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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0080
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crm Kvreasverlust beigemesseu hlrt. Lctonr,
dab der bcrüchttgte 8. Auaust Deutschlan-ts Zulsam-
menbruch bodcm-tete, demZusEmenbruch doch mit.
hin mtndestcns zu sehr grobcm ToU auf das mü-
litärische Versagen dcr am genanntcn Taae einge-
sehtcn Dioisionen zuriicksiübrt, Woran L-ieses Ner-
sagcir laa. oib es wie Ludendorff meint, <mf Äie
Wirkuns der Heimat zurückzuiühren Lewüsen sei,
darüLer mo« dic Gcschichte in ruhigeren Zeiten
enlfcheiden. Fest steht jedtznfaNs, dah ctst das Vcr-
sagcu gMerer Truvvenkörver am 8. Auaust
DeutjchlandS Stu-r- einleitete. Boi üläicklichcrem
Bcrllauf Les Schlachttages aber roirrde wohl kaum
jcmand Ludendvrsf den palitrschen Weitblick ab-
sprcchen. Nicht nach Erfola und Mbcrfolg Larf
man urte'rlen, fich durch solche Mrt dcr Deurteilung
nicht dagu verleitcn lassen, den Fehler da su su-
chen, wo er nicht las. Erst das Deusascn von Tei-
len siner Truvven stllrzte dcn Feldherrn. dcr -ci
sc-incn Mtahnahmen mit Durchschn-ittslcistimgen d-cr
Trupren aercchnet battc und rcchncn durfte. Dab
die,o Durchschnittslerstungen nicht crreicht rourden,
ist nicht dcm Fcldhernr -u-rischrechcn.

Der Streit um die Schuld

Zn dcr „DoMchen Zeitung" verösfcntlicht, der
srühere StaatLselrelar. des Meuhcrn. von Hintze,
eincn crston Artilel über sernv Beteiligung an den
Dorgängen anlätzlich des BAaffenstillstands-
Mngedo 1 s. Der Dcrfasfer erklärt darln unter
Derm'ung auf seine Schrift .^Lorgeschichte. dcs
W-vsfenstiWand-es", cr hcübe, als er Gcneral Lu-
denpiorfif MMte Jull-i' 1918 die förmliche Frage
vorgelogt haibe, ob er ficher wäre, m-it dcr jctz-tgcn
Offenlfive den Feind entschcidend su Lcstcgen, ein
Lestimmtes „Za" rur Ant-wort erhalten, rvas
Lie Grundlaae sein-eri Polrt .E Lis zu den ersten Au-
gustt-agen gciwcscm sei. Gegen den 17. Arngust habe
ibm Lrldendorff erllärt, cr besitze dlcfe Cichtcrheii
rricht mechr. Drrse ron ihm als dien-ftlich angeftihene
MittMuug dcs Eenerals habe die Untorlage für
die Polntck von Grund aos geändort. Ecneral Lu-
dendorfs habe im Kuonrat vom 1l. Nugust nichts
von Ler Kriegril'Lge gesagt, so dak er gezronngen
genxstn rväre, diie Mitterlung über die fühlende
SicherhcA nnter Anfühnuirg dcs Ch-css des General-
stabes der Feldarmce als Quolle solbst vorzub-rrn-
gen. Er^ Hintze, bcstrei.te ferner dte Wahrhoit dcr
Lndnidorfsschcn Bvhäuptung. Ludendorsf habe ihm
gegenüber dio Notwendiglcit einer Beendir-
gungdes Krtcges anf diplvmat ischem
W«ge betonl, Er beru-fe fich auf das Zei'guis
des Rittm-ershers. von Hertlrng, wonach wedcr
rm Döai nech in der erftenHälfte dcclAugust an dos-
fcu Bater von dcr Oberften Hocreslortuns dic
Döahnmng erscmgcn sci, unter Verzicht auf irgend-
rvelcho Kriegssbele an den Friedensschluh zu den-
len. Die Ermachtigung zu eincm Frwedensange-
bot sei nicht ertMt worden.

Mrch der Reichskanaler habe nochmals
bctont, dev Krieg müsse ohne Fviedcnsangebot zu
Ende gcf-irhrt werden. Der Dcrfaffer stellt sesr,
bah durch koine sciner Antworten auf d»e Anfrage
dcs Reich7kanslers betreffs der Kriegslage E--
nervl Liidend-onff den Eindrnck hervorgerufcn habe,
rls o-b die Oberste Heeresleitung amlliche Frie-
densfchrütte fordore, oder cruf Beschleunigung d!er
Linle-itung von Füi-cidenvschritten dränge. Erst am
1V. Ssptember häbe fich die Oberiftc He-ereslcitung
«ril ernam fofortigen amtlich^n Friedcnsischluh oin-
oerstanden erllärt. Am 11. September drahtere
eon Hintze in ldieisem Srnne äus dem E-rohen
bca>Vt.uatti-er air das Auswärtige Amt.

einer Triosonate verstand. Erst später durch Torelli,
Vivaidi u. a. wird dvs Virtuosenhafte immer mehr
tmlerstrichen.

An jene älteste Form Concerts schlieht fich
Grabners 'Konzert im alten Stil an. Der erste
Satz: Mähig bewegt. kraftvoll, weist erweiterte 3-
teilige Form auf. Das erste Thema. ein heroisches
Marschthema kontrastiert mit dem zweiten, das
lanftere Saiten anschlägt. Lis fie in der Coda mit-
rinader vermischt zusammen erscheinen. Der zweite
vatz: Langsam. mit grohem Ausdruck. ist in dieselbe
Steilige Form gekleidet: versonnen. verträumt
slieht er in ruhiiger. glatter Molodielinie dahin.
Der dritte Satz rst eine mit ganz erstaunlicher
Kunst durchgeführte Trigelfuge. in der fich der
komponist allerdings eine kleine Freiheit erlaubt:
jxrs 2. und 3. Thema werdeu zusammen durchge-
jührt, statt getrennt, wie es sonst in der Fugen-
tomposition üblich ist. Der Satz endigt in einer
Ar die Klangwirkung der 3 Diolinen gowalligeii
vchlußsteigerung mil Remrniszensen an den ersten
Satz.

Jm Musizieren mit 3 Diskant - Jnstrumenten
illlein birgt sich die grohe Eesahr, dah das Fehlen
pes Basses störend empfunden wird. Mit grohem
Lesch ck ist das umgangen. Ebenso ist von einer
Linseitigkeit in der Klangfarbe nichts zu merken.
vc-r Komponist macht sich alle Wirkungsmöglichlei-
'.en d-r Violine zunutze. Diese erstaunliche Kompo-
-itionstechnik, mit der hier gearbeitet wird, war
rs. die Erabnor seiner Zeit den Nikischpreis
tur Komposition verschafste. Spieltechnisch setzt
das Wcrk rvohl einiges voraus. aber hält sich doch
vets noch in den Grenzen, dah emigermahen ge-
Ubtc Kammermusikspieler es bewältigen können.
llnd rhnen sei dieses Konzert empfohlen.

Walter Lerle.

Internationaler Eisenbahnverkehr

Am 15. Saptomlber beainnen in Paris Ver-
handluirgen ülbcr die Fcftsetzung ider FachrvlAno
der internlation-alen LuLUszüge. Wde dio Vofir)che
Zeitung erfährt, nehmcn an diesen Verhandlungen
Fachvcrtreteri aus Bade n, Dayo-rn und Württe-m-
bcrg toil. Es handelt fich sunächst um die Festt
setzung Ler grohen Liiräe Paris— Konstan-
tinovel, die zugleich dic Vevbindung nnt Wren
und Prag stchern soll. Sorvcit Lisher Nach-rich-
ten iiiber -die Pläne dieser K-onftren- an zustündr-
gev sStelle eingettoffen sind, fchcnn-t es fcisttzustehcn,
diah Nürnberg als KreusungspuE gedacht ist.
Don dort -sollen fich die mrs Pacis kommenden,
übeä Srrabbura fübrenden Züge, nach Praa bcsw.
Wicn äb-sweigen.

* Mannhetmcr Kunsthalle. ^,r den Ausftel-
fimgsräumen des Eraphischen Kabtnetts ftnd Re-
smdu-ktionen nach Eomäldcnl und Zeichnungen
Nuthias Grünewalds ausgeftellt. Jm
Mitteiipunlt fteht der Isenh-eimer A l t -ar aus
D-olmar, der zur Zeit noctt in München ausibewahrt
vird; umnähernld fünfzig Detailaufnälimen, die in
irll-erfüiWster Aeit neu hergestellt wurden, sühren
jen unermehlichen Schatz eines der gröhten maleri-
chen Kunst-werke vor. Die photographischen Auf-
»ahmen sind läuflich.

Deutsches Reich

Das Schulprogramm der Deutschen Volkspartei

Untcr dem Vorsitz des Abg. H o'l l m a n n tagte
am 10. September 1919 im Berliner Abgeordne-
tenhaus der Schulausschuh der Dcutschen Dolkspar-
tei und stellte die Schulforderungen der Partei für
das Hauptprogramm fest. An den oingehenden Be-
ratungcn nahmen Vertreter allex Schulsystemo aus
Etadt und Land tcik. Die Veschlüfie. die ganz von
nationalem, sozialem uni- libcralem Geiste erfüllt
sind uird das gesamte Schul- und Bildungswesen
der Zcit rn den Dienst unserer inncren Crneue-
rung stellen roollen, wurden einstimmig gefaht. Der
geschästsfiihrend« Ausschuh wird nun in den nach-
sten Tagen über das Hauptprogramm beschlichen.

Unerhörtcr Streikterror
wurdo im Krankcnhause Bethanien in
Berlin verübt. Bei den Wahlen zum Arberteraus-
schuh erhrelt die Liste der christlichen Eewerlschasten
28 Strmmen, di-e der „freien". d. h. sozialdemokra-
tischen Gcwerlschaftcn 23 Stimmen. Das pahte den
Cozialdemokraten nicht; sie verlangten die Ungül-
tigleitserllärung der Wahl. Und als diese nicht
sosort erfolgte, traten fie in den Ausstand. Durch
Lahmlegung der Warmwasserversor-
gung hinderten sie dre Vornahme von Operatio-
nen, und die Hcrstellung des Essens für dic /iran-
ken wurde fast unmöglich gemacht. Da der gesamte
Detrieb des grohen Krankenhauses geführdct
war, muhte man sich dem Streikterror der Sozial-
demokraten sügcn und Neuwahlen zum Arbeits-
ausschuh nebst Bezahlung der Strciktage Lew-illigen.
Und die Eenoficn rechnen nun darauf, dah d'.e
Angst vor wciterer Eefährdung der unglücklichen
Kranken die christlichen Arbeiter einschüchtern und
den Sieg der Sozialdemokraten fichern wird.

Ein Ausstand imBerliner chcmischen
Erohhandel ging seinem Ende entgegen. weil
die Arbeitswilligkeit ständig zunahm. Da terro-
risterte die streikwütige Minderheit die Arbeitswil-
ligen, indem fie sogar planmähig damit drohte,
Betriebsunfäkle herbeizuführen. um die Ar-
beiter aus den Betrieben herauszubringen.

Auf Menschenleben kommt es den „Zielbewuh-
ten" eben gar nicht an. weder im Krankenhause
noch in der fisabril. Und das nennt sich „Freiheit"?

Wic ist das moglich?

Jn der „F ra n k f u r t e r Zeitung" vom
Dienstag. 9. September, Abendblatt Nr. 670, Seite
4. steht eine Anzeige. in der eine Firma in
Schwoinsurt mitteilt, dah sie unter anderen brauch-
baren Eegenständcn, wie Wolldecken, Wachstuch.
Pferdedeckcn, Lcderpacktaschen. Pelz, abzugebcn
habe:

150 VVO Znsanterie-Schaststicsel, qebraucht, unge-
flickt. neu besohlt. das Paar zu 30 Marl;

Ivo oOO Schnürschuhe. dto. zu 25 Mark;

120 000 Zutesäcke, 65X135 Meter (2 Ztr.) zu
10 Mark.

Dabei ist bemerlt: „Ausfuhr ins Aus-
land ist genehmig t."

Wir fragen: Wie ist es möglich. dah hier Ee-
genstände ins Ausland ausgeführt werden dür-
fen, für die im Jnland der dringendste Bedars
besteht?

Wie ist es möglich. dah bei dem Verkaus ins
Auskand Preise festgesetzt werden. d'e zu den
Preisen des Znkandsmarkts in so herausforderndem
Mthverhältnis stehen.

* FLr Schwarz-weih-rot. Namens des Landes-
verbandes Hamburg derDeutschen Volks-
partei sandte der Landesausschuh folgendes Te-
kegramm an den Vorfitzenden der Fraktion der
Deutschen Volkspartei in der Nationaloersamm-
kung: „Der Landesverband Hamburg der Deutschen
Dolkspartei richtet an die Fraktion der Deutschen
Vokkspartci in der Nationalversammlung die drin-
gende Bitte. im Fakle einer uns von unseren
Feinden aufgezwungenen Revifion der Reichs-
verfassung die Ersetzung der schwarz-weih-roten
Reichsflagge durch die schwarz-rot-goldene noch
einmal zum Eegenstand einer Aus-
sprache zu machcn und mit allen parlamentari-
schen Mitteln dahin zu wirken, dah dieser ebenso
schmachvolle wie nutzlose Akt der Selbstentwürdi-
gung rückgängig gemacht werde."

* Neuordnung des Reichswehrministeriums.
Mit dem 1. Oktobcr ds. Zs. hören die Kriegs-
ministerien der einzelnen Länder zu
bestehen auf und werden im Reichswehrministeri-
um zu einer einzigen Befchlsstelle zusammen-
gefaht. Dadurch wird eine Neuordnung des
Neichswehrministeriums bedingt. Dieses wird künf-
tig in zwei Tetle zerfallen. einen für die Land-
macht und einen siir die Marine. An die Spitze
der Abteilung siir die Landmacht wird, wie wir
weiler hören, voraussichtlich der bishcrige preuhi-
sche Minister Reinhardt treten. der damit na-
türlich aus dem preuhischcn Staatsministerium aus-
scheiden würde. Zum Befehlshaber der Reichswehr
in Sachsen wurde Eeneral Märker ernannt.

* Di- Skandalwirtschaft dcr A.- und S.-Näte.
Die Kosten der A.- und So.-Räte Sachsens betra-
gen bisher 15 069 826 Mark, daruntex 12 086 073
Mark für srühere Eebührnifie. Parteizwecke
und andere unzulässige Ausgaben. l!)

* Die Vercinheitlichung des Berkehrs. Am Don-
nerstag findet in Weimar unter Leitung des
Reichsverkehrsministers Dr. Bell eine Konferenz
der sämtltchen einzelstaatlichen Verkehrsminister
statt, um die Richtlinien für die Uebernahms der
E.senbahnen, Wasserstrahen. sowie des Lust- und
Kraftfahrwesens durch das Neich aufzustellen.

Aus Stadt und Umgegend

Die Kartosselversorgung

Das Reichsernährungsministerium
hat folgendes bestimmt: Die Dersorgung
der Bevöikerung mit Speisekartoffeln ist
nach dem vom Reichsernährungsminister für die
versorgungsberechtigte Bevölkerung jeweils festge-
setzten Wvchenkopfiatz zu regeln. Die Kommunal-
verbändo haben zur Deckung des Bedarfs an Kar-
tofseln die in ihrem Vezirk geernteten Kartossel-
mengen stcherzustellen. Vei Kartoffelerzeugern mit
200 Quadratmetern Kartoffelanbaufläche und we-
niger findet eine Sicherstellung nicht statt. Die
ficherzustellenden Mengen sind für jeden e nzelnrn
Kartoffelerzeuger, für jede Eemeinde. je^.n Kom-
munalverband und für jede Vermittlungsstelle fest-
zvstellen. Der Feststellung bei den einzelnen Kar-
trfselerzeugern ist ein nach den Anordnungen dcr
Reichskartosfelstelle geschätzter Ernteertrag zugrunde
zu legen. Von dem Antrage find abzuziehen: der
Eigenbedarf des Kartosselerzeugers und der Ange-
hörigen seiner Wirtschaft nach dem Matzstab von
anderthalb Pfund für den Tag und Kopf, der
Saatgutbedarf in Höhe von 40 Zentnern für das
Hektar der Anbauftäche 1918 und die von dem
Ausschuh für Pslanzkartoffeln der lcm.dwirtschaft-
lichen Körperschaften Deutschlands als Original-
züchtungen oder Staudenauslese (Eigenbau) er-
klärten Saatkartosfeln. Die verbleibende Menge
wird sichergestellt. Trotz der Sicherstellung darf der
Kartofielerzeuger Kartoffeln gemäh den Vorschrif-
ten über dcn Derkehr mit Saatkartoffeln als Eaat-
gut absetzen. Unternehmer landw rtschafilicher Be-
triebe dürsen in der eigenen Brcnnerei sooiel
selbstgebaute Kartofseln verarbeiten. als einem
Drittel des Brennrechts bei eincm Verbrauche von
18 Zentnern Kartoffeln über den Hektoliter rei-
nen Alkohol entspricht. Das gleiche gilt für Ge-
nofienschaften und sonstigen Vereinigungen, die eine
Drennerei detreiben, hinstchtlich der von den Mit-
gliedern gebauten Kartosseln. Kartofieln dürfen
in Trocknere en und Etarkefabriken nur insoweit
verarbeitet wcrden. als ste von der Reichskartosfel-
stello oder von ihr bestimmten Stellen zur Verar-
beitung freigegeben oder zugewicsen sind. Kartof-
feln dürfen nur verfüttert werden, wenn ste nicht
gesund oder die Mindestgröhe von einem Zoll (2.72
Zentimeter) nicht erreichen. — Die Höchstpreife
für den Zentner Kartosfel beim Verkauf durch den
Erzeuger wurden. falls die Lieferung nach dem 14.
September erjolgt. auf 7,50 Mark festgesetzt. beim
Verkauf in Mengen bis zu 12 Zentncrn unmittel-
bar an den Derbraucher: ab Ackcr oder Keller höch-
stens 7^5 Mark, frei Verladestelle einschliehlich
Einlagen höchstens 7,50 Marft Lieferung durch den
Erzeuaer vor das Haus dcs Verbrauchers 8,30 Mk.
ohne Rücksicht auf die Menge.

* Bolkszählung. Für dic um 8. Oktober lOlS
vorzunohmende Dolkszählung hoben dre Gemeinde-
behörden die erjorderltchen Zälfier zu bestellen,
welche die Zählungslisten austeilen und wieder
eiasa.mmeln. Ecaveit möglich, find srettoillige Zäh-
ler heranzu-zishen. Die Ernennun« der evforder-
lichen Anzaihl von Zählern mufi längstens am 3V.
Scpl. vollzoaen sein. um die rechtzeitige Vorberei-
tung zur Volkszählunq zu fichern. Die Zähler ha-
ben die Zählungslisten von Haus zu Haus in der
Zeit Kwischen dem 4. und 6. Ottciber 1910 uusku-
leilen und n-ach Mittag des 8. Oktciber 1919 wie-
der einMsammeln. Zm Verlaufe der ltt^ten grcften
Zählungen h-at fich vesonders in den arohen Städ-
ten ein immer sühibarerer Mangel an gutem
Zählpersonal ergeben, so dafi die GemeinLe-
behörden ost zu Dtahriahmen fich geiMungen fähen,
die einer sorgifälttgen Durch-führuna des Zählungs-
geschäftes wenig förderlich waren. Entweder muhte
den Zähl-bezirlen eine zu grofie Ausdehnung geae-
bcn cder cs muhten einem Zähler mehrcre Vozirke
zugewiesen werden oder aber es wurden wenig
vereigenlchiaftete Personcn als Zähler zugc^oaon.
Da bci oer grohen Bedeutung. die die Ergebnifie
der Volkszählung für die Derwaltunq und die Be-
völkerung selbst, Lesonders unter den gegenaoärtigen
Zeitrerhältnifien haben. sowie mit Rücksicht auf
die mit der Zählung verbundrnen erhoblichen Ko-
stcn ftde Deeinträchtiaung derselbeni vcrmieden
werden muh, find die Behörden durch dio Mini-
fterien anseoviesen worden, die Beamten, Leh-
rer und Angestellten anzu-halten, als ZA^-
ler den Zählungskommissionen fich zur Verfiiaung
zu stellen, uird ihnen, soweit dies ohne Schädigung
ihrer amtlichen A-ufaaben seschehen kann, die dazu
nötige diensmreic Zeit zu gawälrren. Es wäre aLe:
scthr erwünscht, wenn auch aus den übrigen Bevöl-
kerungskreisen möglichst zahlreiche Persvnen
ihre Krüfie zur Vcriügung stellen und so zur För-
deruna des Eelingens der so wichligen Volks-.M-
lung beitraaen wcllten.

* Bcsichtigung staatlichcr Anbauversuch-c mit
Anierikanerrebcn. Die vom Staat in allen Reb-
Laugegenden des Landes angestellten Anbauver-
suche mit veredeltcn und unveredelt-e'i Ameri-
kanerreiben erregen- in .zunchmendcm Mahe die
Aufmerksamkeit der Reb-baucrn. Um die Ncb-
Lauern von varnherein über den Zweck und über
den gegenwärtigen Stand dieser Versuchsanlagen
wie der gesamten Amertkanerfrage eingehend M
unlerrichten werden von dem Leiter der staatlich-en
Nebenveredlungsanstalt Dümmler in Durlach
Beleihrungen an Ort und Stelle albgehaltLN. Nach
voraufgehonden kurzen Dorträgen finden Führun-
gen mit Eräuterungen statt und zrvar: Sonntag,
den 14. Sept., nachmittaos 3^r Uhr in den An-
lagen des St. Andreas-Hospital Fonds-Oisfenburg
in Ortenberg-Käfersiberg. etwas Std.
Wegs von Ofienburg eniifernt. Tressfpunkt am
gen mit Erläuterungen stait u. zwar: Soii'i tag,
den 28. Sopt., nach-mittags 3^ Uhr in den An-
lagen des Weingutsbesitzecs Neymeyer in Wet-
telbrunn b. Staufen. Voraufgehender ösfcntl.
Vortrag uud Weiiikostp.'obe im Easthaus z. Löwen
in Mettelbrunn nach einer vom Natuvweinlbau-
verein des unteren Markgrüslerlandcs und des
Breisgauverbandes e'inlberufenen Ausschufisitzuiig,
auherdem am Sonntag, den 4. Oltobor, nachm.
3^. Uhr in den Anlcigen der staatlichen Nebenver-
ed'.ungsanstalt Durlachb. Karlsnihe. Die reb-
bautreibenden Landwirte werden zu reger Beteili-
gung sreundlichst eingeladen.

* Einschrünkungen im Zugvcrkchr. Vom Diens-
tM, den 10. Se-pit. aft fallen u. cv. auf den nachge-
n-annten Strecken folgende Schnell- und Pcrsonen-
güge aus: Schnellzua v 32 Berlin iab 7.50 vorm.,
Mannheim ab 11.26 nachm., Schnellzuig v 33
Maimheim ab 8.10 vorni.. Berlin an 11.49 nachm..
Personenzug 1054 Heidelberg ab 9.15 nachm.,
Schrvetzingen an 9.37 nachm., Personenzua 1055
Schtwetzingen ab 9.53 nachm., Heidelvorü on
10.16 nachm.

^ Von der Eisenbahn. Der preuhische M i n i-
e r der öffentl. Arbeiten hat eine beson-
dere Derfilsunq wegen der Unordnun-g in den
gen an die Eisenbcvhndirekttonen erlassen. Es mirN
Necht darüber geklagt. dafi jn
den Abterlen der Nichtraucher seraucht wird; nuck»
kommt «g vielfach vor, dafi Reisende elgenmächtia
äine höherL Klasse benutzen obne Anweisuirg des
Zuspersonlals. Häufij^r als bisher sollten die
Zuge durch bosondere Bsamte nachgeprüst werden.

» Der Mangel an Lokomotiven. Der Mange!
an Lokomotiven, der vor allom di>e Vevkrhrsnot
verschuldet. ist so stark, dah Eüterzüge. die schg^
im Rollen sind, stcihen bleiben müfien, wei-l keine
Mlösungslokomotive da ist. Wlürttemberg hat kn
dein bescheidonen Mah, das die Vcrhältnifi«
stotton, an Baden Maschineni abgege-
ben, -omiit wenigstens die Kohlcnzüge von Mann-
heim her keine zu starke Vcr-ogerung erleiden
ohne sreilich dadurch Stockungen ganz verhüten zu
können.

* Reichsverbond Ler Kriegsbefchädigkcn. Am
Samstag, d«n 27. Sevtencher und Sonntag. d-n
28. Evtember sindet i>m grohen Rathaussaäl in
Kcnlsnche der zweite badische Gautag dcs Rcichs-
bundes dcr Kriegsbeschädigten, Kncgs-teilnehmer
und Kriegshsnteblicbenen statt.

* Der Verein fiir eheinalige Zioilgefangene bat
sür diojenigen Frauen und Kinder ebemaliger Zi-
oilgefangenen, die der deutschen Sprache nicht
mächtig find, unen 1 geltliche K u r se zur Er-
lernung der deutschen Sprache eingerichtet. Die
Kurse finden dreimal wöchentlich im »Blauen
Kreuz" Mtt.

* 50 Aahre Etaatsdienst. Zn Ergünzung un-
serer Mitteilung vom 8. Sept. über den Ueber-
trttt des Oberstationskontrolleurs Zohann Hoff-
mann aus dem Staatsdienst in d«n Ruheüand,
können wir noch fo a^de Einzelhöiten anfüsen.
dem genannten verdienstvoll«n Deamten runLt-n
üch zugleich mit seinem Abgana 50 Dienstiahre. in
deren Dertauf er in fust allen gröfi. Stationsäm-
tcrn der Dad. Staatsbahn tätig war, zur Jubi-
läumszahl. Hervorgehoben sei noch, dafi Herr
Hoffmuun, sawcbl den schweren Dienft des 70er
Krieges, als auch den noch schwerercm des Melt-
krieges in Heidelberg, seiner Daterftadt, versah.
Seine Eattiu ist die Schwester Hermann
B u r 1 o s.

* Eebührenfreie Heimalscheine. Die Wezirks-
Lmter wurden angenriefen. von Auslands-
deutschen, die während -es Krieges nach
Deutschland zurückgekehrt find und ihrer Wehr-
pflicht geivügt haben, für Heimatfcheine keine Ge-
büihren zu «cheben. Auch von den Anaeihörigen
solcher Weihrloute und von den AnqehLrisen ge-
s-aillener Wehrleute sollen keine Eobühren fiir Hei-
matscheine gefordert werden.

Aus Baden

Mannheim, 12. Sept. Am Donnerstag wurd«
zum erften Male vor einem Mannheimer Gerichi
der Erd iw der n e u e n Fo r m (ohne Anruftmg
Eottes) aibgenommen. Es geschah dics in eincr,
Sihung des Zugcndgerichtes.

Maunheim, 12. Sevt. Die Leiche des 35-
jährigen Schlofiers Klumvv, der bcttn Baden
im Neckar cttrunken ift, wurde geländet.

Mannheim, 14. Sopt. Dei der kürzlich abgohal-
tencn Tcvgung des Bezirkslehrervereinsm
Uehlingon (Sckftvarzw.) wurden folgende Herren
Kowähtlt: 1. Dors. Hauptlohrer Hofheinz-Hei-
delberg; 2. Vott. R e i n m u t h - Pfor^heiin;
Schriftfüihrer: Bofi- He'd.'ih'r,;; Rechner: Hcr-
man n - Rlngelsbach Vertreter der Unständigen:
Unttilehrer Rupp - Mannhenn.

Neuluhheim, 14. Sept. Der Hockenheimer Een-
darmerio gelang es, hier Tabakvarräte im Werte
von 60 000 Mk. zu bcschlägmchmen.

Karlsruhe, 14. 2eot. Der Eü 1 e r r-ork ehr
ülber die Rheinbrücke bei Maräu und Eer-
mersheim ist fiir Eil- und Frachtgut wieder auf-
genommen worden.

Pforzheim, 12. Scvl. Den Eol'dcvvbeitern Kull
und Dibelheim ist es gelu-ngen, erneu Berliner
Schi'xiber hi'erher zu locken und ihm 15 Kilogramm
Unedelmetall als Gold für 182 000 Mark aufzu-
hängen. Das Mtall g'mg durch mohrove Hände,
bis eine Probe in einer Scheideanftalt seine Un-
cchthoit erigaib. Die beiden Derkäufer wurden fcst-
genommen. -

Rastatt, 12. Sept. Hier verunglückte ein 42
Iahre alter Landwirt von Hügelsheim. der mii
scinem- Fuhvwerk Dungwaficr holcn wollte, durch
S.heuen eines Pferldes tötlich.

Echönan i. W., 12. Seot. Das Bergwcrk
an der Eüsonbläue bed Aitern befindet fich wieder
in Be 1 rieb. Es werden grotze Miengen Fluh-
und Schwerispa't gefördcrt. Aiuch das Borkom-
men von Bleiglanz, Malchit, Kmrferkies. Pyrv-
lith usw. ist eitmvandfrei fcstgestellt. Durch Etntrei-
ben von wciteren Stollen soll die Förderung in
nächstcr Ze'tt noch wcsentlich gchoben werdeir.

Von der Schwarzwaldbahn. 13. Sciptibr. Zn
Naiersbronn -sollteiv dieser Tage drei Wagen an
einen Zug achängt werden. Die Kupplung versaste
jcd-ock- und die drei Wcrgen liefen mit gröhter
schwindigkeit über Klosterreichenbach hinaus u-nd
stürzten eine Böschung hinun'ter. wobei fie volltg
zertrümmert wurden. Der Zug in Klofterreichen-
bach konnte noch rechtzeitig auf die Seue
gebracht werden, sodafi ein gröfieres Unglua
verhütet wurde. Eine Person wurde leicht verletzt.
Der Ataterialschaden wird auf 25 bis 30 OM Mark

EAoustanz. 13. Sept. Fast jeden 2. Tag fährt das
Lustschiff «Bodensee" der deutschen Lufi-
schifsahrt-Aktiengeftllschaft. Auch von auslan-
difchen Neisenden wird dies neue Verkehrs-
mittel stark benützt. Leute aus der Schweiz, die
nach Norwegen reisen wollen, fahren morgens i'M
10 Uhr vou Friedrichshafcn ab. trefsen aegcn >
Uhr in Staaken ein und können nockr am selven
Äbend die Reise nach Skandinavien fortsetzen.

Vom Vodensee, 14. Cept. Jm Altenrhein bei
Norschach ertranken bckim Baden zwei in
St. Eallen wohnhaste Studcnten DNllcr und Eng-
stcr. Deim Baden in der Orbe ertrank dev 28-
jäh'go Metallarbeiter Kramer.
 
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