Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

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machen Vorstellungen, „daß die schweren
Kriegslasten dieses Jahres sie in Umstände
versetzt haben, wv sie ihre Kinder, die
schon zur Arbeit einige Kräfte und Fähig-
keit besitzen, entweder zum Arbeiten zu
Hause behalten, oder in fremde Dienste
thnn müssen." Da hat man dann Klug-
heit, Mäßigung und zugleich Festigkeit
nötig, um die hiesige schöne Schulordnung,
so viel es möglich ist, aufrecht zu erhalten.
Diese Schwierigkeiten sah ich voraus; des
wegen behielt ich auch, nebst dem Schul-
direktorium, die Schulvisitationen bei. Ich
dachte, daß es mir, der ich schon sechs
Jahre bei diesem Geschäft bin, leichter sein
würde als einem andern, diese Schwierig-
keiten zu überwinde». Den 4. Dez. hielt
ich das Rorate in der Kapelle zu Neres-
heim, wo eine neue deutsche Messe — eine
Art von Kanon — gesungen wurde. Am
5. Dez. hielt ich das erstemal Lapituluirr
culpururrr: Eines der schwersten unan-
genehmsten Geschäfte für einen Prior, be-
sonders für einen solchen, der noch unter
die jüngeren seiner Mitbrüder gehört, wie
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denheit, und nie den ersten Grundsatz der
Nächstenliebe ans den Angen zu verlieren,
csuock tibi non vis 6eri altsri ne teceris.
Ich bin ja nur auf eine kurze Zeit meinen
Brüdern vorgesetzt und nach dieser Zeit
trete ich wieder in ihre Reihen zurück;
warum sollte ich sie durch Unbescheidenheit
und altzugroße Strenge betrüben und mir
selbst ihre Liebe, ihr Zutrauen, ihre Ach-
tung rauben?" Ich glaube, in meinem
ersten heutigen Kapitel diesen Grundsätzen
gemäß mich.verhalten zu haben! — Ich
ließ keinen von den Herren Kapitularen
sich prosternieren, weil ich dieses für
Priester zu erniedrigend finde und weil
ich mich selbst zu klein fühle, um andere
meinesgleichen sich vor mir in Staub nieder-
znwerfen lasse». Bei den Brüdern und
Uratribus mußte ich es bei dieser Forma-
lität lassen, weil es der ausdrückliche Wille
des gnädigen Herrn ist, dem ich nicht ent-
gegen handeln darf.
Hier einige Beispiele, wie ich mich bei der
Ahndung auffallender Fehler und Unordnungen
benahm: 1. „Alle Herren Confratres wissen, das;
es hier von jeher strenge verboten ist, ohne Er-
Z abnis auszugehen, und Besuche zu machen,
st im letzten Kapitel hat der gnädige Herr
ses Verbot aufs neue eingeschärft unv doch
Wrd ihm immer noch häufig entgegen gehandelt.
« e müssen selbst einschen, dass damit nichts
^auskommt, das; ich diesen Mißbrauch nicht
geahndet lassen kann, und werden also selbst
von abstehen. Wenn sich einer die Freiheit
musnimmt, ohne Erlaubnis auszugehen und
issuche zu machen, so halten sich die anderen
rüber auf, werden angereizt, seinem Beispiele
folgen und dann dieses Beispiel als Beschöni-
ng ihres Betragens anzuführen. Wie kann
er hiemit gute Ordnung bestehen?" 2. „Mau
i sich sehr darüber aufgehalten, daß mein Herr
rfahrer die Gewohnheit hatte, vor der Medi-
ion herum zu gehen und die Unflskßigen noch
anal zu wecken. Nun zeigt..sich aber, daß er
ganz unrecht nicht hatte! Denn wirklich wird,
ich die Gewohnheit meines Herrn Vorfahren
ht habe, die Meditation auffallend unfleißig
ucht. Es sollte freilich jeder selbst seine Pflicht
neu, und sie aus eigenem Antriebe befolgen,
>e sich von andern dazu zwingen zu lassen;
ein wo dieser gute Wille nicht ist, da muß
Oberer, wenn er auch das Innerliche nicht
ser kann, doch die äußerliche Ordnung hand-
ln, und eben deswegen auf äußerliche Pflicht-
übung dringen!" 3. „Denjenigen Herrn Mi-
ldern, welche sich so gern, und mit jedem
ünbaren Vorwände vom Chore befreien, muß
folgendes bemerken: Zeder von uns weiß
aus eigener Erfahrung, wie sehr hart und
chwerlich es ist, wenn zu wenige den Chor
gen, oder beten müssen; besonders fällt ihnen
ses schwer, wenn sie wissen, daß mehrere
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