieder haben die C ew i n n b e t e i l i g u n g
durchgefetzt. Direktor Pennarini hat ihnen die
Hälftt des Reingewinns zugestehen müffen. Sobald
das Direktionsgehalt in Höhe von 26 000 Mark
für has Jahr gedeckt ist. Ferner hat sich Direktor
Pennarini verpflichten mllffen, in allen künstleri-

schen und wiffenfchaftlichen Angelegenheiten der
Leitung des Theaters die Zustimmung eines Dr-
rekttrrums einzuholen, das aus Direktor Penna-
rini oder einem vom ihm bestellten Dertreter,
einem Abgeordneten des Stadtrates und einem von
den Schauspielern gewählten Mitgliede bestcht.
Die Spielzeit wird am 6. September init Wagners
„Meistersinger" eröffnet.

Kunst und Mffenschaft

Hans Thoma 80. Ceburtstag. Zum 2. Okt-,
dcm 80. Geburtstage des Altmeisters Hcrns Thoma,
wird Dr. Anton im E. Vraunschen Borlag,
Karlsruhe ein Vüchlein erscheinen lassen, das den
Freunden des Juibilars eine schöne Fcstgabe siG
wird. Außer den ALibftdungen von 20 Grmälden
des Meisttrs. hat Hans Dhonia selbst ein btt<yer
noch unveröffentlichtes Bild 'beigösteuert, das den
Wert der Festgabe noch -erhöht. . ,

^ Bilderdiebstahl in der Berliner National«
galerie. Am Sonntag rvurde aus der Berlincr Na-
tttnlaksal-ertt das Bildnis des Ioihann>2s Leth, nro-
noMammiett 1841 von Schnorr von Carolsleio»
geftthttn. Das Bild zeigt den Dargestellten als
Knaben im Alter von ctwa 15 Iahren mit elnem
Schmetterlingsnetz in der linken Hand, im Hlnier.
grunde eine Landschast. Zur Erinittlung des
des wird gebeten, alle diesbozüLlichen Wa.:r! oy.
inm'.c.'en an die Direllion der NationalMlerie ge-
laiftien zu lassen. , .

* Riesenvsrmächtnis sür crns ItNwrrstrctt.
Newyorler Ncchtsanwalt Iohn W. Sterting,
der im vorigen Iahre gestorben ist. hitlt rlietz "aai
seinein jetzt verösfentlichten Testament die Rieicn-
summe von 18 Millionen Dollars oer
Pale-Anivcrsität. Er bestimmtc. daß mit dle,er
Summe ein prächt'iger Bau errichtel werde al^
dauernde Erinnerung an die Dankbarkeit, die
für scine alte Univcrsität cmpfinde.

" Knud Rasmusscn, der bekanntt därnsche -stei-
larsorscher, hat von Kopenhagen aus mit dem
Crönlandschiff „Godthaab" eine Re se nach Ang-
massalik im südlicheren Teil der grönländisÄcn ^st'
küste angetreten, um in dem dort lcbcnden Esliino-
stanim Studien über Volkssagen zu b-.treiben. D'e
bei Angmaffalik lebenden Eskimos sind die emzr-

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