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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0469
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Dienstag, den 25. November 1919

Vadische post

275

VeUage

Amerika und der Friedens-
vertrag von Versailles

Wie nach den letzten Meldungen vorauszu-
sehen war, ist die Annahme des Friedensver-
trages von Versailles im amerikanischen Se-
nat gescheitert. Eine Mehrheit, die sich
aus republikanischen und demokratischen Sena-
toren zusammensetzt, hat sowohl den Friedens-
vertrag mit den Vorbehalten, wie auch den
JrieAnsvertrag ohne Vorbehalte abgelehnt
und sich dann vertagt.

Aian muß nach diesem Ergebnis annehmen,
daß die Vereinigten Staaten versuchen werden,
mit Deutschland durch unmittelbare
V e r h a n d l u n g e n den Friedenszustand
wieder herzusiellen. Es entsteht nun die wich-
tige und grotze Frage, ob die Haltung des ame-
rikanischen Senats sür uns günstige Folgeu
haben wird oder nicht. Man wird jedenfalls
gut tun, sich zunächst vor Illusionen zu
hüten. Es ist ganz zweisellos, daß die Ableh-
nung des Friedensvertrages im amerikanischeil
Senat nichts mit d e u t s ch - f r e u n d -
l i ch e r G e s i n n u n g z u t u n h a t. Die Ab-

lehung ist nicht erfolgt aus !Giderspruch gegen
die brutalen Bedingungen dieses Vernichtungu-
friedens, sondern lediglich, weil die Akehrheit
der amerikanischen Senatoren. wahrscheinlich
in Uebereinstimmung mit einer Mehrheit ves
Landes, von einer Verkettung der amerirani-
schen und der europäischen Politik nichts wi„eu
will. Man ist es dort mllde, in europäische
Händel verwickelt zu werden, und die Aussichr,
diese Verwicklung mit der Natifizierung des
Versailler Vertrages für immer mit in den
Kauf nehmen zu müssen, hat den Ausschlag ge-
gen den Vertrag gegeben. Was dabei noch an
innerpolitischen Gründen mitsprili)t, kann hier
außer Betracht bleiben. Die Hauptsache ist,
daß Amerrka der Monroedoktrin treu bleiben
will und deshalb eine Vertragsgarantie und
einen Völkerbund in Eemeinschaft mit eurs-
päischen Mächten und mit Japan ablehnt.

Haben also auch die Gründe, die den ameri-
kanischen Senat bestimmten, mit Deutsch-
Freundlichkeit nichts zu tun, so bleibt doch lnr-
mer noch die Frage offen, welcheWirkung
diese Haltung haben kann. Und da scheint uns
voi allem wichtig zu sein, daß die Vereinigteu
Ctaaten aus dem engeren Konzern unserer.
Feinde vermutlich ausscheideu werden.
Der Friedensvertrag oon Versailles trägt e-.ne
Anterschrist weniger, und das ist immer schon
ein Gewinn, wenn man gegen den Druck dieses
Fmedensjoches zu kämpfen hat. Die Amerira-
ner werden, wenn sie von dem Friedensvertrag
von Versailles frei stnd, ihre Veziehungen zu
Deutschland nur noch nnter dem Eesichtspunki
ihrer cigenen Interessen betrachten und gestal.
ten. Diese Interesseii können sehr wohl mit
d«m unseren zusammenlaufen. Es kann.sich
sehr bald herausstellen, daß die Vereinigten
Staaten selbst dadurch gewinnen, daß sie die
Wirtschaft Deutschlands wieder aufrichten hel-
fen. Es siiid schon Stimmen in diesem Sinne
in Amerika laut geworden, und sie werden sich
^.^^utlich jetzt oerstärken. Bei dieser an und
füi pch günstigen Konstellation aber darf man
nicht übersehen, daß die Fernwirkung, die von
den Vereinigten Staaten vielleicht ausgeht, auf
sranzösische oder englische Eegenmirkung stoßen

konn. Es liegt die Verm-utung nahe, datz
Frankreich seine Eewaltpolitik nur umso stär-
ker betonen wird, nachdem die Vereinigten
Staaten als Earanten des Friedensvertrages
und als Bundesgenossen am Rhein ausscheiden.
Es ist deshalb leicht möglich, datz wir den ame-
rlkanischen Senatsbeschlutz zunächst als ver-
stärkten französischen oder englr-
schen Druck empfinden. Es wird dann da-
rauf ankommen, ob die amerikanische Fernwir-
lung, wenn sie uns günstig seiir sollte, sich
durchsetzen vermag. Dabei sprechen so viele
internationale Fragen mit, datz man den kom-
menden Dingen mit dem Urteil unmöglich vor-
ausgreifen kann. Es empfiehlt stch geshalö
eme abwartende Haltung. Und es ist auf alle
Jälle klug, an die Entscheidung des amerika-
nischen Senats, wenn sie im Erunde genom-
men auch uicht ungünstig zu sein scheint, keine
iveitgehende Hoffnungen irgendwelcher Art zu
lnüpfen.

gur Reichsschulkonferenz

Wir erhalten solgende Zujchriit:

- Was an den Verichten über die Voi.besvrechuiv-
sen zur Reichsj.chulkonferc'nz am angenehmsten be-
rührt, ist dex Eindruck, dak ma-u sich ofienbar be»
müht hat, dön K o n- f l i k t st o s f des Schulkompvo-
misses iiach Möglichkeit zu verringern und sa
den Boden süil eine Vcrstäiidigung auf diesem heitz-
umstrittenen Eebiete vorzubrreiteii. Vor -allem be-
grützen wir es. daü man die Ausführung des 8 1-16
dcr Reichsverfassung in möglichst weitem Umiang
Lcn Cllicdstaaten übcrlasscm iri-jd damit der berech-
tigten Eigenart der einzelnen deutschen Landschaf-
tcn gebührend R-echnung tragcn will. Mechanische
Gleichmacherei auf geistilgem Ec-biet überhauvt uird
vor allom auf dem der !Ähule würde' fiir unfctr
Volk, da.z wirtschaftl'ch uüd volitisch wabrlich
schwer genug um f ti', Daidiit zu ringen hat, ttlne
vcrhäirgnisvolle geistige Nerarmung bedeuten, ganz
abüescbrn davon, dast erbittÄte innere Kämvfe die
u..a.usbtcübliche Folgc wären. Daher begrüsten wir
dic Erklü.uus drr Reichsregierung, da» man lden
Ländeiii', im einzenen fast sanz sreie Hand lassc'n
wollte. Wir in BaÄen dei',ken dabei vor allem an
die Bcibehaltung unserer S i m u l t a n s ch u l e,
die in dcm halbeir Iahrhuiidert ihres BÄstehens sich
bei uns das Bürgerrccht erworben hat -und mit der
stch ai'ch scine cinstigcn Eegner zum miivdesten, ab-
gejimden haben.

Halten wir so an dem Erun-dsak möglichster
Freiheit im Jnnern fest, so bc.dürsen rv'.r um >o
levhaiier der Bcl-eiiih-'itl'chung in äutzerlichen Diu-
gen, wo schrankeniloie Fre!h?!t Willkür wäre und
zum Wirrwarr sühite'. Besonders gilt däes sür An-
sang und Daucr der Schulvflicht sowie für
>:cn cin.beitlichen Beginil des Schuljahres. Hier ist
durchgr.eifende einhestlichc Ragelung dringend nö-
tig Es ist wirklich höchste Zeit, da» z. V. bczü?>l>ch
dsr Daucr dcr Schulvilicht der Unterschied zwischeni
Dcrtrags- und Nichtvsrtragc'staiaten innerhalb dcs
Tcutfchen Neichs!) en.dl'ch b lscihigt wird, da»
Dolks- und Mlttelschulen (dessclben Eliedstaates!)
bezüglich des Schulanfaugs nicht länger aneinander
vorbemrbeiten, uls ob jie sich gar nichts -angingen,
daä gleichartige Mittelfchulen verschiesdew r Ländc-r
endltch aufhören, sich gegcnseitig die Aner^ennung
ihrre Zeuanisss zu versag'n. Auch dio Vorbildung
der Lahrer aller Grade mü»te nach einheitlichM
Grrmdsätzen gercgclt werden, und ebenfo uatürlich,
-damit zusammenhängend. das Berechtigungswessn.

Wenu dabei recht gründlich mit llsbevlobtem
aufgerä-umt wür.de, wenn z. B. das „Cinjährige"
)u Fall käme, dann soll '.ms das nur. sreuen. Wie
inanche kleine Mitteljchule fristet heute ihr küin»
merlsthes D^ein nicht w-gen der Bildung, die sie
verbreitet, sondrm nm wegen d>cr Berechtigung,
die sio verloiht! Man konnte doch bisher seinen
Sohn nicht „gomeinen sSoldat" werden lassön-, wenn
nran sich selbst zu den „Desseren" zählte. Für sdlche
odcr ähnliche Dingc sollte heute der Staiat keincn
Pfennig mehr übrig habc'n. Wjas er bi-er svaren
ka»n, verwcnde cr zur Schaffung einex wirklich
guten, allcn Anfordcrungen unserc'r Zsit entsvre-
chensden Bolksichrste, die wir, so ausbauen sollten,
da» sie in Wahrheit die gemeinsame Erundlagr
sür die Bildung des ganzen Volkcs wird, dah ihr
clllo Kreis.2 a'rn und sreud'.g ihre Kinder anver-
traucii. Dann kann cs anch nicht fehlon, daü sici)
ihr mehr als bisher das Zntcrösse aller Volksschich-
ten zuiwendcn wird, auch der durch Bildung und
Besitz bcvorzugsen.

Möge der gute Ecist ullseitigc-n Entgsgenkom-
mcns auch serner ül>cr den Vevbandlungen schwe-
ben! Daim wird und mu» es uns doch noch ge-
ri'igen, in d 'n Tagcn höchster seelischer und leiö-
lichex Not dcn Erimd zu leg-en zu iveuem Aufstieg
unjeres so ichwec hcimgesiichlen und so vielge-
jchmähten Volk s. K. H.

Nationalversammlung

Berlin. 24, Nov.

Präsident Frhrenbach eröffnet die Titzung um
1.30 llhr und stellt in der zweiten Beratrmg des
Entwurfs einer Neichsabgabenordnung die aus-
stehenden Abstimmungen über die 88 5. 11 und 14
abermals vorläufig zuriick. macht aber darauf auf-
nierksam. datz er bei dem nächsten strittigen Para-
graphen auch über die ausstehenden wird abstim-
meu lassen.

Abg. Brodauf (Dem.) spricht beim dritten Ab-
schiiitt (F-inanzämtcr) über die llebertragung von
Steuerqeschästen an die Gemeindesteuerämter und
die Heranz'ehung der geübten Gememdesteuerbe-
amten zur Reichssteuerverwaltung.

Unterstaatssekrctär Möhle: Wieweit die Ge-
meindesteuerbeamten zum Reichsdienst herangezo-
gen werden. lätzt sich noch nicht übersehen.

Eine grotze Neihe von Paragraphen wird in
der Ausschutzfasfung mit unwesentlrchen Abände-
rui-gcii -anqenommen.

Zu § 172 wird ein Antrag Düringer (D.-
N.) angenomnien. nach dem dem Steuerpflichtigen
bei seiner Vorladung vor das Finanzamt schriftlich
die Punkte mitgeteilt sind. über die er sich äutzern
soll.

Zu 8 179 liegt ein Abänderungsantrag Siehr
(Dem.) vor. nach dcm Aerzte und Rochtsanwälte
die Auskunft verweigern können über das. was
ihnen bei Ansübung ihres Berufes anvertraut ist.
ferner Berteid'-ger in Strassachen und deren Ee-
hilsen hinsichtlich der Tatsachen. die sie in dieser
ihrer Eigrnschaft crsahren haben.

Der Antrag wird abgelehnt und in der
Ausschutzfassung aiigenoinmen.

8 5 wird nach Ablehi'ung der, Abänderungs-
und Streichuuasanträge in der Ausschutzfassung a n-
geno m m e n.

Zu 8 11 wird ein Abändenmgsantrag Löbe
(Soz.) und Burlage (Ztr.) angenommen. nach
dem die Abgrenzunq der Bezirke der Lai.desfinanz-
ämter durch Reichsgesetz bis spätestens zum 1. April
1921 zu geschehen hat.

Dem 8 1t wird äuf Antraa Katzenstein
"(Soz.) ein Absatz hinzuaesüat. datz dir Richter der
Finanzgerichte sür ihre dienstliFe Bestrafung u. a.
den Mitgliedern des Neichsgerichtshofes gleichge-
stellt werden.

Nach Erledigung der zurückgrstellten Abstim-
mungen werden weitere Paraqraphrn angeno m-
m e n.

v .. llntzllickliches Geschick dec Menschen! Kaum
^ lst der Geist zu seiner Reife gelcmgt, lieginnt
A der Körper dahinzuivelken.
ß» Montesquieu

Zonnenfinsternis

Roman von Else Stieler-Marshall
Oop^ri^Ktb/OretbleinörLo. O.m. b.tl. ü.sip2iL 1916
(44. Fortsetzung.)

Der Aiaultiersühiver kam nun wiieder zum Gip-
sel. auch vor ihm blieb das Geheimnis wohlbe-
wahrt. Klinghart hielt ihm seinen Gast verbor-
gen. denn er kannte die redselige Wichtigtuerei des
Bmschen gut genug.

llnd doch . . . und doch . . . hietz es nicht da
oder dort schon: der Wettermacher auf dem Äoch-
schorn lebt mit der Motdhofeva in Buhlschaft?

Da war eiuer. der lauerte und suchte. uuid als
er lange Tage nichts von der Eva gesehen hatte.
auch nicht von weitem, nicht ein Zipfelchen von ih-
rem Kleid . . . ka mer und trat in die Stube des
Mordhvfes.

„Fch hätt was zu reden mit euch. Bauer."

„Was wär das nachher? Fch Wn dir nichts
schuldia und du nit mir. Was willst du? Ich lrab
dich nit einaeladen in mein Haus," laute des
Bauern finsteres Willkommen.

..Das weitz ich aut genua." saatr der Einäugige
„datz ich warten könnt auf eine Einladung bei euch
bis an mein selig oder unseli-g Ende. Aber anhö-
rcn mützt I,hr mich einmal. Sagen sollt Fhr mir
zuerst. ob ich eincs rechtschaffenen Bauern Sohn
bin oder nit. Ob es ein stattlicher Hof ist oder nit.
den ich einmal übernehmen werde."

..Wohl. wohl. das könnt schon alles stimnlen."
antwortete der Vaue-r. „wenn halt du selbst e'm
anderer Kerl wärst. nachher wärs schon recht
mit dir."

..Wo haltet Fhr die Eva oersteckt. Bauer?"

„Was kümmerts dich?"

- „Das will ich euch sagen. Bäuer. Eure Eva,
die gehört mir. versteht mich gut. Mein Lcbeii

hab ich darauf cingerichtet. datz die Sollerev meiue
Bäuenn wird. llnd ich lasse sie mir nicht nehmen.
von keinem Engel und von keinem Teufel."

„Fch wützt nit. datz du gskommen wärst. mich
um die Tochter zu frageu. Spar auch die Mühe.
ich sag dir für alle Zeiten ein Nein."

..Wo Lieb mit im Spie-le ist, da fvagt man den
Vater zuletzt. und er wird sich wohl fügen müssen.
Früher hat mich di-e Eo von allen am liebsten
gesehen. Aber nun kommt einer daher. der be-
hext sie. datz sie der Ehve vergitzt uud als Liebchen
im Turme haust. Und der Soller. selber behext.
duldrt die Buhlschast und segnet sie noch."

Soller brüllte mit kievischen Wutluut auf unid
seine Hand packte suchend nach einer Waffe. den
dort niederzuschlagen wie einen Hund. der so fvech
vor ihm stand. ihm das Ungeheueve zu sagen . . .
seine tastenden Finger fanden einen Stuhl. sie um-
klammerten die Lshne. hoben rhn avuchtend hoch.

Aber der Iosef war wie ein Wiesel so fttnk
aus der Tiire. dvehte den Schlüssek von autzen im
Schlotz. Von drautzen noch rief er:

„Ueberlegt es euch wohl. Weil ich nur ein
Ange noch im Schädel häb, wll i<h nit heikel
sein und die Ev jetzt noch nehmen. trotz ihrer
Schande. . wieder ehrlich will ich ste machen. ich
bin ihr einmal gar so gut."

In der Stube flog der Stubl mit grotzem Ge-
töse krachend und splittcrnd zu Boden. Der Bauer
matz mit dröhnenden Schritten den Raum. Und
als die roten Sterne verblichen. die stnnlose Wut
ihm vor Augen tanzen lietz. überkam den finsteren
Mann eine hilflose Trauer. Som stolzes Kind.
seine kindjunge Eoa . . . und ihre Schanve soll
er gutheitzen und seanen? Reden so die Nachbarn.
denken sie solches von ihm?

Dann will er sie bessrr belehcän. Nur wissen
mutz er. was er nicht glaubt. Eewitzheit witt er
stch holen.

Cr nahm seine Stick und stieg auf den Hoch-
schorn. Die vielen rinnsnden Wasser umspülten
seine Stiefel. der Schnee war glitschi« und weich
im Tauen. man rutschte. brach ein. Aber was
tats? Ein rauher Weg uud rauhie Gedanken . . .
eins schickt sich zum andern.

Klinghart sah den Bauern heransteige,, und
ging ihin vntge.gen. um ihn zur Nücksicht gegeu Eva

zu mahnen. llnd er fiihrte den Kömmling zuerst
in den Wirtschaftsraum.

„Der Weg war heute beschwerlich. Soller/
sagte ev und gotz dem Easte einon Kognak ein. Der
nahm ihn und stürzte den scharfen Trank eilig.
fast gierig hinunter.

„Als die Eva ihn zuletzt ging. mag er beschwer-
lrcher geweson sein, Herr. Aber ich stieg heran in
einer starken Not. Da wird einer müde. So ein
brennender Tropfen tut -wohl. Gebt mir noch
-einen. und dann latzt mich mein Kind sehen."

„Zum erston Male hat sie heute aufstehen kön-
nen. Sie ist noch sehr empfindlich. Werden Sie
sanft mit ihr umgshen. Mann?"

„Es ist eine sanfte Sach. Herr. um die ich her-
ausstieg," erwiderte der Mordhostr. Er gina die
Treppe h'mauf. Kl>ilnlghart wollte ihm folgeni.
Aber der Bater wendete stch -um uud sah 'hn
düster an.

„Der Vnter will zu seiuem Kin.de reden. was
Vater und Kind allein angeht. Das ist euex Haus
Herr. Doch bitte ich. latz uns."

„Noch bin ich Arzt hier. Soller. Ich mu» be-
fehlen. regen Sie die Kranke nicht auf. Ich setze
mich als Wächter auf diese Stufen. Wenn Ihre
Stimme sich im Zorn hebt. mutz ich Sie aus mei-
nem Hause weisen. wenns mir auch leid täte."

„Wohl. wohl." brumnite der Bauer. Und trat
bei seiner Tochter ein. Sie lehnte blatz im weitzen
Stuhle. die wachsgleichen Hände über der Decke
gefaltet. Des Vaters Stimme hatte sie länast ver-
nommen und s,ah ihm nun mit einem guten Lächeln
entgegen. Ihr Erleben im Schnee. ihre KrankheA
hatten öine Weichheit und Woiblichkeit in ihr
wachgerufen. die bisher unter allerlei rauhen Hül-
len sorgsam geschlummert hatte. Bittend hob sie
ihm die Hände entgegen. „Latz den Zorn nit auf
«egen linich, Vater. Fch hab einen d-u.nmen Stveich
begangen. So verzeih mir hrlt."

Der Mordhofer begvisf nicht. was ihm im Hal-
se bitz. als er seineni Kinde aegeniiberstand. Ge-
gen den Zorn rang ciu anderes Eefühl an. riesen-
grotz und mächtig. Schier wollte es ihm die Nede
verschlagen.

„Es rst nit darum." sagte er mit e'inem Räu-
spern >und dämpfte seiue rauhe Stimine. datz sie
fast sanft tla'ig- ..Der Grasleriosef ist heut bei

8 194 beftimmt: Wer Erzeugnisse. die nach deur
Abgabegesetz zu versteuern sind. gewinnen oder her«
stellen will. hat dies dem Finanzamt anzuzeigen.

Der Antrag Iungnickel (Soz.), zu sagen:
„Wer Gegenstände gewinnen, herstellen oder um-
setzen will, an deren Gew-innung. Herstellung oder
Umsatz eine Steucrpflicht geknüpst ist, hat dies"
usw.. wivd a n g e n o m ist e n.

Zu 8 210 wird ein Antrcig Viurlage (Ztr.)
augenommen. wonach die Vorschriften des Abs. 3
des 8 210 (Beschwerde gcgen Steuerhetze) nicht gel-
ter. für den Fall der Verweigerung einer Versiche-
rung an Eidesstatt.

Jn 8 212 wird bestimmt. datz Steueroorschläge
unzulässig sind. wenn die Nachprüfung eine
höhere Veranlagung rechtfertigt. auch für
die Erbschaftssteuer. Der Ausschutz hatte die Erb-
schastssteuer davon ausgenommen.

Abg. Simon-Schwabeu (Soz.) beantragt Wie-
derherstellung der Pegierungsvorlage. Der Antrag
wird angenommen.

Abg. Tauchex (Ztr.) beantragt di-e Einsührung
eines 8 355 3, nach dem straffrei bleibt. wer in
unverschuldetem Frrtum über das Bestehen oder
über die Notwendigkeit steuerrechtlicher Vorschrif-
ten die Tat für crlaubt gehalten hat.

3lbg. Dr Braun (Franken) (Soz,) Leantragt zu
diesem Antrag einen Zusatzantrag. der den Antrag
nach 3 Iahren autzer Krast treten lassen will.

Abg. Gras zu Dohna (D. Vp.) tritt für den
Antrag Taucher ein. ist aber gegen die zeitliche Be-
schränkung der Klausel.

Der Äntrag Taucher wird angenommen. der
Antrag Braun abgülehnt.

Nach dsn Beschlüssen des Ausschustes wird der
Rest des Eesetzes ohne erheblichs Abänderungen a n-.
g e n o m m e n.

Die Abstimmungeyüber die Entschlietzungen des
Ausschusses über den .Zehnerausschutz. über die Aus-
fül)rungsbestimmlmc(en usw. werden bis zur 3. Le-
su»g zurückgestellt.

Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. Tagesord-
nung: Anfragen. kleine Vorlagen.

Aus Baden

" Die Eoangelische autzerordentliche Eeneralsy-
node wiüd ihre Arbeit am Mo n ta g. den 1. De.z..
nachmittags halb 4 llhr. wieder sortsetzen. An die-
sem Taste tritt zunächst der Verfassunqsausschutztz
zusammen. Am Mittwoch. den 3. Dezembex, wird
zum ersten Male das Plenum taqen. Aus der
Taaesordnung steht die neue Verfastung der evan-
gelischen protestantischen Landeskirche. . ^_

Alannheim. 24. Nov. Um aus die Abliere-
vuug von Kartoffeln sünstia einzumirken,
hat die Fabrik für Eisenbahnbedarf Fostef Vö-
aele. hier, verschiedenen dadischcn Vezivksämterir
den Betrag vc»i je 1000 Mark übevwicsen. mit der
Bestimmung. die Beträge den Armenkrssen der-
s-.'nigcn Eemc>inden zuzuführen. welche in deir
nächsten vier Wochen ohne Zwangsmatzreseln iim
Verhältnisse zu ihrer AnbauslächÄ die sünsttMe
Ablieserungsmengen von Kartosfeln crreiäM
wcrden.

Boden-Vadcn. 24. Nov Der Fagdausscher
Karl Sutscher. der in Dieksten. <der Herren
Freiherr von Löwenberg nnd M. Vrum stcht.
würde iin Stolll-os.'ner Wald von Wilderern
-angeschossen. Man Hrochte den Schwcrver-
leistcn in das hiesigr Krankenhans. wo er st>inen
Wnnden erle-gen ist.

Offenburg, 24. Nov. Von bisherigen Mitglie-
dern der llnabhänqiaen Sozialdemokratischen Pav-
tei wurde hier ein K o m m u n i st i s ch e r Par-
teiverein qeqründet.

Psorzheim, 24. Nov. Die NeuwLlhl d e s
O l>e r bür g e r me i it er s wird am 3. Dezemdec
nachmittags von halb 5 bis halb 6 Uhr im Stadt-
rat«-.saale erfolgeu. Am gleichen Tage, riachimt-
tags von halb 6 bis halb 7 llhr wird m oiuem
Pomm-lstlsnszim-mer des Nathauses ein weiterer
Büvgevmeister gewählt werdsn. Als Oberbiirger-
meisver bommt Dr. Gündert in Frage. rür die
Bürgermeisterstelle ist Landtagsabg. Stockilig«er
(Soz.) vovaesehen.

mir aswesen. Zur Bäuerin w-ill er dich habeir.
°uch

Kunst und Wissenschaft

Dic Verlegung dcr Karlsruher Forstakademie

nach Heid'Slberg oder Fre'rburg ist noch
nicht entschioden. Der Bad. Forstverein hatte stck,
bekcmntlich für Freiburg ausgesprochen und uu»
hat derwürttembergische Forstverein seine Mltglie-
der «ufgefordert zu dieser Frage Stellung zu nch
men. va die Fostakademic in Tübingen bekanntlich
aufgehoben und mit der badischen vereinigt nverdeu
soll. Bei der schriftlich vorgeuommenen Abstim-
mung des württembergischen Forstvereins entfielen
155 Stimmen auf Heidelbcrg un>d 5 auf ,vrel-
burg. Die meisten der Abstimmcnden spracheu stch
für die Beibehaltung der Forstakademie in Tü-
bing-en aus.

Die Auslieferung der deutschen^
Wissenschaft an das Ausland

Ein Aufruf der deuischrn Studentens.choscr

Die deutjche StuÄcnt-'nschllt char -durch ibre Hal-
tung dcn B' weis erbracht, ldiatz >sie jcderzeit beceit
ist, alles, -auch das Lc>ben, dem Vaterlaud Zu ov-
sern. Die dMtsch? Negierimg hat diese Taistick>e
dadurch aiv.'rkannt, dab sie tn Tagdni ld>rr Gciabr
füv dici deutsche Nepublik die Studenten'ichait zur
Nettimg dcv Staates aufgerufeil hat. Dcr dc.ltsch-:
Studinit bält seine Ovserbereitschast sür vatcrlän
dische Pslicht unid wckst cs von sich, für seine schwe-
re,i peirsönlichcn Ovfer besondere Vorigünstigungen
und Entschädigungcn su sordei'n-. Dcr iAlkadcm kec
weitz -auch gcnau, datz seine Not uicht die grötzte ist
und Idatz jeine Ausprüche aus di? inateriellcn (biitoq
des Lebens viel besch'idcner und n'.chi bobcx. .eiu
müsteu, als die der d.-lut'cheu Arbcitevschaft. Deutsch-
l-a»ds jStudent will vor.mael-em- in dcr Soldstb^
schctdung, die geineinsanie Not erfordmt. Ai"ders
liegon die Verbältiiiisse jediuh d«, wo >di r !StnS«>-l



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