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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0292
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FriLdcilSboviirgliirgcir nmren uucrnns mn'ljuou.

In LLmcrika siantc m.cnr mcch,. wrrum die Frie-
dcuob.dingunam n. cht bckannt oeü.'brn wükden. J>h
e'itacancte, daä sic so masjvoll warcn im Ecgensatz
-u den feindkichrn, dad sie d.n Eindruck dor
Schwache heworrusen wärden. Lansing erw.
de.te niir, das vccstün^ er nicht. Wrrum wir iiich!
cbensoviel sorderten. als die anderen? Man könntt
sich dann auf der NNttc einigen.

Prof. Llonn: Drängte nicht nur die amerikanisch.
Sl-oaioriina. sondarn auch die öfsentliche Meinuna
sei; > stark auf die B-Äaiin^abc der FriedenSbcLina-
u.rgen?

Grrrf Dernstorsf: Jch kann kateaorisch erklären,
daiz ich in Amerika nicmals offiziell d.
dcutschen Vedinaun-gen vcr deni 29. Januar 191-7
gcnan'irt bcvlie. Jch bcvbe wobl in der UnterHaltuna
davon ge vrochon, crber niemals best'immte Beding-
unaen gcnannt.

Abg. Dr. Cotzn: Wann wurden die Bed.ingungen
rom 12. Dazember ilberrcicht?

Graf Vernstorsf: Gleichzeitig mit der Cr-
Häruna des oer-schärften U-Bootkrieges. Im ü>bri-
gcn h.rben di<e Bddiuaungen damals beine Rolle
mcchr gespielt, da ich sie a m s e l b en Taae erbwl-
ten bwbe, wie die Erklärung des uneinse-
schränkton UEootkriaaes rcnd da damit dcr A b
bruch der diplomatischen B^iehungen ausgesp.o-
chen war.

Cs wivd dann die Frage doc

Ententcablehnung
Lur Ber.bandluirg geistellt.

Eraf Bernftoff: Eoweit meine Bcichandlllngen
mit den Vcrtrotern des Piäsibenten Wilson in Be--
tracht kammen, so babe ich ibm immer aosagt, dcck
er dio Bodiugunsen der Entente als nicht eriist zu
nehmen bestrachte. Jch babr in der öfseni'lichm Äici
nTug alle Häbsl in Bowcgung gosetzt. um die Frie-
densbestrebungen Wilsons zu sördern. Das muß ich
Letonen, wvil in einsm Teil der deulsch.m Presse
Nugrisse sogen mich erboben wurDeüsi ich betrc^ibe
eigcne Pol-itik geaen di« Regierung.

Vorsitzender Warmuth: Von StaatssekretärZim-
merniann vst Jbnen mebrfach uachegelcgt worden,
einen energrschen-Druck MiHons auf Englanid zu
vcraulaffen. uamentlich für oin Ausfuhrvcr -
bot. Die sollen daraufhin Eärt baben. da.->
nicht gut möglich, weib Wilson Nücksicht auf don
ameriLanischen HaudÄ zu nohmen balbc. MuHte da
nicht dis Rücksicht cvus den Haudel zurücktreten ge-
genüber der viÄ wichtiger-.n Frase des Frichiens?

Eraf Bevnstorff: Die Jnteressen des Handels
find gleichbedoutend mit deneu de>r Jndustrio. Die
CituatilM hatte sich wesentl'ch verändert. als Wbl-
son wiÄiLrigewäHlt worden war, und zwar auf
Crund des Programms, den Frieden änbalten zu
wolleu. ' ,

Abg. Sinrheimer: Für die Beurteilimg der
Frage, ob auch oibjektw eine Fniedensmögll chkeit
bastand, ist von Wichtiskeit. zu erfahren, ob dis ehr-
liche Aussicht rwrbanden war. daß die Entente auf
den Borschlag Mfilsons eingehen würde.

Eraf Bernstorff: Daß eine positioe Füh-
lungnahme stattgefuuden bat. nchmo ich an,
beschwöre n kann ich es aber n i ch't. Wil

hattei mir vmmer gcstrgt. er wvrde die Friedeirsosr-,
mittlung nuL vornöhmen, wenn genügend Auslsich-
ten aus Erfolg vorhan-dm seion. Mseine Anschau-
ung geht dckhin, daß der Abbruch der divloma-
tischen Veüiehungen swischen Amerika und uns
gleichbedeutend mit der Kriegserklärung sei, d
vielleicht noch Änig^ Wochon hätte auf sich war-
ten lassen. Sie war aber dve untbed'mgte Follge.
Jn dem Augenblick, wo unsere Botschaft in Ma-
sbington ausgoschaltet war, waven wir der deutsch-

ber soll es wollen.

wer das Rcchte will, dcr sollt' es können. und ^
k'" ^ bcscheidet. Schöpfer L

semeS Glucks zu sem im kleinen. Goethe R

-SSSZSSSSSSSS S ESL«S-8CSrGELS^

§onnsnfinsterni§

Noman von Ekse Stieler-Marihall
cop^riLbt b)" OretbleiaücEo. O.m.b.li. lleipriL 1916
(19. Fortsctzung)

Der Spruch war neu, die Hauswand alt. Denn
ocis Haus hatte der Ahn erbaut. den Spruch erst
iunM der EnScl mil Flolsi «nd Kunst und mrt fröh-
Hchem Herzen .unter Sinsen und Pfeifen dorthin
gemalt.

sci.ldtichcil Propagailda gogenübcr wehrlos. Wil-
son wollto Mcn Mugcnblick abwartcn. wo keiner
dcr KriegfiMm»den noch die Hofsnung hatte, den
Sieg zu erringen. Andcrerseits wusite er. datz die
Entcute mit dem Eintr.tt Mierikas in den Knieg
rechnet. DeÄmlb hat er immer gesaat, er
iai'ge koine Friedensoermittluna an, solangts ir-
gend wclche Kontraverse nlit Deutschland vorhan-
den seicn.

ALg. Sin)heimer: Glauben Sie an den

gute,; Witten Wilsons,

den Fricdcn zu vernntteln oder sottte es ein Frisde
zugunsten der Entente sein?

Eraf Bcxnstorff: Wi-lson sagto anr 22. Januar,
ein Friedc ohnc sSieg solle erreicht werden. Ich
habe das so verstanlden, dasi das bedeutet. Deutsch-
lau-d solle seine Weltst-ellung in vottem Unrfange
l.ehalton. Jch bielt

Wilfon für einen ehrlichen Makler.

Auf v'me An-frage des Dr. Sinzheimer evklärck
Graf Berstorff- Niemalls ist von amerila-
nischer Seito mit nv:-r über einen Frieden verlban-
delt wordm, worin auch nur die geringste Mtre-
tung deutschen E-sbietes uns zugeinutet worden
wäre.

Darauf wevden die Verhandl'.mgen abgeürochm
un'o auf Domierstag vertagt. Schl. tz gegsn 1 Uh> .

Verhastung und Ausweisung von
Kommunisten

Wien, 22. Okt. Hier wurde in der Wohnung
des D.r. Paul Friedländer der SHiveizer
K«mmunist Paul Ruegg. der bei Friedländer
unter falschcm Namen wohnte, verhaftet. Aus
boi ihnl -besthlagnahniten Papieren c;eht hervor,
datz Ru-'ga von den deutschen Spartakisten
mit einem politischvn Auft.rag nach W i en
gksandl wordon mar. NU'gg wollte stch. von hier
nach Nom bevsbon.

Basi.>l, 2D. Okt. Aus Bern -mcldcn die Basler
Nachrichten: Der Bundesrat hat geüern die Au s-
wei ung zmeier deuisch-r Sllratsangehöriger
vevfügt. Kurella und Kohler. die als Send-
bsten Münchenb.rgs Mitteiiniis.n iuid Briefe in
die.Schwei) bra-hten. in denen die Iugeiiboraani-
sationen zu '.'iner Mion im Novo-nber cuifgefor-
dert wurden Die .'Franlfurter- Zeituug" meldet
dcUu, dasi die Beiden für ein deutschos kom-
mnuistisches Komite K u r i e rd i c n st e gc-
tan boben. Di' beidm Knrior" wurden an der
Grenze verbaftet und bei ihnen Pavierc u. A. ein
Rundichü.'lb.'n an irairzösr>jch.', spani'ch?, italieni-
schc und schweizerrsche kommunistische Organis-a-
tionen beschlagnah>nt. In dem Rnnd chreiben wird
ausgcfÄirt. die linksradikale Bbwegung in Deutsch-
land sei wioder i'n Aiifll-'.'.L.'ir begriffen. so-dasi man
es wagcn lonne fiir die Zeit v-,m 7. bis 10. No-
vember zur IFei'r l'' der Nevo-'utlon in Deut'ch
land eine ncue lilktion v".'u7x'reite'i. Der
Beschlusi sei von der Lommunisi'.'chen Or^anisativn
in Berbindung mrt der dcittan Fnternationäle ge-
fatzt wordcn und ,>s gi'lt': nrm die Arbeiterich'f:
in allen Mndern zn ver-.mlasfen. anf die Strosie
zn geb'n und damit d':e Bildung d?r Räiorepub-ik
einzuleiten. Zu den Bcsprechnnaen in Ziirich l'ät-
ton die Oraani-atiynen ihre Bcrt'-ter zn entsen-
den. geqcbenensalls uuter falschen Pässen.

* Zrir Kr'eo.saboiabe vom B:rmögenszuwachs.
Der Allgemeine Fabrikanten - V e r-
ein 'N Mannbeim hat sich das badische Fi-
nanzministLrium m'i der Bitte n"wa-ldt. beim
Neichsrat dahin zu wirken. dast in den Ausfüh-
rungsbestimmunaen zum Reichsgesetz über- eine
K r i ea s-ab a ab>v vom V evmö g en szu-
wachs eins Borschrift einaefügt wird. wonach
sämtliche für das erste Halbjachr 1919- zu ent-
richtenden Staats-. Eemeinde-. Kirchen- und llm-
satzsteuern am abgabrpflichtiaen Endvermöaen in
Abzua aebracht werdsn dürfen. selksi- wenn ibr«
Veranlaauna bezw. Anforderuna am 39. Iuni 1919
noch n'cht erfolnt war.

* Kreistaasrvahlcn in Tondcrn. Bei den Kreis-
taaswablen wurden gewählt. 83 deutsche und. 9 dä-
nische Aintsvorsieherl*

Mat onaloersammiung

Berlin. 21. Okt.

Nach Erlediauna turzer Anfragen folat dve
zweite Beratung des Haushalts des
Reichsschatzministeriums.

Minister Dr. Mayer: Dir Verwaltuua ber tm
Krieae entstandenen siroszen indusiriellen Unterneb-
mungen unter Vetestijauna des Reichs (Stickstoff.
Aluminiuut. Elektrtzität) nrachen n'cht mehr Ar-
beit..da tte in Ges«:llschastsfovm auiaezoaen. sich
schon selbst tragen. Die Hauptarbeit lieat in d«u:
Devwaltung uttd der Verwertuna des entbehrlch
aewordeuen

mckbilen und immobilen Heeresautes.

An die Verwalt.una des r.iobilen Hc).resautes müs-
sen wir herantreten ohue Kenntnis der Bestände.
ohne jede Inventur in b e si a n d i a e m K a m p s
mit D i e b siä h l e n. Zurzeit haben wir 30 0i)0
Ha."Leslaaer uud die 8000 we.teven Stellen. an de-
nen Hecvesaut sich befiuden. Eine vollsiändiae In-
ventur ist jetzt durchaeführt. 150 Millionen Mark
für veruntreutes Eut sind zurückaewonnen
und weitere 400 Ntrllionen sind noch zu erhoffen.
(Beifall.) Kontrollstationen nach innen und nach
autzen sind allriitl>alben crr chtet. Der Vorwurs
aeaen das Neichsverwcrtunasalnit ist aeaenstands-
los. Drei Mtll-iarden Ai'a r k sind aus mo-
bilem Heeresaut e r l ö si worden. (Beisall.) Iu
der erst-en Häifte des neuen Iahves wird das
Reichsvecwertunasamt seine TLtiatoit: im wesent-
lchen b<endet haben. Heeresbetriebe sollen m
Friedensbetriebe unlacsiellt und so weiter betriebcn
werden. vorausaesetzt. dasi sie sich rentieren. Für
die entlassenen Arbeitcr soll aesorat werden. über
die Nechtsverpflichtuna d:s Neiches hinaus. Ein
Eesetzentwurf ist rn Vorbereituna. Die

Akkordarbeit ist überatt durchqeführt.
wo es anaänaia wa.r (Beifall.) Wir brau'-
chenAuft räae. Iir dieser Richtuna isi es aut
vorwärts geaanaeu. Wir wollen in unsewn Be-
trielsin das Eisin vom Nohe sen bis zum Fertia-
fabrikat bearbciten. Nur so ist eine Rentabilität
möalich. Deni Reich erwachsen asi.'r auch neue
Aufaaben. Wir übcrnehmen die aesamte
Reichsbauverwaltuna. Dgbei wird bei
dem niedriaon uns eriaubten Aktimtand des Hee-
res kein Heeresanaehöriaer für die Berwaltuna
verwandt werd-:n tönncn. Da.^Lommt kie Unter-
brinauna und Verpfleauna der Besat-
zunastruppen. Ueberwachunaskommssionen
der Alliierten usw, Besatzunastruppen w«rden zu
ihrer Unterhaltuna

im Iahr 2.5 Milliarden Mark
erfocdern. Das ift un e rtr ä a l i ch. (Sehr rich-
tia) Dabei tvnnen wir noch.immer nicht
die genaue Zahl dcr Truppen. Der Veariff
^.r Verpfleaunn wird so weit actrieben. als es
überhaupt nur denkbar isi. Dazu kommt der Er -
satz d-sr Nequisitionen. D>e Franzosen
hvben bis jetzt für neun M i'l l i o n e n Mar!
requiriert. Die beiden in Berlin zu erwar-
tenden Ucberwachunaskommissionen werden Verlin
und seine Hosils ükerschwemmen. Eine erbetene
Verrinacruna wurde abaelehnt. (Hört.
hört!) Im befctzt-Ul Eebiet wird der Neubau von
Offizisrswohnunaen. d h. von Familic-nwohnungen
und Kasernen vevlanat. die vorläufia 300 Millio-
nen Mark bsansvruchen weibeu. Das isi nicht mshr
zu ertraaen. D.e Fortsetzuna: dieses Eebahrens
wäre ein -

Aussanaunasakt der Entente.
der schlietzlich ihr selbsi schaden würdr. Unmittel-
bar nach Friedenssch.'usi müssen die Besatznnas-
truppon vermindert werdcn. (Beifall.)

Ab.q. Eiebsl (Soz.): Der Bsricht über die M i -
lrtärwerkstätten aibt ein trostloses
Bild. Die BeUeidunasämter sollten nicht sü stark
verrinaert werden. Musicrbetriebe zu schaffen wird
hvuts schwerer sein als früher. Hier mutz besonders
auf das Dtttbestimmunasrecht Vedacht aenommen
werden. ebenso auf Tarifverträae für Anaestellte
und Arbeiter.

Abg. Erfinq (Ztr.): Dis Umstellunq der Bs-
triebe, wofür 495 Mllionsn Mark anaefordert wer-
den. ist ein Werk. das noch kein Volk übernommen
hat. Unrentable Betrii.be müssen aufaeaeben wer-
den. Nun ist es an den Arbeitsrn und Bsamten.
dafür zu soraen. dak dsi Vstriebe Mt arbei.tsn.

Singen und Pfeifen, Lachen und Iiauchzen, hell-
srohe Stimmen waren in Haus unb Garten zu hö-
ren, bei sonenschein und Rcgen, am jungen Mvr-
LM und a-m müden Abeild... es war schon qrade,
als ob in dem Namen: Lachquell... ein heimlicher
Segen oing^chlofsen wär«. der Frühlichkeit brachte.

Auf dich.'m Hose haulsien bie Wissner, ein
prachtiges blondes Geschlecht. Paulus, der Bauer,
blond. bärtig und stark, mit Augen, bergb-'umen-
blcm wie der Enzian... und treu. Soin Weib,
blond <u>.ch, doch fein und zisrlich und klein. über-
mutig wie eine Nieise iin Atui.

Aus der,lustigen Liebe der boiden wcur wisder-
um Lusiigtsit und Lacl>en erwacUen.

Das einfach; Glück genüate den beiden nicht,
ste mustten es I-aut und wild -haiben und es war ich-
nen tjerade recht. das, sie zwei Bub.'n au-f einmul
in die Wiege -hatten lcgen können. d«k Lwei stroh-
L-onde, enzianäug-ige Bürschlein miteinander auf-
wuchien, alls dummen Streiche glsich doppelt voll-
Mrten.

Das war an fedem lichten Eottostaa üin Es-
ja'uchze unb Uebereinanderpurzeln auf der Wiese,
Iaköble und Josefle. die Ziegsn und der weihe
Epitz. eines kullerte über das andere. Und oftmals
kam 'die hurtige kloine Zwillingsmutter auch auf
die Miese gelcrufen unh tollte sclbstveraessen init
und schrüe am allsrlautesten. bis am Ende ihre

Würden und Dürden ihr plötzlich in den Sinn

kcrnren.

Dann erschrak sie. ginq kleinlaut von dannen
und verborg sich eiir Weilchen vor Buben und Eo-
sinde, she fie als ehrsnme achtunggebtetende Bäue-
rin wieder zuun Vorsche-in kam.

Der Spruch des Hausis lockte nicht verasblich.
Es ging kaum eincr. der zu Berg' oder zu Tale
stieg, ohne Rasi vorüber. Die Einkehr war dort so
yerzevfrischend:

Der Eäste kamen vielerlei, hochivillkommen und
herzlich b.'grübt. Aber es sprach wobl auch einmal
sinec mit vor. der nicht so gern aesehen war.

Der nächste Weg oom Graslerhofe ins Dorf
hinab fi'chrte ii'ber die Lachwiesen und dieseu Weg
lttng oft, sa beinahe täglich der oinäugigr 'Iostif.

Niemaks vergak er. dem Hausspruch zu folgen.
Er trat zu der B-äusr'in in den B um>:ngarten...
odcr setzte sich in der Stube zu ihr an den Tisch.
Und neckts und reizte und ärgertc sie. Denn sis war
allerliobst, wen sie in Zorn geriet. Man nmtzte
sie gern ansMn. Es g>ing so wech'clnde Farbe
übcr ihr Antlitz, eiu liebliches Not stieg sirh bis
unter die hellblonben Haare, wenn sie sich erregte.

Am liobsten tastete Iosef mit häsiicy frechsn
Worten versh.'ckt und gieri« am Cheglück des jun-
gen Paares, an seiner zärtlichen Liebe herum.

Dann kam hclle Wut über dic klsine Bäuerin
und es flamnitic in ihren qrellblauen Augon, die
Fingcr spreiztsn stch, als wollten sie kratzen... und
Acsef lcuhte und freute sich und risf ihr rvüste
Schmieichesiisn zu.

Der lästise Bursche wurdr zur vlchtiaen Hrüs-
plago, wis Ratten ss sind oder anderes ekles Un-
geziefer.

Immer öftcr mutzt-e Katrin dem Paulus ihr
Leid klagen. Der Paulus war gut und vevtrauens-
voll wie ein Kino und hatt>> dis Mbnschen Lieb.
Nur seine Katrin durste niemand kränken.

.Soll er nur ssin letztss Aug ein üissol in acht
nshmen," sagte er ..küuni leicüt sein, datz mtr
dio Hand einmal ausrutscht!"

»Levsperren wir ihni lieber die Haustür..«."

.Dumines Trinels. w'-r können. dic WUe doch
nit vevs-psrren."

»Wenn ich ihn von weitem Mr. lauf ich da-
von."

Aber auch das war nicht leicht durchtzuführen.

Als eimnal d:e rlte Eraslerbäuerin vom

Schorngru-nd hcraufsticg und ihren müden Deinen
im Lachqucllhofe ergiebige Nnsi gönnte, fatzte Ka-
trin sich ein Herz und trus der Muttcr Beschwerde
über den Sohn vor,

Kaum balte sie ausgesprochen, sp war es ihr lsid.
Dcnn die Aite lisk den writzhaariarn Kopf hängen
und die Tränen rannei' über ihre welken Waugen.

Katrin inuktie trösten und Mut zusprecheu, zu-
rücknehmen, was sie vorher gesagt hatte, beschwich-
tigen, der Ios-Ä meine es ac-wik nicht- sp schlimm,
er habe doch ein gutes Herz und das wüste Eehäbe
sei eine dumms Gowohnhsi't.

Aber die arms Muttor hob !Kopf und Hmrd
und sprach sindringlich:

„Katrin, höre mich an. Schlinvmer wis er kann
man es nit nv.'inen und ein gutes Herz darfft du
ihin nit zutrauen. Bäuerin. wenn der Iosef um den
Weg ist und dein Bauer ist nit daheim, si> tu dich
einschlietzen, tu dich versiecken. Wie der Kater auf
Aiäuse. so mild ist er auf die Woiiber. Und wenn
der Nausch in ihm ist, kein Saufrausch, Katriu,
ein roter, hriker Nousch im Mut.., us könut sin
Verbrechen geschchcn. Vevsprich mir, Kaitrin, ver-
sprich mir, geh ihm aus dr'n Wcge. Allcn Mai-
deln. allen Frauen wollt ich. könnt ich os sagen."

(Fvrlsetzung folat).

Traurn*und Wirklichkeit

Einst battoni wir im schönsn Baltenlcvid
llns festgesetzt äuf breitem Ra-um
llnd gLaubten Riga schon in uns'rer Hand -
Es wwo ein Traum! —

Was, gingen Polen uus und Letten an!

Das Krovvzeug! Vorher kannt man's kaum!
Heut' ist mit uns'rer Macht nichts mchr getan —
Sie -war ein Traum!

Doch datz man uns zum TompÄ wirft Linaus,
Blockiert dis Ostseshäsen uns srnsut.

Dah wir nicht Herr mshr find rm eignen Haus —
Das ilst kein Traum,

Das ist dlssplitternacktc Wirklichkeit!

F.

Abq. Eothcsi. (Dem.): Die finanzicllen B.-din
gungen dcs iirisdcns^traqr sinb an und füx
unersüllbar. Wenn drr Feind jetzt so'ib-.' ^
rechtfertiqtc Anforberunqe« «n stsllt si
den wir d:ese Beträg.- »»" wer-

oen wir o.eie rvetrage »on mrsirrn Friednsv.
trägsverpfuchtimgen in A.bzug br'mqru müsien Djx

Besa tzunastruvpen rvsrdsn nmner d -> w »
ral, sierter. Unisiellungen könnsn obnc Ä'
digunqen der Neichsfinanzcn n cht »oraeiwm^
werden. Nur Attordarbeit kann uns rus d^ o?
tsrwirtschaft berausführen ^ "t-

Darauf wird die Wett-rrbcratung vsrtagl

Mrlin. 22. Olt

In der Fortsetzung der gestrigen Bcratunn
langtc Abg. Dr. Aiaretzki (D. Dp.) sis-
Initiative der Bctrsibslei>er e n st.ic^
gungsrecht. Eine Cntschliesiunk. des HausbaltH
ausschussos. dic geqen die unqeheur>en Kossin
d«er Ent-cntebesatzung Protesi erhobt. u
gegen die Stimmen eiuss Tefiv dLr Unabhäng^u
angenommen und der HauSbalt des Reichsschatz-.
ministers in erster Lesung genehmigt. Die zweiie
Lesung ergab ksine Momsnte von Dclang. Fosil
setzung Donnerstag.

Der Porteitag der Deutschen
Volkspartei

Die SchluWtzung

Am dritten und lstzten Taqe der deutschen
Volksparter-Tagung kam bald dis politischs Aus-
sprache an dis Reihe. Eingeleitet wurds sie durch
ein Netzerat des chrisilichsn Eewerlschastlers
Strciter - Berlin. das die AusMrunqen Voeq-
lers über die „Arbesisgemeinschaft" ergänzen sollte.
Dis vernünstigen Arbeiter aller Richtungsn müs-
scn stch untsr rücksichtsloshr Abstokung der extvemen
Elemsnte mit den Unternehmern zusammen-
findsn. Erst wenn auf dem Boden der Ar-
beitsgemeinschaft ein Zusammenwirksn qe-
fichert sei. das auch den Arbe'.tgcbern das Lefirn
lasse. kann im Ernst von Sozialisierung gesprochen
werden. Nach einem Hinweis auf den Terroris-
mus. der von dcr sozialistischen AkbhrheU se!t der
Rsvolution mit verstärktem Nachdruck geübt wmds.
schlok der Redner mit der Erklärung. dak die
christliche nationale Arbeiterbewequng bcreit se..
zusammen mit den Arbeitgsbern dem Zug nrcuen
nationalsn Strsbens Bahn zu brechen. der sicht-
bar durch das Volk gshe.

Eeheimrat Earnich gab eine Erklärung dsr
Partsileitttng ab. d:s sich gegen dis Exrüchte
wendet. als sei eine Vsrschmelzung mit der
deulschnationalcn Volkspartei oder der demokra-
tischen Partei boabsichtigt. Die deutschs Volkspar-
tei hisltc an ihrsm Charakter als nationale. libe-
rale und soziale Partei unbedinqt fesi und wsrde
ihr volle Selbständi'gteit nach links und
rechts unter allen Umständen wahven. Der Par-
teitag stimmte disfer Erklärunq ohne Widerspmch
zn.

Als erster Diskusstonsredner kam Esisiler-
Frankfurt zu Worte. der Generalsekretär des deut-
schen Arbeiterbundes. Dic ArH^tsgemsinschast sei
durch das Vordringsn der llnabhängigen. die sich
der MetallarÜviter - Gewerkschaft ben,ächtiqt ha-
ben und bald auch dis Generalkommission erobern
wcrden. bereits untsrhöhlt. Dabe: habe man
die wirtschastsfriedlichen Arbeiter. die von jshsr
sür die Arbeitsqemeinschäft einchrtrsten find. von
ihr ausqeschlosssn. In Berlin ze-qen sich schon die
Folqen des frivolen Metallarbkitsrstreiks. Zu
Hundsrten kommen dis Leutc täglich auf das
Vureau des freideutschen Arbeitsrbun-
des. wie die dortiqs wirtschaftsfr.iedliche Orqani-
sation heikt. und qcbsn ihve roten Mitglie-
derbüchsrab. Dr. Iakoby - Tübingen avarnte
vor einem „steundnachbarlichen" Zusammenarbei-
ten mit den Deutschnativnalen. wenigstens bei dcn
Wahlien. Der schärfste Kampf müsse den D§-
mokraten gelten. (Lauter Veifall) Dr.
R o s'c - Hamburq verlangte. dak nirgends qemein-
sams Listen mit andcven Parteien aufgesicllt m:r-
den. Die Dsmostaten seien vielfach radikaler als
dis Sozsirldemostaten. Eeqcn sie müU der Kmnp?
mit allen Mitteln geführt werden. Proses-
sor S ch uster-Hannover beqrllkte es. dak dle
Partei den antffiemitischsn Rasssnfanatismus ab?
qelehnt habe. Sie müsse an ihrem liberalcn und
sozialen Charakter unbedingt festhaltcn.

Abg. Dusch - Hannovsr wendet fich aeqen die
ungevcchten Dorwürfe. die der Landw'.rtschaft qe-
macht wsrden. Dr. Helle. ein Vertreter der be-
sttzten Gebiete. erklärte. dis Entsnte hasse das deisi-
sche Volk nicht. sie vsrachte vielmehr seine natio-
nale Würdelofigkert.

Entschliekungen an die losgsrissenen Lesetzten u.
bedrohten Geb'ete sowie an dis Dsutsch - Oesicr-
reicher. die der Zuverficht auf Erfüllung der natio-
nalen Einheit Ausdruck geben. wurden anqenom-
men.

Deutsches Reich

Reichsschulkonferen)

In einer! Vorbcsprechunq zur Reich --ih>lh
konserenz wurde unter dem Vorsitz des lkntz:r-
staatssekretärs Schulz mit grokor Mebrheit h:-
schlossen. di^e Reichsschulkonferenz stattsinden zu las-
sen. ferner einen Ausschuk zu bilden. d.r die Vcr-
bindung zwischen dem Reiche und den Unterrichts-
verwältungen der Länder herstsllt und -autzcrdem
die Konferenz vorbereitot. Einst mmigkoit hrrricib::
darüber.. dak eine Rrihe wichtiger Frogen schnell-
stens durch ein N e i ch s s ch u I g e se tz gcr.gelt
wcrde und noch vor der Reichsschulkouferenz zu or-
led'gen sei. Dis Vorarbeiten für die Koni>.rcnz
wurden dem Ausschuk übcrtragen. insbesondere dl«
Frage der Dauer der Lerhandlungeu. dis Äus-
w-ahl der Teilnehmcr und rveitsv.' Einzelfragen.
Als ungefährsr Zeitpunkt für das Staitsinden der
Konserenz wurde Ostern 1920 in Aussicht qe-

nominen. E nschlieklich dcr Reqierunqsvertrctcr

soll die Zahl der Tcilnehmer nicht mchr als
etwa 400 betragen. Ferner wurden. dem Aussämn
die Leitsätze zur Vorberoitung überw: 'sen. die die
Rcichsschulkonferenz beschäftigj.n soll. sow e einc
Reihe andcrer noch zur Erörtcrung gesicllter ssta-
gen auf dem Schulgebiet. Einhclligb:it hcrrscbtc
darübcr. dak die Sicherung dcr im Auslande tüt>-
gen Lehrstästsi cine Frage sc'. deren möglichsi R»-
dige Regelung erfolgen müsse. Feriwr soll cme
Nk.uordnung der Nechtsschreibunq baldigsi in dw
Weae gelcitst werden.

Bei den weilereu Vcrhan^luuacn tt'v Neich--
fchultonfcrcnz wurden die Abschnsitc Bilduntz





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