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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0079
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Montag, den 15. Septeinber 1919

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Sozialisierung in Heidelberg

AZie in Heidol>berg soziali'siert wivd. dnfür anb
Lie Bürgeivausschubsihung vom 11. Sept. ein klassi-
schvs, crber leider Letrübendes Bciiispie.l. Es hnn-
deltc sich um Len Errvcrb von »wei Avothoken, de-
ren Kon-ession der Stadt vom iStaat anlgeLotcn
war. An sich üst es schon befrenuvenid. daß der
Slaat die Kvnzesfiionen nicht selbst m derHand be-
halten hat. Die Rogierung mutz hierfür dvch wich-
tiage Gründe gehabt haLen. Es wäre doch Nicht
vcrständlich, rvarnm der Staat beim Soziacisieren
nicht vorangdhemi will, sondern die Stadt den „Iok-
tele„ machen lätzt, der die grötzten Stiefel-Eeld-
Leutel anhat und! deshalb das „Gaschäft" machen
soll. Odea sollte der -Staat rechtliche VedenEen ge-
habt hcüben. dre ihm eine Verstaatlichuna der Apo-
sheken zur Zeit untunlich evschcünen lätzt?

Die Berhandlung tm Vnvgevausschutz sclbst uirv
die ganze Art, wie der Gegenstand van der.Stad'l
Hehandelt wuckde, gaben äber zu den schwersten
Brdenken Anlatz. Die Vorlage war so dürf-
tig ausgearLe-rtet, und begvündct, datz der Rednor
dcr Deutschen ltberalen Volksparter vollständig
recht oatte, wenn er eino devartige Behandlung
dieses ominent wichtigen Gegenstandes scharf ta-
delte. Die stadträtlichs Borlago liotz. wie dcr
Stadtv. Dr. Curtius sehr richtig bomerkte. die
Gesichtsvunkte vollkominen autzer Acht, die üür cine
Sozialisievung rn Betracht grzogen wevden kbn-
ncn; sie mubte dieseAHomentö auher Acht lassen,
weil grundsätzlich nichts aber auch rein nichts
für die Sozialrsierung der Aivotheken in Heidel-
berg gesagt werden kann. Es sind wodcr allge-
nreine Klagen iiber ungenügende oder zu teuere
Vcrforigung der Bürgerschnft mit Avzneiinritteln
vorgobracht, noch ist 'dargelegt wovden. datz ein ös-
fentliches Jnterösse für eme Berstc.atlichin-g
lspreche. Nichts von all dcm, was die Voraus-
setzung für eine Soziaviisierung 'seün inutz. trisft b:i
der Sozialisterung der zwöi Heidolberger Apothe.
ken zu. Und trotzdem bat sie dsr Bürgeranchchutz
beschlossen.

Wie haben sich die Vertretex der Wählerschaft
zu den Vorlagen ge'stellt? Die hsozialdomok.'aten
beider FälLungen waren natürlich für die SaZiali-
sisrung, woil os. wie der Svrecher der UnaLHLn-
gigen sagte, auf denr „Program m" steht. Wir
können uws also auf noch mehrere dcrartige Soz'.a-
lisierungserverinrente gefatzt machcn, wenn die
Sciz'iakdemokratcn daran gehen, ihr Programm
durchzu'fü'hren. Dah sie hierbei von bürgerli-
chsn Vertvetern unterstükt werden. ist
bcdauerlich, mutz aLer ausdrücklich felstgestellt wer-
dcn. Es bliob dem Zentrum vorbehalten, der
SozralLemokratie Schergendienste bei der Erdras-
selung weiteror selbständiger Existenzen zu leisten.
'Auch m>ir „tut es in der Seele web. datz ich das
Zcntrum in der Gesellschaft seh!" Schwantend unv
gesvaltcn, war die Haltung dex Demokraten und
der Vereiniaten Nürgerlichen, die es in d:r Hand
gchabt hätten, eine solche Vorlago schon rm Schotze
" des Stwdtr-ats zu vertzindern. Scharf und klar
war allein die Stellung der Deutschlibcralen, dre
geschlossen gegen diese bllindv Sazralisierungswut
fStcllung nahm. Durchschlagend waren dre Argu-
mente, die von dom Stadtv. Dr. Curtius
glund.ühlich gegcn diese Art der Sozialisiecung iws
Feld ge.führt wurden. Abüc wenn er auch mit En
grlszungen gersdet hätte. genutzt hättc es nichts
Die „Mehrhsltsvarteien" (Zentrum uNd Sozial-
demokraiie) wollten die Sozialisierung und setzten
ihren Willen durch. Es rast der Sce uird will
sein Opfer haben. Diesmal sinds die Apotheken
grwesen. Wec wird das nächste soin? ^

Zur heimkehr öer Gefangenen

Ein Grutz Eberts

Reichsprasident Ebert ruft den heimkeh-
renden deutschen Kriegsgefangenen
folgenden Willkommgruß zu, der ihnen
in allen Durchgangslagern in einer Sonder-
schrift des Kyffhäuserbundes der deutschen
Landeskriegerverbände übermittelt wird:

Auf heimischcnl Voden heitze ich Euch herzlich
willkommeii. Schwere Zeiten liegen bintor Euch,
Zeiten an Enthehrungen, seelischer Meidevgeschla-
gciiheit und ungeskillter Sehnsucht nach Familie
und Heimat. Aus zahlreichen Bevichten erscch ich.
wie Jhr, die W>hrlosen, d.w Hab unserer
Feinde habt fühlen müsien. Eure Lage und
Eure Empfindungen weitz ich nrit dem ganzen
deutschen Bolke voll zu würdigen .Eure Heimk«>hr
fällt in öine Zeit, in der un>r Vaterland Vurch
den Verilichtungswillen unserer Feinde und durch
die Uebergangswehcn eincr nieuen Zeit bis ins
Innersto erschüttert ist. Kehret heim al
gute Deutsch e. die an dcm Wiodcvausbau des
neuen, republ'kanischen Vaterlandes ntit allen
Kräften mltarbeiten wollen, denn nur Besonnen-
keit, Einigksit und Arbeit können uns vor dom
von unseren Feinden erstrebten Zuscrmiuenbrlich
retten. Euren Wünschen und Sorgen wivd, so-
wcit es in.der Macht der Rogjerung ltegt, in te-
dci. Hinsicht entgegrngekommen. Miöget Ibr Eure
Angebörigen gosund wicdevfinden und Euch von
den eiduldeten Leiden bald seelisch und körperlich
erkolen. Das ist mein aufrichtiger Wmtsch.

Ebext, Re-ichspräsideni.

Die Rückbeförderung

Dre Reichszentralstelle für Krisgs- u.
Zivrlgefangene gibt bokannt, datz zur Abholung der
von drr italienischen Rogierung in Floronz se-
sammolten deutschen Kriegsgefangenen gestern- ain
12. SepteinLer, sin deutscher Zug dorthin entsandr
wuvbe.

Die Heimsendung dcr in englischer Hand
in Frankreich besindlichen Gefangenen machl
gute Fortschritte. Ein „tit der engl.fchen Rsgie-
rui.g getroffenes Einoernehmen bestimmt. datz
deutcherseits täglich drei Züge und entzlischerseits
täglich rwei Züge in'.t zusa-mmen 5000 Gefangensn
aus Frankre'.ch abtvansportiert werden. Dis
Uebernaüme findet in Köln und Deutz statt. Zwei
wciteve Zsigo werden deutschei>seits gestellt. um Lie
auf belgischem Gebiet in englrschsr Hanv

bofindlichen deutschen Kriegsgesangenen abznholen.
Zur Durchführung dioses Abkommens sindet hcute
zmtschen den, Betoil>igten oine Koinferenz bei der
EisenbLhndicektion Köln statt. Das Abkommen
widevlegt allo Gerüchte, wonach die deutsche Re-
gierung nicht mehr äls 1000 Esfangene täglich
üLornehmen könne.

Ein Stimmungsbild

Dia erston deut^chen Kriegsgefangenen auf dem
Eisenacher Bahnhof, 800 Mann, aus der englischen
Gefangowschaft bofreit, wurden lt. Deutsch. Dagss-
zoituhg begrützt von den Danien des Noten Kreu-
zes unld mit Spoilse und Tvank, Zigacven und Zi-
garetten und Blumen bedacht. Die Stimmung
war glänzend. Als man ihnen alles Gute rvünschte,
Aibeit und Famrlienglück, da cvscholl crls Antwort
aus dem Milnde dieser reifcn Männer: „Mir
kehren crstmal aus mit diesen Laufe-
iungens und Wilhclm holen wir uns wiede>r."

FUr unsere Gefangenen

Der Vorsitzende des Zentralkomitors der Deui-
schen Bererire vom Roten Krcuz v'chtete durch
das internationale Komitee vom Roten Kreuz
in Genf oinen Aufruf an die Gesellschaften vom
Noten Kreur in donj Ententestaaten. worin es
helitzt:

„Jm ernsten Bewvtztsein der Pflichterfüllung
gcgen die Menschhoit befreite Deutschland in fast
unglaublich kuvzer Zeit die Gefangenen d'r
seindlichen Mächte. Die glo'che Tat von diüben
die sohnsüchtig erwartet wivd von Hunderttausen-
den von deutschcn Männev« und Millionen ihrer
Angohövrgisn, bst nur langscrnr im Mevden, Lange
Zeit wlird es noch dauern, bis all die Taulsende
von Kviegs- und Zivilgesangenen rvteder in den
Schotz ihver Famikien zurückgckehrt sein wcrden.
Nicht mit öinem Schlage. nur schrittwe'vse und rn
längeren Ieiträumen wtrd die HeimLeförderung
sich vollMihen. und schmerzvoll weiden d'.e Zuvück-
bletbenden den Glücklichcrcn, dercn Äbtranspöri
onsolgt, 'nachblicken. Im Ztamen dcr Msnschlich-
keit richten wir an d'e Schwcster-Orsanisationen
den Ruf: „Helft mit am Werk der Besrciung
und beschleunigt es mit all ouren Kräften,
nebmt such aber auch derer hrlfreich an. die sich
gedulden nvüsien, und denen Licht, Fre'cheit unv
Hormat noch in weitev Ferne leuchtet? H.lft uns,
wrs ivir gemoinsam uns bisher geho^fen haiben!"

Zu derselben Angelegenheit wird uns aus Apo-
thecerkreisen noch geschrieben:

Dre Stadt Heidelberg ist nun Apothekenbe-
sitzerin. Jhr fallen gleich zwei Eoldgruben in den
Schotz. Die Debatte im Bürgerausschutz war etwas
stiirm'sch, trug aber mehr politifchen als sachlichen
Charakter. Es hätte auch nicht gut anders setn
können, denn, wie djie Stadtv. Dr. Curtius und
Dr. Hoffmann richtig bemerkten. hätte das
Problem der Apotheken-Kommunalisierung einer
viel tieferen Vorbereitung bedurft. Man merkte
wirklich bet den wenigen Rednern etwas von einer
Beherrschung des Stoffes. Ueber dsie Notwendig-
teit der Sanierung des Apothekerwesens sind sich
die Standesvertretungen alle klar. Packt man aber
das Problem der Neform ernstlich an. so türmen
sich auch sofort die Schwierigkeiten auf. Der Haupt-
grund dor Neformbedürftigkeit liegt in der unge-
sunden Belastung. um nicht zu sagen. Verschul-
dung der Vetriebsberechtigungen. Hier heitzt es,
die Hebel zur Sozialisierung anzusetzen. Staat
oder Stadt und Stand müssen sick, mit dieser Be-
lastung der Apotheken, mit den auf ihnen ruhendon
I Idealwerten auseinandersetzen. Ueber diese wtch-

tigsten Dinge geht man hier sinfach zur Tagesord-
nung über. Das Reich konnte trotz mehrmaliger
Versuche die Apothekerfrage nicht lösen. Warum
wartete man hier n'cht erst die reichsgosetzliche Ne-
gelung ab? Aber der Soziali'sierungstaumel hat
nun elnmal .die Eemüter erfatzt und als erstes
Opfer mutzten ihm die Apotheker zufallen.

Am 27. März 1919 beschlotz in Würzburg der
Deutsche Apothekerverein u. a.: „Sollte die gesetz-
geberische Macht sich für die Sozialisierung des
Apothekenwesens entscheiden. so gibt der Vor-
stand von den auf dieser Grundlage möglichen Sy-
stemen der zu verpachtenden Gcmeindeapotheke nach
hessischem Muster als derjenigen Form. die dann
am meisten dsm allgeme'nen Wohl entspricht. den
Vorzug. Diese P a ch t apotheke mützte einhckitlich
für sämtliche Betriebe im deutschen Reichsgeblet
eingeführt werden."

Hienin Heidelberg will man nun den E i g e n-
betrieb. Der Apotheker wird Beamter. Ob das
Publikum zufrieden sein wird, wenn es in der
Stadtapotheke bcamtenmätzig abgefertigt wird? Es
ist etwas sehr Schönes um den sozialen Gedanken,
er findeli aber seine Begrenzung in der mensch-

liichen Natur. Eebt dem Menschen alles. was ec
wüuscht, und er wird viel weniger leisten, als wenis
Wünsche und Ziele ihn tretben. Die groho Schat-
tenseitü dcg Sozialismus ist, datz er das Verant-
wortlichle tsgefühl des Einzelnen gar zu leicht auf-
hebt.

Wenn Herr Stock glaubt, die Hilfeleistung füe
Kranke würde durch den Eigenbetrieb auf den btt-
ligsten Stand horabgedrückt so irrt er sich sehr.
Dann hätte man mit den pharmazeutisch-chemtsthen
Betrfieben anfangen müssen und in diesen mützte
die Arbeitslust wteder gesteigert. die Forderungen
bescheidener werden. Die Äpotheke ist das End-
glied dex Kette! Auch die Kosten der Verwaltung
sind nicht dazu angetan, eine Verbl'.lligung der Arz-
neien herbeizuführen. Es wird gerade das Ee-
gendeil bewirkt. Oder glaubt vielleicht Herr Stock.
die Apothekerassistenten würden noch für die bis
vor kurzem üblichen niedrigen Eehälter arbeiten?

Nach fachmännischen Berechnungen kann dte
Apotheke in Neuenheim nur mit einem Defizit ar-
beiten, dann wird vielleicht die Besitzerin auch an-
fangen, das Publikum zu „schröpfen". Wenn Herr
Stock mit derartigen unerhörten Veleidigungen
um sich wirft. wird er sich selbst in den Augen eines
jeden gebildeten Menschen herabsetzen. Befrem-
dend ist, datz derartige Veleidigungen vom Vor-
sitzenden durchgelasien werden. >

Auch die Änsicht des Herrn Oberbürgermeisters.
es werde mchts Bestehendes sozialisiert, kann rch
nicht teilen. Das ist doch nur eine Spielerei mit
Worten. Vielleicht bringt die reichsgesetzb'che Re-
gelung der Apothekenfrage doch auch für Heidelbera
eine Äenderung. XXX.

Die „Frankfurter Zeitung" über
Ludendorff

Jn längeren AuLifiihrungen, die an Luden-
dorffs Buch attknüpfen, behandelte die ..Fvankiur.
tov Zeitung" „das Problem Lndendorff." Es sei
bemerkt, datz dis dsmokrutische Zeitung dom Eens-
ral Mille.l. Festigkeiten und „unnrcnMichn'
iAckbeitskraft zuerkennt. Aber abge-sehen von d.r
Zubilligung dieser ia auch wohl kanm zu leugnrn-
den Eigenschasten, ist es wenig, was die dsmokva-
tische Zeitung an dem noch vor kurzem so Vielum-
worbcnen zu loben findet. Schon und vor allen
Dingen die Bshandlung als „Problem" ist charak-
terrstisch. Der gradlrnig und einfach Denkende
frndet an Ludendsrsf gernde recht wen'ig „PiioLls-
mati^ches". Er wird stets in dem Feldherrn die
Persönlichkeit se-hen, die in den denkbar schwierig-
stLst Lagen unentwegt nur ein Ziisl !m Auge hatte:
Deutschlands Grötze! In dies-m Urteil kann am
allcrwcnsgsten der Umstand beirren, datz die Ev-
reichung dioses Zieles mitzlungen ist. Die Fvant-
furtcr Zeitung freiilich siecht d're Gründe hlievsür in
Ludendorff sclLst, rn seiitem Mangel an polit'v-
schem Weitblick und am Be-vst>ällldnis für die
Psychr „erwachender Masien". Der volitrsche Moit-
blick Ludendorfss reichte aber Isühr wohl hin, um
zu erkennen, datz Druischlands Nroderlage Deuisch-
lands Untergang bedeuten und vor'Erreichuns
dieses seines Zieles drr Feind kaum Lereit sein
würde. zu oinem „Verständigungssviedon", dor
Deutschland dio Lebensmöglichkeit gelasien. füc
seine Feinde aber gerade deskalb nur „halbe Ar-
Leit" bedeutet bätte. Mas von d:n ..e'.wachenÄen
Masscn" nach Wegfall aller Henimungcn zu er-
warten sein wüüde, darüber war sich Ludendonff
gewis; weit klaver. als so nrai'che Intelloktuelle,
die stch bomühten, d-as Erwachen der Masien her-
beizuführen.

OL dem General somil der Vo'itische Blick
fehlte, mag datzingostellt Llsiben. . Das Urteil
kieruber wird ivshl stets je nach der valitischen
Parteianschnuung suLiektio LleiLen und daher ver-
schioden ausfallen. . Auffäll'g Lleibt nur. datz dis
Fl-anksurter Zeitung, kurr nachdem ste dem man-
gelnden volitischen Verständnis des Generals du:


>"d ^'nich' ««

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AZalv« ^

F avor ' g K tzi'
Dittor»

Du Kräftiger, sei nicht so still, vS

weiiil auch sich audre scheuen'. ^

Wer den Teufel erschrecken will, w

der muß laut schreien. Goethe «

^rssssssssssss »

Oie blaue Spur

Roman von Julius Regis
Aus dem Schwedischen übersetzt van E. v. Kraatz
Copvrigllt 1917 bz-OretkleinölLo. O.m.b.tl. 1.elprl8
(Schluß.)

Der Detektivreporter fuhr zusammen. Ganz weit
weg am Südende der Insel tauchle plötzlich eine
rote und eine grüne Laterno auis, und ein Bussier-
r-oot kam sacht dampsend am Strande entlaug.

Die Polczei'.

Mitten zwifchen dem Sieg und dsm Vugsievboot,
zweihundert Meier von beiden entfernt, fuhr ein
Motorboot rückrvärts heraus, schwonkte ein und
kam auf Wallion zu. Er sah Jnez NoLeiras und
lhres Bruders und Gonzales und Evanstons oer-
zerrte Gejichter.

Anf diesen Eesichtern stand Niederlage, hosf-
nungslose, fchmerzliche Niöderlags zu lejen.

Als das Doot vorüberglitt. schosien sie. Aber
das galt niicht rhm. sondern der Elektra. und der
Schaum spritzte rings um das vektäute Motorboot.
ln die Höhe. Der Iournalist eilte weiter und «als
er bineinsprang, sah er, datz sein Motorboot ent-
Zmeigoschojsen war.

Ietzt kam das Motorboot an den Steg heran.
Scin Deck war voll von Polizisten.

..Guten Abend!" rief dio Batzstimme des Kom-
sU'ssars Hedenborg. „Wieviel Knoten läuft däs
Motarboot?"

Aiaurice Wallion erhob sich.

-Dies hier? Eegenwärtig gar keine. Die Ma-
ichine ist zerstört."

..Verdammt! Unser Boo>t inacht nur 12 Knoten.
-vann öNkwijchen sie uns. Wer sjnd die Leute?"

Aie ganze Robeirabande."

Eni Ehor von ?llüchen stiea von dem Bugsier-
voot empor.

50.

Als Wallion und die Polizisten den Hof er-
reichten, kam ihne„ der Doktor — bleich und ein-
gefallen nach der kurzen, sieberhasten Spannung —
entgegen.

Wallion führte ihn zu dein Kommisiar hnu

..Doktor Arthur Hesielman". stellte er vor.

Der Kommisiar wich zurück.

„Eerechter Himmell" rief er aus. „Was sagen
Sie da?"

Der Iournalist berichtete mit knappen Worten.
Hedenbocgs Gesicht färLte sich lwngsam pupurrot.
Er hoh die geballten Fäuste empor und fchüttelte
sie, halb aus Bewunderung. indem er den Ddktor
anstarrte.

„Sie sinds also, der mir solche Ameisen in mei-
nen alten abgefeimten Polizeischädel gesetzt hat!"
rief er aus. „Und nun sind Sie nicht einmal tdt!"

Nach einer Weile lietz er dis HLnde schlaff
herabsinken und setzte hinzu:

„Jch glaubs wirklich, — nur deshalb, weil es
gevadezu nnsinnig istl"

Während der Riückswhrt nach Stockholm lag
Wallion die ganze Zeit vornüberaebückt an Deck
und schrisb- Seine unermüdliche Feder flog! von
Zeile zu Zeile, von Seite zu Seite. Das Reporter-
sieber tobte in ihm.

Kaum hatte das Boot an der SkegqsLeo anae-
legt, als er auch schon an Land sprang >und Än
Anto herbeiwinkte. In der Nedaktion wurde er
bereits unruhig crwartet. Steno Bepler stürztS
'hm sanz autzer sich vor nervöser Spannung ent-
gegen.

„Alles sut", sagte Wallion kurz. „Hiec ist mein
ManuskriK."

„Ia. aber wie mar es denn? Wio ist es ü»-
gangen?"

„Später? Später! Bitte den RedaktionÄsekretar,
zu mir zu kommen."

Er meckte mit Staunen. datz er nicht deutlich zu
sprechen vermochte. Lachende und hurrahrnsenve
Menschen umringten ihn, aber er kann'te sie nicht
wieder.

„Starken Kaffee und Zisaretten. Kittel" per-
langte er mit versagender Stimme.

Er warf den Rock ab und sotz mährere Tasien
Käfsee hinunter. Der Redaktionssekreitär «ilte mkt
langen Schritten herbei.

„Ich brauche mohr äl- die erste Sefite", sttetz

der Detäktivreporter mühsam hervor. „Etwas
Aehnliches ist — seit Iahren nicht — Vier Haupit-
und — zwölf Untevabteilungen — das Manu-
skript — kaun gleich — in den Druck. . ."

Mit einem Mal fing er an zu lachen.

„Aber die Robeirabande — fasien — sis-

nichtl"

Maurice Wallion behlelt recht.

Jn«z Nobeira und ihre drei Mitschuldigen ver-
schwanlden, oihne die geringste Spur zu hinter-
lasien.

Als Dr. Hesselman die Costa.;uela-Dokumente
seiner Zeit an den nouen Präsideckben Quivera
einlsandte und die berüchtigten „Freiheitsfreunde-
Prozosse" ihren Anfang nahmen. satzen die Ee-
schwrster Robeira nicht auf der Anklaaebank.

Wo die dunkelgekloidete Dame und ihr Bvuder
geblisben waren. war allen oin Rätsel. Maurice
Wallion stellte fest, datz Konsul Thandsr zur Zeit
ihver Flucht einen Dampfer bsfrachtete. der am
20. Juni von Stockholm nach Südamerika abging,
und er isi der Ansicht, datz die EeschwMer entwsder
jeNseits ver Schären oder auf offeiier Soe an Bord
divses Dampfers graangen sind.

Mas Konsul Tchander angcht, sp ermies er sich
als unlantastbar. Er kannte die Goschwisster No-
betra, und Eonzales nnd Cvanston hatten in sei-
nem Kontor geavbeitet. — aber er hatte keine
Ahnung von ihrem Vorhaben, er mutzte nicht, datz
sie sich seines Äutos bedient hatten, er wutzte nichts
'olut nichts . . .

Uml steLen Uhr morgsns fuhr ein Auto vor der
Rodaktion des „Dagscurir" vor.

Doktor Hosielnian und Steno Benler stiegsn
äus und streckten die Hände nach Pauline aus, die
in weitzvnr Stratzenkleid, freudesstrahlend und mkt
rosstgsn Wangen und leuchtenden Augon herunter-
spöang.

Sie gingen zussammen durch die nunmehr ver-
lasiensn und öden Eänge, wo ihnen nur hier und
da etno alte Scheuerfrau verwundsrt nachstarrte.

Steno Boyler klopfte an eine Tür. erhielt aber
keino Antwort. Er ösfneto ssis und Llickte hinein,
und bann wandte er sjch um.

er ist da". sagte er mit einam eigentüin-
ltchen Lächeln. „Kommt nur herein!"

Sts träten ein. Llieben jedoch mtt einem -Mctte

stclhen, als ob sie sich einer Uebertretung schuldig

gemacht hättea.

Vor dom Schreibtisch satz der berühmte Iour-
nalist ganz zusammengesunken und den Kopf anf
die übcr der Brust gekreuzten Arme heraboeneigt.

Pauline schmiegte sich dicht an i-hren Daier.
und so sstanden ste stumm. ein wenig gerührt, abrc
oon Herzen froh und dankbar und btlcktcn seuchten
Auges auf den schlafenden Mann herab. der Pau-
line den Vater zurückgegsben hatte.

Denn Maurics Wallion schlisf. Zum ersten
SRal nach vielen Tagen erfreute er sich des tiefen.
traunilosen Schlafs der Uebermüdung.

Aus der Stratze riefen eifcige Stnnineil:

„Daascurir, ssoeben erschienen! Geheimnis der
blauen Spur ondlich aufgekläkt! Dagscurirl Sen-
sationellr Lössung des Hesielinan-Rätsels! . . ."

Concert im alten Stil

für 3 Biolinen
von Hermann Grabner

Anfang 1916 erschien im Verlag von Carl Ecü-
ninger-Stuttgart ein Konzert im alten Stil für 3
Violinen von Hermann Grabner. ein Werk, in
dem sich Reichtum an Ersindung, grotze kontrapunk-
tische Technik und reizvolle Harinonck die Hand
reichen. Erabner hat als Regerschüler dessen Son-
veränität der Stimmführung und reiche Harmonit
geerbt: in Behandlung der Form ist er weniger
frei als sein Lehrer.

Ein Zurückgreifen auf alte Formen ist hsutzu'
tage öfter zu bevbachten. so bei Reger: Conzert
im alten Stil: op. 123. Suite im alten Stil: op.
93. „Concert", „Concertino" oder „Sonata" war
in der vorklassischen Zeil der Form nach dasselbe.
:Es besteht aus einem schnellen 1. Satz. einem lang-
samen 2. Satz und einein raschen 3. Satz. was man
bei Händel und Bach sowohl iin Konzert. wie in
der Sonate noch stets beobachten kann. Das Kon-
zert für ein Soloinstrument im Gegensatz zu e:nem
Orchestertutti ist jünger. als das für 2 oder »nevc
selbständig gefllhrte Melod^ Zum

ersteninale gebraucht Mufsat d n >.

certino" für ein Tr-o von 3 Strelchinltru'nenlen

Vtolinen pnd Vtoloncello) im ^ahre 1682.
war d°" »!-Ich-. w!- d-,-. «°° m°,r damak „°>°r
 
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