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Badische Post: Heidelberger Zeitung (gegr. 1858) u. Handelsblatt (61) — 1919 (September bis Dezember)

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https://doi.org/10.11588/diglit.3728#0631
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Heidelbers» Plöck 8!

rclephon 7V3.
Carbldla.npen.—6aM

Zu eryShtea Preisttt
merden «llctlrienim

Vom religiösen Leben der Gegenwart

ZAsM der Badischen Post Nr. 300

Weihnachten

"Warum ist uns wohl die Kindheitsgeschichte
^esu erzählt, warum steht darin von der
^kreude der Hirten, warum von der Krippe,
marum von dem Stern, warum von den KL-
niaen, die von ferir herkamen, warum von Si«
meon'und Hanna und Zacharias und Elisa-
Helh? Das ahnen wir wohl jetzt mit einem
kreudigen Schauer mitten im Schrecken und
Schauer der Zeit. Denn ist's nicht so, wenn
lvtr von diesen Eeschlchten hören und unsere
Kunst sie nachspiegelt, als ob mlt einem Male
sich ein Friedensbogen über die blutge-
trantte Erde ausspannt?

Von ein^em deutschen Künstler

Nitten im Weltgewölk ist die helle Stelle
gezeigt. an der wir uns orientteren dürfen
wenn wir wollen. Die lichte Wirklichkeit, die
'nit dem Namen „Zesus Ehristus" in wunder-
voller Anschaulichkeit.zusammengefaßt ist, das
isi das „Stückchen blauen Himmels", das unv
auch beim finstrrsten Eewölk das ganze un-
cndliche Blau verbürgt. PaulJaeger.

Aller Elanz der Angesichter
Kommt von Deinem Angesicht,

Eott! Du bist der Erdengeifter
Quelle. Du bist das ew'ge Licht.

Za, aus Dir hat sich verloren,

Was der Schöpfung Schönheit tst
Und am licht'sten bist geboren
Du — im Sohne Zesus Christ! '

Laß ihn auch in diesem Dunkel
Aufgehn als das Heil der Welt,

Und von Seinen Sterns Eefunkel
Alle Trauer seiir erhellt.

K. E. K n o d t

Nr. 6

Mittwoch, den 24. Dezember 1919

Abendlied^

Wcil die Sonn' ist untergängen
All mit ihrer Pracht,

Wird das Herz voll Angst und Bangen
Vor der finstern Nacht.

Doch Eott Vater in dem fernen,

Hohen Htmmelszelt

Euckl mit tausend Augensternen

Ueber alle Welt' —

Hört der Menschen, Wälder, Wrnde
Aengstliches Gebet;

Erdenabwärts gleich geschwinde
Wie der Nachtwind so gelinde
Seine Antwort geht.

Und es gilt den Betern allen
Eottes Wiegenlied:

ANer Welt ein Wohlgefallen
Und auf Erden Fried.

Wiesen, Wälder, Blumen, Bäume
Tier und Kinderlein
Hüllet meine Lieb' in Träume
Wie mit Decken ein.

Sag mir, wer im schwersten Zammer
Sich verzehren mutz —

Sieh, der trauervollsten Kammer
Eilt mein bester, ruhesamer,
Väterlicher Erutz.

Sink' ich müd im Staube nieder,

Sink' ich in dich ein,

*) Aius idier ,/Fvau Einf>Llt" von Heinrich SchmiL-
LrdgeLbach (Meister Euntram von AiULsbu>.v).

Vrechen meiner Seelyr Elieder,

Mutzt du Stütze sein.

Mitten in den Tooesstürmen
Du bist's, der mich trägt;

Wenn die Wellen mich umstürmen,

Du, der sie bewegt.

Wandert meine trotz'ge Seele
Alle Erenzen aus, —

Welche Wege sie auch wähle.

Bleibt sie, ob ste vielfach fehle,

Doch in deinem Haus."

Können wir die Kirche entbehren?

Diese Frage stzellt und beantwort-et unter dem
Sleichen Trtel eine siir den Kampf nm die Wett-
aitschauuna wichtiae, fesselnd üssckriebene kleine
Schrfft des Pscrrrer Jäckol. Lölrcüu-Sachson. (Ver-
la>g dvs Eoangelischen Bundes. Derlin W. 36.
Volksschrfften zmn Ausbcvu. Nr. 7). Ansge-Hend
von dsnn bekanndm Sak im Erfurtor Partetpro-
oranun der Svzialdemokraiie. >dak Religion Prt-
vcvtsache sci. erörtert die Schrift, dasi «alle Religiü-
sität, fo persönlichen Chärakter ste trägt. sich immer
M der Gemeinschaft avspiült.

Beobachten wir die Natnrvötter. sehen wir <ms
das Verhalten dar alten Kuttu-rvölker. der Baby-
lonier. der Jsvaeliten. der Griechon und Römer.
immer wioder begegiret nns das gleiche: das ae-
sa.,nte Volk oder menigstens ein grosier Teil von
thm schltctzt sjch msainnven, nm gomeinsam das zu

ms
elt-

gur vache oes Borres ooer d«s
Stammes; beides, Mlision und Vott verb ln-
d-en einander iuii!d wachsen so eng zu-
sa-ntimen datz eine Lösung unmöslich und
uiusgeschloslsen -erschelnt. Keines ist ohne das
-andevo Venkbar. Gewitz hat nun zwar das Chri -
stentum die Schraaren Mischen den einzelnen
Naticnen übevsprungen; es ift nicht Stainimes-
reli-gion. lsondevn ist zur Menschheitsrelt -
giqn igeworden. Aber innerbalb der «-inAslnen,
Völker hat es eine eigentiiinl!ck»e' Ausprägmrg em-,
pfangetr. die uns ja scrade in der Kriegsgeit sehr
deuttich zu-m Belvutztsein -getonnnen ist .Enslisches
Chrtsbentum tst durchans -anders geartvt ols unser
deutsches; das reltgiöse Lsboir Amerkkas unter-
schöldet sich in manchoin von dem in Frankreich
oder anderwärts. Mrrr das möslich: wenn das re-
lrMse L.'ben wirttich nur in den pcrsönlicken Er-
fahnlngen des einzelnen zunr Ausdrllck gerommen
wäre?

Mag man heutzutage domgescnäber noch so
sehr bctonen >und behaupten: Neligion rft Prroat-
. ist Sache des einzelnen, lso kömmt in dtesrm
uge der Gegemvart. vie nur allzubeliebte rmd
fast bis i-rs Erenzenlofesetr:ebenc Nei-
aung unserer Zett zum Äusdruck, die den einzel,
ilen mit setne« Wünschru nnd Streben. mit ssin-en
Fähigkeiten iiber allen Zusaminenschlutz. über alles
Sicheinordnen mnd Sichbetetlt-sen. ü!ber aüe Pflich-
ten der Gonre'mischaft gesenüber hincnlszuhoben
sucht. Aber ftckbft Kreise. di-e drr, Kirche und dem
Christentil'.i,,l völlig fernsteheil. wolsen von solchem
ve rst te aeils n S ub j ek t c v i s mu s llichts wis-
sen und betonen mit allem Nachdruck die Nötwen-
dlgkeit geräde vrligiöser Gemeinschaft. Am Ende
des vorigen Jahres ist in einer Bersan«mtt»,s
des Monisüenbundes und der deutsch-kaüholischrn
Genieinde in Drssdeir auf die Herausstellung und
Pslege frerer Ge me i nschas t sre l i gio n >als
die Hauptsache Hingewiesen worden.

Ein Wegfall der ocganUerten christlichrn Kirche
miitzte zu einrr Verarmuna und Äorkümms-
rung der Alonschheit führen. Wer zum Bebspiel be-
streiten. datz vqm christlichen Neligionsunterricht
aus auch >äuf die der Kirche Fernstohenden ein
Elnflutz auf ihre Grsinnung und iauf ihr Gemüt
ausgeübt worden ist. der ihrem Lal>en. ihvein D>en-
ken und Trachten. ihrem Sinnen.u/nd Hanideln eine
ganz bestimm'te Richtung gab. Wenn mcm stch ein-
mäl hineinziuidenken sucht. mie es um lunser Volk
steheu würde. wenn w!r keme christliche Erziohung
aeiiossen batten. lveder in der Schule — und >mag
cs der scylechteste Unterricht gewef 11 fetn — noch
in Hacuv und Kirche, — rvenn unser ganzes Dasein
nicht unter chrrstlichein Einf-utz gcstanden hätte. so

wärseine ganz andere Lebensausfassilna schon heuie
in unsevem Volke inatzg.'bend und h'?rrsck,.'nd. Ge-
vade dadurch. datz die Kirche alle Lebensatter um-
fpannt und alle ohne Ansnlcchme ettoas von den
grotzen Godanken, die sie pflogt. hören. ist eine
chrilslltche Atmospbäre soschaffen worden. deven wir
uns oft gar nicht bowutzt werden. weil sie -uns von
flüheste-r Juoend an lllngeben und bald bswutzt.
bald unbewutzt in i5,ren Bannkreis gezosen hat.

Meister Gun^ ram von Augsburg

Wer diesen Namen eviiumls liest. der arabt in
jeinem Gedäckinis vielleicht heriM. ob er denn in
seinen aeschichtlichon StUdien dtesen Nannen nicht
einnml sehört habe. Ob er nicht in der Zcchl der
Mystiker zu suchen sei, Zie fa bis zuim heutigen
Tage unZÄe Deu-isch: Fröm-migkeit so niachhaltis
unjd auck >»o segensreich beeiWutzt haiben. Nun
ist frEtch «Gunt'ram von Auigsibnra',
rvvnu nran so witt. unter die Mystiker zu rechnen,
acker ulicht unter die vergangenon. sondern untvr
die Msenlvärtigen. Denn aus der GHchichte ist
mir blotz ein Äkann des Namens Guntrain nnd
zwar aus dein 6. Iahrhnnidert beLannt. der äls
König von Buraund ein Zeidgenosse von Gregor
von Toürg g«vosen war.

Dagegen ist der heutige Meister Gunträm also
unser Zettgenosse, der — setn wirklicher Nlwme ist
Heinrich Schmid-Kugelba.h — stch des anseführten
Decknamene bedient bat. Nur einmial unter den
mir vorliosendsn Büchern*) diefes Mannes ist der
Deckname verlassen wordcn. Dcrrum soll es auch
in diesen Zeilien bei .seinem Decknamen bletben.

Was siind das MN für Bücher, die dicher Mann
schreibt? Zuan Tetl schon im Titel so seltsam,
wie des Bevfaffers Sianie. Zedoch von einem Zn-
halt iund eiiier ethischen Tivfe und rettgtösen
Kraft. daü mvail mitaeriffen wird und oar nicht
lauo zur Früge kommt. wte sollen wir uns dayu
stellen. Stellt man stch aber dlese IFvags nach-
trnglich denn doch. so tleidet ste stch in die Form
des Bedauerns, datz uns ach sar zu oft die Kraft
gebricht, . diesen Höhenflug mitzumachen. jene
Kraft, Die noch selten eii, GMttcht ffo nötig ge-
habt hatte. denn das ullsere.

l^nd doch: Nicksts irrigirr. dean die Melinung,
Meister Eunttam hrbs sich aus nichtigen'Phün-
tasreen ein Nebelheim crbaut. aus ricink ec d^e
' aubgeborenön, in Erdenleid verhafteten" Me'l-
nkinder anorakte. Wrlplich fo liege» die
inge nicht. Phantaste ist es nicht, die wir hier
vernHhnien. sondee'n W,rklichkeitc die wirkllchste
Wirtlichkeit. Freiit.h eine Wirtlichkeit. ntcht des
gmffen Verstaildss, nicht wie lie der Alatrr«alis-

Genefungsbuch wird es geheitzen >und wiedcr geht
es aus von dsc Wirklichkeit dos Leids, bivses
Leids. das wir Schwernrut heitzen und das uns
oft dre besten Menschen verstört und zerstört. Da-
rum sollte nwn es denen in die Hand goben. die
selbec unter diesem Leide stehen oder aiidere
daMnter sÜeh.ln wiffen. Auch lhrer wird micht
weggcredet oder meggeraten. Keine „Zerstr-suung,
Theatcir. Musik. Fests und weite Reisen" angera-
ten. Es wird überhanpt nichts er,zwunge.n. auch
die Genesung mnh wachsen. Wbe Arznri soll die-
ses Büchlein in einzelnen kleinen Züaen senom-
men wevden, inlitnnter auch als eine bittevs Arz-
mei, denn es handelt sich hier um alles andere.
nur nicht uin Zimperlichkeiten oder V.nhrrrlichuua
des eigensn Jammers. Es handelt stch um ernste
Avbeit an sich und an dem. was einsm das Lebrn
zerdrückon will- Biele Einzolhsiten sür dn, Kvan-
ken. alber auch für die mit Kranten Um-gehenden
Gssundsn. Nach Form und Kraft tönnte inan
sagen: Hier spticht ein >an Jesus gsstärtter und
nicht an ihm irre gewordcuer Nietzsche. Möge die-

sts gstreuen Eckaro Wort nur auch so meit sehört

.

werden, wie jene-
des Zaubrvwort!

mus zu besttzen wäbnt. nut Händeir zu greiscn
und mit leibttchen Ä'-gen zu faffen. Eine M>rk-
lichkeit vielmebr böhrr:r Art. gcf'utet aus de»,
QmA.

.Idvaus alle Weisheit flietzt.
die sich in fromime Srelen gietzt". — —
ttnd wtr dürfen.mit dem atten Pfinastlied drs
Mick-ael Schiviner fortfahcsn: „Latz deinen Troft
uns hövenl"

Aus der erwähnten Qusllr flietzt denn unserm
Meister ein ,Trostcküchlein" **) in die Fader. nein
nicht in die Fedcr. vielmshr in Ne Seel-e und
aus der Seele. ..den Traucrnden i,n deutsch-n
Lolke" gswtdmet. -uicht eben liang. erftmals wohl
in der Kcivaszeit gefchri-ehen. he-u.tr aber bereits
ins 12. Lausrnd gewachfen. Es mintz mehr als
blotzjen Anklang aöfunden hcvben: Mitklang oder
Ausk.ang ward ihm zuteil. Wir frouvn uns dessen
Denn „iast die Roda,-r'fort. wenn ihr getröstet
sein wollt. Ste lieben Morte. die Msrtel Uns
aibor tun strengr Wirklichkeit not!" — so sagt der
Mvistier selbrr. llnd wir saaen da.zu: Er -at
nlrgends dagogon v'.'rstotzen. Es xlingt das Trost-
büchletn alber aus in Len Hinweis a.:i.f Gott. der
eben nvehr ist äls ein Wort nnd „-grötzer als' das
Denksn und bvgehrt einen weiteren Kreis als den
deiner Godanten". Gott. der an uns arbettet ob
wir wollen oder nicht.

Auf gleiicher Bahn liogt ein.zweltos 70 Seiten
starkes Michlein: „Schwer>mut zu HKlen" * *-*). Cin

Sämtlich verlegt bei Gusiao S.hlötziira-nn in
Lvlpzig urid Hamburg.

"*) Preis 1.20 Mk.

Preis 1.80 Mk.

Knecht Nupprecht

Von draußen vom Wald komm' ich her:

Zch mutz euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;

Und hroben aus dem Himmelstor
Sah mit grotzen Augen das Christkind hervor.
llnd wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
Da rief's mich mlt heller Stimme an:

„Knecht Nuprecht", rief es, „alter Eesell,

Hebe die Beine und spute dtch schnett?

Die Kerzen fangen zu brennen an,

Das Himmelstor ist aufgetan,

Alt' und Zunge sollen nun

Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;

Und morgen flieg ich hinab zur Erden
Denn es soll wieder^Meihnachten werden!

Th. Storm

Bücherbesprechungen

«- Mahncrt Ludwvg.Bis d-u >a,n Boden

licgst!" (Verlng von Z. F. Steinkopf in Stmlt-
gart. gP Mk. 0.—). Das alte Th:>ina „Glcrude
und Heinrat "'hat wieder eine ncine Beavbeitung
gefundc-n. U. z. durck eünen, dar ste ani eigenen
LeiLe veispürt hatte. Denn kier übrigvns schon
durch seiiie vor Zahren erschienene „Hungvrglocke"
hekannte Dichterpfarrer D. Ludwig Mahncrt im
einst vsterreichischm Mnrburg an der Drau hat vor
Zcihrcsfrist selber den Kerkcr von tnnen kennen
lernen müffen nm seiner D-'utschheit niid um sei-
nes Gl-ar'bens willen. Nicht blotz vor Zaihvhunder-
teu hat man sich so der Deutschen erwchrt. datz inan
ste i,n Kerlei mundtot zu nmchon strebte. Maihnert
aiber ist nur n.m so lanter gLworden und lubei: set

sche

Ten

nen „Liedern" stcht nun sein jüngstes Buch. glekch-

falls ein grotzes Ltvd. ein -arotzes Heildienliied des
immer verfolsten D.eutschen Mesens und der nicht
minder iminer vl^rfolgten eoangelifck>-pvotc!it>anH-
. n Art. Man hat Mahnert den Vorwurf der
enldenzdichterei glnracht. Nichts ist vevfeMer als
dies. ASan mützt-e ihm denn vorwerfen. zu treu stch
an die Geschichte sesbst gehalten zu haben. Die hat er
freittch schcints ausführlichst gekannt und verwer-
tet. Aber rlainit ist das Bnch doch inehr als em Ge-
schichtsbuch, es tst ein Rmnan in der Kunstfovm. zu
der di,a Gerschichte unter d-'n Häiid-'ii Al-alhne-rts ue-
-rvovden ist. Komlint noch dam. der Held des Bu-
ches. der gegen Ende des 10. Zahrhunderts in Mar-
burg wirk:-nde Pfarrer Lierzer. ist wie dsr hrute-
lebcnde Verfasser des Buches und Nachfolser des
Lterzer ein Dlchterpfarrer etner freUich der uuter
seimm Doppelderus wie unter seinvr Leidenschast
schwer ttidet: „Po>rt und Prädikant... das ist
moin Fluch!" Und dock war es ein Segen oder wäre
ein Sogen geworden unter anderen Zeiten. Unter
heutigen llmständen ist es jodensalls sut. wenn
die Prädibanten, wie Malhnert. auck Poeten sind,
sie b-reichern die Kunst und können anck wvit inehr
Monschen und Zeiten verstehen. als wer sie nur
mit niichtcrnen poOelosen Angen betvachtet. So
werlen sie denn auch iustand >aesekt. aus der Ver-
gangeicheit die Wcrte h-rauszuhoilen. dch wir f-Ur
imserc so fchwere Gegenwart brauchen. Treue u>nd
muloolle Kralft. Und werden st» >au>ck zu Boden
geschlagen. die Träger dioser Lel^ensideale. mm da-
wit sterben dtese bc-ide Zdeale selber nichtl Sie
wachsen au-ch im Leben meiter nnd sciern A-uif-
erstehung nnd nlckts ist mehr gaeignet. divse Hoff-
nunig uns zu stärken, als Büchcc der Mahnertschen
Art, die nicht bchtz den Helden mit diefeln Zdealen
ausstatten. sondern die ganze Zeit in iyrer Schwü-
.che, aber auch in ihrer Stürke wieder erstshen
heitzen. die uns Menschen vor AUgen fichren, wie
den Pfloger und herzoglichen Bvaimten Welher v.
Eberstein und seine Familie oder den schltchten und
tapferon Schlosser Himmelsrainer. die liaber ihr

Lccken Lietzen. denn ihre Treue zu Gott und den

Steinen tbres Herzens. Haben wir heute -auch
koine Zesuiten mehr als Herren unseres Gkaudens
iiber uns. wie ste damails in do,n weffck-'n Herrn
Stadtpfaroer Maninoor der Marbu-rger Gc-meinde
beschteden -war, nebst seinen Gchilfen. nun so erin-
nert uns doch -schon der seltsam gewälhlte Nmne ei-
nes Gchilfen. Matthtas Erzberger. datz ähnlich et-
nvr heitzt. der den Welschen dte T-üve nack Deutsch-
land nicht minder weit aufgetan hat. und deffen.
BeziehinnLen M Rom heute auch nicht gerade die
schlechticisten stnd. Darum sollen solckie Bncher ae-
schrieben. darnnl -auch sollen sie gelosen wcrdcn.

B Go l dsch-m i-ck,-

* Artur Brausewetter: „Mehr Liehe." Ver-
l>rg Max Koch in L-eipzig. sck>ön in -einfacheim Pnpp^
band 3.00 Mk.. künstlerisch seb. 4.50 Mk > Bon
Brausewetter -besitzeu wir bvkanntlich mehrere das
Mittel-matz wöit überstcigende Romane. Unverges-
sen bleibe f»tn Krtegsroman: „Wer die Hnmat so
ltobt wie du." Houte kommt er mit wenigen Sei-
ten nur zu uns, mit grr nichts Roin-aichaftem. äber
mit etlvas seyr Nötigem. mit dem Anfrnf zu
«Mehr Ltebe!" Kleine, in die Tisfe gohsnde Ab-
sck'litte. in gar nichts überstiegen und in aar nichls
phrasonbaft. Mittcn aus dem Loben -g.'schöpft ver-
raicn diese Stücke den mitten im Seben stehenden,
aber -auch den in d-r Doutschen Dichterwelt ftohcn-
-den Mann. Sie verraten aber >aiuch sein war nes
Herze und seine treu-e deutsck.- Art. Si- zoig.'n wo
iminer. auch heute noch .11101:1 Liebe" herrschril
sollte und wie ste das könnt-el Und vielleicht vec-
hall-en ^iese Worte doch noch nicht überall in unie
rem so hatzdurchfnrchten Volk und so tt-ibrlecren
Geschlecht. Sie wolle,, a'usgesprochonevmatzen zu
wahrem Menschentuin fiihren. >an ihnen sehen wir,
wie weit wir uns heute. heute erst recht. davon
enlfernt häben, Aber schon solche Büchlein wie däs
Bvailsewettrrscho sind ÄlZeg,zeichen zu b-'sseren We-
A.N und vpn ihnen gilt: «Wir heitzrn e-uch höffen."

B. G 0 ld 1 chmit.

tragischell Irrl-vhvers b^rücken-

Zu diesem heren Lebensglaubsn .führen dann
zwel weitere Schriftchen alnseres Aleisters. Das
eine, „Der reisige Michael" *) stellt das WtrLen
eines >aus Deutschtnm und Ehristentum Heraussv-
boren-en Lsbenskameradsn dar. Wte er es in 'be-
stinrinten Lebsnslagen miachen. was er im gegsbe-
nen Augenbttck fagen würde. Kurz und b-ündig.
Dazwischen biiblifche Anklänge mnd wiederum
pavabelmätzige Geschichtsu. oder um das Fremd-
wvrt zu vevmeiden. denn Meffter Guntram liebt
sie nicht: -SiirnMchichten. Gleichniffe. Denn däs
ganze Büchlein ist ja ein Gleichnis. wie überhaupi
in dcr Symbolik. dem Bildhaften der Meisiec setne
ganze Schönhert zur Darstellung M «bringen die
Kraft b^itzt.

Das zweite Büchlein dieser Art. »Der Rsgon-
bcg?n" des ALeisbers Gnntrmn von Augsbnrg oder
das Büchlein vom siebenfältigen Glück schaut.
däs rual>re Lsbensglück unter dsm SinEld
des Regenbogens und spricht von de,r
sisben -Favb-nländern. in- denen es sich dar-
stellt. -Wicder der 'ins Grotze. verlogte biblr,che
Einschlag. bas Gletchnis o'am verloreNen Sohn
ur.d dem barinherzigen Vaber «sitt ^ls Leitinotiv!
Es sind -aber folgestdes die einzelnen Favben und
Stücke, des währen Elücks: Schaffen. !Feicrn. die
Schöpsuns. die .menschltche DretfM (Famitte).
Volt (in tvefflicher Gegsnübersteltung von VoA
imd Pöbell). Menfchheit (auch da trefflich dte lln-
terfcheidunL zwrschen dein. . was dre -Mmjschheit
erst adelt und was ste zur Tterheit erniedrigt) und
jchlietzlick, djas Letzte und doch das Erst-: Gott.
Aianches berührt stch auch mit dsm aus den bereits
angeführten Bnchern. Dichterijch mevtvoll ' nt
alles und rrlvgiös. wertvoll nicht uttnher. Man
lmöchto mit üen Kinderi: Konfirmandenunterrichl
cruf diefes Biichlein aufbau-em!

Auf pblitiscken Boden fiihrt aurs «Ein Buck
der Einkchr betikelt. »Vor den Trümmern */)
Aber freittch es 'st kein Bodrn der Prrtei sder der
TLLespoUric. Es ist die gros-r Frago -des ÄaHar-
landes Was hier über die Schuld aeragt ist» das
soll^ 'iwni in alke-n Zeitunaen schreiben und es
den Mei-lschcn -anf den A-ärkten zuMsen. ^nmec
dort. wo nwn so schnell sertig ist 'mt dem Wort
'der Antlage nach oben und derMt. was das
Volk i-il'ber ,ur Schuld getvagen. wre es »elber am
'Meisten dis Seiten im Sch'.ildbuch gesüllt hat. die
l-.cute so unsern gelesen werden wollen die houte
>ober so nachlxrttig gelesen wecden solttenl llnd
dann: Wi-e wird die Sckald unter dcrs G.:>richt und
'stie Gnade Gottes aestellt. der uns -M unserm
rätselhaften D.ienit bevufen hat und nötigt, die^es
dein Vertvauen gc-gen ihn M beweisen in jeder
Stunb' deines Schaffens. deinis Auvharrens:
(also sprechend:) „Zch tne. was du wilfft. 'ch sehe
„ickst was du plaiist. ich vertraue dir. datz c!u met-
nem'Wirken seinen Sinn Et. und datz es von
dir nicht vergeffen ist." Und dann fährt Merster
Guniram fort: „Zch weitz dir und mir ein deut-
sckes Prophetenwort: „der den Pferl abschotz, kemlt
jein Ziel". Flieg wohl. du -abeschoffener Pfeil.
das Ziel wirst du nicht vrrfählen." So macht uns
der Tickster als Freund seines u-nd uifferes Bater-
lnndes wieder von nouiem Mut. uns "icht Mriick-
zuziehcn. üns mcht zu wergrämen. (iondern ist
auch das erste Vlühen tes Baum-es im Früchfrost
erfroren. ein neues Blühen M erwirken. ein neues
Blühen zu reifen -Frücksten M Lrinaen!

Das höchste und reiffte aber. was wir dem
Dichter verdänken. ist eine Gefchichte: „Frau Ein-
falt." ch) Es mutzter jg fchon betm Lejen dcr att-
dern Bücher der Munsch entstchen. den Ateister
cinmäl in einer zusa'nmenhängenden Handluna
kennen zu lernen, nachd-ein er in tleinen Stückm
bereits so wertvolle Proben vegoven. Nun ist bie
Eöschichte ein preitzliches Zusammentönen alles
bisher Geschaffenen. Symbolisch >auch sie mrcher
auf feder Srite fast. Der vöisige Michwel ins
Weiblicho und ins noch Edlere vertidft. Das
Gaüize aufgebaut auf einem Lei-d. das Mmm und
Fran ausrinanderrjtz und durch die wrlbliche
Liebes- und Entiühnunaskr.'st wiäoer zu einander
führt. llnd zwM.'ii driiincm s-chrltet Frau Ein-
falt. wie dte Frau Lehrer Lindiiainer senannt
wird. Auch der -Maiine ist b-e>zttchnend! Sie schal-
tet wie ein g'tter Cngel der Meiischheit an Ge-
strandeten und Verirrten all-er Art wie ein guter
Gottesbote. >als der sie sich in d.nn Angnrblick
sclbst erkennt. da ste das .Höchste leistet. a>ber -auch
bereits am EnS: ihr-es Wirkens stcht. denn die
Einfält imitz sich felber unbewutzt seinl '

Zn lurzer Folgr kamen des Meisters Gnittrams
Vüch'r heraus. Ein fruchtbarer Geist wirkt stck
hier ous. Frnckstb.rr für die Kunst. äbor anch —
dieweil die Kunst eben dock nicht das Letste ist
sür den Aünschm! - - fvuchtbar >und fcuchffchäffend
ttir die Seele. die deutsche Seelc zum.al und die
Seole am ineisten. di^ s'ich hrraussehnt aus altem
Leid und aus aller Last hin zur ewiaen Freiheit
d.r Kinder Gott-s !

Vruno Goldfchmit.

G Preis 220 Mk.
*** ) Preis ö Mt.
-j-) Preis 1.80 Mk.

) Preis 3.60 Akk.

Verantwortlicher Loiter: Pfarrer B rnn 0 E 0 ld
schmit tn Ninttinaen (Amt Bretten).

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