Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 65
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Mr. S>
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Eulogius Schneider und Schubart
in Stuttgart, ein Hofprediger und
Hofpoer.
Von Amtsrichter a. D. Beck.
Beide Männer, welche so manche Aehn-
licbkeit zeigen, lebten nnd wirkten noch
einige Zeit zn Stuttgart im herzog-
lichen Hvfdienst neben einander, Schnei-
der vom Jahre 1786 — 1789 als Hof-
predigcr des Herzogs Karl Eugen von
Württemberg, Schub art vom Jahre
1787—1791 als herzoglicher Hof- und
Theatraldickter, auch Musikdirektor; nnd
werden wohl auch mit einander verkehrt
haben. Und — wer weiß, ob der leichtfertige
Epmönch nicht an dem, auch seit seiner
Aipergszeit noch nicht ganz verflogenen
Fencrgeiste Schnbarts, dessen Physiognomie
schon einen revolutionären Typus an sich
hatte nnd das leibhaftige Abbild DantonS
trug, sich entzündet und hier die eisten
Anregungen, in dieser drunter nnd drüber-
gehenden Welt auch eine Nolle zu spiele»,
in sich ausgenommen hat? Hat doch
Schnbart auch in seiner zweiten kurzen,
höfischen Lebensperiode seinen Sympathieen
für die Sache der französischen Revolution
unverhohlen Ausdruck verliehen und soll
einmal in einer animierten Gesellschaft bei
einem seiner Bekannten, dem Hosdomänen-
rat Joh. Georg Hartmann in Stuttgart,
den charakteristischen, echt Schubartschen
Ausspruch gethan haben, welche Lust es
ihm (dem Hofdichter) wäre, in so einer
Revolution auf einem Hengste ans lauter
Aristokratenschädeln hernmzngaloppieren!
Und — wer weiß, ob der „Urkerl", wen»
ihn nicht Krankheit und Tod abgehalten

bezw. vor der Zeit abberufen hätte, nicht
noch in seinen alten Tagen, wie so manche
andere deutsche Nevolntionsschwärmer und
Träumer den Sirenenstimmen der Nevo-
lniion gefolgt und in dieselbe hinein- und
damit seinem sicheren Verderben entgegen-
gerannt wäre?!
Obwohl leider in den Memoiren nnd
den vielen Briefen Schnbarts sowie in
der ziemlich zahlreichen Litteratur über
Schneider nnd Schubart sich nichts über den
Verkehr zwischen beiden finden läßt nnd ins-
besondere auch nicht ein einziger Brief des
einen air den anderen vorliegt, so ist doch
bei ihrem teilweise gleichzeitigen Aufent-
halte in Stuttgart und ihrer Dienststellung
sowie bei der Verwandtschaft ihrer Na-
turen und der regen Anteilnahme, welche
Schneider Schnbarts Schicksalen, n. a.
namentlich in dem nachfolgenden Zeitge-
dichte, entgegenbrachte, daran nicht zu
WHÜüf, daß beide Männer einander
persönlich gekannt haben. Dazu erwähnt
Schubart wenigstens in seiner Vaterlands-
chronik ') Sck neider — aber erst nach
dessen Weggang von Stuttgart — öfters,
so. in Nr. 59 vom Freitag, den 24. Juli
1789 (Stuttgart, im Vertag des kaiserl.
Neichövostamts), woselbst Schneiders Ge-
dichte folgendermaßen vorangekündiqt
werden:
Schneider zu Bonn hat sich ent-
schlossen, eine Sammlung seiner Gedichte heraus-
zugeven, und solche bereits auf Pränumeration
skriptio» angekündigt. Es heißt in der
Antnndigung: „„Die Poesie war die Gespielin
') Im Jahrgang 1788 fand ich nichts über
^ Jahrgang 1787 stand mir nicht zu
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