Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 108
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Hcuid'wvrürrarduuug
des Älvsters pioth o. INaemvnsN'rU. aus dem
^ Jahre 1666.
Mitgetcilt von Or. Lud. Baur.
Ans einer Reihe von uns vorliegenden
Urkunden des genannten Klosters darf
namentlich eine derselben, eine noch sehr,
sorgfältig erhaltene Pergamentnrknnde mit !
schwarzgelben Seidenschnüren und sehr gut '
erhaltenem großem Wachssiegel auf Beach- i
tnng Anspruch erheben. Dieselbe enthält eine i
Handwerkerordnnng vom Jahre 1666, ans i
der „steit Kaiser Leopolds I. Cs wäre von i
Interesse, alle noch vorhandenen Handwerker- i
ordnnngen der schwäbischen Herrschaften
znsammenznstelle» und cv. nach und nach
zu veröffentlichen. Ans Grnndcincs giößercn ^
Materiales ließe sich dann ein Ueberblick!
über die in denselben znm Ausdruck kom- t
inenden Ncchtöanschanungcn, über den ge- i
nieinsatncn Ursprung dieser Ordnungen, über
die rechtliche und auch soziale Stellung deö i
Handwerks früherer Jahrhunderte gewinnen.
— Möchte unser Vorgang in diese'.» Sinne
anregend wirken und die Veröffentlichung i
weiterer Handwerkerordnungen nach sich
ziehen! Die Urkunde lautet:
Wir Leopold von Gottes gnaden, er-
wöhltcr römischer kaißcr ec. ec., bekhcnnen
öffentlich mit dißen brieff und ihnen khnndt
aller männiglichcn, daß nnS der ersamb
unser lieber andächtiger Ludwig, abbt deö
gottshanß Roth, allernnterlhänigst zu ver-
nehmen gegeben, waSgestalt die nnder- und
umbermelt sein anvertrawtcö gottshaus Noth
gesessene gesainbie handtwerlhsleuthe von
sattlern, schlossern, müllnern, schmidcn,
manrern, Wagnern, khüesfern, bierbrcw,
beider, iveber, tischler, kirsnern, beckhui,
bindern, zimmerlenthen, inetzgern, schue-
machcrn und schneydern verderist zu Ver-
mehrung der ehre Gottes, dann auch Pflantz
und erhaltnng gnther mannSznchtund erbar-
keit sich nndereinander einer in gewisse
articnl verfaßten HandtwerckhSordnnng ver-
glichen, auch biß daher darnach gelebt und
vermittels derselben gnthe zncht und erbar-
khcit erhallen haben, deren tenor und inhalt
von wortten zu worttcn hernach geschriben
stehet und also lanttet:
Demnach und weil» vor allen dinge»
Gottes ehr zu bcfürdern gebührt, also sollen
alle und jede nnder und nmb das rcichS-
goltshans Noth angesessene und folgender

handwcrckhsordnnng einverleibte sattler,
ichlosser, millerp schmidt, manrer, wagner,
thüeffer, beckhen, Kinder, zimmerleulh, mezgcr,
schnemacher und Schncyder etc. einen Zech-
sahnen und kürzen gleich andern Hand-
werckhszünfflen halten und dieselben samt
ihren knechten und jünger» in dem gottshaus
Noth, an dem allerheyligsten fronlcichnambö-
tag in der gebreüchigen procession mit ge-
bührender ehr und reverenz nmbtragen,
auch dem ambt der hcyligen mcß von anfang
biß znm ende beywohncn. Wer oder welcher
aber demselben ohne erhebliche und recht-
mässige Ursachen nicht bey- und abwarten
würde, solle der meistcr snnff, der knccht
aber zwei pfnndt wax wohlerweltem unser
lieben Frawen und St. Vercnae gottshanß
Noth zngcben schuldig sei».
,Jnm andern soll ein ordcnliche Laad
im handtwerckh anffgericbtet und zween
taugliche Zechmaister darüber gesezt iverdcn,
auch hierzu ein jeder einen besonder»
schlüssel haben, und sollen dieselben snr-
nemblich ihr fleißiges anffsU)en haben und
andern gntheö epempcl geben, damit gnthe
Mannßzncht nnnd erbarkheit erhallen werde.
Drittens sollen sie alle jahr an St.
Einstich, daß ist den nechsten »ach St. Jo-
hann Baptistentag ihre jährliche hanbtzn-
sammenkhnnsft in crmcltem gottshanß Noth
halten und an demselben tag nach vor-
gehendem gottsdienst und opser in unßcr
lieben Frawen und St. Verenae kirchcn
daselbsten diße Obdnnng in gegenwarth der
knecht und jünger öffentlich ablesen und
alle diejehnigen, so sich derselben gemäß
zu verhalten underwürfflich gemacht haben,
daß sie allen nnnd jeden punkten und
clansseln trewlich nachleben wollen, ihnen
anloben lassen; welcher sich aber darbey
nnbeschcydenlich verhalten oder wider ver-
sehen, ainer den andern darbet) schellen und
gefaßten neydt rechen wolle, sollen maister
und knecht nach erkhanndtnns gestrafft wer-
den, welcher aber ohne erhebliche nrsach
davon anssenbleiben würde, der solle nmb
ain pfllndt wax gebießet tverdcn.
Zum vierdten solle in ihrer gewöhn-
lichen znsammenkhnnfft ain Maister und
ain Gesell jeder vier Kreuzer anffschlaggclb
richtig machen.
Z u m f n »sften wann außerordenlicher

') N', ^nsI:^eio s. icitgti, L5. Juni.
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