Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 111
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Zimmcrlenthcn, Metzgern, Schuemochern
und Sckmeydern, Bierbrcwen, Badern, We-
bern, Kürschnern under und umb mehr-
bernhrtes Gottshautz Nvlh gesessen das
Ihr obinsericrter Handtwerckhsordnnng in
allem gebnhrendt nachkohmmei, gelebet, Euch
deren gemäß verhaltet: und derselben im
geringsten nicht zuwider handelt, sürnehmmet
noch Euch widersetzet, in kheinerley weiß
noch weege. alles bey vermeydung der in
bemelter ordnung anßgesetzten straffen und
bnessen, das mainen Wir ernstlich: Mit
llrkhundt diß BrieffS besigelt mit Unßerm
Kaißerlichen anhangendcn Jnstgel der geben
ist in Nutzer Statt Wien» den neunzehnten
Monathstag Angnsti. Nach Christi Nutzers
lieben Herrn nnd Seeligmachcrs gnaden-
reichen Gebnrlh im Sechzehnhnndert sechs
nnd sechzigsten; Nutzerer Reiche: des Römi-
schen im Neundten des Hnngarischen im
zwölfften >nnd des Böheimbischen im zehen-
den Jahre. —
Leopoldt.
Frhrr. v. Waldendorff.
Zrcl mairclatum 3no. Lues.
IVlniestatis proprium:
Wilhelm Schräder.

Schwäliischrü nun Schweizer-
Archiven.
l 1. Designation aller Grafschaslen,
Herrschaften, auch Stätten, Klöstern, Flecken,
Forst, Vestungen nnd Thälern im Herzog-
thnmb Würtcmberg gelegen.
Diese vor dem dreißigjährigen Kriege ver-
faßte Statistik — handschriftlich im Staats-
archiv Luzern, enthält einzelne beachtens-
werte Nachrichten, die wir hier Mitteilen:
„In der Pfarrkirchen vorm Thor zu
Marbach ligt St. Alexander begraben."
„Man sagt dise Probstch (zu Stutt-
gart) sey die gefährlichste propker ob-
scuratum denetrcium."
Probstey zu Tibingen die herlichste
propker oklicium Cniroellnrintus.
Probstey.zu Backnang die reichest.
Herrenberg die luftigst propker
situm et nmoenikntem loci.
Propstey Brach die ärmbste.
Göppingen die freyest, scilicek weil
die Pfaffen daselbsten nit in die Motten
gehen derffen, wegen Ungelegenheit derkirchen,
so ausserhalb der Statt vorm Thor stehet.

Anno 1274 haben die Grafe» von
Wnrtcnberg die Statt Leonberg mit einer
Ringmauer nmbgeben, sonsten haben sie
kein Statt gebanen.
Die einläßlichen Nachrichten über die
Statt Mvckmühl deuten darauf, daß
diese kleine Statistik von einem Ange-
hörigen dieses Ortes hcrrührt.
L i e b e n a n.

Uletue Mitte ilun gen.
Nochmals die Stickkunst (oc Up ictu r.i)
im M. A. in Schwaben (Nr. 4, S. 62-68).
In dem Schwaben nahestehenden Benediktiner-
klostcr St. Gallen wurde schon in den frühe-
sten Zeiten neben der Weberei von kostbaren
Seidenstoffen auch die kirchliche Stickkunst zu litur-
gischen Zwecken in bedeutendem Umfange geübt
(blcceiurccki IV, Casus 8. 6iN!l etc., cap. X
äNamaiüc. rer. script. eck. Vlelcd. Oolckast t. I,
p. 1, p. 121, Un. 26). Unter den Gönnerinnen
dieses Gotteshauses ragt insbesondere die Tochter
des Herzogs Heinrich von Schwaben,
Hedwig, hervor, die demselben mehrere Meß-
gewänder und verschiedene andere Altar-Ornate
schenkte, welche sie, getreu dem Brauche fürstlicher,
und edler Frauen im Mittelalter, die Stickkunst
im Dienste des Altares zu üben, selbst mit eigener
Hand gestickt hatte. Besonders merkwürdig unter
diesen Geschenken war eine Albe. Man ersah
nämlich, wie dies Ekkehard a. a. O. ausführlich
berichtet, auf dem breiten Saume dieses pracht-
vollen Gewandes in großem Figurenreichtum eine
allegorisch-mythologische Darstellung, die Hochzeit
der pbiloloZia. Weiter schenkte die fürstliche
Stickerin der gedachten Abtei zwei Dinkonenge-
wnnder, nämlich eine Dalmatik neben der Tuni-
cella, die überreich in Gold gestickt waren. Als
indes der damalige Abt sich weigerte, auf den
Wunsch der Fürstin ein Antiphonarium nbzugsben,
zog dieselbe in übler Laune die zwei lctzgcnannten
Ornate wieder zurück (a. a. O. p. 82). Nicht
lange vorher hatte Nichlin, die Schwester des
Abtes Hartmod, ein prachtvolles gesticktes Velum
angefertigt, das in der Fastenzeit als sogenanntes
Hungertuch (palium ciuackragcsiivols) zur Ver-
deckung des Chores am Eingang desselben aufge-
hüngt wurde (a. a. O., p. 31, Uv. 20). Uocü.
Das Jahrbuch der k. k. Kunstsammlungen re.
zu Wien, XIll (1892), enthält in seinem zweiten
Teile, den „Quellen re." (p. XIII), u. a. einen
Auszug aus einem interessanten Schreiben
Peutingers, ck. ck. Augsburg, Allerheiligen
1509, an den damaligen Abt Johannes (VI
Maier aus Ummendorf) von Awe (d. i. Minder-
nder Weißenau). Zunächst berichtet P en-
tsag er "Ausführlich es über ein kaiser-
liches Anlehen. Dann kommt P. auf ein
Papstbildnis oder Kamee wie folgt zu sprechen:
Die bildung des babsts umb des nullen, das euer
gnad derohalb mein gedacht hat, Hab ich fast
gern gesöhcn und insonder, demnach ich ain
geborncn Römer, der in dem goldschmied- und
malerwerke fast fürgeng und künstlich ist, jetzt
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