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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0510
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oercrde Herr Skkir^ kuil vorhcr die Bil.dung einer
vemeinnützigen E-evellick-vft ver h c n d >ert itzat. dro
das Friedmaniische Mittel > v.ila l r s c e r e n
mollte daiinit die krnnbr Meilfchd-'it nrcht in d-m
Mafte dä-mit bemncl>srt miirde. rv-ie es^ie'Nerzeit
mit dem Salrmr'nn t^schchen ist. Den <-nlvars<rn-
nnicher h<rt der Almeordnete s>aenl,ch bekampst —
von d'n Tubcrkulinaeschaftslcuten laitt er slch .zur

Tafel laden.

Als dw Ncpublik en1sto.-nd. verkündcten chre
.c>erolde. das; an ibrer Spihe Mümicr stchon foN-
ten die'rhre Freunoe nnd chren Umaan-a mrter den
fci'nsten Köpfen u reinsten H e rz'-'n dcr
Nation suchcn würdeir. ader nicht unt-er
SchieLerw Sese inir. mrt wem du umgchst.
und ich will dir faacn. rvelche Politik du machst.
Es will sar nichts s-a«en. ryen» Scheidemann eine
Elhrenrcttung seiner «Zreunde m-it de,n L»inweks ver-
sucht das; der Lesitjer des belastcten Materials.
jener Scun-'nseld. a.uch teine roeksft-. Weste hat.
Hclphrrich Mrd Sklarz standen schon am Pranger,
als sic sich iioch nicht mit Sonnenfeld verseinLet
liatten. Derjenige Mann. der Helpchanb noch im
Kriege als politischen Hochslapler -bcfteich-
ncte folkte dem neuen Oberd.ürgernreiistcr von
Kassel bekannt sein: Es iva» d-'r Al^ordnete
-Scheidemann. °

Amerika und der Friede

Natisikation mit g'mäh gtcn Borbehalte»?

Amstcrdam. 1. Dez. Der .^Telegraaf" meldet
aus London: Jn arnerikanischen Börscirkreisen ist
man a-llgenrein der Ansicht, datz der Friedens-
vertrag binnen einer Woche oder 10 Tagen nach
dem Wiederzusammentritt des Kongresses mit ge-
masjigten Vorbehalten an.genommen wirtd.

Eine Konserenz in Londou

Malland, 1. Dez Nach ekner Mcldung des
»Corriere dclla Sera"' finden nächstens in London
Znsammenkünfte zwischen Vertretern der Erotz,
mächie statt, um wegen des Widerstandes und der
Nichtgsnehmigung des Frledensvertrages durch den
amerikanischen Senat zu beschlietzen. Da es .dem
englischen Ministerpräsidenteiir unmöglich ist, nach
Paris zu reisen, wurde der Sitz der Veratungen
rvisnahntsweise nach London verlegt.

Der kranke Präsident

London, 1. Dez. Der Korresponde„t des „Daily
Telegraph" in Newyork wurde z», der Erklärung
crmächtigt, datz es nrcht richtig ist. datz Prafident
Wilson ernstlich erkrankt sei. Cr sügl bei, dah
dcr Präsident immerhin stch eine nicht -r» grohe
Arbcitslast aufbürden dürse. Man erwartet. dah
Prästdent Wilson den Friedensvertrag im LMfe
dieser Woche! zurückziehen werde, um rhn nach
8 Tagen wiederum tzinzubringeir. In der
Zwischenzeit werden die Vemiihungen zur Errei-
chung einer Verständigung weiter betrieben
werden.

Noch kerne Berständigung

Ro^kcrbam. 1. Dez. Der „Nicuwe Courant"^me7,
det aus Washington. datz der Kongretz heute
wieder zusammentritt, es sci aber anfcheinend noch
zu keinem Vergleich Lczüglich dcr Ratifika-
tion des Friedens gekommen.

Die Katastrophe drr Auslieferungs-
frage

Vöckn schreibt uns von besonderer Se'lte:

Ursachen stir die unerwartet plötzliche
Abrerse der Simffvn-Delegation -aus Paris war das
an sie geltellte Ansinnen. neue bindende
Derpflichtunsen in der AuslieferungsfrE
einzugehen. Die Ausliefcrunssfrass ist in ihr
rruqchss Sta/dMm getreten. Ihr u-ngeheuerer
Ernst mutz jetzi vom deutschen Volke be-
griffen werden, das diese sorge bisher viel zu
leicht genominen hrt. M<m hat sjch daran gewöhnt
nur cm die Auslieferung Kaiser Wlilihelms 2.
zu denken. die alvc-rbings sür Deutschland «elber
ein wsniger schwieriges Problen, ,st. da srch der

ftühere Ka-iser ii'.ht in unscrein Mächtbereich! Lefin-
dct. Eanz anders liegt die Saclte hinsichtlich der
>oefordcrtair Ausliofcrung von Hocrs-iihrcrn. Offt«
ziercn. U-BvotslKo-mman-danten. Staatsmännern
und Industriellen. Lie stch av>f deutschcm Bo-
de n befinve n.

Wir sind nach l-em Fri.edensvertrag vcr-
pflichte't, die von der Entente zur Auslieserung
auscsiordcrten Männer in ihre Hände M brinson.
Wie wird sich das in dex Praris vollziohen? Die
Entente wird eins Namr-enstiste i'iberreichcn. Die
Noaierung wird dann die ncmrhaft gemachten Per-
sonon auszufordern haben. sich an einem bostiinvmten
Tage an einem bcstimmten Ort einzufinden. amr
sich dann miter militärischer oder polizoilichvr Be-
deckung an einen Grcnzort zu bogoben, wo die
llebcraabr an die Uebernahinokvmmission der En-
tente stattfindet. Wenn stch nun dve aufgeforder-
ten Persöulichkeiten n i cht an dcim von der Regie-
rung bastinimrteii Orte einfinden. was goschieht
dann? Ein Toil von ihnen. nanientlich siinsore
Marinco-fßiziere, dio ihre Ausl-roferung besürchten
mutzten.ist ges l ii chto 1. Wir können dor Entente
mtt giutegn Gewiffen sagen, datz wr diise Flucht nscht
verhtivdern konntcn, weil wir fa bis houte nicht
wissen, wen die Entente forDern wird. Um
woitcro Fluchtversucho zu verhinidern. schoint die
E-nltente die AuslieferUng schon fetzt zu fordern^
eho l>or Friedensvertrag und soine Ratiflzieruna
den richttgen Zeitpiunlt dafur geben wiirde. Es
müssen mm wirklich berechtigtc Zwoifol darüber be-
stehen. ob sich gowisse Generäle und Ofsiziere Le-'
roit find-n werden. sich auslie-fern zu lasfen.
Vielleicht werden ihre Anhänger, deren es-ia unter
den Neichswehroffizieron genug gibt. saga'r mit
bowqffnter Hand ihren Schutz vorsuchon.
Diejenigen. die stch nicht ausliefern lassen wollen,
wÄrde die Regierung — das ist eben eins Folae
der i-in Friedensvertra« überno-mmenen Verpflich-
tung — v^rhaften inüssen. un-d wenn diese-r
VeÄMstun-MiZiderstanld entsogengesetzt wivd. wiirden
untcr Umständon svgar b-ewaffnete Kämpfe
auf d-eutschem Äoden entstehen.

Szenen vo-n un-geheurcr Tragik liegen im Be-
reich der MöMchkeit. Ulld keiue Aussicht. dieser
Schmach zu entgehen l

Auf der SluSlieferuuftsliste

Der Züricher Anzeiger meldet -aus London: Wo-
nar Lcvw teilta fty Untcrhcmse mit. dcvtz Engsand
13 U-Vootskvmmandanten säwie den
früh^ren Thef Les dentschen Admiral-
stabes auf die Auslioferungsliste aesetzt habe.

Eiu deutfckxer Vorfchlag tu der
Sluslieferuuzssrage

Der Vorfchlag dcr deutschen Regiorung zur ver--
langten Auslteseiyung dev angeschuldigten Offi-
ziere usm. geht dahin. die Prozesse aus deuit-
schem Boden vor deutschen Volksrichtern zu
führen, aber die'Anklagen von Brauftragten
der feindlichen Staaten vertreten z» lassen.
Es wird also ein gemischtes Bersahren
vorgeschlagen, etwa in der Art, wio es die Oester-
reicher in Serbien nach dem Mord von Serajewo
verlangten.

Euglands Lluteil

Nach Londoner Meldungen erklärt-o Bonar Law
'M Unterhaus, datz sich Englands Anteil an der
Liste der auszullefernden verantwortlichen Deut-
schen auf die Urheber des Versenku-ng-s-
krieges Leschränte. Die hier in Frage kominen-
den Deutschen werden auch in Englan.d Hbge-
ur 1 eilt weüien.

Die Derteilung der deutschen
FLotte

Laut einem Parifer Telegramm des „Seeolo"
hat im Obersten Rat der Verbündeten der englische
Borfchlag, dis feindlichen KriSgsflotten- M ^oer-
nichtsn, den Sieg davongetragen, hauptsächlich
unter dem Eindruck dsr Vorfälle von Scapa! Flow.
Nachdem die deutsche Flotte grötzten<ctls zerstört
-st, soll auch die ehemals österreichisch-ungarischs
Flvtto demoliert werden. Zuerst sollen die Schifsv
in iden folgenden Verhältniffen vorteilt wer-

den: England 70 v. H., Frankreich und Jtalien je
10 v. H., Japan 8 v. H., die Vereiiftgten Staaten
L v. H. Die Schiffe wcrden den einzelnen Staaten
übergeben und von diesen abgebrochen. Numä-
nicn, Portugal urft» Griechenland, welche je einen
Torpedojägsr verloren haben, sollen entschädigt
werden. Die Verluste der deutschen Flotte bei
Scapa Flow werden England zur Last
geschrieben; Jtalien urtd> Frankreich werden
autzerdem 'noch je 6 leichts Krsuzer und 10 Tor-
pedojäger erhalren. Ferner werden- jeder einzelnen
Erotzmacht etn Panzerschffft 1 loichter Kreuzer und
8 Torpedoboots als Modelle zum Studmm zuge-
teilt werden. di-e aber innerhalb eines Jahres ver-
nichtet werden müffen.

Die Nheinbundpläne

sind noch nicht zu Erabe getragen, wio folgende
Msldung der „Deutschen Allgem. Ztg." beweist:

„Nach zuverläffigen französischen Meldungen 'soll
die Wiedererrichtung der fr a n zö s rs ch, e n
Gesandtschaft in München bcschloffens
Sachei se'n. Disse Absicht wird in Zusammenhang
mit französischen Bestvebungen zur -Errichtung
eines von Norddeutschland abgetrcnnten mittek- u.
süddcutschen Staates gebracht. der nach den sranzö-
schen Wünschen die Nheinprovinz, Baden, Würt-
temberL Vayern und Deutsch-Oesterreich umfaffen
soll."

Echärfste Ausmerksamkeit diesen Machenschaften
gegenüber!

Frankreich verhandell rnit dem
Papst

Der Eorriere della Sera, meldet die franzüsffche
Reaterung ynterhandle mit dem Pavtt über die
Wie-deraiufnah-me der diplomatischen
Bezishungsn. Dieser Schvitt sei ersvlgt. uan
das Protsktorat ülber die katholischen Mis-
sionen im Orrent wi-edsr aufnchmsn zu kömien.
Le-vor über die Zukunft der Levante entschieden

sei-

Die Petersburger Verschwörung

Eigener DrcchtLericht der „Badffchen Post"

<!) Helstngfors. 2. Dsz. Die Petersburger
..Patwda" vom 38. Nov. m-eldet die Enkdeckung ei-
ner srotzzuMsen antibolschewifti s ch e n Vev-
s chw örun « in Petersburg^ an der hohe Offiziere
Kadetten. Mit-glieder des National-Zentrum sowie
Sozkalrovoluitionäre und Monschrwiki betqiligt sind.
Grotzen Ant-eil be'onder s an der Finainzierung des
GeheiinL-undes hcrtten englische und franzö -
s i s che Asenten gchalbt, Der Leiter iei qsn eng-
lischer 2lgent gewesen. Es war bereits ein Ver-
zeichnis dsr küniftigen Regirrnna Ne Pstersburg
ausigestellt. Bezeichnend für die volitischs Uneinig-
keit innicrHalb des B-und'rs -iist es. daft zahlreiche
Mitglieder deutsichfreunvlich waren und datz
er durch dis -cinülischs Spionin VetrowsScffa auf-
gedeckt wurde. 300 Personen jrnd verhastet.

Keine russisch-deutfche Berbindung

Ei-gener Drahtbericht d>:r „Badffchin Post"

(!) Kopenhagen 2. De,z. Der Vsrtreter des
Daiily Hsrald veröffentlichj in seinsin Bl-atte ei.n
Interview miüt Litwinow. der bestreitet.
datz Nutzland Verbinb-uing mit Drutstylaud
oeyabt hätte. Die Sowjetreateru-na drangte viel-
mehr nach einem wirtschaftlichen Zarfam-
menschlutz nrit EnslandundAmortka,

* Verschmelzrmg «vei-r Lisenbahner-Verbä.»'e.
Dieser Tage fcmd tn WUrzburg elne Kon-ferenz
zwischsn Vertretern dss deutschen Eisonbahnervsr-
dandes (430000 Mitglieder) nnd dss Vereandes
des dciutschen VerkchrsMrsonals f8S 000 Mitgilieidsr)
stait /Es wurde bsschlossen. die VerschmelzuM der
beldien Vevbände am 1. IM 1920 vor.zunehmen.

-» Der polnisch« Restdenl in Danzig. Dte polni-
sche ReÄieriumg ernannts den Staroiten von Krakau.
Tü'. Martin Bi-esiadsckr. zwn Residen-
ten i-mFr-sistaat D-a n z i g. Mch der ..Dzien-
nik Gdanski" traf der Resident bere-its tn Danzia
zu vovüib-ergshndem Auissnilhalt und zur Vorberei-
tung seiner dausrnden Moderlasstmg ein.

Bismttrcks dritter Vand vLrläusia
verboten ' ^

Stutchart. 1. Dez. Wie der Stuftgnrter . M,-
kur" mcldei, ist ist in der lctztcn Zeil beim Lnn^
gericht Stuttgart dcr Antrag gest«llt worden das
Erschemen des > r it t « n Bandes der Bism 'arch
schen „Gedanken und Erinnernngen"
zu verbieten. Der Antrag ist von ssi'en der
Vertrctung des früheren deutschcn Kaisers aus-
gegangcn und war damit begründet. datz ,n dem
Bande oine Anzahl von Briosen der Kai-
sers zur Vcröfscntlichung gelangen. Das Lond^
gericht hat das V « rbot im Wege einer cftrstw-i^
llgen Versügung zunächst erlassen. Die Angc-
legonheit wird nun alsbalh an das Oberlauksgc!
richt gelangen, das. seine Entscheidung sehr b^ld
fällen wird.

Die Freigabe der Möbel aus
Elsah-Lothringen

Das mit der sranzösffchcn Negierung über die
czremabe der deutschen Möbek in Elsatz - Lothftn-
oen gosrhlossene Abkommen l-ftgt nunmehr im
Wortl-aut vor. SeLbstverständlich bczieht fich die
Freigabe nur -cvuf die Sach.n. die nochni cht im
Liquidationsw e g versteiaorl stud. Zn Ve-
zu-g auf dic^e Stück,? wird den EiLeutünicrn nur der
Entichadionngsanspnich gegen tas Rejch verb.eiben.
Di-e Ausfuhr der Möbel und die Einfuhr von
8Lasen und Verpackungsstoffen darf. wie im Ab-
komimen ausdrücklich vorgesch^n ist. keinen' Zoll
Gebühren oder sonstigen Abgaiben untevworfen
werden. Die Mittetllung der Franksurüft ZZtmig.
dte hoh-e Zölle unb so die Unmöslichkoit Ler Aus-
fulhr ankUni.'iiate. ist irri-g. Eine Zusage wegsn
Lrnrei,se -ber vertriobenen Elsatz - Lothringer

. erlanL-en, ist b-cÜnaiuerltchLrwLise nicht ül ^lungsn.
ielmchr ist die Einsetzung oiner g-emlschten

Kommission tn Kehl vcrein-bart worden. die
dafür M iorgen haben wird. datz die AreiLaLe' des
Mobiliars und seine AbbelfördeLung nach Deuisch-
land unter möslichst günstigen Bedingun'
gvn geschietzt. Die BöstimmunL-n Lser Kommrs
ston werden seiner Zett den Beteiligten bekannt
gegeben werden. Sow-eit dies« nii'cht in der Lage
stn-d. durch ihre Angehörigen in Elsatz-Lothringen
den Abtvcmsport selbst zu botreiben. werdrn st-^ gut
tun n'.it Schritten zur W iedererla-nsung, der
Möbek noch bis M jener Bekanntmachung
zuwarten. Die Zahk der verdrangten Fa-
milien, deren Mobrliar der Beförderung harrt,
ist schon jetzt aujf 20—30-000 Att. zu schätzen. Da-
nach wivo man damit zu -v.lchnen haben. datz die
Nbwickeluns des geregelten Abtransvorts einen
Aertraum von atwa etn>em Zahr bean-
sprucht. anch wenn es selingen ssllte. wöckentlich
etwa 100 Mcr-gen anit Möbeln über den Rhein zu
bringen. Es ist zu hoffen datz die Flüchtlinge in
der Mssicht auf die Wicdererlyinsung ihrer Mö-
bek die nicht geringe Geduld aufzubringen wis-
sen wervrn. diie ste hiernach bis zur Wic,der?ftan-
gung noch werden haben müssen.

Zwangsverwaltung der Sparkaffenguthaben
Die .ZMnische Zeitung" -mell>et aus Stratzburs:
Durch Versiismng des Stratzburgsr Landgerichts-
xräsidentew sind die Sparkaffensuthaben deutscher
SiaatsanLe-HÄriger unier Zwangsvevwaltuns. Die-
Sparkassen verlangen bri Aiiszahlungen Aus-
w e, i s e.

Ein Lrntraa der deuisck>en Volrspartei
;ur Llngcsteütenverskch ruttg

Die Frakkion der Deutschen NolksVwrii i »n der
Nationarvepsamnilung hat solgenden. vom 25. No-
vember datiertcn Antras singebracht:

Die Notionalverchm-mluns wolle beschlietzen: die
Reichsregierung zu ersuchen. einen G-Ietzenstourf
betreffend Abänderuna und Eroänzung des Ber^
sicherungs - Gesetzes sür Angcsteklte
vom 20. Dszember 1911. vorzu-legsn. in dem eine
wvsentlich» Erhöhung dcr Iahresoerdiensi-
grenze gemätz 8 1 letzter Slbsatz. unter ent-sp-rechen-
der Abändcrung der 88 10 und 172. e-ine Erhöh-
ung derVersickstrunLsbestimmuiiLen namentlich auch
für Witnxn und Waisen und.eine Deieitigung der-
jenigcn Bestimmungen des Eesetzes-vorgesohen wird
t ie i-m Lcuifc d?r dchten 8 Iahre von den Be1>eilik-
tcn Lcrechtigter-weffe als Härten. als unUveckinätzig
oder »mbillig enipfunden worden stnd.

« Wir kommen all« fremd in die Wclt. Manche K
» bleiben eS. Max Halbe «»

Sonnenfinsternis

Roman von Else Stleler-Marshall
OopVriLiit dz» Orotdlein öc Oo. 0. m. d. tt. fteipriL 1916
(80. Fortsetzung.)

.. Dsr junüe Tag stand auf, lieblich und uv-schul-
dig lachelte er, wie ein Kind in der Taufe. Der
Morgmtau netzto ihn . . . und die purpurn herauf-
oluhcnde e-onne wcir es. die ihn segnete.

Der froimnsn Handkung Zerigen warrn die
schweigenden Höhen deren ernste Häupter feierltch
auf dts hch'-ise Scyauspiel hsrahchaute».

llnt-er dein Sonnenkutz wuchs das Tagkind und
wurde kMrlich und stmhleud schön.

Händen sireichelte es Bevge und
'^?Eoste es Väuime und Sträucher unb
locktc Knospen und Dlirtcn.

Lichter jungcr FrllhNngstag . . . foi gescgnet!
EHesnet du Sonne. inächtige Kai-'erini Wie str.il-l,,

^ Pracht. sei geärützt. sei ^gnet!

Hohen uno ous dcm Tale blickten viele
^pkmmng heute. zur Sonne crnpor. wie-
grotze Lenchte der LLelt. wie
ihr Licht sich Irübcn? Die Vauern unt rm
CÜMN be-Aigten sich schier. als dieser gefürchtete
Tag, so liLbftch heraufkaim. so ruhig und windstill.
so l.mde und lenzhaft sijtz und beiter, Keine Wolke
und nrrgcnds ein drohendes Z<sich2n.
^chwatzer wnd Pvah-ler vom Hochsckxan. lachen
we-rden mir dsinvr. Du wlllst uns die Sonne ver-
, finstern? Dein Verstand wird versinstert sein
datz du folches dir zutraustl

Doch -uim die elfte StunLe schallte dcr Hornrus
vom Grasilmhofe. wie es der Ichc,f verbietzon hatte.'
llnd ste -sriffen zu Mil und Era'bschrit, Dreschslo
oel und Eabel und stiegen bergan.

Die Eva im Mordhofe sah auch zur Sonne
»n^>r. Neusiievig wie ein Vogel. sespannt. doch
»'cht m Angst. . . in Fveudiakeit?

Es hing foviel d-avon -aib, datz keine Molke deu
Himmel trübe und die Sonu-e versteckte. Klinghart
hatte es ihr sesagt. Sie solle nur beten um einen
klaren Tas. Der Morgcn l-ang. so schön und tzrll
war er. Des Hochschornmcmnes Wunsch u,nd H-off-
nung erfüllt. Da lächelte Gva. uud murde ste svlbst
dem Morgen ahülich. Sekt ste wieder drunten ftn
ohnte. hcrtte sie niimmer so lücheln können.
alte Düsterkeit umspann sie mit th-ren dich-
teu gra-ir-en Schleier. Ia. schlimmcr war ste als je.
Es fehlte das 'letzte bischen lichter Schein. sett Pe-
ters Ctimme dsm Hause verstummt -war. Furchtba-
rer denn je kag Finsternis Wer den Bauern.

Das letzte Licht in semer Soele wa-r getrübt,
se-iine Liebe zu Eoa war keine stolze und ute Liebe
mchr. ste groltte. si> trug Leid und fckMere SchGN.
Scham auch über sich solbst. datz sie so- fekge weiter
kroch vsrsteckt und geheim . . . datz sie nicht sterben
lonnte!

Nicht mehr schsn mochte dcr Soller sein Kind.
Wo es möslich -war. mlied er die Tochter. vo-n der
-er Schlimnres -alauben -mutzt-s. llnd gegen den obe-n
wuchs der Zorn Zoll uin Zoll emvor in jeder
«tuTidc. wo Stofan sein Kind dennbck» vor Augen
haioen mutzte. Diesmäl war es kein j-acher Zorn,
wie der ssluch ihn wohl-meinte. Er reffte lang-
siam und iiüter Kämpfen, doch stetig und entsetzlich
Iäh wäre er aufgsfkanmit. wenn iener Maim vo>n
oben id-em Mordbauern eln einztges Dial gsgen-
übergi treten wäre. Doch. arbeitvertieft, kcmr er

wevt hiinucg um ihnr nicht z-n bogoanen.

Am Menschenlcbrn sind Liebe und Hatz einander
seitffam nahr . . . nnd es kann seschiksti-. datz sie
sich vermählen und untrennbar werden.

Lichc voll Hgtz. Hatz voll-cr Liöbe. wessc-n Herz
daoon orsüllt ist. ttidet s-chw-re P !n di,ld-< grotze
Bedrangnis. Hatzliobe sür Eoa sihuf dem Baiuern
üriMinve O-ual.

Die Sonnenftnsternisfurcht teilten die Atord-
, ,'leute nich ' '
übor die Ers-

hos-leute nicht mit den andern. Eva wutzto genua
bie Erschciinung von rhrenr FveunL^ nn-d hatte
bfe M.uiber veruhigt. Ünd Stefan verachtete den
llnlstnn und verbot dc.in Knecht, mit i-lnn dorübcir
.zu reden.

Das kann k«i-n Engol und kein Tcnftl der
Sonne chren GlaNz rauben. Eottvater allcin hat

Akächt über dio Himmllszeichcn. llnd wenn ein
Sch-eier üiber dte Sonne sinkt. fs kommt er von
Eolt. Nur über irdijche Dmge tönnen böse und
gute Eewgckten chren Zaulber spinnen. den Men-
schen bchonderer Art nux zu lösen vefftehen. Zie-
honlde -Wol-ken. treibender Wind sind rhnen unter-
tan. Niimmer dbe Sonne. das ewi-ae Licht.

Theater und Musik

tzeidelberier Stadttheater

„Alles um Geld"

Wollte nian boshaft sein. könnt< man don
Grund!sür die jetzt erfo-lgte Auifführung die-s-rs >be-
retts im Jahre 1911 werfatzteir Stiickes. das brs
dato ^in nur armselHges MchnenleLen geführt tzat,
in doikt Fsrtschritt der Herstellung elektrischer Ta-
sctzonlamftm suchen. Sis. die> bokanntüch die Fvst-
balloiifalhLt bei Mcht üno die wiffenschfflliche For-
schmig dabei une-ndlich gxckörd-ert. ja -mntoil erst
-mögilich gemacht haben, haben -cviich endlich siie Lö-
simg aller Geisterprablenie soweit sie auif der Bühne
erscheinen, gobrackft. vom Eeist ini „Hamlet" bis.
na fa zu den Erijchffnunsion im fiinsien Mt des
Eiclcnbergstückes. Vielleicht gins auch der „smwmus
thcspiscopus" unsevtt Biihne von der sar nicht so
i'Men Mciniung aus datz «m Zeffalter der Maffen-
hypnose und der Wactzuüg^tii-on ein Stück mit Gei-
stern (nnit Eigenbvleuchtuna) des besonderen Znter-
effes sicher sen'. Aber abgch-hcii davon ist nun un-
leiigba-r segenwärt'ig der Sin.n weiter Kreise auf
Lns mvsti-sch-phcmta-stische eingcstellt. sodatz man ganz
»ut rmd «ern einmal auch Hecüert Eulenberg. den
lvahre.ii Phantajsus unserer Moderncn -auf dc-r
Bühne beseg-iiet. An den Kern seiner Stllcke zu ge-
langen, ist nicht g-cvnz »einfach. Seine Gestakten lo-
ben nun eiunial in einer brsonderon Welt. Lereir
Gvenzen nicht leicht zu unvschreiben sind. (.^ B. auch
der ..-Balinde"). Äaild ist -es ein Tr-au,„tkand, bald
kartkierte Wirkl.ichkeit bald mystische Verinner-
lichung. bald WahnsinnsPharltasie. Gcwltz sst Euleu-
bera ein Eiiguer dess-en Dichtbunst sich in besonderett
Versen bewegt (ob>wobl cr leider des öfteren den
Iaimbns zur Berichterstatnmg mitzbrcmcht.' Sze-
neg in denen er sich a!ls Dra,matiker und -sonialer
Seher — nach tnnen und autzen — erlveist stehen
Episoden gegenüber deren Plattheit -wie Faust-
schsläge wirken. Das Probl.m Eulenb.ra ist nock)

vbenso wenig gelöst. wre die seiner verschiedenen
Stücke. Dock) ist der RaHmen einer kurzen Krirlk M
ena, uni auch mir Vsn Versnch einer Lö'.ung zu
machen. Er würde auch an diesem Stück a'sse-
stellt» zn oinem Versuch am untauglichen Odiekt
werden. Dknu wie man auch immer das Problc-nr
anpackt. iminer wieder stötzt män wie in ei-nem Irr-
garttn ouf eine Ecke. wo der Weg mrrananett tjt.
Zn die M'ltte gelanst man nie. Dabei -gäbe es
verschiedene- Ausganvspuiikte -und Eintriitspforten
z. B. eine syinbolistiische. eine rmti'krvitalistischso'
zialiffffche. eine psychopathische oder sonstfge m.'du
zrnische meinethalben auch eine groteske. Nur ver-
lohnt es sichwivklich nicht der Aüüh» d'n Weg. wel-
cher es Mch sei. zu vollcmden. Denn ras Werk ats
Eanzes ist minderrvertig und wird nach diestr rur>
zen llrstcsSd noch mehr vrrgessen roerden. als
schon war. . . , .

Denuoch bcgrützen wir seine AuMhrung ails
nen Veweis ernstttchen Kunstwlllens an lmierem
Ttzcater. Htnzu konmit. datz die Aufsiihrung. abse-
sehen von der Bosetzung einiger Nebenrollcm. ^e
über das erlaubte Äiätz des llnzulänglicken hinau^
siiig. die Vcsetzunüen der Hauvivartien ^n-anch cl'
srelUiiichen Lichtbktck boten. So vor all'in derT'N-
cenz Otto Thismes. der ncich memem DMr-
halten seine Stolle e>in wenig zu si hr auf die Pnra
lele zum 3ttarquis von Keith eimtellte, jedoch 'M
Ton und i,m äus'.creil Gcbcchren ein ^plcgelbtio i
ner ..Kreaitur Eottes" wic, sie Eulenberg fich rv
Adacht hat. sehnt. Die Mängel der EhamkterM
im llndrmma-tischen Unwirklichen fallen kmn
tcr nicht dcm Darstellcr zur L-alt. Ein wirk.alnes
Terzett der Tramnmsnschen bsideten Hemz »aa -
Kurt Felix ( dicser iwn so rühronder Kou'chie''.
datz dn an sich lächerlich wiLkende semer No?«
loren gin« und sich f« zu emer die «

aufs tieffte erarcffenden Gesta-tt «niswuck^) " .
Frau Käthe Hausa. deren Susanne wie stft -
Eulenbrrg eine gar soiü'erbare Frau war. vi^ -v,
aber ttcben viüsi- Wis immer schuf Bernhard o ^

I mit seinem Heiva-tsvermittler Emiak! eiiie ^
kungsvoll,' Cha

peira-isvernlnlier
vLarakterstudie. lleber dem alloin
tete die Spielleitung von Pau! Petersznl't
Geschick. Drs Pablikunl rokgte mit stcht.l-cher ^
tei' nahme den Vorgäng.'n aus der Bichne.
auch in'it enffprechen-em r-tändnls bkeM VE.
gcstellt. Im.merhin wa' ^bleiben des

'>lls Zeichen. ^
 
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