Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 190
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in Mössingeu. In demselben Dekanate
lag die Pfarrei Moeringe» (jetzt Mäh-
ringen), und in dem benachbarten von Urach
liegt das Pfarrdorf Stöffeln (Stoepheln),
von welchem der Dichter Konrad von
Stöffeln den Namen haben kann.
Der Grund, weshalb Heinrich Herter-
Dnßlingen Pfarrer in Oflerdingen war,
ist einleuchtend. Die Familie Herier war
Palronatccherr jenes Dorfes und halte das
Recht „den Pfarrer einznsetzen" d. h. zu
präsentieren.
Bezüglich des Wortes Osteidingen,
welches auch in den Schreibweisen O ft i n -
dinch, Oft erd inc und Oftemedinch
vorkommt, hält H. Z. Hermes in seinem
Aufsätze: „Wer war Heinrich von Ofter-
dingen?" Neuwied und Leipzig 1879
S. 22 an der Erklärung fest: „Auf dem
Ding, ans der GerichlSstätte." Für diese
Annahme scheint zu sprechen, was Stalin
wirlcmb. Gesch. 2. S. 677 anSführi:
placitunr c^uo ernk Ok6i16inAen 1130.
(Oberamt Noltenbnrg). Aber Ok-6ir6in§en
ist von Of.-Dirdingen (Dcrtingcn, Deren-
dingen) abznleiten und nicht von „Auf
der Gerichtöstätte" (Ding), denn im schwä-
bischen Dialekte müßte cs Uff heißen.
Da zu den Namen von Ofterdingen nur
das Dorf im Steinlachthale bei Tübingen
paßt, so muß man an den sprachlichen
Formen von 1130 Ofdir dingen und
von 1275 Offtertingen unbedingt fest-
halten.
Wirft man einen Blick auf die Zeit
und Veranlassung bei der Entstehung des
Gedichtes der „Sängerkrieg auf der Wart-
burg", so wird in die angeregte Frage
etwas mehr Licht gebracht. Es war eine
allgemeine Sitte jener Zeit, den Poeten
Uebernamen zu geben, oder daß diese selbst
sich unter anderen Benennungen in die
Oefsentlichkcit einführten, wie „oberster
Hofschreiber, Kanzler, Klingsor, Wolfram
von Eschenbach (Walk), Dekan von Ofter-
gingen (Heinrich Herter), pastor von Duß-
lingen, xüebanris 6e Pu^elinAsn (Fried-
rich und Konrad Heiter), Tannhuser, der
Schreiber, der Marner" (nach der Zunft
der Wollenweber oder Marner in Ulm
benannt) u. a. m.
lieber die Person des angeblichen Sängers
auf der Wartburg des Heinrich von Oster-
diugen sind von Simrock drei und von

H- I-Hermes eine Hypothese (1879)
anfgesiellt worden. Der zuerst genannte
Schriftsteller hat in den Erläuterungen
zum „Wartburgkrieg" einen Eisenacher-
Bürger Namens After ding oder einen
Adeligen von Oflerdingen, im Steinlach-
thal bei Tübingen oder einen Heinrich ans
der Mainzer Familie von Aftering oder
Afterdinge vermutet, aber diese Hypo-
thesen hat er selbst wieder verworfen. Her-
mes wollte in seiner Schrift: „Die Nener-
burg an der Wied und ihre ersten Besitzer.
Versuch zur Lösung der Frage: Wer war
Heiurich von Ofterdingen?" Neuwied 1879,
einen ITeinricus 6e Oltiuckiirclr, irlius
Henrich 6e11osps, der Cistercienser-Mönch
in Heisterbach (im Siebengibirge) oder in
Marienstatt gewesen sei (1213 — 46) als
den lange gesuchten Dichter gefunden haben.
Es ist bezeichnend für die Resultate dieser
Forschungen von Simrock und Hermes,
daß Ersterer sagt: „Der Sänger dieses
Namens (Ofterdingen) könne doch nicht
aus der Luft gegriffen sein!" Das ist
unzweifelhaft richtig, „aus der Luft ge-
griffen" ist er nicht, aber aus dem per-
sönlichen freundschaftlichen Verkehre des
Heinrich von Klingenberg mit dem Hein-
rich Herter-Dußlingen, Pfarrer und De-
kan des Kapitels Ofterdingeu, entnommen.
Der genannte Heinrich von Herter-Duß-
lingen war damals unter dem Namen
Dekan von Ofterdingeu allgemein bekannt.
Er kommt als Dekan jenes Landkapitelö
von 1266—1294 unter den Namen H.
ckesuirus 6s OllkerkinAsn, HeirnlcuZ 6s-
canu8 und Hainrillus Dsimn 6es Xapiksls
ru Okkertln§eir vor. S. W. Kernler,
zur Geschichte des Kapitels Hechingen
(früher Oflerdingen), Sigmaringen 1891.
(Fortsetzung folgt.)

Schlu äüische Wi o graphien.
Von Amtsrichter a. D. Beck.
28. Moriz Thoman, Missionär
aus Langenargen') (1722 — 1805).
Moriz Thoman, katholischer Missionär,
geboren2) am 19. April 1722 zu Langeu-
') Der „Allgemeinen deutschen Biographie"
38. B. S. 66/67 mit Genehmigung des Verlags
entnommen.
2) Seine Eltern waren Konvertiten, welche
bald nach seiner Geburt nach Feldkirch übcr-
siedelten.
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