Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0053
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
KR

' ^isen^!'E
°-V>°N d°n"K^

w-rlZ^I

'U^enbu^

'°Mg ^ ^
°"»kührq>>

- S,Ä

-"'VW
?. °°^'°- N>

°""°n

'r Enten,,.

§W

>"n,d°r L»,«,
^le haben ü-

v'ort beMbu§

'e austral. ^

atien von „M-,

n onstorderv''

' fGgestellt, sci

'lrn der rWj^
schen llnaMk,
ls Zeugnis ov
en dUU drängi',
ale >;u lttken.L
ut besudest W,'

Handelsflotft

A ersichtlich, dü
von dem mnerl
chritischen EG
, MSI von ?D
llltet roerden. T« i
ffe erhielten
-lässt, dcch sie
coerden, darm
lr Wrchelm II-,

Vrtttwoch, den 10. September 1919

Vadische post — Nr. 210

veilage

>e MMMl. P-'
IllNÄ -Mich ^

Die diskrete MMion '

Elossen zur Manheimaffäre

Die Ernrorbung des französtschen Sevsoanten
Alanheim im Verlauf eines nächtlichen Zulsam-
menstobes hat ej.genartige Folgen. g'zeirlgt. Dle
französilsche Negierung forderte: Vestrafung LSs
Mörders, Cntschäldi>gung der Familie des Toten
unto von dLv Etadt Verlin eine Million Mark in
Gold als Sü-Hne. Fn den crsten Tag-en n-ach dem
Mord flossen d.e Nachrlchten ü'ber die Nach-
foischungen nach deni Mörder ülherreichlich. Ein-
zelne Spuren wurden entdeckt — aber seitdemr ist
es still gewoutdeiv. Auf die frcmzöstsche Sühnesor-
derung folgte eine Fülle offiziöser Nachrichten, dre
die deutsche Pflicht zur Zahluug einer bdsonder n
Sühncsumine bestritten und der Hinwels davaus,
dag Frankreich 1871 in ähnlichen Fällen ebenfalls
keine Sühno gezahlt habe. Unid dann wudde es
auch davon still...

Voin woitcren VeAauf dor Leklagenswerten
Angelogenheiteii hätte mani vörmutlich in D 'udsch-
land arch nichts erfahrcn, wenn nicht 'dle aus-
län-dlische Prcsse wcit r darülber unterrichtet hätte:
sic torlte mit, dak die deutschr Negierun-g die
srauzösvschen Fordenungen vollständig erfüllt haive.
Erst darauf hwben es die amtlichen Stellen fitr
nötig aohalton, die dcutfche Presse von sich avs
aufzuklären. Es wurde mitgeteiilt, datz tatsächlich
dre Million an Frankreich gezahlt ilst, allerdings
unter Vetonung, dah wir di'L Berechtigung des
französischon Anspruches nicht anookennsn könnton.
Drc Million soi aber nicht aus Neichsmitteln ge-
zahlt woitden, foni'ern, „e i ne vrivate Ser tc"
habe sie der Regierung zur Versügung gostellt,
„um des Fr'iedens willen" die Angelclgmrheit bei-
zulcgen...

Em mertlvürdiger Fall. Es vst wobl das erste
Mlal, datz die deutsche Regierung eine Schuld a„
einen frc'mden Staat von einer privaten Scite bv-
zahlen lätzt. Der prrvate Svender. der den vier-
geprüften Vo.ssiner Stouersahlern die Vürdo alb-
geiil.mmen bat und zugleich politische Reilbungen
vcrmeiden will, verdient allen Dauk uud mcm
darf bedauern, dah er nicht pcrsöirlich ausgesvro.
chen werdien kanir, weiss er sich ins DunLel hüllt.
Unter dem alten Regime war es allerdiugs häu-
fig, datz dev Staat für finanzielle Aufgabow. dio
aus demrogulären Etat schwer zu bestrelten waren,
private Spenden in Ansvruch acvbm, z. V., wenn
es sich um den Ankauf von Kunstwcrlken. uin d'.e
Stiftung von Bibliotheken oder wlssenschaistllchen
Jnstituten baudelte. Aber dafllr wutzte die Kai-
ferlvche Regieruiug mit Ovden od'r Titoln odee
sonstigon Anerkennungen zu lohnen. Dre dAnolra-
tische Repulbli-k hat bis auf weiteres ksin anidcres
Mittel, als den Dank durch eme öffentliche Aner-
kennung auszchprochen. Oder hat die R igierung
dcr Repulbliik vielleicht doch den ddlen Svcnden
zu lohnen gowultzt?

Vielleicht wiud man doch uoch Näheres hövcn
... Die Mvsterien dcr diskreten Mllion god.n
dcch zu denssen. Die OcsfcntlichssAt erfulhr gae
ui'chts davow, datz unsere Regierung noch ornsthaft
mlt don Fvanzchen üiber die Zahlung verhan-
delte. Woher wutzte denn dcr geheimnisvolls
Spendsr, datz die Stiftung einer Million e,,«
wünscht soi? Wie kam er dazu, an die Rogierung
heranzutreten? Odor trat die Rsgierung an ihn
hevan? Und welch pvioate Seite ilst heuts über-
. hauvt in der Lage, eine Million in Gold-
mark flüssig zu habon? Wirklich, ein meiEwürdl-
ger Fall. Kein Wunder, dah er zu allc-rhand Konr-
lbinationon iAInssah gilbt, von denen eine w'issen
will. datz die diskrete Million guch oine ,/Zühnr--

zahlung" <ines Schutdigen an die Reichsregierimg
gewesen sei. Wobei man sich viellöicht erssnneru
darf, datz kürslich der Oeffentlichkeit gsgenüber dte
schlietzliche Erlcdigung einer goheimniSvollen Kv-
pitalverschloppungsafsäre nach dcr Schweilz tn
Dunkel gohüllt wurde...

Aklögcmi dlese Eerüchte nun wahr sein ivder
nicht, die bm Gefolge dor dicssreten Million e'.n-
hergohen — sie hättcn gar nlcht entstehcn können,
wcnn die Regierung endlich einmal mit dom um-
würdigeii Systclm der Verschleiorung wichtiger
Vorgänge brochen wollte. Wir hürien immer von
dcr Reform des amtlichen Pressedienstes — urrv
möchten avch einmal seine Früchte sebeir. Es
ist unrecht, datz die amtlichen Presscistellen mit dvr
Unterrichtuna dcr Nation über wlchtige Borgängc
so lange warten, bis sie von den „Znd'.sr etioncn^
der ausländllschcn Presse dazu gcdrängt werd^.
Die Erlodigung des Fallos Manheim ist nur etn
Beispiel für viele.

Der Münchener Eeiselmord-
Prozetz

Jn der 4Rontagsverhail>dlttiig wuüde die Ange-
legenhsit der Thnle-Gosellschast k.largestellt. Die
Kluibrämne befanden sich im Hotel „Vier Jahres-
zeiton". Der kaufmännische Direktor dieses Hotels,
Zeuge Lallinger, sagte, er sei verhaftck wo,r-
den, wsil man von ihm die Namen der Mitglieder
der Tlhuile-Leute wissen wollte. Er habe heim Ver-
hör Egelhofer im Liogestuhl vorgefunden und
Levian habe in einem Klubsessei gelegen. Es
sei cruch tüchtig getrunken worden. Nach kurzem
Verchör fei er dann wieder entkassen worden.

Die Zeugin Josefinv Lack war Mitalied der
Dhule-Gc-sell.sch2!ft. Sie erkllirte, datz der Zweck der
Gosellschaft die Pflegs des Deutschtnms gewesen
sei. Ob auch eine politische Mteilnna bestanden
haibe, weitz die Zeugin nicht.

Der nächste Zeuge, Student der Chemie Adolf
M i ck, war während der Räterepulblik Schreiber
in dcr Stadtkommandantur. Fm Zimmer des
Stadtkominlandanten Mvhrer hätten. so sagte der
Zeugs aus. zahlreiche PlcEate der Negierung Hoff-
mann und falsche Stompel gelegen. Die Sokre-
tärin Hilds Kraiwer habe die Verhaftungsbe-
fohle für die Thuleleute ausgostellt. Man habe er-
klärt, datz es sich um Eegenrepolutionare und Ptün-
derer handle, die ansgerottet wcrden mützten. -Im»
Luitpoldqymnajsium habe man ihm auf -eine Jrage
hin erklart, die Verhafteten feien die reaktionären
Hunde aus den Dier Zahrestzeiten. Der Zeuge
Gruber. der StenogMph im Kriegsmin'isterium
war. bestätigte die vorhergehende AuSDge von den
gsfälschten Stoinpeln, die bs'i Egechofer auf dom
Tisch gelegon seien. Es hätteii sich solche von der
Ersenbahndirektion und dcn Polizeibehörden dar-
unter befnnden. Sämtliche Ver'-a'ste!ten hätten die
FälschuiiFSn verneint. Als Fäli'cher der Stonipel
>ei Herr von Sebottendorf in Betracht gelonrmen.
Egeihofer häbr absr gssagt. er würde dis Loute
so lange einsperren, üis sie die Waihrhelt sagen
wüvdem In dc-n Bücos der Thule-Gofsllschast ist
nach Aussaaen des Zeugcu auch ein Zettel ge-
funden worden. der antüsemitrschrn Jnhalts war
und auif dem die Namen aller derjenigen Rogie-
run.gsmitglieder der deutschen Einzelstaaten ge-
standen hätten, die füdischsn Glaubeus siird.

Der Zeuge Otto Wenzel erzählte, wie Sei-
del mit 150 Mann die Militärpolizei ontwaffnet
habs, ällo Miffen mützten cöbgeliofert werden.
Wer daim noch Waffen haibr. wevde sofort evschos-
sen. Die Gräfin We'tarp habe wiederholt rhre
Unschuld und thre Armut beteuert. Sie müsse sich
ihr Brot durch rhrer Häside Arbeit verdiiene».
Abor alles nützte nichts. Der Schu-Kmann Schoell
evweiterte die Ansaben des Äorzeugen und er-
klärte, datz DaumenlaNlg furchtbar goschkag-esi
wordvn sei. Er habe Vculen am Kopf gohabt und
sei mit den Worten: „Schaut, so HM nian mich bo-
lhasidett", ganz siebrochen in das Zimmer gelkom-
men. Hlausmann häbc Daumesilang zuaerufen:
„Das ist ia der Plünderer!" Der Zeuge. Arrest-
^ ivärter Weitzmann. sagte aus, Hausmasin halbo
güsagt, man mützte jetzt ganze Arbeit machrn, sonst
^ könne man sich nicht mrhr retten.

Von der Erschietzung der Eeiseln
evzählte Zeuge Lehner, der gleichs-alls verhaftet
war: Der Erste, der abgefllhrt wurde, sei Dau-
menlang gomesen. Als letzte habe man die Grä-
fin Westarp weggeführt. Alle Geiseln hätten dio
Hände auf dom Rücken gehabt. Ob die Goiseln
gefassolt waren, weitz der Zouge nicht. Das Vor-
vevhör des Zeugen Matrosen M esse r s ch m i d t,
der aus dem Justizpalast entsprungen ist, murde
verlesen. Er hat gehöct, wie -ein gowisser Hofer
im Kriogsminfftcrium gerufen habe: „Die Schlappe
von Starnberg müssen wir wieder gutisiachen, aber
in einer Weise, datz ganz München stauncn wird.
Die Geiseln kommen nicht mehr lebend in die Hand
dec Regierusigstruppen. Lieber erschietze
ich sie selbst." Der Pedell des Gymnasiums,
Stadler, der Mch den ersten Schüssen ans Fen-
lster gosprungen ist, sah, wie drautzen e'iner zusam-
monbrach. An einem Ba-um las. dem Kopf in die
Hand gostützt, eine Frau, wahrscheinlich die Gräfin
-Wostarp.

Zu äutzerst dvamaiischön und bewogten Szonen
kam es, als der Zeuge Weigand vernommen
wurde. Dioser Zeuge ist dor im Geftcssmordprozetz
usid vocher vielgenannte hinkende Schreiber gowe-
sen. Er machte seine Auss.igen sehr zössxsid, Seidel
suchte er zu entlasten, Hesselman dagegen anzukla-
«en. iNach der Vernohmung des Zeugon fvagte der
Vorsitzende don Angeklagten Hesselnian, was er zu
den Au^?aae,i des Zeugcn sage. Hessolman er-
widerte, da könne man wirklich nich'ts mohr sagen.
Er sitz-s hier auf der Anklagehank und Wrigand
laufe frei hcrmn. Dann sprangen andere Ange-
klagte auf und schuldigten den Zougen an, er sei
uberall daibei gewesen. Der Zeuge stritt dies ab.
aber die Angeklagten bchdupten weiter. WsiMsid
sei sogar bei der Erschietzsisig der Geiseln dabei ge-
mcsen. Seidel kam dom Zeugen zu Hilso und
sagte, er habe dis Schreiber und Ordonanzen schon
siin hallb drei Uhr nachmittags an dem kritischen
Tage entlohnt und sie dann entlassen. Dann mel-
dete sich der Angeklagte F-ehmer und saate, die
Ang-eklaaten hätten sich unter einander versproch.en,
alles das auszusagen, was sie wützten, nur Seidsl
sei dagegen gawchen. Zsim Schlutz erklärte der
Stsiatsanwalt, der Zeuge möge nicht versuchsn
aiis sessner Mohnung zu gehen, sonst würde er ver-
haftet. Der Zeuge Bentelsbachex war Chauf-
feur bei der Roten Armee und fuhr öfters Seidsl
im Auto. Nach der Ecichietzung dcr Weitzgardisten
Seidel habe dazu gesagt: Auch gut, den Revolver
auf den Tisch gelost zum Zeiche,'.. datz er nichts
mehr mit der Roten Ar.ncs zu tun haben wolle.
Seid., habe dazu güKgt: A::ch gut. dcn Rcvolver
kwnn ich auch brauchen. Er sei dann ge.gangen. Auf
die Fvagtz des Vorsitzenden. ob. er glaube. datz Hes-
selbacher eine Uhc gehabt habe. nieinte der Zeuge,
ec gleube es nicht. He-selbachcr abe ihn iminer
gofraüt, wie viel Uhr es sei. iBei dem Angeklag-
t->n Lesselbacher wu'.dc bekaimtlich d'e Uhr des er-
schvssenon Sekretärs Daumenlana aefunden). Der
Zeuge sagte wüiter noch, datz der iliacht nach l»r
Geisolerschietzuas für Lewin Vfanr'kuchsn gebacken
worden sei. Von dor Derteidigung wurde bean-
tragt, drn Zeugen Veutelsbacher zu vereidigen.
Das Gericht lehnts das ab mit der Begründung,
datz ein Nachverfaliren des Prozesses in Aussicht
sei und dor Zeuge im Verdacht einer Beaünstigung
stohe.

Der nächste Zeugr Lechner schilderto die Sol-
dateska. Einer der Noten habe gesagt. er habe schon
Patronen, die die Gedärme richtig hevausreitzen
würdsn. Ein anderer erklärte,

man miisse viel rigoroser sein
und Rache nehmen. Dis Dohandlung der beiden
Weitzgardisten sei entsetzlich gewesen. Nachts
sei eiii -Rotec öfters aufgesprusigen. und habe einen
der nn Vett liegenden Husaren furchtbar ins Ge-
sicht geschkaaen. Vei der Erschietzung habe der ein-s
der Husacen noch verhältnismätzig lange gestanden,
eche ihn die Kngel^nm Niedersinken zwana. Dann
echielt er noch aus nächster Nähe einen Revcssver-
schutz.

Durch weitere Zeugenaussagen wurde festge-
stellt, datz gegen alle Mitglieder der Thule-Gesell-
schaft das Todesurteil gefällt werden sollte
und datz es gegen einzelne bereits gsfällt worden
war. Als man auf der Stadtkommandantur von
der Erschietzung der Geiseln erfuhr, hahder dama-
lige Kommandant Mei) erhöfer den Ausspruch
getan:

»,Die sind nun erlcdigt!"

Die Aussage der Kontoristin Else Weitz. d!s
nach Unterschlagungen geflüchtet ilst, wurde verlesen.
Die Zeugin schilderte besonders den fürchterlichen
Durcheinadcr in der Stadtkommandantur. Dec ehe-
malige Stadtkommandant Weinberg habe sich da-
durch, datz er einigcrmatzen Ordnung in das Chaos
bringen wollte. bei den Machthabern mitzliebig ge-
macht und sei dann beiseite geschafft worden. Der
Hilfsarbeiter Heinrich Bayer habe sich mit
Schaudern von dem „Saustaü" abgewandt. Nicht
einmal Leintücher seien in den Betten gewcsen. Es
sei im Gynmasium alles gestohlen worden. Als er
am M. 4. in dgs Eymnasium gekommcn sei, habe
Schikelhofer gerade die Leute zusammengesucht zur
Erschietzung der beiden Weitzgardisten. Später
habe er Schüsse gehört und die Lsichen in einem
Holzschuppen geschsn. Nachher seien dann wie-dec
Schiisse gefallen. Aber er habe sich nicht darum
geküminert. Die Löhnung sei für ihn die Haupt-
sache gcwcsen.

Der Zeuge Eeorg Schick, ehemaliger Notgar-
dist. sei nur wegen der Löhnung ims Eymnasium
gegangcn. Schickelhofer, der Leute zur Erschretzung
der Gciseln suchte, habe man gar nicht geantwortet.
Der Zeuge Möbelfabrikant Schubert hat am
April in dcr Frühe den Anschlag vor dem
Gymnasium gelesen, wonach „Kopfpreise" von den
weitzen Truppen ausgesetzt worden seien. Hrnter
ihm stand ein Mann, der fortwährend in ihn hin-
einredete: Das wäre doch lauter Schwindel! Der
Zeugs gab aber, da er sich nicht recht traute, dem
Manne keine Antwort. Nachdem der Zeuge dcmn
mit seinem Beglciter weiter gegangen war, kamen
plötzlich zwei Soldaten ihnen nach und verhafteten
sie, wobei sie in der rohesten Weise behandelt wur-
den. Weil der Zeuge eln Flugblatt der Neg'-erung
Hoffnmnn in der Tasche hatte, mutzte er in Haft
bleiben. Sein Begleiter wurde entlassen. Der
Zeuge kam dann ins Gefangenenzimmer und rourde
mit auf den Hof geführt, wo er Augenzeuge der
Erschietzung der Weitzgardisten war. Der Zeuge er-
klärte. zwei der Schützen genau wieder zu erken-
nen. Diese befänden sich jedoch nicht unter den An-
geklagten. Bestl-mmt sei der jüngere unter den
Schützen derjenige gewesen. der auch auf der Wacht-
stube dre Wc-itzgardisten so schmählich behandelte.

Turnen, Sport und Spiel

«- Associations-Futzball. Dem V. f. B. ist es ge-
lUNLen. mit zwei erstklassrgen,Mannschaften Wett-
spiele zu vereinbaren. Am Samstag. den l,3-
^eptibr. wivd der bestons bokanntr Lrgsioerein
„Würz'bsirg-er Kick-ers", Wezirksmeister im
Ostmaingau, g-esen dio erste Elf des V. f. B. an-
treten, Sanntag. den 14. Sept. w'ird die erstei
Mansischaft dos Sportklub Darmstadt 1905
eriftartöt. Die beiden Spiel-e. bessosiders das Trejf-
fen mit Mürzburg, werdon alle Fustballfre-unde in
hohem Atiatze interessteren. Sie finden auf dem
Neckarvorland statt. Äuf Einzelheiten kommon wir
noch zurück.

* Futzball am Sonntag. Mönix-Nesienheim 1 —
Msisiyeim 1 1906 3:2i Phönix-Neuesiheim 2 —
Weisiheim 2 3:3; Phönix-Neuesiheim 3—Union
Hoidelberg 3 1:1.

Netourwettspiel in Mannheim- V. f. R. Mann-
heim — Friasiksurt. F.-V. 1:1.

Frankfurt. V. f. R. Frankfurt — Futzb. Breite
Baisel 0:4. Hajdzoit 0:0. Die Schweizer Mann-
schaft cholte hier ihre 2. Niederlage. Die Baseler
sind güte .V-Klasse, können j-edoch nicht an dsse
Frankfurter Ligr-Klasse heran. — F.-Cl. Gerisiania
)8!>4 des F. T.-V 1860 gegsn Li-üamansischast
Olynipia Darmstadt 3:0; Halbzeit 1:0.

Neue Bücher

* Helene Christaller. Drei Schicksale.
Novellen. Jn Originallelnwandband M. 3,80 (Fr.
4.25).

Diese drei Erzählungen sind echte Christaller-
Kindcr. Frauen spielen darln wieder die H-aupt-
rolie. dereu Herz mächtiger dte Handlung beein-
flutzt als dci: Kopf. Dafür atmen sie aber auch
eme Wärme. die den Verstandesgeschichten abgekt
und wecken in uns die besten Regungen. Wer Chri-
stallcrs Poesie liebt, der wird an diesen Erzählun-
gen grotze Freude haben. _ _


Wer sich an andre hält, U

F ' dem wankt'die'Welt; P

P Wer auf sich selber ruht, H

^ steht gut. PaulHeyse. ^

Oie blaue Spur

Noman von Zulius Negis
Aus dem Schwedischen übersetzt von E. v. Kraatz
Dopz'riLlit 1917 OretbleinS:Lo. 0.m.b. 11. k.elpr>8
(58. Fvrtsetzmig)

Ohu- sich zu besinnen stürzte Wallion die fiiv-
Itern Troppen hinab imd ritz die wacklige HMs-
lur auf. Fm 'Nu flog er einem breitschusstrigen
Konstabler in die Arme, der sich das verlassene
Haus gerade mit nachdenklicher Miene asiKH.

. 8ia, na, nicht so schnell!" sagte der Poliziist
und paclsse chn am Kraaen. „Mas ist hier für 'n
Spettakel? Warum schläst man die Fenster ein?"

„Sie koisimen ja wie grrufeni!" erwiderte Wass-
l'on. „Gehen Sie rasch -hinein. Konstabler, da
oben haben sie jemand übersallen. Wo roohnt der
iiächste Arzt?"

D.r Beamte zog seine Handschuss>L aus und sagte
i>>. geschäftsmätzi-Lem Ton: „Nächste Seitenstrasze
rechts. Mach.'ii Sie rasch, datz Sie wiederkonimenl"

„So rasch ich kaiin", rief Wallion usid floa- wie
cin Pfsil von dannen, während der Polizist hinein-
ging.

-Lr rannte uin zwei Stratzenecken iherum, boges-
uet-r einein lecren Auto und jprang lbarchäMptig -hi-
' "-cin, indem er de>ni Ehausfeur zuschrie:

..Sksgysholm, aber rasch!"

Unierwegs lretz er vo.r einem Telephonkiosk
Ualtsii, k'ingclte den „Dagscurir" an und liotz
Beylcr rusen.

...Jch mutz aleich uach Ocdeö". erklärte er hastis-
..Die Robeiraliga ist schon unterwcgs. Sorge da-
sur. dotz 'oi-cj Polizei Leute 'hinschickt. Fa, ich irclhme
Elektra. Du mutzt aus ei-gene Hand anfanaen,
eineii Bericht über die Ereigniss-e der letzten Zeit
Ezulassen. Dir fällt vor allem die Schilderung
Ourer Nachforschungen in den Schären zu. Sicch
Meng davauf, datz wir genug Spaltonvaum de-

lommon. Fch werde rechtzeitig da sein. verlatz Dich
a-ulf mich!"

Am SkogySholinkai lag die Elektria ziur Abfachrt
bereit. Er sprang hinein und setzte den Moltor in
Gang.

47.

Es war gegen vier, asss Oedeö in Sicht kam
und Wallion das Bo-ot isiit verminderter F^ührt an
eisiemi niedrigen, bewassdeton, gänzlich usibelebten
Stvand entlang steuerte.

Er saih sich forschen-d irack do,n Robeiraschen
Boot um, erblickte es jedoch uivgends.

„Ich bin ihnen entgangen", dachte er gasiz er-
leichtert, „absr Zeit hcöbe ich nicht zu verlieren."

Er vertäusse die Elektra an einem üandsinas-
stog, weben dem Stapel von harzis duftendem
Brensiholz lagen. Der Himnvel hatte sich bezosen,
eine graue Dämmerung zog oon Osten beran und
dämpfte die Farbrn der Landschaft; nur tm Wo-
sten leuchtete es noch goldig und rot.

Ein F-aihrweg fi'chrte govaide in den Mald hinein,
uiid er solate ihm. Bald senkte sich der Weg zu
ciner schilfumioachssiieii Bucht hinab, und dicht an
ihrem Namde spiegielte sich ein Hof im Wasser.

Von ejincm Bootsteg mit >arünem Eeländer lief
-ein Sasidwog zwischen Obstbäumen usid Gartesiland
diresst auf ein altes, dmikles zweissüöckises Holz-
haus zu, neben dessen weitumranlter Veranda ein
ung-eheurer Ahorn über das Ziegeldach hinaius«
ragte. Dahinter leuchtcle zur Linken eine Reihe
roter VjiMtälle, während sich zur Rechten bis in
den Wald hinein Ascker ausbreiteten. Ein blauer
Raüichstreifen stieg aus dem Schornstein des alten
Hauses empor, ohne von dem geringsten Wind-
hauch bejwegt zu werden. Ein lobendes Wesen war
jedoch nicgends zu sehen.

Der Journalist bcschleunigto selnen Schtitt.
Ueber einen Brennholzhausen chisiweg erre-ichlte er
WieHlich eine Pforte, die sich knarrsnd öffnelo.
Sofort ertönte heftiges Hundegebell, usid ein HUH-
nevhunid rasste von der Verandg hevab «uf die
Hafelbüsche zu.

Glesschzejitig trat ein arosxsr Mcrnn mittleren
Alters von selhsiigem, sonnemverbrannte-m Asisied-
lertyvus aus der Veranda heraus u-nd bsssrachtete
den Airkömmling mit gelasssnen blauen Auigsn.

.<Mein Name ist Wallion". saate der Berlcht-
erstatter höflich grützend. „Ist os Herr Nikelson,
mit dom ich spreche?"

Der -Mami lockte den neugierig um den Frsm-
den herunilschwäiizelnden Hund an sich.

.^Ia", erwiderte er eisisilbig.

„Fch suchr einen Dekannton, der hier etwa am
25. Ma!i angekommen ist", fulhr Malli-on fort. „Am
Abend ldes 12. Juni hosste er im Motorboot noch
eine Pevson ab, und ich höre, datz beide sich hier
aufbalten. Ich mutz sie notwendig sprechrn."

Nikelson stcckte oie Hände in die Tcffchs und
musterte Wallion mit gl-eichgültiger Miene.

,Ein Bekannter?"

,Ia, ein -Herr Hecksl und ein gswisser Iohn
AsiderSson."

..Von beiden ist keiner hsser anzutrefssn."

Die Antwort erfolgte rasch und bestimmt. Mal-
lion vevsuchte dem Blick des Schwsdisch-Australiers
zu besegnsn. aber dieses glitt bedächtig-und mit kal-
tom, vsrschlosseneim Ausdruck über die uinlregondsn
Felder'hin.

„Sie sagen also, datz sich keiuor von den bmden,
die ich suche, hier auf dem Hof befindet?"

«Jch sage, datz sie hier nicht anzulrcffen find".
wiaderholte Nikelson «igensinnig, aber nicht un-
höflich.

Maurroe Wallion warf einen Blick zu den Ferr-
stern hinaus. An einem der Gibelfesister im ersten
Stock beweate stch etmas hinter den Gardin-en, als
ob jemand daaegen gedrückt hätte.

..Ick habe isiich nicht deutlich genug ausaedrückt,
err Nitcssson; ich mutz dicse beöden Hsrren spve-
n, usid zwar unverzüglich!"

Bei dem Wörtchen mutz runzelte der Ansisdler

dt- Stirn und tzrh den andern mit öinsm langen
Blick asi. ohsie indessen ein Wort zu saaen.

Wallion atng hastig an ihm vorüber usid stand

im nächston Auigenblick auf der Vcranda. auf der
das dichte Grün des witden Weins eln dämmriges
HaMunM vevbreitete. Nikelson machte eine De-
wegusig, als ob er ihn zurückhalten mollte. aber
der Fournassist trat ruhig in den Hausf.ur hin-ein.
Von vechts her ertönten Fraii-enstkmmen aus der
Küche, geradoaus bssandffich eine goschlossvne Tür,
und lisiks lführte eine Holztreppe nach oben.

»Dies wird wohl der Weg sein!" rief er aus
und tauchte. ahne eine Antwort abzmvarten. ent-
in -das Dunkel der enaen Wendeltreppe

tnioin.

Er tastete mit der Hand und fand eine Ge-
ländeüstange. Fm sslben Augenblick gswahrte er

üb-er sich einen schivachen Lichtschein. und als er
noch ein'igs Stsifen mohr erstiegen hatte, blieb er
stohen. Auf der obersten Stufe sta-nd eine Kerze,
deven sacht hinuirdherschwasikender Schsin ssch auf
devselben Höhe mit seinem Gesscht bchand.

Dahinter im Finstern sagte eine Stimme:

„Bleiben Sie da stehen!"

Der Iosirnilist hörte ein inetLllischss Knipssn
und fühlte, datz sorscheside Blicke sein hsllbeleuch-
tetes Gosicht betrachteten.

Aber Maurico Wallion macksie keine Misne.
vovwärts oder zurückzugehen. Er nahm seine
Sportmütze ab und beugte ssch dem Licht entsegen.
so datz jeder seiner Gesichtszüge den uirsichtbaren
Augen dort obsn sichtbar murde.

Jn dieiser Stsllung vrcharrte er geduilidig ab-
warteird. Die schwankenve Kerzesiftamme bsleuch-
tete die abgenutzten Stufen und wars ein unrsihi-
ges Schattenbild des Journalisten gsgeii die brauiie
Waird. Doch rsnseits des Lichtkreises lagsrte hohle,
schwsigende Fisisterkts und da-hinein starrte Wal-
lion isiit Asiiammengezogeneil Pnpillen.

Nach emer Weile fragte er lächeln-d:

„Halten Sie die Pistolo noch immer für not-
mendig?"

-Ein Schritt, ein leises Fllüstern. -Wallion fing
an zu lachsn. Da rief essne heftiae Stimme:

„Was wollen Sie hier. Maurioo Wall-ion?"

Die Kerzenflamme bewegte sich nücht mohr.
und guer durch den Lichikreis gjaubte Wallio>n -oine
regungslos-e Gsftalt zu s-ohen, deren bleiches Ange-
sicht dem soinen zu-gswandt war. Er fühlts seine
Puli-e valschsr schlagen, ein Gofübl von Sie^-
freuide durchsuhr ihn wie Feuer. und er saate mit
lauter. klarer Stinime:

«Fch bin gekommen. weil es 3"-'it wivd, Ssse csid-
lich ins Loben zurückzursifen!"

,Mit essnem Ntal wurde es dort oben in dcr
Finfteriiis totonstill. Einige Sekundeii veranigen.
Dann flüsterto eine Stimme:

„Kommen Sie herauf!" .

Eine Hand zeigte si>h. inrd das Licht w"r^ cni-
vorachcben. Fn dein -1 «erndeir Zwrr ^
der Rsisim ties mid brsit. mid dic FnOtsrms w.n,
iii die Ecken und Winkol zuruck. gTLrl.

Mit Missestrecktc.l Armon »'ng Maurice clläai
lion auf di- regungslose Gostai-t zu.

Guten Abend. Doktor Arthnr Hesselmanl
(Forlsetzung solat).
 
Annotationen