Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

DOI article: DOI Page / Citation link: 
https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0374
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Mpen. Wa-rMü ?7railttelch. «rlmrdersr
,-— o wette Bührrc deurschen Hea»entunis.

D weiier Frredhof teuren Keldenbluls!

Änd heim-sch- Moene. frernLer Oz«rn ^

Vahn deutfche Seefnhrt: Kanwf und Ruhm und
Der Tropen Sonne Lrannite deutschen Trotz
Zur Schlarke irrcht. und TfinÄE fsaü war Ehra

Mom Schwall der Fviiche Licdlich üLernrocht.

Gauk Deutschlauds Elück. und DeuMlands ^ahne saAk.
Änd llnffeheuer. schwillt das Urcheil E.

So war es Torhsrt. dafr du löwenkühn
Denr Schicksal standest. bis die Kraft aebrach?

Mab. Deutschland. du durch hundert Schlachten dich
Änrn Cieae ranast. dem deutschen Frieden W?

War' s Torheit. dann ist L-eldenehre Trua
stlnd Weawurf Wahrheit. Doch die Ehre blE
And wird in fernen Enteln zeugend leben
llnd wenn -i>« Dieken heute knechtaesinnt
Zum Abarurrd drmraen: Muirter Deutschland. du.
cCeschandet jrtzt. wirst aus der Cchmach dereinst,
MuttLr.drr Schmersen. ülorreich auferstehn.

sr e-r ü r.n-a n d § ech'l i!

Robert Schumann in Heidelberg

. Äls Schumann im Coinmer 1826 als 18jährjfler Stüdent der
Rechte die Universität Leipzig bezoa. stand in ihm k>>reits der 'Ent-
schluß fest. sich ganz der Musik M widmen. Aber söme von ihm hoch-
uerehrte Mutter fah in dem Künstlerberuf ihres Sohnes etwas Un-
sicheres und wünschte oon ganzem Herzen einen ZuristLn rms ihm zu
inachen. So studierte er nun dem Namen nach Nechtswisienschaft, in
Wirklichkeit aber träumte er Mustk, ohne eigentlüh auch hierrn systa-
rnatisch zu arbeitem.

Daß er nLn mcht offen vor die Seinen mit dem Vorhaben hin-
trat, machtr den Kmnpf, den er in dem folaenden Zahre mit sich aus-
Lufechten hatte, nur schwerer und hartnackmeir. Wähvend feiner bei-
den Leipziger Sem^ter lebte er nur so iu den Tag hi>nein und erst
m der letzten Zeit feines Heidelberaer Aufenthaltes rcmg er fich dazu
durch, seine Mutter um ihre EinwilliMng zu bttten, wozu einztg und
vlleiu «r fich berufen fühlte, 'nämlnh zum Dlusikerberuf.

Zn Leipzig lernte Schumann den sttld. inr. Eishert Rosen lennen.
Mll dem chn bald eine innige Freundschäft verband. Beide teilten
neben der ttefen Neigung zur Musik heftige Schwärmerei für
Jean Paul. Rosen wollte das Wint.-'s.mqrer 1828-29 in Heidelberg
zubringen, und er war es wohl hauptsachlich. der Schumann auf Hei-
delberg auftnerlsWn machte. Schunnmn satzte dcmn auch den Ent-
fchluß, an Ostern 1829 die llmVwsttat Heid--'Lerg zu brziehen,' trotz
-dem ern Znsamnrensein nvtt seinem Frrunde Roseu mchi mehr mög-
lich schiea. Seriber Mutter und seinem Dormunde war es leichtee,
Lre Notwendigtett eines Studiiums in Heidelberg erlMrlich zu machen,
war doch die juristtsche Fatultttt durch lvcänuer. wi-e Tliibüut und
Mtttermeier vertreten.

.„Wie aus seinen Driefen cms Leipzig zu ersehen ist. konnte er
nch sur diese Stadt nicht mehr erwärmen. trotz der grotzen Eewand-
hauskonzerte, dem Theats und sonsttgem regen ALusMebeN. und wenn
er rm Nosen schreibt. so schwärmt er schon von dem „herrlichen Blu-
Mengarten" Heidelberg und freut sich auf das „Blütenleben" dort.
Em glücklicher Zufall wolltv es aber. daß Freund Rosen noch länger
m L^-delberg btteb. als vorhergesehen. sodaß e-in Zuscnnmensein bei-
,>er Freunde bevorstand. Auherdem wollte ein anderer Freund Schu-
^anns, Moritz Semmel, cwch nach Heidelbsrg kominen. Aber gerade
-rm Wintersemestrr ünderte sich SÄumanirs Ansicht über Leipzig —
wahrschemlich war der Liefere Crund eine ..Ichöne. heiiiere. frromme
welbllche Seele", die die seinige .Fefesielt hat". llnd so fallt ihm der
-aoschleo ziemlich fchwer. Deinahe hätte ihm abrr nvch ein widriges
Eeichick einen Strich durch die Rechnung gemucht, denn sein Bruder
Julms wurde schwer krank, sodasi er der Mutter beistehen inutzte.
Aber glücklicherweise war die Ktwnkhelt ball, -vorüber, und er ttonnte
mn 11. Mai 1829 die Reffe nach Herdelberg antreten.

. , .^Die Reise von Leipzig nach Franksurt war em Flug

ourch Hunderie von FEingshhnmLln." Hatte er dvch angeneknne
vnd lnteresiante Reisegistellschaft gefunden. Willibald Alexis lDr. W.
Harlngl, der Erzähler. fuhr mit ihm. SLumann freundete sich schnell
Mlt lhm cm und eilte nicht sofort in die Arme seines Freundes Ro-
beabsichttgt, sonderv begleitete feinen neuen Freucch noch bis
Eoblenz rheinabwärts. Der Anblick des ..Baters Rhein" ist ihm ein
tiefgehendes Erlebnis; Frankfurt zieht ihn mächtig un

Ueber Mainz, Worms. Mannheim gelangt cr nun nach Seidel-
berg und kommt am 21 Mai mit tveser Ebbe im Eeldbeutel an' darin
verlagt er sich auf die besiere Lage Rosen's. „andernsalls. meint er
Mrden sich die Eenies schon durchzubeisien Wissen". Als erstes be-'
fchant er sich einen Flügel. Dann wird das genusifrohe. soraentteie
^^^p^gsortgesetzt. Es war das schon lange erträumte
.Slutenlebeu". Nnd das steigert sich nychf.' gls Semmel cms Lewtta
emtraf. Nun wird.eln Einspänner gemGet und Ausfliige unternmm
El.. «Mst tagttch sucht num irLend e-lueu Ort in der llncgegeud auf

Änd aerade dles hal für don Nomrüttiker viel AnregeiSes.^ War «
doch der B^»en, der Llrtst schvn „dee iKnabrn Wunderhorn wachpr»

lleh?'

Auch in die weitere Umgebung fliegt nnm -aus: Worms, Spettt.
Mannheim. Eh Baden-Badeu werden chefuiht. Kurz, es ist ecn av-
roechslungsreichee. lustigee Lrben. das das Kleeblatt führch

Auf allen Ausflügsn geht die ..stumme Klaoiatur" mit, auf der
Schumann -wähyend des Eespräches fleikig ubt. Dazwifchen hrnern
wttd auch einmal eine Vorlesun» besgcht. Schumann will sogar ecn
Kolleghest beseffen haben. Aber felbst Thibaut. der geistreiche. gmrk-
zende. versteht es nur oorübergkheild. sein Interesie auf das ZuS
zu lenken.

Sein Freund und Derwandter Semnrel redet ihm ernstlich ins
Gewisten, datz es nun höchfte Zeit fitt ihn sti. sich endlich vnttoeder rn
die Pandeiten zu vertiefen.'odrr sich offen uttd frei zu seinem '"r.e«n
Beruf zu bekennen. Sein vom Vater ererbbes Dermögen w.ar nrcht
fo Motz, datz er von semen Erttdgnisim 'hätte leben 'könrien. dem-
mrl, der überhaupt in oem Kleeblart dus nu'chterrre Gegengewichl ssu
d^n Schwärmern Schunrann und Rosen ift. fieht darin -richüg. dMN
Sckunlann ift von Hause «.us an groste Ansprüche gewohitt. dir -er
äutzerst ungern mitzt. Das 'Geld Metzl ihm nur fo weg und dawnno
fehen wir ihn Brundbriefe an seinen Vormund richten. Seiner Mm-
ter berechnet er. datz er eigentlich recht spärfam lebe. datz nur in Her-
dewerg alles darauf cmLsb.'gt fei. StudeMen und Ausländer ?.u
prellrn.

Das StuÄLntenleben kümmert ilm wenig. Er ist Srxoboruffe
und nimmt hie und da crn dm Veranstvltungen feiner Verbindung
teil, aber im Crotzen und Ecmzen hat er nichts übrig für das „wüste
Kommersleben", wie er -es nennt.

Etwas anderes zieht ihn jetzt müchtig an: die Alpvn und Italttcr.
Er treibt fleitzig Ztalienisch und bringt ed in turzem fo weit. dutz er
Petrarca-Sonette rm entsprechendern DettNMtz und «ngemesienenrpoe-
tifchem Schwung ins Deuffchv uberfetzen kann. Aber es gitt noch, deni
Vormund die Eeldmittel abzufchwützen. Dieser zeigt sich hartnääig
und will die Ztalienreife Lis zur Stüdirnbrtzndigung aufgeschoben
wisien. Aber Schumann stellt ihm gewisiermatzen ein IlMmatum:
Wenn er ihm di-e Mittel nicht zur Dsrfugung stelle. fo fei er gezwun-
gen, sie auf Wucherzins zu 'teihen. was ihm fpäterhin unangenehme
Folgen bringen könne. Schlietzlich gibt der DornumL auch nach und
Schumann tritt die langers^llte Reife an. Aeber Dafel. Zürich. Bern
gehts nach Mailand. wo er sich in der Seitla dis rosltberühmve Pasta
anhört, und nnter allerlej lustigen Abenteuern nach Denedig. wo er
in EeLnöte gerät. Nuf der RMoeise ftreist er AugÄmrg. roo er
Bekannte besucht. i

Freund Rofen lchttr ihm inzwifchen auf fsiT« Bitte für seine
vornehine Wohnung bei „Ponger am Derge" eine tteinere. «ber poe--
tisch um so anregenderr gsmietet. Dann widmete er fich nun ganz
der Musik. Sein Ruf als guter KlavieÄpieler 'hatte sich inHÄdÄ-
berg verbreitet. Er erhielt LinlcLungn uber Emlctdungen. Er
hatte es aber bald fatt. als.mufikalifcher „Ta'felrmffatz" zu dienen
lund zeigte sich ost recht gl-eichgülttg -en 'Einlädungen «egtznüber.
Einen neuen FreuNd hatte ihm fein-e Mufe versihafft. Es War d«
stud. jur. Töpken. der ost nrit ihm zufunrmenttrm, um 4händig zu
spielen. '

Bei Thibaut sanden fich jeden Donnerstag Nachtnittag bv—70
Sänger zusammen. iLM Händelsche Oratorien zu fingen. Thibaut satz
am Klavier und begbeltste. Schumann war dabei stets Ecfft. Diest
Nachmittage waren für ihn tiefe musikalifche Erlebnifse. Thibaut
hatte seine musikalffchen Anfichten in einem Duche .stleber Neinheit
der Tonkunst" niedergelegt. Schmnanns Anfichten konnten sich in sei-
ner damals fo ftürmischen Mt nicht mit den in dom Buchv geäutzer-
ten decken, aber es ift Äin Zeichen für feine Objeküvttät, hatz er es
in seintzn „Musikallschrn Hvus- und Lebensregeln", als vortteffliches
Buch empfiehlt. Zn joder Beziehung fand e-r Thiblvut geistreich. wenn
er über Musik re^te.

Cchumann ging e§ mit feinen pttmiftffchtzn Fortschritten zu
langfam. Er versuchte allerlei Mittel und Wege zu fmden. um rafch
eine grotzr Fertigkeil zu erlangen. So fÄm^ er Etuden fur keinen
eigenen GeLrauch: auch dattereu schon in jene Zeit bie ersten Verfuche
mit einer Vorrüchttmg. die ihn später in Leipzi« mn döe Eckbrauchs-
fähigkeit seiner rechten Hand brachte. Wtzlcher Art dirfer Apparat
war, ist nie in die Oeffentlichkeit «edruTlgen.

Zetzi kam der Wintör mit seiiwn vielfältigtzn Deluftigungen
Da waren Bälle, Schlittenfahrten. <M dentzn er als Mitglied seiner
Verbindung teilnehmen mnltzte. Hauptsächlich dem Tanzvergnügen
gi'bt er sich leidenschastlich hin. Zn Heidelberg wcrr dcrmals schlechter
Boden sür Vergnügungen. Diefem Mangel wurde in Mannheim ab-
zuhelfen verfucht. Sein Tagtzbuch weitz allerl-ei lustige Ballabenteuer
M erzählen. Eine Dallbekanntschaft. die Schumann zu seinem später
erschieuenen op. 1., den Abeggvaricttionen anregte, wcrr die mit Meta
Abegg. .der Tochter eines lzochstehenden B-amten in Mannheim. Si«
wurde nach stinen -eigenen Angaben von einsm Freunde angebetet
Es war also fä^mbar nur der mufikalisch verwertbare Name
(a-b-e. g. g.) der ihn anzog. Nicht alle Variationen. die >er damals
schr'^eb, sind im Druck erschienen. und die veröffsntlichten sind ohne
grötzeren musikalischen Wert. Es machte sich gerade darin der grotze
Mangel an theoretifchem Können stark sühtbar. Die Widncung der
Komposition richtet sich an die ..ComEe Pauline von Abegg" ist
also stngiert und in ihrer Art. «chevne Deziehungen zu unterl^en
nicht romantisch

ü Zn feine HeMlbergvr Zett — und ballptfächlich di-e letzt-e <1880-)
fallen noch andere Konlpositionen. wie ditz schon oben tzMwahnten
Etuden. kl-eineve Klvvierstükke. von denen ettcige fpäter i" dem „Pv-.
pcllons" abgedruckt worden sind: Enttoürfe zu ernsm Klavttrkonzert
«in F-dur, das nie vollendet umrde. Symphonce-Bruchstüche und oie
^Tokkata in D-dur, die ccbor vor ihrem Erschecneci noch von Eruvd
aus umgtzvrbeittzt wurde.

Jn Heidelberg bestand ein nrusikalischer Sludrnton-Verein. dvs
„Museum", in dem allerbec Musittoierke. mecft Symphonien. aufge-
führt wurden. Dv Schurnann diesem vngehörte. wurde er aufges^-
pert. in einem Kocczert em PioNoforte-Solo zu übernehmrn . Er
nlchm an und spielte die Alerandettncttsch-Dariationen von Mofcha-
Ües. dir ihm schon von stüher her bekannt und geläusig waren. Soin
^Freund Töpkem. der ihnc umblätt-erte. soll. aoie Schumann sagt. cnehr
^ezittert haben. «ls er selbst. Der Erfolg sdieses Debuts rvcvr durch-
sschlagend. Er bekvm bvld von überallher Konzertvüfträge. die er
abea llvsschlug. Sogar dre Erotzherzogin-Witwe Stephance von Da-
Vsn bat ihn. itc Mannheim zu spielen. Stvlz fchvecbt tzr damllls sei-
ner Mutter aoenn er je ettvas im Lebon gebeiftet hatte. fo fei tzö tn
der Musit gtzwefen.

Nach diesem ersten Kmczerterfolg zieht er fich immer mehr iift
stch selbst zurück.' Es kommt fü'r ihn die Zeit inneren Ringens. So-
gar dce Musik-lltachmittage bei Thibaul versöumt er — ja er zecgt 'llll-,
mählich hestige Abneigullg gegen vie etwas ftarren Ansichten Thft
blluts.

Ostern kommt hettrn. wo vr Heidelbera verlafsen foll. um sti
«L^ip^ig tzeine juristischen Studien zu beenden. Aber er romtte un-
mö'slich vor seine Mutter «hintreten und ihr von ssimen Forischritten
in der Zuvrsterei erzühlen. Es pcukte ihn wohl ein gehecmes Er«u-
sen rcnd er suchte seme Rettung im Allfschieben. Er bittt nun um
Verlängerung stines Heidelberger Aufenthalks, die ihm auch von
Mutter uicd Dormund gentzhmigt nrrtd.

? An Ostern 1830 war es auch. datz der Meifter Nicolo Paganini
icach Frankfurt kam. um seine Wunderkunst dort hören zu lasien.
Schumann und.Freunh Töpken lietzon -es sich nicht ecMehen. dieses,
HHanomen zu hörtzn: Ein ziemlich wackelig^s Eefahtt mit ecnem
alten Kkepper davor brachte die becden nach Frankfurt: dis Berg-
sttatze war noch wcdtt Erwarten schlecht, was wohl nich't sonderlich
zur Fördemng der Reiscbeguemlichkeil becgettagen haben mag. Dazu
Äprilwetter. Schlietzlich wutt^ noch der Eüul lahm. sodlltz die Zn-
sassen neben drm Wagen herlaufsn mutzten. Am Oftetmontag hörten
fie Paganini. am Montag den „Tell" von Rchstni. amDienslag tra-
ten sie dce Hettnroise an und komncen amMittwoch i-n Heidelberg
,an. Das erste, was fie sehen. sind die „lüdjirlichen Preutzenfüchse",
'dce in Handschuhsheim 'kneipen.

Schumann hatte einen überwältigenden Eindruck mitglbracht.
den dce späteys Dearbeitung Paganinischer Diölin-Eapriolen für Kla-
vier bezeigt. Ditzses Erltzbnis war von grötzh'-m Einfluh auf seinen
jEntschlutz, selbst Vittuose zu werden. Nicht in dem Matzr. aber wohl
auch stark 'wcrkte dcchin der 'Amgang mit dem Viölinvirtüosen Ernft,
der ettoas später Heidelberg auf einer Konzertteife berührte.

Zn den folgeMln Monaten lebt er stU und zulvückgezogen der
Musik. Wcrs er meist spielt, ist SchUbert. zu denc er sich stark hinge-
zogen fühlt. Er kommt ihm vor ..wie ein -cn Musik gesetzter Noncan
von Zean Paul." Aber nun wird er immer näher an die Entschei-^
dung gedrangt. Ein weiteres Hinausschhben war unmöflliH da er
nicht noch ecnmal um Verlänflerung cn Heidelberg bitten konnte.
Auherdem war es für ihn höchste Zeit. wenn er es noch zu etwas
Lringen wollte.

Sein grotzer Schritt. mit dem er ein ni ues Leben einleitete. ge-
schcch nun am Morflen des 30. Zuli. xrls er an feine Mutter einen
Brief richtete, in dem er ihr seinen Stalldpunlt klvr machte. „M in
ganzes Leben, schreibt er da. mar ecn zwvnzigjährcger Kampf zwischen
Poefie und Profa. oder nenn es Musik und Zus. — Zetzt stehe ich
cmc Kreuzwefle und erfchrecke bei der Frage: Wohin? — Folg ich
meinem Genius. so weist er mcch zur Kunst. und ich fllcmbe zum rech-
te« Wege. — Zn diefem grotzen Kampf bcn ich jetzt heitzer. als je.
manchmal tollkühn und vertrauernd auf meine Kraft und meinen
Willen, manchmal bange, wenn ich an den Weg denke, den ich schon
zurückwelegt haben könnte und den ich noch zurücklegen mutz." Thi-
baut bat ihm schon Tänflst zur Mufik gevaten. Schumann venwsist
seine Mutter an Fr. Wick, seinen ecnstiaen Leipzcger Klavierlehrer.
und bittet sie, vvn desien Urteil ihre Einwilliflunfl abhänflen zu
-lasien. Da desien Urtecl auherst günstig ansfiel. ^rhob die Muter kei-
inevlei Bed-ncken mehr gegen die Musikerlcuisbahn ihres Sohnes. Ein
' lleglückter Dankbrief Schumanns an Wceck war die Antwort. „Ver-
ehttester." saflte er darin. „nehmen Sie meinr Hand und führell Sie
mich — ich folfle. wohin Sce wollen..."

Da er nun wieder nach Lecpzig will. erübriflt es sich nm noch.
seine Der'hältnisse in Heidelberfl zu ordnen. Während er aus Eeld
vvn seinem Oheim wartet. macht er noch mit einem alten Schul-
freund ecne Neise nach Stratzburfl. Dann begibt er sich nach Leipzig.
nachdem er wieder einmal zarte Vande zrrrisien hatte. Er ntticht
noch einen Abstecher nach Detmold. uM dort seinen Freund Rosen zu
befuchen. Danp gehi es neuen Zielen und nenem Schaffen entflefle".

W a l t er Leib

Gedanken und Sprüche

Dem ziemt der Preis. datz wvhrhast er gelebet. der. hait' er we-
llig auch in der Tllt ersttebet. als LMe cn der Menschheit roitt»
enipfunben. wenn er den Lebensfaden abvewunden.

W. v. Humbvldt

Ein einziger freier Entfchlutz gehört dazu. e-n Msnsch zu seill.

^ Schleiermacher

Der Mensch vermag viel. unalaublich vlel. wenn er nur ernft
will. E Zschokke

Es ist nicht genu». zu wisien. man mutz auch «ttiwenden.- es ist
-nM genug. zu wollen. inall mutz auch tun. Coethe

Wrr strebt mtd schüfft. Llekbt jullg an Krasi. frisch vorwätts
drulli. ulld kM' n-chr um! ' Scheffel

LQQ

Das neue Iapan

Don Oi-. F. E. A. Krause
N1. Politik und Expansion

(Fottsetzungf

Die Ostas i atrsche Frage hat stets erlle asiatische Und rine
euwpäische Seite gehabt. Füt Europa bezecchllen die Erlangung
fveien Handels, die Erwerbung von Kolonien. die Festlegung von Zn-
teresiensphären ulld die Esw.nung von Absatzgebreten die Stadcen
Arer EnttvicklUllg. Sett 19v0 tt'rfolflten nm noch Nutzland und
^zvpan territoriale Absichten. Zapan am aupgesprochendsten und er-
folgreichsten. Bei den vielfachen fremden Eelüsten war zuMLcst das
grotze, aber krastlofe China der Leidtragende. So garantietten sich
8. B. in eimm Verttage zwischen Zapan und Fran'tteich vom Zulr
1907 Leide Mächte gegenseitig das Necht. in Ehina zu interoenieren
zum Schutze ihrer LeL-chtigterr Znteresien: datz dabec dce Zntegvität
Lhrnas und das Prinzip -er offenen Tür für alle Mächte in Lhina
offniiell anerkannt wurde. bedeutet kaum mehr als eine diplomatische
Phrase. China, als der Hauptbeteiliate in dieser und anderen Fra-
gen. ist niemals gefragt worden. ihm blieb nichts übrig. als der wie-
berholte Proteft gegen senre verschredenen Bergewaltigungen. den es
von Zeil zu Zeit dmch das Mittel.des Wavenboykotts unterstützbs.

Der japanische Mimster -es Lleutzeren. Baron Hayashi, erklarte
am 25. Zuli 1907: China nröge sich dce Dorgänge cn Korea mit dem
erzwungenen Thronverzicht seines Kaisers zur Warnung dienen lassen
und sein eigenes Haus in Ordnung bttngen. ehe irgend eine statte
Macht sich veranlatzt sähe. dies an seiner Stelle zu tun. Maechiavellis
Prinzip dsr absoluten pol'ctischen Rücksichtslosigkeit haben erst dce Za-
paner praktifch durchgeführt: zur Erreichung ihres Zweckes ist chnen
stets jedes Mittel recht gewesen. das gsrade und das ttumme. Eine po-
'lttische MLoral ist bem Zapaner unbekannl. wce chm auch als Kauf-
manll die Meschäftsehrlichkeit des Lhinefen fehlt.

Zll der lleuentdeckten M-rcht Zapans sah England einen
wertvollen Bundesgenosien für seine eigenen Ziele. Nur durch die
moralische Antsrstiitzung Englands war es Zapan möglich gewesen,
^en Kanrps gegen Rutzland ersolgreich durchzusühren, den es ohne
die Ruckendeckung. bie ähnc der Vertraa von 1902 mit England gab,
gar icccht hätte be^innen kömcen. England benutzte Zapan damals
gegon Nutzland. dejjen wachssnde Macht ihm an sftner indischen
Erenze bedrohlich wurde. England begünstigte aber dann auch die
Aussichnung zwifchcn beiden Eegnsrn und unticrstütste das Abkommen
'von UlO, durch das wieder seinen europaischen Zielen gedcent wurde.

England hat stets hintLr Zapan gestanden, sowohl vor 1901.
wie nach 1905: «s hat ihm Korea und die Siidmandschurei ausgelie-
scrt ^und secne Erpansionüpölltik gut geheitzen. Englands Vündnis
-init Zapan '1902 war eine Verletzung bes gesamteuropäischen Prest ges.
Dic überttiebenc AncrkeNnung, die Zapan in seiner Entwicklung zu
einem weltpolitischen Machtfaktor von englischer Secte fand. und die
schon in dieseni Bündnis ausgesprochene Zubilftgung einer politiMn
Glecchüerechtigung uni einer europäischen Erotzmacht mutzte die bei
dem raschen Empottommen Zapans erzeugte ungesunde S-lbftüberhe.
bung ine Matzlofe fteigern. das eitle und ehrgözige Voll zu einer
Politck des Uebermute und der Abenteuer mrl-eiten. Der Parvenu
unter den Völkeru der Erde befatz neben hochmütigem Dünkel die
oollige Sttupellvsig'kelt bei jeder Eeschäftspraris. mct ecner k'-nd-
lichen Naivetät verband sich eine jcsuitische Anschanung des Zweckes,
der alle Mittel rechtfertigen Mutz. Zwe stllos verdienten die in ihren
militärffchen Sregen gezscgte gesunds Kraft. die bei ihren w rtschaft-
lichen Ersolgen bewiefene hohe glftige Fähcgkeit volle Bewunderung.
der ethffche Charakter der Zapanor'aber isl wohl ost auf Erund e„ r
äutzerlich bestechenden Aesthetik d r Form überschätzt worden, so datz
man über dem llcedlichen Gewand den dürstigen Kern v.2rkanntc. Eine
diplomatifche Anerkennung und ein auf Eleichberechtigung angeböte-
nes Bündnis mutz als ein rassenmätzig bedenklccher Schritt erscheinen
und mochte wohl ungewollte KonsecpiLnzen nüch sich zi.hen. 'England
hak sich dabei in seiner eigellen politffchen Unbedellkl'chkeit mit
Hilltaicsehung aller ouropäischen Effichtspunkte der weitzell Nasse srlbst
auf dnc ücoralischell Standpunkt feines inferioren Bundesgellosien ge
stellt. Auf der seit 1902 beschrittenen Babn ist.es dann ullbe'rrt fort
gesahren und hat stch auch cm Weltkriege seiller gelben Freunde zur
Dettiichlung des deutschen Desihes m Ostasien bedvegt.
 
Annotationen