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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0177
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oird daher. wenn. M >
ordneten Mahnahmen
boswilliae Abstcht hn
n. um einen ErunL sir
erhalten.

sedenfalls für uns wi-
Lrinken. und wir qe-
taeaen. wenn es niÄ
baltikum zu beweM,
ehen. der ^.

Donnersrag, den 2. Otober 1919

vadtsche post — Nr. 229

Veilage

... für «anz
e Wirkungen -aben
rn Meldungen bereits
ikalen Elementen rine
»agandistische Tätistkcit
ie Armee der Bolschr-
r weniq Hofsnung. da-
der Regierung Fol-
sen daher aus W

,r!te RotWiW

che Regiemna

üalich der AbbenM
und der Lage "
ntwort Mkven.

skrise ist noL »iLt l»
roeiter.

Die Arbeit der Deutschen
Votkspartei in Weimar

Das „P 0 litisch 0 Seminar" der deutschen
liberalen Volkepartei Mannheim wurde nach
achtwöchiger Sommerpause Mchser eröffnet und
Mar von Eeh. Regierungsrat a. D. Mathy mit
einein Vortrag über Äie „Arbeit der Deutschen (li-
beralen) Volkspartei in Wei-mar". Er führte etwa
Folaendes aus:

Dkd Partei war nur mit 21 Mitglie<dern in das
Theater in Weimar eingezoAir, bildete also nur
don achtzehnten Teil der- Versammlung; sie kynnte
daher nur >n den Ausschüssen mitwirken. die mehr
als 18 Mitglieder zählen, mie dem Hauptausschuh.
dem Nerfasiungsausschutz, den Soziallsierungs-. Pe-
titions- und Geschäftsordnungsausschüsien. Wenn
sie in diesen und in den Vollversammlungen frucht-
bare Arbeit geleistet. manches Schlimme verhin-
dert und viel Eutes gervirkt hat, so danken wir
dies ihrer Zusammensetzung aus einer Frau und
Männern, die fast durchgängig durch wisionschaft-
l:che Fachbildung. politische Schulung und natür-
liche Begabungen über den Durchschnitt nicht wenig
hervorragen. An der Spitze stehen die beiden ge-
wesenen Minister Dr. Heinze. früher JustiMi-
nister iMsKönigreich Sachsen. der -;um Fraktions-
führer gewählt wurde, und Dr. Vecker, vor der
Revolution Finanzminister rm Grotzhsrzontum Hes-
son,' ihnen rethen sich die Universitätsprofesioren
Eeheimrat Dr. Kahl und Eeheimrat Dr. Nie-
tzer. der bekannte Gründer und Vorstand des
Hansabundes. von der Aniversität Berlin und Graf
Alexander jzu Dohna von Königsbrrg wür-
dig an, ferner dsr lugendliche Schriftsteller Dr.
Mittelmann aus Stettin. Herausgeber der
„Nundschau". Als Städtevertretsr ragen Oberbür-
meister Dr. M o st von Sterkrade- und Stcrdtsyndi-
kus Dr. Maret; ky uus Verlin hervor. MAten
im Wirtschaftsleben stehen der Generalsekretär Dr.
Hugo, Syndikus Dr. Stresemann. seit Bas-
sermanils Tod der gewählto und bewährte Führer
der Partei, Generaldirektor Voegler. General-
direktor Geheimrat Dr. Weidtmann und
'Witthoefft, ein Vertreter des Hamburger
Grotzhandels. Die Landwirtschaft ist durch den
Hofbesitzer Dusche, d'-e Arbeiterschaft durch den
Bergmann Winnefeldt vertreten. Die Pfar-
rcr Atzmann und Oertel sind in religiösen
und kirchlichen Fragen, Schulrat Veuermann
und Provinzialschulrat Dr. Kunkel in Schulan-
gelegenheiten zuständig. Rechtsanwalt Dr. K -e m p-
kes in Nechtssachen. Endlich ist Frau Elara
Mende zu nettnen. die als eine hervorragends
Führertn der Frauenbewegung auch hier be-
kannt ist.

Da die Partei in der Regierung ebensowenig
vertreten ist. als die doppelt so starke Deurschna-
tionale Partei. so war sie mit dieser von vornher-
e»n in die Opposition gedrängt. Aber sie hat ihre
gegensätzliche Stellung gegen dir drei regierenden
Partolen nicht in hem Geistr erfaßt. der stets ver-
neint. sondern mit dem festen Grundsatz. die
Wohlfahrt des deutschen Volkes nach
Kräften zu fördern und drohende Gefahren abzu-
wenden. Darum hat sie auf allen Schaffensgebie-
ten zwar ihren selbständigen Standpuntt i» natio-
nalor. liberaler und sozialer N'chtung. oft in er-
freulichem Einverständnis mit der Deutschnatio-
nalen Partei. manchmal auch von eineim Teil der
Deutschdemokratischen Partei unterstütst. tapfer ge-
wahrt. aber immer das Vaterland überdie
Partei gestellt. Das allgeineine Parteipro-
gramm Hiitlvickelte Dr. Kahl schon in e'Iner grotzen
Rede am 20. Februar 1919 im Anschlutz an die all-
gemeie Aussprache über das Negierungsprogramm.

Jm Kampf um die Reichsverfassung hat
sich d:e deutsche (liberale) Volkspartei sowohl im
Verfasiungsausschutz. als in den Vollversammlun-
gen sehr wirkungsvoll betätigt. Namentlich ist es
dem Berichterstatter über dsn ersten Abschnitt ^der
Verfassung. der vom Aufbau und den Aufgabsn
des Neiches Handelt, Dr. Kahl gelungen. eine
Neihe von Fehlern auszumerzen und wesentliche
Verbesserungen anzubringen. Jnsbesondere hat er
die Se l b st ä n d i g k e i t der evangelischen
Neligionsgesellschaften im Artikel 134

erfolgreich verteidigt und die Aufhebung des Ar-
tikels 164 bewirken helfen, durch den für die näch-
sten 15 Jahre die Wahl ei-nes Mitgli-edes der Fa-
mi'lien früherer Landesherren zum Neichspräsiden-
ten ausgeschlossen werden sollte. Gegen die dro-
hende Zerstückelung Preutzens traten Heinze und
Stvesemann tatkräftig auf. Da als hte Mehrheit
der Natioiialversammlung sich für die republikani-
sche Staatsform, für die Reichsfarben schwarjz-rot-
gold, für eine zu weftgehende Deinokratisierung
und gegen manche Forderungen aussprach. die die
Deutsche Volkspartei für notwendig hielt, stimmte
sie zuletzt gegen die gunze neue Reichsverfasiung
und der Fraktionsführer Heinj;e begründete, am 30.
Juli düese Ablehnung in einer bedeutenden Rede.

Die wichtigste Frage, .die in und autzer der N<r-
tionalversainmlung das deutsche Volk bewegte. war
die des Waffenstillstandes und Frie-
d-en s. Hier hat die Deutsche Volksparteii vom An-
fang bis zum Schlutz den Standpunkt der Ableh-
nung dex Schmach und Knechtung unerschütterlich
festgehalten. Schon am 13. Februar gab Heine
im Namen der Partei eins feierliche Erklärung ge-
gen einen Gewaltfricden ab, und kn der entschei-
denden Sitzung vom 22. Juni hielt Kahl noch
kine ergreifende Schlutzrede, leider vergebens. die
unter dem Titel „Schmach und Knechtschaft" vor-
liegt.

Jst die Partei in den Frvedensfragen und in
der Verfassungsarbeit mit ihren Anschauungen lei-
der unt-erlegen. so hat sie dagegen in sozialen. wirt-
schaftlichen und finanziellen Fraffen grotze positive
Erfolge zu verzeichn-e-n. Wenn die Partei auch
grundsätzlich das Erfurter Programm uud eine
unvernünftige, übereilte Sozialisierung bekämpfte,
so hat sie doch bei der Beratung des Sozialiste-
lungsgesetzes und des Kohlenwirtschaftsgesetzes
viiele positive Verbesserungen vorgeschlagen und
durchgesetzt. Auf diesen Gebieten haben sich die ge-
wiegten Fachmänner Voegler, Dr. Becker, Witt-
hoefft und Weidtmann heroorgetan. Durch jzahl-
reiche Anfragen an die Reichsregierung hat
Dusche berechtigte Wünsche dsr Landwiirtschaft M
wahren gewutzt. Jn allen nationalen Fra-
gen. üüerall. wo das Recht des deutschen Volkes
und die Würds und Ehre des deutschen Namens
gefährdet ist. haben die Äertreter der Partei mutig
das Wort ergriffen. So vertrat H>einze den An-
trag der in Weimar erschienenen 12 Vertreter der
in Deutschland zerstreuten Elsatz-Lothringer alle
Rechte der Abgeordneten autzer dem Stimmrecht
M gewähren. während.die Neichsregierung ihn-en
in ihrer Aengstlichkeit nur auf der Tribüne Plätze
zum Zuhören gewährte. So trat Rietzrr ae«en
die sranzösischen Umtriebe in der Pfalz auf und
Beuermann gegen polnische Willkür tn den
Ostmarken, Kahl gegen die,dänischen Ansprllche
auf Mifttelschleswig u. s. f. Graf Dohna uild Mit-
telmann benutzten oftmals das Mittel der kleinen
Anfragen,- um das Eewisien der Reichsregterung
zu schärfen, wenn sie gegen französische oder polni-
sche Ueberarifse oder gegen Bluttiaten der Sparta-
kisten zu schlaff war.

Doch nicht nur in der Nationalversammlung
selbst hat die Parteifraktion fleitzig gearbeitet, sie
hat nebenher unter dem Vorsitz des Abgsordneten
Dusche in dem Ausschutz für Landwirtschaft und
Siedelungswesen ein Agrarprogramm ausgsarbei-
tet. das ebrn fertig geworden ist. Vor allem aber
hat sie unmittelbar nach dem Schlutz der Weima-
rer Tagung am 22. August einen Aufruf zum Ar-
beitsfriedsn erlasien. Darin werden posttive Wege
gewiesen. um den Klasienkampf zu überwinden und
durch Arbeitsgemeinschaft zur Volksgememschaft
zu gelangen.

Der Vortragende schlotz seine Darstellungen mit
dem Ausdruck dankbarer Anerkennung für die
Männer u. dte Frau, bie in der Nationalversamm-
lung. in zahlreichen Volksversammlungen und in
d-r Presis. merklich in den „Deutschen Stimmen"
und in der ..Nationalli!beralen Correspondenz". die
auch in diesem Blatte w dankenswerter Weiso 'aus-
genutzt wird. tapfer und hingebungsvoll fllr das
Vaterland gearbeitet haben.

Scheidemailn wieder Fraktionsvorsitzender. Die
sozialdemokratische Fraktion der Nakionalversamm-
lung wählte Philipp Scheidemann wieder zu
ihrem Vorsitzenden.

Aindenburgs erster Friedens-
geburtstag

kAlm 2. Oktober begel-t Felldmarschall HinÄe 11-
burg seinen 72jährigen, seinen ersten Friodens-
sebuirtStag. Dankbar sedeitkt das deutsche Bolk
b.'isonders an Äiesenr Tage setnes grötzten Man-
<ne!s im WsHtbrroge, dessen mititävlschsm Gen'ie
und' unerschöoflicher Kraft e!s zu ldanken rst, dah
DoutWand 'vier Jaihrs lang einer Welt vo-n
Feinlden wilderstehen konnte. Sein Ram-e isi mit
dex doutschen Geschichte für inrmer verkimvft, wio
der oinos Fri>eidrich des Grotzen, eines Bisimrck,
diese HelidÄnselstalt wird aber auch in der Sage
-des-Vol-kes fortleben, wie die eines Armin, einos
Karl des Groden. Wie ein Fels im tosenden Sturm
dcs Meeres stand er im Krliege von allen sSeiten
bedrängt vuhig und fest; der kühne Felidherr der
:n den kcitischsten Lagen klar und kühl überlegt
und fest, unerschütterlich seine Entfchlüsie fatzt, sie
init eisvrnor Energie zur Durchführung bringt. Er-
innerungen an glänzends Sieige der deutschsn Wäf-
scn steigen wisder auf, die Schlachten von Tan-
nenberg und den Masurischen Seen, durch die er
Ostpvöujtzen von den rufsischen Horden Löfreite, der
Soinmerfeldzug 1915 gegen Rlutzland. in dom de:
Rusie durch den Durchbruch iN Galizien. die Käm-
pfe in Ostpolen, die Vorstötze nach Kurlliand Und
Litauen weit von der deuijschsn Grönze Ubgedrllckt
wuvde; aber auch die genial angelegt'Lil Ossen-
siven im Westen gegen eine Ueiberlmacht von Fein-
den, die die ganze Welt in StauneN versetzten. Er
war ,-die- Idealgestalt dieses Krieges für das döut-
sche Volk, Äis Verkörpecung des Sieges für ieden
Dcutschen" sagt Ludendorff mit Recht.

Eiroß war Hindenburg in der Zeit in dsr, ihm
das (Soldat-englück hold war, aber doch noch grötzer
in den Zeiten d?c Not und des llnglncks. Er hieli
auf sernsm Posten aus, als das deutsche Heer zu-
rück mutzte» Er stellte seine ganze Kraft in deN
Diemst des Volkes, bis die Auflösung des Heeres
durch den schmachvoll^n Frieden örforderllch wurde.
Unbertthrt vcu Anfetndungen, Verleuindüngsn!
Ihm galt das VaterlanL, das deutsche Volk mshr,
als Rücksichten auf sich, seine in rhm wurselnde An-
schauung und Tradltion. So magten selbst die so-
zialistischen Parteien nfcht diesen grotzen Mann
anüugreifen. Sevbst sie fühlten, datz Hindenburg uä-
ant.astbar sei. So nur konnte der soziialdemokratr-
scho ReichsvräsiÄent beim Rücktrsttt Hindenburgs
im Mai dkeh'Ls Iahres schrekben: „Datz Sie auch in
den Zsitetz schwerer Not aivf Fhrem Posten au!s-
geharrt halöen und dem Vaterlande Jhre Persön-
l-chkeit zur Verlrügüng stellten, wird Ihnen das
-deutscha Volk niemals vergesisn."

Er ist nilicht nur ein grotzer Feldherr, sondern
auch grotzer Mensch, eine Persönlichkeit von selte
nem Mert; schlicht und einfach in seinem Wesen,
ein Mann von Herz, Sinn und tiefein Gemüt,
wahvhaft, treu und von edler Frömmigkeit. So
wird er zuinr Nationalheros der Deutschen.

Die srotzen Dase seine-s Lebens liegen hinter
ihin. Don dör hohen Warte seines Altevs herab
tlickt ex wshmütig auf das zusaininengebrochene
Neich, in dem Unkenntnis und Laientum dai
schwcmkende Staatsschiff lenken. Möge es Hin
deniburg vergönnt sein, noch Zeiten zu erleiben, in
denen Deutschland aus dein Elend der Kirechtschaft
Ich'd 'der Zwietracht im Jnnern sich neu su altsr
Erötz-e kraftvoll wieder aufreckt. —-b.-

* Der bayerische Landtaq befatzte sich in seiner
autzerordentlichen Tagung ' nicht mit der Kabi-
nettskrise. worüber zwischen den Parteien wei-
ter verhandelt wird. sondern erledigte lau-
fende Arbeiten.

Hans Thoma

Lebenslauf in abgekürzter Form

Ich hab achtzehnhundertneumlnddreitzi«

Am zweiten Oktober msin Erdenrecht erwarben;
Fch bin neunzehnhundertneunzehn
Noch immec fleitzig,

Jch bin bisher, wie man sieht, »vch nicht gestorben,
Zch bin als Nätfel Men-ich durchs Diasein hin-
gegangen,

Jch war bemüht die Schönheit einzufangen,

Jch stand im Dienst des Augs, des Lichts, der
Farben.

Ich sah, datz diese stets mir neue Lebensfrsud
erwakben.

Fch

Ich

lFch

Jch

Fch

Ich

'Ich

'Ich

Ich

cmpfawd auch stark die Schatten der Ver-
gänalichkeit.

faib sie .ruf- und niedertauchen in dsm Meer
der Ewigkeit,

schaut ihr buntss Wechfeln, das mir wohl
behagte,

war voll Iiigerlust, als ich nach ihnen jagte.

bin fo lang gewaiidert, datz ichs MlN müde
bin,

sehne inich zur Nuhstatt Go.ttes hin.

sc-h jetzt heim, wer wird viel um mich klagen;
habe meinen Namen im Piilgerbuiche ein-
getraaen.

hab gar manche wobl gekannt.

aber wurde Hans Thoma genannt.

(1919)

Aans Thoma-Bücher

»Mit der Urkraft des Eenies. mit der dem
wahrhastigen Künstler eigenen Begeisterung und
Lieoe hat er die von innen verrie-gelten Türen des
Tempels Kunst aufgerisssil, weit, ganz weit, datz
alles Vo,lk wieder Zutr'ttt haben sollte und an
der stillen Stätte der Kunst Erhübung und Erbau-
ung finden komite." So ?aat Karl Anton in
seiirem Buch „Hans T h 0 in a, der Male-r als
Musiker, Dichter uud Men-fch." Der Verfasier
vrvfucht in dieser mit gutem Blidschmuck verfS'heilen
Schrist Dhoma, den deutfchen Kiinstler uns zu zeii-
«en, dessen san',.' Kraft in der Schotte der Heim'at
wurzelt, dessen G>eist aber aus dieser Krast heraus
beffähiigt ist, die Welt zu umipann-.'n. ..Wie der

Menfch ist, fo ist anch sein D.ichten, sein Malen,
sein Musiziecen. Er stellt die Maderne Thoma
ocgenüber und zeigt wie sie vergeudet, verlebt
nach Sujets jagt. Ihr fshlt die Zeugungskvaft,
dort Flüchtigkeit und Hast, hier un-ergründliche
Tiefe und kraftvolle Produktjon. Aus tiefem un-
erschöpflichrm Born quillt immer wieder neue
Kraft. Farbsnkolirpositioil -wird zur Musik, künst-
lerisches Erlebnis zur Dichtung. Güte, Liebe und
fromme Demut, voc der unergründltchen unsatz-
baven Heiligkeit der Gottheit macht ihn zum Eoel-
menschen. So wird Dhoma zum Liebiling des
Bo.lkes. Die Schrift verdient in weite Kretse ge-
traaen zu werden.

Den Dichter und Denker lernen wir aus den
von Kurt Karl Eberlein herausgegeibenen ,,Ge-
dichten und Gedanken" von Hans Thoma
kennen. Die Schrift ist „dem Meister der Linie,
der Farbe uird des Wortes" a,ls Geburtstagssabe
gnvidmet. Eine „Auslefe aus allen Jähren der
Ernte." Der Dichter Thoma spricht selbst zu uns
aus Tagebuchblättern. Kunstbetrachtungen, Spvü-
chen und einer Sammlung jener in der Form so
unendlich einfachen Gedichte mit dicfem tiefen
Gch'alt, wie sie eben nur Tboma dichten kann:
Vom Deuife'l kommt der Zweiföl?

Doch möglich auch, datz iGatt ihn schickt,

Weil er nicht haben will,

Datz unser Glaube still
Jn tiefem Schlafe liegt.

Ein kurzes Nachwsrt des Herausgebers beleuch-
tet die Stellung Hans Thomas 'ckls Dichter.

Bon 'oem Äkaler-Dichterleben des KünstlerS
gtbt uns die reizende Schrift „Federspielio"
vo.n Hans Thoma und Henry Thode ein
Bikd, deren dritte Auslage der Vevlag von Heiwr.
Keller, Frankfurt zum GeburtStage des Meisters
bereitet hat. Ein Bilderbuch »nit Veksen; eine
Sammlung wunderschöner Handzeichnunigen Dhoi-
mas, zu denen Henry Thode, der feiusinnlrge Kunst-
forscher, Vevse geschrieben Hat. Söhen und Tlefen
werden -evlebt, Froheit und Scherz gekostet. Jn
aemeinsamer Arbeit ist das Vüchlein von den
Freuiiden zujavlmengestellt worden. Seine erste
Ausgabe erschien vor etwa 30 Fahren. Daürals
wür Thoma eben init Hilfe des Freundes aus ber
Vevborgenheit'gerückt. Man begann sich füc ihn
zu interWLren. Bald ging sein Nnhm weit über

die Grenzen der Hsimat hinaus. Heute aber ge-
deM die gesamte Welt des Geburtstages eines
ihrer grötzten Künstler.

Thoma und Aindenburg

Kinder des Herbstmondes beide, spät zur Eek°
tung und Wirkung gslangt beide. Und mösen
uuch chre Berufe weit auseinander liegen: in ihrer
Seele hüben sie edelstss Deutschtum gsmeinsam.
Veide Deutsch» darf man auch Christen nennen,
eine schlichte Frömmigkeit ist ihnen eisen. Hinden-
buvg steht den Gemeinschaftschristen 'lahe. Dho-ma

ist als Ka,thoilik geboren, später zur evangslischen
Kirche übevgetreten. Doch ein Spannungszustaud
gegenüber der andern Kanfession liegt dieser mil-
den Reife gänzlich fern. S-e gehören allen dent-
schen Vojlksoenosien: die Schkachtenkunst der Nord-
deutfchen wie, die iMMunst des Badeners. Jn ibrer
Frommheit find sie sachlich, schlicht und wahrhaftig.
Man nimnlt vom Herzen aus zu ihnen Stellung,
wenn auch die Vernunft das Können des einen wie
des andern ehrend abwäat. Und bei beiden hat
man die Em-pfindung: aute Menfchen! Grotz und
glit zu sein, sachktch seiner Kunst hingegeben, durch
Bttdung oeredelt, entsprechend gemachsen in der
Eemüts- und iGÄvisienspflegö: es gibt ein wunder-
voll aeschlosienes Gesamtbild. Und so stellen sich
beide in dioser zerrissenen Geaenmart als zwei
edelste, reiffte Nertreter der unvergänglichen deut-
schen Seole dar.

Friedrich Lienhard

in setnem Beitraa zu dem schonen Hans Thomabuch
(Vevl-ag E. A. Seemann tn Leipzig).

Aeinrich Maria Neal -j-

Ajm 1. Septömbor starb su Konstans cand. ph'rl.
Hoinrich Nüal. der Solnt d»s Diraktors des biosi-
gen Konsovvatorinms, iin blühenden Alter vou
22 Zahven an e'lnem Vlutsturz. Die „Eöttmaer
Ztg." schvüibt dazu: „Die Weniasten wissen, dab
Deutschland in ihm einen Dichter verloren bat,
ds-r. su den grötzton Hoffnungen lberechtigte, denn
loüoer wuride noch nichts von den beveits roichen

Deutsches Reich

Die Valuta-Denkschrift

Dir der Nationalversammckung züMstÄkfö
Denkschrist dos R-eichsministers der Finantzen zut
Valutafrage Mt zunächst einen Ueberblick Wot
die Valutabewegung während des Krieg^s unL
legt dis ErUnde für den ZusammenbrUch
der d-öutschem Valuta dar. Die Denkschrift end-
hält svdann e'men Uoberblick übe'v die goplantoü!
r.euen Matznahmen zur Hobung der Valnbal
und nennt als solche: Jnnere Nube, Ordnung, un<
ermüdliche gersgelte Avbeit und strengjste Svai>
sarnkoit. Cvo befondsüe Negelung der Einfuhr nach
dsm Bedarf Deutschlcmds. die Wie-derhevstellungi
der Zo-llgvenzon im Westen, die Kontrolle dos
Reichsfinanzministevimns über alle staatlichen unÄ
kominunalen -FinanAgcischäfte mit dom AusLando,
das Studium der Frage einer grohen internatia-
ncrlen Anleihe der LLndev mit entwerteten Valu?
ten, die RoaSlung der schwebenden und die Eröff-
nung nouer Valutakcodite, die Beschaffung wvu
Rohstoffen für die Jndustrie durch Kredtte odec
durch besondere Zahlungsabvechnungen nnd schlietz-
lich eine Bsmdbgung de: die Valuta so enokm
schädigenden Kapital- und Steuerflucht.

Die geplante Anzeigensteuer

J'n der Begründung der Sonderbesteuorung des
Anzeigenteils der Zeitunaen meist die Regiernng
darauf hin, <^ine solche Steuer werde in wettem
Kreisen der Bevölkerung als gerecht un,d zweckmä-
tzig empfunden. Sie Lringt damit nur zum Aus-
druck, datz eine feindlich gerichtete Agitation aus
ihren Erwägungen unsachlichen Cmflutz gewonnen
hat. Der latenhaste Gesichtspunkt solcher Eingriffe
in die Existenzgrundlagen der Presie beruht auf
einem verfehlten Gedanken aller Sozialisierungs-,
Monopolisierungs- und Sonderbestenernngsvor-
schläge für die Presie. datz der Anzeigenteil nicht
organisch mit dem Textteil der Zeitungen zusam-
mengewachsen sei. Das Fiasko des im 18. Jahr-
hundert aufgekommenen Jntelligenzblattes. das
schlietzlich auf Antrag der Regierung selbst 1849
beseitigt wurde. sollte vor dem Betreten solcher
Wage warnen. Nicht nur die Entwicklung der
Presie. sondern die Entwicklung unseves Wirt-
schaftslebens überbauvt. für das der Anzetgenteil
der Zeitungen ein unentbehrlicher Verkehrsmarkt
isi.'wllrde durch sokche abführenden Gesetzesbestlin-
mungen betroffen. Die Wirkung eines derartigen
gesetzlichen Eingriffes in den Organismus der
Zeitungen selber. würde besondrrs verhängnisvott
sein in einer Zeit. in der sie durch die ungeheu.ee-
lichen Belastungen mit einem. gegenüber der Frio-
donszeit sechsfachen Paviervreis. Verteuerung Mer
weiteren Materialien und Steiaerung atter Löhn-e
und Eehälter wirtschaftlich auf das schwerste be-
droht ist. Schon ietzt führt der herrschende Pa-
piermangel zu einer folchen Einfchränkung des
Anzeigentsiles. datz der Ausaleich zwischen Her-
stellungskoften und Anzeigeneinnahmen immer stär-
ker in Fraae aestellt wird. Die Erenze der Ler-
stungsfäh'.gkeit des Zeitungsgewerbes tst erreÄst.
sie überschreitet bald die Existenzmögllchkelt der
Presie und das vor einem Winter. in dem das
öffentliche Jnteresie mehr denn je die hingebungs-
volle mit voller Krast soelischer und geistigsc
Spannkraft geleistete Mitarbeit der deutschen
Presse erfordert.

Der Arbeitsplan

Der Aeltestenrat der Nationalversammluilg
hielt eine Sitzung ab. um die Eeschäftslage zu be-
raten. Wenn die Ergänzungen zum Saushalts-
plan vollständig eingegangen sind. sollen diese be-
bandelt und der gesamte Haushaltplan
etwa bis zum 21. 10. fertiggestellt w-rden D>e
Reichseink 0 mmensteuer soll in.zwischon zur
1 Lefung gebracht und dann in dem Ausschutz
während 'der Paufe. die am 21. 10. auf drei odec
vier Wochen eintritt. weiter behandelt w-rde".
Ueber die Erledigung der Steuergefehe konnte ei»
Beschlutz noch nicht gefatzt werden. Weken der
ungünstigen Fahrtverbindungen werden die Moir-
tage und Samstage nicht freigelafse n.

Fvüchten seines Schaffens, Grdichte und Dcamen,
veröffentlicht.

Wotin bestaiid sein Schaffen? — Eanz ändevs
als die meisten unserer zeitgen-ösii-schm Dichter
füblte er sich im klasiWen Merium heimisch: da,
havmonffche schöne Menschentum der Ertechen wac
se'ii Fdoal und dem geistigen Verwerlen !iic
„Land der Fl«ammen ohne Rcruch", lvro er da-s älte
Eriechenland einmal nennt. verdankt ev s-''ne
schönisten Anregungc>ir. Hölderlin war em Lieb-
l!N.g seiner Seele, und Goetbe. der arotze und doch
so menWichna-he. sein väterkicher Freund. Eerade
in feinen letzton, wobl reifsten Gedichten. den Ma-
riensonetten, die er dort in dem biblrschen Gottes-
garten a-m Bodensoü geschaffen hat. komvmt or der
schllchten. edlen' Menschlichkeit, die wir bet Eoetche
bewundern. nahe.

Doch würdo ihm der nicht gerecht werden. det
ilin als Epigonen kennzeichnen wollte. Mag auch
heute dor Sinn für klasiische Fornischöiiheit manch
einem ctltmodffch erscheinen — der Gedankeninhal-b
seiner Wrrke ist durchaus modern. denn Neal wav
iil FüvLen und Denken ein durch und durch nvoder-
ner MensH.

Nun hat sein plöhkicher Tod seinem Dchäffen
eiinl bitteres Ende gesetzt. Hoffen wir. datz ex
ihm als der mUde Lüchler erschienen ist. als Len
er ihn einst bosang:

.Milde-r Lächler <mlr Ende ddck!

Jn dir zerflveitzt letzte Quckl, - ^

in dir verdämmert kranker BULer Glut, — 1
Berhaucht das Sehndi, nach Gelsang
pom fvemden Ufer hcr, wo Lehen ist. !

Tad ist däs Rnben stiller Abendwäldc^ ^
das wiegeiid -sich in dle Mllpfel lest.

Wo Stvlle ist und Schweiaen t»er Not. i -
Dovt Lfft du Herrscher, du nri'ldvr ToVI ,
 
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