Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

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feste 1799 gehaltene» (und 1800 zu Ried-
lingen bei Jos. Friede. Ulrich gedruckten)
Predigt kennen, in welcher er namentlich
den Erzherzog Karl, den Helden von
Osterach und Stockach, feierte. Weitere
Lehrer, wie ?. Basil Hafner, ?. Franz
T. Nicff, U. Ant. Sailer, Bened. Wenz». s. w.
finden sich bei Joh. Gg. Meusel,
Lexikon der von 1750—1800 verstorbenen
deutschen Schriftsteller (Leipzig, 1802
bis 1816) sowie in Gradmanns „ge-
lehrtem Schwaben" erwähnt. Der jüngste
Lehrer und Konventnale ?. Lanrein Loewe
aus Ennetach, nachmals von 1805—1843
Pfarrer von Sch., überlebte alle und starb
erst im Jahre 1855 zu Sch. im hohen
Alter von 86 Jahren. So endete also
nach über lOOjährigem Bestände eine An-
stalt, welche lange Jahre segensreich wirkte
und in den Annalen des früheren ober-
schwäbischen Schul- und Erziehnngswesens
eine ehrenvolle Stelle verdient!

Aritiü der Wappen der Minnesinger
ans Schwaben.
Von Professor n. D. ru. F. Mo ne in Karlsruhe.
(Fortsetzung.)
Es entsteht deshalb die Frage, weshalb
haben die Künstler des Manche Codex nicht
bei Nr. 131 das Wappen der Züricher
Wappenrolle, deren Materialien ihnen doch
unzweifelhaft zugänglich waren, kopiert?
Der Manche Codex giebt keinen Vornamen
bei dem „Dürner" an. Mau kann daher
den Dominikanermönch Konrad Turner in
Freidnrg i. B. im 13. Jahrhundert oder
einen sicheren Jakob Turner daselbst als
den Dichter vermuten. Der Vorname
Jakob ist nur Vermutung, weil das
Tnrnersche Wappen unter der Station des
Apostels Jakobns minvr sich findet.
Der Pl ei er (P l e i a e r e, Plaiare)
von Salzburg, der Dichter des Garel
von dem blüenden Tal (1260 — 1280).
Ein weiterer Dichterling und Zeitgenosse
Heinrichs von Klingenberg ist der Pleier
von Salzburg, welchen man ebenfalls unter
den pseudonym genannten Dichtern des
Manche Codex aufzusinden versuchen muß.
Das Familienwappen dieses Poeten ist ein
nach rechts a nfgerichteterkampfbereiler Bär in
gucrgeteiltem rot-weißen Schilde. Die Farbe
des Bären ist wechselnd, im oberen Felde

weiß, im untern rot. Auf dem Helme sind
zwei Hörner rot-weiß und weiß-rot qnerge-
teilt, zwischen welchen ein weißer, wachsender
Bär zu sehen ist. Aehnlich konstruierte
Wappen finden sich in der Züricher Wappen-
rolle z. B. Ne. 362, 360 und 539, welche in
gnergeteiltem Schilde einen Löwen zeige»,
welcher bezüglich der Farbe qnergeteilt ist.
Am nächsten kommt dem Pleyerschen
Wappen Nr. 257 der Züricher Wappcn-
rolle ein halber weißer Bär in rot. Im
Mancsse Codex dagegen findet sich kein
Wappen, welches als das Pleyersche erklärt
werden könnte.
Was .den Namen betrifft, so hat Franz
Pfeiffer in der „Germania", Band 3
und 8, die Ansicht vertreten, daß der
Pleier oder Pleiaere dieselbe Person wie
der Strikaere sei. Etymologisch scheint
der Name Pleiaere von Pleinaere herzu-
komme» und einen Bewohner von Maria
Plaiu (pirmina, piairurn) zu bedeuten.
An pirmus, der Landstreicher, oder an
das Adjektiv planus, a, um, oder an
pianare, abgleichen, aufklären, oder an
pinna, die Diele (Brett) und an ptanina
kann man ebenfalls denken. Nach dein
Werke von Or. M. Walz und Karl von
Frey, Grabdenkmäler in Salzburg 1867 ff.,
kommen von dieser Familie von 1436 bis
1541 Grabdenkmäler in Salzburg vor,
auf welchen ein presd^ter monaclrus
chlsinriclr ?1e)mr, ein edel und vester
HanS Pleyer, protonotarius, gest. 1541,
seine Ehefrau und Söhne genannt werden.
Es ist somit anzunehmen, daß der Dichter
aus einer Salzburger Patrizierfamilie
hervorging, zumal da rot und weiß, das
seine Wappenfarben sind, auch als die
Landesfarben der Ostmark (Oesterreich)
dienen.
Der oben genannte schwäbische Dichter
Konrad von Stöffeln-Gönningen hatte
Kenntnis von dem Gedichte des PleierS:
von Garel, dem Ritter aus dem König
Artuskreise. Siehe Haupt, Zeitschrift 12,
485. Wahrscheinlich war ihm auch der.
Dichter selbst persönlich nicht unbekannt.
Der Reimschmied Pleier war kein Lyriker
und könnte aus diesem Grunde von Hein-
rich v. Klingenberg aus seiner Samm-
lung ausgeschiedeu worden fein. Der ge-
nannte Poet dichtete oder schrieb noch den
Tandareis und Melcranz, vbschon er nicht
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