Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 112
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1900/0119
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
bei mir Hab, von dem ich bericht wird, wie die
nnjeii nm backen bei dem Aug nnhner steen und
die naß.baS gescherpft vier über sich gestelt sein
seit; so befinde ich ich (nie) auch solchs an ainem
meinein guldin, der an ungerischcm golde 4
ducnten wiegt, an dem bemelts babstS angesicht
vil scherfer weder euer gnad gemeel foriniert ist,
ivie dan euer gnad auch au eingeschlosscm plei
zum teil seins angesichts und auch des Wappens
halben an dein silberin grosche, wie das Lixius
(Zaaittls gefürt hat, abnsmen mag, bitteilde
mir bemelts plei wider zu schicken. Hierauf
folgt ein kurzer Bericht über den Ing
Kaiser Maximilians. Schließlich be-
merkt Peutinger, e r s ch i ck e de m Abtseine
gctruckten Ll^crnMum cle 8nmno Leipionls IN i t
der Bitte, denselben durch 2 verstän-
dige Äonuenthorrn mit einem geschriben buch,
daS er in dem dortigen Kloster gesehen, ver-
gleichen, alles Falsche mit bczeichnung der pleter
nusschreiben zu laßen und darauf diese Auf-
zeichnungen mit dem btacrodio ihm wieder zu-
rückzusenden. —clc.
Nachtrag zur Sailerbio grap hie in
den „Württ. Vierteljnhrsheften", N. F., 3. Iahrg.
(1894), S. 236—25» und im „D.-AT XV (1697)
Nr. I, S. 1 ff. a) Z u Sailers eurricu11> m
vitae: S. war in seiner ersten Priesterzeit eine
Zeit lang Kaplan (Kooperator) von Seekirch
von 1745 - 1747, woselbst Pfarrei und Kaplanei
seit 1390 dem Stift Marchthal gehörten. I>) Nicht
nur in Schussenried, sondern auch in anderen
Klöstern trug Sailer seinen „Adam und Eva"
vor, namentlich auch in Otto b euren, wo Sailer
nm Schlüsse der 7tngigenFestlichkeiten zur Feier des
1000jährigen Jubiläums i. 1.1766 „auf vielesAn-.
suchen die anwesenden hohen Gäste und die zahl-
reiche Gesellschaft mit seinem äußerst launigen und
nachmals in mehreren Sprachen übersetzten Gedichte
„Adam oder die Schöpfung" unterhielt, welches er
als Verfasser und Komponist zugleich mit seiner
Violine ebenso possierlich begleitete." Es wäre sehr
von Wert zu erfahren, in welche Sprachen S's
Schöpfung übersetzt worden sein soll (auch in die
lateinische?) ? Cs giebt wohl zwei transkribierte
österreichische Ausgaben von der „Schöpfung",
nämlich „Adams und Evens Erschaffung und ihr
Sündenfall. Ein geistlich Fastnachtsspiel mit Sang
und Klang (in der Thnt mit Musikbeilagen) aus
dem Schwäbischen ins Oesterreichischo versetzt."
1783. 4". Und — ein „Melodrama Adam und
Eva im Paradciß, vom Jahr 1250 in 4 Auf-
zügen, versaßet von Sebastian Nelies O. 8, II, (!)
— Anagramm für Sailer — verbessert und ver-
mehrt von TI. II. und .4. 14. Aus dem Schwä-
bischen in die Oesterreicher Bauernsprache über-
setzet," 1784. O. O. Gr. 8 7 e) Zur Kritik
über Sailer: Ein sehr abfälliges, aber
viel zu schroffes und auch zum Teil, so nament-
lich was das angebliche Urteil seiner Mitbrüder
über Sailers Muse anbelangt, geradezu Unrich-
tiges Urteil über S. als Possendichter fällen die
in der (der josephinischen Tendenz huldigenden)
Zeitschrift: „Deutschlands 18. Jahrhundert"
1. Bd., 1782, S. 200—215, insbesondere S. 207
und 208, anonym erschienenen „Briefe über das
schiväbische Klosterdrmna", wo es von S. heißt:
„ . . . Nur an einen Mann null ich erinnern,
der in seinen: Leben „2 ch wabcns Scarro n"

hieß. ..Sie-wissen doch, daß vor wenig Jahren
noch im Kloster Marchthal ein I'. Sebastian
Sailer gelebt hat. Man hielt Wunderdinge
auf ihn und staunte seinen Witz als etwas Gött-
liches an. Cr hat in unseren Gegenden.Epoche
gemacht. Er war Sprachverbesserer, untrügliches
Muster reiner und zierlicher Schreibart, das
feinste Genie, daS jo Schwaben hervorgebrncht
hat. So dachten die schwäbischen Klosterbrüder
von ihm und so ehrt inan ihn noch nach seinem
Tode als ein Orakel. Und doch selbst im Vor-
trag, der vollen Ernst fordert, konnte er sich
niedriger Possen nicht enthaltet:. Er hat über
Adams Fall eine Komödie gedichtet. Treffliche
Wahl zu einem lächerlichen Schauspiel! Eine
Begebenheit, die den Menschen so fürchterlich
von seiner Würde heruntersetzt und die auf
Erden nie versiegende Quelle alles menschlichen
Jammers ist, muß belustigen —' muß der Stoff
zu einen: Possenspiel werden. So. hat nie der
Hanswurst eines. Marktschreiers dein niedrigen
Pöbel mit seinen Schwänken ein ungebärdiges
Lachen gemacht (denn nur der Pöbel kann über
solche Einfälle lachen), als U. Sebastian mit
seinem Adam und mit seiner t§va," -cd..

Li iler-irisch pst.
-cst. Geschichtliche Lieder und
Sprüche Württembergs. Im Auf-
träge der württembcrgischeu Kommission
sür Landcsgeschichle gesammelt und herauS-
gegebeu von Professor I)r. Karl Sie iss,
Bibliothekar au der Kgl. öffentlichen Bib-
liothek in Stuttgart. Stuttgart, Druck
und Verlag von W. K o h l h amme r, 1899.
1. Lieferung (160 SS.) ü 1 Mark.
Es war ein zeitgemäßes (lange vermißtes)
Unternehmen, in: Anschluß an die von der ivürt-
tembcrgischen Geschichtskonnnission zum Teil be-
reits erfolgten, teils geplanten Veröffentlichungen
auch die geschichtlichen Lieder und Sprüche aus
Schwaben in Angriff zu nehmen. Leider be-
ginnen die betreffenden Erzeugnisse erst mit dein
15. Jahrhundert; und war eS trotz des gründ-
lichsten und fleißigsten fachmännischen Absuchens
nicht möglich, noch ältere Proben beizubringen,
wenn auch nicht ganz ausgeschlossen ist, daß viel-
leicht, aus Zufall rc., mit der Zeit doch noch etwas
aus dem 14. Jahrhundert zun» Vorschein kommt.
Vom 15. Jahrhundert an ist aber die Sammlung
reichhaltig; und ist es dem verdienten, seiner
Aufgabe völlig gewachsenen Herausgeber sogar
geglückt, einige neue Stücke, wie das Lied der
Raübritter und die Ulmischs Antwort darauf
(Nr. 3 und 4), beizubringe». Zweckmäßige, dem
Texte beigegebene Erklärungen und -Anmerkungen
ermöglichen es auch dem Laien, die einzelnen
Lieder zu genieße» bezw. zu verstehen. Kurz—
das Unternehmen ist in den richtigen Händen,
und verdient das Werk in allen vaterländischen
Bibliotheken angeschafft zu mverden. Mögen die
vier weiter in Aussicht genommenen Lieferungen,
nachdem ein so schöner Anfang geinacht ist, bald
Nachfolgen! Die äußere Ausstattung (Papier w.)
ist hübsch und insbesondere auch der Druck, wie
nicht genug hervorzuhcbcn, fast fehlerfrei.

Stuttgart, Vuchdruckerei der Akt.-Ges. ..Deutsches Volksblatt".
loading ...