Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 145
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Organ für Geschichte, AltertuniMunde,
Runst und Vriütnr der Viücese Kottendnrg und der angrenzenden Gebiete.

lscraiisgegeteu und redigiert von Amtsrichter a. D. Becti in KaveiiKümnI.
Beiträge, Korrespondenzen rc., Rezensions-Exemplare, Tanschzeitschriften rc. wollen
stets direkt an Amtsrichter a. D. Beck in Ravensburg, Bestellnngen nnd Neklainationen an
die Expedition des „Deutschen Bvlksblatts" in Stuttgart, Urbnnstrnße 94, gerichtet tverdcn.

Nr. 10.
W00.

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Schwäbische Biographien.
24. Hans Ulrich v. Schellende rg,
Heerführer a>is Kißlegg (1487
bis 1558).')
Von Amtsrichter a. D. V e ck.
Hans Ulrich v. Sch-, bedeutender Heer-
führer, geb. cils Sohn des 1503 ch Hein-
rich v. Sch. und der Ursula (geb. v. Besserer)
V. Sch. im I. 1487 zu Kißlegg im All-
gäu, ch l558 ebendaselbst, aus dem ur-
alten Geschlechts der Scalamout (Nlt-
Schelleuberg), deren Stammburg auf dem
Eschnerberge im jetzigen Fürstentum Lichten-
steiu lag und welche früher bis zum
14. Jahrhundert die Grafschaft Vaduz be-
saßen. Vom 13. Jahrhundert an erwarb
diese angesehene mit der Zeit in verschiedene
Linien, so eine Lantracher-Wagegger, Snlz-
berger, Kißlegger sich scheidende und zn
den meisten vberschwäbischcn Adelsgeschlech-
tern in Verwandtschaft tretende Familie,
nach nnd nach auch bedeutende Güter in
Oberschwaben, so in Laimnan, Ravensburg,
Schweinhanse», Siggen u. s. w. und nament-
lich, durch Verheiratung der Erbtochter
Burkhards v. Kißlegg an Marqnard von
Sch. um das Jahr 1300, die beträchtliche,
heutzutage dem Waldburgschen Hanse ge-
hörige Herrschaft Kißlegg. Obschon reich-
begütert nnd hochangesehen, wurden die
Schellenberge doch nur dem rittermäßigen
Adel beigezählt nnd schlossen sie sich dem
St. Georgenbnnde des Adels, 1488 dem
schwäbischen Blinde nnd nach dessen Auf-
lösung im Jahre 1531 dem Ritlelkanton
0 Der „Allg.d. Biographie", 3 l.Bd.,S. 767/768,
mit Genehmigung der Verlagshandlung ent-
nommen.

des Höhgau (Bezirk Allgäu-Bodensce) an,
wohin sie auch steuerten; und erst Hans
Christoph v. Sch. zn Kißlegg wurde im
Jahre 1637 von Kaiser Ferdinand II. in
den Neichsfreiherrnstand erhoben. Zn den
berühmtesten Gliedern dieses Hauses ge-
hörte der eingangs erwähnte Kriegsmann.
Derselbe, anfangs nicht für den Kriegs-
dienst bestimmt, studierte auf den Universi-
täten Pavia und Bologna die Juris-
prudenz nnd erwarb sich den Grad eines
Doktors beider Rechte. Bald jedoch mehr von
dein damals sehr im Flor gewesenen ritter-
lichen Waffenhandwerk angezogcn nnd viel-
leicht auch hiezu durch seinen älteren Bru-
der Hans veranlaßt (welcher im Dienste
König Maximilians schon 1499 am Kriege
gegen die Eidgenossen in Vorarlberg Icil-
geiiommen hatte, für denselben auch gegen
die Venetiaiier vor Gradiska und gegen
die Franzosen in Burgund focht nnd sich
im Jahre 1504 am Pfälzer Erbfolgekrieg
als Diener des Kurfürsten von Branden-
burg und des Herzogs von Württemberg
beteiligt hatte), wohnte er von 1512 ab
den hauptsächlich ans Betreiben des Kar-
dinals Schinner nm das Herzogtum
Mailand unternommenen Heerzügen des
Kaisers Maximilian I. in Oberitalien
(n. a. der Belagerung des von ihm ein-
genommenen Pavia) bei, nnd wurde von
diesem zur Anerkennung für seine hervor-
ragenden militärischen Verdienste znm
Obristen ernannt, auch unter seine Hof-
und Kriegsräte ausgenommen. Bald darauf
zog er, als König Ludwig XII. von Frank-
icich wiederholt Mailand gegen Maxi-
milian Sforza, den Sohn Moros in An-
spruch nahm, wieder mit seinen tapferen
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