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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0264
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rins

unerläßlich, die Frage ist nur: Welche

Macht 'komnlt hierfür in erster 2inie in Ve-

'tracht? Datz große Zukunftsmöglichkeiten
Rußland liegen. und daß wir bestrebt sein
müssen. mit dem ehemaligen slawischen Rie-
senreiche und allen seinen Teilen zn einer
freundschaftlichen Verständigung zu gelangen,
liegt auf der Hand. Wie die Dinge im Augen-
blick aber liegen, muß noch unendlich niel Ar-
beit in Rußland hineingesteckt werden, um
Früchte ernten zu können. Zurzeit herrscht in
Rußland noch ein wildes Lhao;, sodast sich im
Augenblick auf die Zusammenarbeit mit die-
sem Lande nur schwer eiue aktive Politik auf-
bauen läßt.

Eine Verständigung mit Frankrei ch cr-
schernt ausgeschlosien. Der Nationalhaß hüben
wie drüben ist oiel zu stark, auch ist Frankreich
selber wirtschaftlich viel zu ohnmüchtig. Als
Mächte, die crnstlich für uns in Frage kom-
men, können allein England und Arne-
rika gelten, und darum lautet dis Frage, die
für unsere ganze Zukunft entscheidend sein
wird: Soll Deutschland sich nach der englischon
oder nach der amerikanischen Seite hin orien-
ticren?

Die wirtschaftlich und finanziell stärkere
der beiden angelsächsischen Mächte ist zweifel-
los Nordamerika, dem die ganze Entenre,
einschließlich England, stark verschuldet ist.
Rohstoffe und Geld in dem genügend großen
llmfange sind wohl durch Amerika, kaum aber
Hurch England zu haben, von England
vor allem nicht, weil dieses Land unseren völ-
ligen Ruin letzten Endes will. Deutschland
war Englands gefährlichster Konkurrent auf
dem Weltmarkt und es wird sein gefährlich-
ster Konkürrent in Europa in Zukunft sein.
Das weiß England, und daraufhin wird c
seine Politik zuschneiden.

Auch in politischer Hinsicht Lestehen Rei-
bungsflächen gegenüber England, wohin wn
nur blicken. Um nur eines herauszugreffein
wenn Deutschland jemals die Hoffnung haben
will, sei es aus eigenem, sei es als Mandatar
dcs Völkerbundes, Kolonialpolitik zu
treiben, so wird es dabei fast überall auf den
energischen Widerstand Englands stoßen. Ganz
anders liegen die Verhältnisie bei Amerika.
Grundlegende politische Eegensätze zwischen
Deutschland und den Vereinigten Staaten be-
stehen nicht, auch verbindvn uns einmal mit
den Iren und zum andern vor allem mit den
Deutsc^merikanern starke Fäden.

Gegenüber einer Annäherung an Amerika
wird vom politischen Standpunkt nun vor
allem das Vedenken geltend gemacht, daß am
Horizont ein japanisch-amerikani-
fchex Krieg droht und datz in diesem Kriege,
wenn England an der Seite Japans daran
teilnimmt, Amerika der Schwächere wäre und
wir somit auf die falsche Karte gesetzt haben
würden. Diese Argumentation geht von fak-
schen Voraussetzungen aus. Richtig ist nur
das eme, daß eine sehr starke Spannung zwt-
schen Iapan und Amerika besteht und daß
England ein Lebensinteresse daran hat, diese
Spannung zu einem offenen Konflikt zu trei-
ben. Die englische Politik hat nur zwei Mög-
lichkeiten: entweder England geht den Weg
der Verständigung mit Amerika, dann
endet diese Politik letzten Endes damit, datz
das wirtschaftlich stärkere und zukunftsreichere
Tochterland gewisiermaßen das Mutterland
seines eigenen Mutterlandes wird, mit ande-
ren Worten, daß der Schwerpunkt des zu bil-

denden angelsächsischen Weltreiches njcht ln
London, sondern in Washington liegt. Will
England diesen Weg nicht gehen, und ange-
sichts der großen und stolzen Vergangenheit
Eroßbritanniens kann man kaum annehmen,
daß sich London zu einer derartigen Nesigna-
tion kampflos entschließt, dann bleibt eben nur
der andere Ausweg übrig: Amerika in einen
neuen Krieg zu oerstricken und dadurch zu
schwächen. England wird die beiden Mächte
des Stillen Ozeans aufeinander hetzen, aber
wenn die Schale sich zu ungunsten Amerikas
neigen sollte, im letzten Augenblick mit setner
Flotte vor der Küste Iapans erscheinen, denn
ein durch einen Sieg über Amerika gestärktes
Japan würde den Todesstoß für die englische
Machtstellung in ganz Asien bedeuten.

Wie steht nun Deutschland zu einem japa-
nisch-amerikanischen Konflikt? Während des
Weltkrieg.es wäre ein.Krieg zwischen Iapan
nnd Amerika von ungeheuerstem Werte gewe-
sen, er hätte schlechtweg den Sieg Deutschlands
bedeutet. Heute haben wir an einem solchen
Krieg nicht nur nicht das geringste Znteresie,
sondern wir sind im Eegenteil daran in-
teresiiert, daß dieser Krieg, der letzten En-
des nur auf eine Stärkung Englands hinaus^
liefe, vermieden wird. Die Aufgabe einer klu-
gen deutschen Politik bestünde darin, den offe-
nen Konflikt zwischen Japan und Amerika zu
vermeiden, indem wir in Tokio und in Wa-
shington auf eine Verständigung zweier VLl-
ker hinarbeiteton, die hauptsächlich durch die
englische Politik in so scharfem politischen
Ecgensatz zu einander stehen. Eerade Deutsch-
land, das politisch weder in Ostasien noch in
Amerika interesiiert ist, ist der geeignetste
Vermittler für diese schwierige Aufgabe.

Vetrachtet man von diesem Standpunkt aus
die Frage des japanisch-amerikanischen Kon-
sliktes, dann wird man sich auch durch diefe,
durchaus noch zu bannende Gefahr nicht davon
abbringen lasien, den Kurs dcr deutschen Po-
litik doch mehr nach der amerkia-
nischen Seite hin zu orientieren, unter
dcr selbstverständlichen Voraussetzung natür-
lich, daß auch in Washington der ernste Wille
für eine Verständigung und freundschastliche
Zusammenarbeit mit Deutschland vorhanden
ist. Je eher wir die Möglichkeit haben, mit
Amerika in direkte Beziehungen zu kommen,
um so besser ist es.

Die Zollgrenze im Westen

Dio intornlliierte Kommission des Rats dcr
Rboinlande bat au.s Vo'.stsllang dcs Neichs- und
Stwatskommissars in KoblVnz entschieden, daß
der deutsche- Zolldienst an der Drsnze ge-
sen LothrinMn und das SaarscHiet erst dann in
Täligkeit treten kann, wenn cr rugleich an der
Grenze Baden s und dcr Pfal,; völlig gefichcrt
ist. Die EDöstmmg dcs DiLnstes aui diestr Erenze
ist dcvher aus uubestimmte Zeit hmausgefchobvn
wovden.

Englische Unverschämtheit

Von befreundeter Seite w>rd uns folgendes
mitgecherlt:

Dre englischen Patentanwälte ^seeny und Feeny
London E. E 4 60 Queen Victoria Stveet. mit de-
nen mein Büro Iahre lang arbeitet. lietzen in letz-
ter Zeit in ihrem Briciswechsel sämtlichs Hös-
lichkeitsbezeugungen in An-, lleber- und
Untekschrift fort. Auf der Adresss. wurde soMr
die Bezeichnung ..Herren" vernrieden. Da ich kei-
nen Zroeifel an die Abs i cht l i ch ke i t dieses
Verhältens hegte, jrcvgte E bei den genannten
»Ehartered Patent agents" an. seltwann undaus

welchen Griinden das Fortlaffen der HLflichkeits-
bezeugungen üblich fei. Als Antworl erhielt ich
etn Schreiben, in dem sis mitteilten. datz sie nicht
ven^lvt feien, fich auf eine Diskuffion einzülassen,
daes thncn ..unmöslich" sei, einen Deutschen mit
«Düar Sir" anzureden (!I) Die Engländer haben
nur auf meiner Adreffe das Wort ..Herr" in deüt-
icher Spvache Mchrieben, da fie anscheinend den
deuts^n^Ausdruck ..Herren" nicht als vollwertig

Es erscheinl wünschenswert. datz dieser Fall
englischer Unverschämtheit in we-ilesten KreLM be-
kannt'wird.

3 Milliarden Besahungskosten

Jnr Haushaltsausschutz der Nationalversamm-
lung teilte Reichsminister Dr. Mayer mit. datz
voraussichtlich in dex Mitte der nächsten Woche
zwei Ueberwachungsausschüsie' der
Allrierten in Berlin eintrefsen werden. Die
ungeheure Zahl von Zinimern und Gefchäftsräu-
men, die von dcn Ausschllssen aefordert werden.
legten der Negierung zunächst nahe. fllr diesen
Zweck Schlösser in Aussicht zu nehmen.
Drese Absicht habe fich aber als undurchfllhrbar
evwiesen und es scien nunmehr die Hotels ..Kaiser-
hos", „Edenhorel". „Earltonhotel" Hotel „Saxonia"
und ferner d .e militärtechnische Akademie zur Un-
terbringung in Aussicht genommen. Die Bcmuh-
ungen der Reglcrrrng. ocn Umfang d.-r Ausschllff.'
her a b zuschen , seien erfolglos geblieben.
Insgcsamt wcrden schähungsweise die Kost>cn der
Unterhaltung dcr gejainten Besahungsarnree der
Alliierten 2,5 b»s 3 Milliarden Mart jährlich bc-
tragen. Die Mitteilung des Ministers vuft in dem
Ausschutz alIgemeine Entriistung hervor.
Der Minister beiout die ungeheure Last dieser
Kosten für das Dcutsche Reich und bemerkt, datz
diescs Vorgehen einc bedauerliche Absaugung deut-
scher Kapitallraft darslellt. Der Verichterstatter
Abg. Stücklen (Soz.) erklärt. datz man mit der
Deckung so unqeheurer Summen nicht hättc rechnen
können. Die Ansprüche der Entcnte gingen in die-
ser Hinsicht weii über das Matz dec Billigkeit hin-
aus. Solche Dcdingungen mützten den Ruin
Deutschlands zur Folge haben. Weiter wcist der
Ver^chterstatter auf die gcotze Hotelnot in Berlin
hin. hie fich durch das Ausschcibcn der vier Hotels
noch verschärfen wird. Im Anschlutz daran wies
Abg. Falk (Dem.) auf das anmatzends Vsrhalten
der Soldaten und Offizicre im besehten Gebiet
hin. Es werde für deutsche Rechnung eine unge-
heure Verschwendung getrieben.

Deutsches Reich

Deutschnationale Erklärung

Der Hauptvo, rsta nd der Dnitschnationalen
Volkspartei hielt in Verlin unter Anwesenheit von
200 Dcrtretern ^ine Sitzung ab. E^nstimmig wur-
den folgende E n t s ch l > e tz u n ge n angenommen:

1. Dre Deutschnationa(e Volkspartei steht auf
dem Boden des deutsch,m Volkstums. Von dieser
Grundlage aus kämpst sie gegen jeden ver-
letzenden undeutschen Geist. mag er von
iüÄiscl)en oder anocren Kreisen ausgehen. Sie wen-
det fich brsonbsrs gegcn dio Vorhsrrschaft dss Iu-
dentums,''d>ie seit der Revolution in Rcgierung ünb
Oeffentlichkeit imnnr verhängnisooller hörvor-
tritt.

2. T)cr Hauvtvorstand der Deritschnationalür
Dolkspartei iprichr den deutschnÄionalen Fvaktio-
nien der Nationalversammlung und der Lanbesver-
sämmlung volle Zustimn,un.g zu khrem Vorge-Hen
gegen di>e Uebrrsckwem.nung Deutschlands mit ost-
jüdischen Elementen aus. Er ersucht fie, auch wei-
terchin nach Kräst'n fiir ein Verbot ber iüdischen
Einwanderung zu wirken.

' De,n Ecileralmaior Graf Weldcr'ee, Kom-
mandour der 29. Neichswohvbrigabe, ist eröffnet
worden, bcrtz sc>in woiteres VeMeibon im Hoerer,-
d'enst unangebracht erscheickt. Eraf Wailder-
seo hatte, wie ermnostich, gegen Gen-eral Erönei
,n ainom offenen Briof sohr schwere Ausch'.!V>iunsni
erhobeii. Jn dieiser Alngelegenhoit hat auch Hrn-
benburg stir Gröner Stsllung genommen.

* Zurück zur Dcutichcn Volkspartei. Die Bor-
stän-de der sämtlichen Wormser nationaUibem-

Abgcordncter Ecbhart Hospitant dcr Dei.n^
Volkspartci. Der Abgeordnetc sllr die
versammlung. Karl Gebhart bisher fi.'i

len Bereine Leschlossen den Eintritt de "--' ici-

sesanitei,

bestehenden Org-anisativn in die De»'i't"^"
Volksvartei.

ner Fraktion. ist der Fraktion dsr Deutsche,, Bolk
partei als Hospltant be getreten. Abg-ordn- ^
Gebharr ist im 27. Wahllreis lRegierungzbc,
Pfalz) gewählt. Er ist am 6. Ianuar 1859 in 9°?
terecken geboren. wo er h.ute noch als Landwi.
auf dem elterlichen Gute tätig ist. Im Iah^ 101!
wurde er zum Oetonomierat ernannt. Er war
Zahre 1903 bis 1911 Mitglied der bauensch-n A?
geordnetenkainmer und von 1912 bis 1918 Mitaul'x
dcs Reichstags. Die Frattion der Deutschen VoN?

partei gewinnt dadurch. datz der Abgeordnete Ceb
hart zu ihr in ein näheres Derhältnis aetri-i-n
ift. einen Mitarbeiter. dessen Ersahnmgen und
Sachkenntnis auf dem Gebiet der Landwirtschast
ebenso zu schätzen weitz. wie seine kerndeutsche
lautere nationale Gesinnung.

' Vorschlag der einjährigen Dieiistpflicht fii^ tz.:.
besübungen. Der bekannte Berliner Ehirura Vr»
fessor Dr. August Vier hat eine Eingabe an
preutzischs Ministerium für Wissenschaft. Kunst u-id
Volksbildung gerichtet. in der eine gesetzl. Dirnit-
pflicht für alle jungen Männer forchert. die lediolirb
den Leibesübungen dienen und «inen Ersatz für dj!
grotzartigste Körperschulung dsr Welt. den Militar-
di-snst. biloen soll. Bis die vom Reichsausschuü
für Leibesübungen beschloffene Hochschule für W-
besübungcn in Detrkb genommen wird. find dk
Universitäten die gseignete Stätte. um die
Sache zu fördern. die in anderen Ländern schoi,
lange eine Freistätte für Leibesübungen bilden

Vüdische Politik
Deutsche liberale Volkspartei

Mannheim

Am letzten Mittwoch sprach im »Volitischen Ce-
minar" der,als Schirftsieller weit über die Gren-
zcn unseres Heimatlandes hinaus beklMnte Haupt-
lchrer E rn st Krieck, Mannheim, über das ax-
tuelle Thema: »TsieSchulrefor m." Der Nar-
traA'nde ging aus von der «eistigen NvtlaLe im
dcutschen Volke, die der Anarchie zutreibe. Allge-
fichts dreser Tatsa-che sei es notwendig. so gründlich
und so schnell wie möalich das innere Leben
dor g^sanvten Schule neu aufzubauien. es mit Aner
gemeinschaftlichen Idöd zu durchdringen. und Leh-
revbildung. Uckterricht und Lehrpläne darnach zu
gestalten. Nur auf solche Weise tönne im Volke
ein newer Gemeingsilst, sin stavrer Volkscharalter
ein strenger Stil des privaten und öjfentlichen'Lr-
beus herangebildet werden. Diese Idee sei gege-
ben mit der Grunderkenntnis: iedcr Einzelmensch
sei diencudes GUed feiner vielglkedrigen Lebens-
gemeinschast; ihr verdancke er sein bestes; ihr
schulde er darum seine Arbeit und seine Hilrgabe.
Denn ihr Wöhl sei sein Mohl. Auf dieses sitt-
Ivche Ziel sei alle Lehre, alle StMgeftaltung und
sonstige erzieherische Einwirtzung einzustellen. Auf
ciner solckisn Gesamtidee sei dve goiskige Einheits-
schüle zu erbauen. Hierbei betonte der Nejerent,
oatz die Organisation Sinn und Berechtigung nur
aus -oinsin entsprechenden neuen Jnhalt geröinnen
könne. Nötvg wäre, dann vor allem der Zusammen-
Muß sämtlicher Lehrkörper zu einer Arbeitsse-
nieinschcrft, die Pflegerin und Träserln des geisti-
gen Lsbsns in der Schule, sowie ihrer Bedeutung
für dio gesamte Volkserzi-chung seün mützKe.
Scharfe Kritik übte der Nedner an der Un-
fruchtbarkeit und Unzulänglichkeit al-
ler biLherigen R e formversuche, die die Hilf-
ldfiakeit der Regierungsn und ParlMen gemnüber
den grotzen geistigen Nöten des Dolkes oiffen.Lar1en.
Da wllrden keine noch so drinslichen Aufrufe an
das Volk helfen: Der einzigeWegfei gege,
bien in ein.er Erneuerung der Er-
ziehung und des Unterrichts. Es sei der
Wog den Preutzen zur Zslt des Freiherrn vom
Stein lbeschritten hätte. Ein Dergleich mit der
soistiaen Höhe jenes Refvvmworkes frole für uns
kläglich aus. Der Wmtrag schlotz mit der Mah-
nung. BLick und Willen oinzujtellen! auf das We-
sentliche, den neuen Geist Ver Schule, demgegen-
über di; wirrende Flut von Cinzelaufsaüen und
Spezialistenproblemen in den Hintergrund zu 1«'
ten hüttze.

Neicher Veifall lohnte den Redner für seine

Theater und Musik

tzetdelberger StadttheaLer

„Hannerl"

Am Schlutz einer Reihe von überaus ge'stvollen
Belrachtungen, d:e an ein entsprechenbes Lied über
einen Zylinderhut geknüpft werden. kommt der
alte Tschöll zu dem erschütternden Ergebn^s. datz
Zusriedenheit das höchste Eut auf Erden sei. Zu
dieser Erkenntnis hätten fich auch die Textdichter
durchringen sollen. Jebenfalls bewahrheitet sich auÄ
an der Fortsetzung des „Dreimäderlhaus" die Sprich-
wortwahrheit. das getretener Quark breit w-rd.
Nicht eine Spur von Originalität. nicht ein ein-
ziger netter Gedanke. Der übliche Wiener ober-
flächliche und seichtv Mischmasch von Banalitäten
und Sentimentalstäten (wie schön. datz man am
Schlutz des zweiten Aktes sich wieder einmal so
tüchtig ausweinen kannl). Die musikalische Erg'än-
zung. oder besser gesagt. Ausplünderung Schuberts
durch Prof. Karl Lafite ist dissmal noch übler als
d'-e Bertes im ^)reimäberlhaus". zumal sich der
„Bcarbeiter" erfrecht. Schubert mehr ins Operet-
tenmätzige umzmnodeln, sodatz beispielsweise die
Zitate aus der Nosamunden-Ouvertüre ins Didel-
dubslhaste verkehrt werden. Es märe wohl am
angebrackitesten. die Partitur nebst Stimmen und
Nollen sofort als Muster ohne Wert wieder fort-
zuschicken, was selbst nach dem erhöhten Postgeb" >
rentarif (bis 500 Eramm nur 30 Psennvg) doch er-
heblich billiger ist. als die Kosten für Insz> ,i "
und Ausstattung eies derartigen Schmarrens.

Die Berichterstattung über bio Aufsühruna selbst
kann daher begreiflich-erweife kurz sein. Ich ver-
roerte daher ledigttch Vernhard Lobertzs' fomose
Ctabführung, Erny Mont'is lvebes Spiel und
Singen. Hans Maier - Wavldes gewohnte
Cicherheit. Vernhards Forks prcichlige Karrikatur
und die Bühnengewandtheit der Darstellerin des
kleiuen Eeorg. Bei bem durch ben Verliner und
Wiener Operetten und Poffenunfug hoffnungslos
verbildeten Eeschmaä des Publikums kann es wei-
ter uicht wuubernehmen, datz auch „Hannerl" sehr
Mjicl

Kunst und Wissenschaft

* Hochschulnachrichten. Der bisherige Prvvatdo-
zent für Hygiene air der Universität Stratzburg.
Stabsarzt Profeffor Dr. med. Bernhard Möl-
lers. wurde zum Regierungsrat und Mitglvrd
des Reichsgesundheitsamtes ernannt: zugleickr ha-
bdlitierte er sich in der Berliner medizinifchen
Fakultät. — Der Organist an der Markuskirche vn
Stuttgart. Komponist Hermann Keller. er-
hielt einen Lehrauftrag für Eeschichte unb Theorie
der Musik an der Stuttgarter Technischen
Hochschule. — Zwei neue Prioaibozenten habili-
tierten sich an der H a m b u r g i s ch >e n Universi-
tät: Prof Dr. Alfrcd Wegener. bvsher Privat-
dozent fiir Mellwrologie an der Univerfität Mar -
burg. und Dr. phil. Edqar Irmscher. wissen-
schaftlicher Assistent am Institut für allgeme neBo-
tanik. — Der a. o. Professor der Chirur^ie. Dr.
med. Rudols Eden. ist am 1. Oltober ds. Is cuis
dem Lchrkörper der Universität Iena ausaeschie-
den und stedelt mit Pros. Lexer an ^dÜr Frei-
burger chirurgische Klinik über.

^ Hochschulnachrichten. Der autzerovbent'ttche Pw-
fessor an der Unwechtüt Tübin ge n Dr. re'r. nar

Richard Lans halbvliterte fich sür Gevlogie! unD
allgenieine Bodenkunbe mit einer Vorlcjung überi
Mossn und Arten ber Gesteinsiverwittorung in der
philosovhifchen Fnttrltät der Unidechtät H<r1k«.
Der Direklor beo Univechtätslbibliohtek unb Honv.
varvrojeffoir jür Buch- und BMiotheklwesen vn ber
Uniivorfität WÜünchen Dr. plhst. Eeorg Wokff
vollendet atn 15. Oktob-ev das 60. Lebensjcchr.

* Von der Universität Freiüurg. Bei dcr letzten
Jmmatr ikulation an unsörer Hochhchluke

wurben 719 Stub'ierende, darunter 109 Frauen, auf-
gensnimeu. Damit ist bre Geifamtfrequenz mvf 3450
ortscmsässiüe Studierenide,gestiegon. Dazu kommen
I vch 120 nvch nicht Lurückgekehrte Krtegsteilnühmer,
sodvtz die Besucherzahl der Untoerfität bie Höchst-
Lifjer seit Besrehen der Nnstnlt ba-rstellt.

Schmock wehrt sich

Wvs unseren Lsiern noch evinnerlich sein dürfte,
hatten wir vvr einigen Tagen einen unglaubli-
chen Bericht dcs »Badener Badeiü lat t es" über
bas dortige Tanzturnier unter die kritische Lupe
genvimnen. Datz sich der Lerfasser b)s Artikels bar-
über ärgert, können wir begreifen, nicht aber ver-
stehen, datz er im Gasfenton folgenbe Schimpf-
opistel loslätzt:

„Mr lehnen cs ab, dem Derfaffcr in den Au-
giasstall zu folgän, aus de,m der oanz unqualisi-
zierbave Anwurf seiner ganzcn Tonart nach
stammt. (Na>nu?) Der Splittcrrichter sollte u. E.
zunächst vo,r der oigcnen Türo kehym und fich selbst
angemeffener ,Formen und Ausdrücke" sowie einer
grötzeren „Zurückhaltung und sachlichen Würde" bä-
sleitzigen, ehe er -auf eine persönlick)« Antwort rech-
nen darf. Es gibt M>ench:ii, di-e man nur mit
der Feuerzanoc aufatzt (!). Unser Erstaunen be-
schränkt sich auf die TcchaH?, datz ejn ernst zu neh-
inendes Blaitt sich -azu hergegeben hat, ohne die
geringste Prüfuna dcr grgebenen Doraussttzungen
einen Artikel aus so trüber Quelle aufzunehmen?.
Sachlich i?) möchten wir nur bomvrkcn. datz mir
allerdings die Moral nicht so in Erbpacht zu haben
ülauoen, um uns zu der ethiMn Höhe eiivcs Hei-
delberger Querulantsn aufzustlMvngen, dessen Ar-
tike! auf dien Grundsatz hinausläujt: So> was tut
m.an, aber sagt man nicht. Wir werden ihm des-
hnlb kaum den Gefallen tun. übrr daZ näckffte Tur-
nier eine Elegie odsr einen Tlnenos zü schreiben
Wcnn wir herauswollen aus den „heutigen Zei-
ten", dann dürfen wir wir — bei entschicdenster
Verurteilung oder Auswüchfe — nicht etwa die
Nvlle der wehttagenden Kcrssandra splelen, sondern
müssen zu einer frohen Birjahung des Le-
bens erwachen. (Mit Tangturnteren?) Jn einem
Badoort Äber, aus dem die Brsucher neuen Le-
bensmut in ihren Beruj unb Wirttingskreis
in-itnehmen sollen, swclhl bie Schicber?) ist vollends
die etwa tragische Maske ein Undlng. Oder wol-
len wir warten, „bis das deutsche Gekd alles in
Schweizer Bäbsr gewandert ist."

Statt joder länaeren Auseinanderfetzung mö-
gen dem Schmöckchen mit der frohen Lebensbe-
jcchung div Worte Evchens an Hans Sachs zur
Antwort dienen: „Ich hätt G,>ck stlr feiner gehal-
tonl"

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