Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

Page: 141
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Mailand, woselbst bereits sein Onkel, der
(zu Langenargen im I. 1749 geborene)
geschickte Münzgraveur Christoph Wocher
angestellt war. Hier machte er im Ge-
nüsse trefflicher Anleitung und Unterweisung
bald so ausgezeichnete Fortschritte und bil-
dete sich unter dem Einflüsse der David -
sehen Schule, hauptsächlich nach den Vor-
bildern Mercandetli und Lavy in seiner
Kunst immer weiter ans, so daß er an
dieser damals berühmten Münzstätte schnell
von einer Stufe zur andern und schließlich
am 4. Juli 1808 bis zum Obergravenr
(incmore in cnpo) mit einem Jahrgehaltc
von 2800 Franken neben freier Wohnung
vorrückle. Von und unter ihm wurden
die vortrefflichen Münzen gefertigt, die von
der Mailänder Münzstätte, sowohl unter
der französischen als österreichischen Herr-
schaft ausgingen. Außerdem schnitt er die
Stempel zu zahlreichen auf merkwürdigen
Zeitbegebenheiten beinahe ausschließlich aus
der neueren oberitalienischen Geschichte ge-
prägten Medaillen, unter welchen n. a.
hervorgehoben zu werden verdienen: Eine
unten ). U. signierte Medaille ans
Napoleon I. mit der Umschrift D'Insubrin
libern und mit der Darstellnng wie Pallas
der In5ubrin eine Mütze als Symbol der
Freiheit anfsetzt (nuten: IX Uu§lio
1797 (?); eine von der Stadt Verona im
I. 1801 gestiftete Denkmünze ans den
General Brune; eine von ihm in Gemein-
schaft mit seinem Kollegen Lndw. Man-
fredini im I. 1805 gefertigte Medaille
ans die Gründung des Königreichs Italien;
eine Prämienmedaille des Lycenms in Zara
von ihm und dem Genannten ans dem
Jahre 1809; eine von ihm und dem Ge-
nannten und seinem Kollegen Hieronymus
Vasallo im I. 1815 geschnittene Denk-
münze ans die Aufrichtung des lombardisch-
venetianischen Königreichs. Die Menge
und Natur der ihm erteilten Aufträge
brachten es mit sich, daß nicht alle —
namentlich die sogenannten Gelegenheits-
arbeiten — gleich gut und fein ausgeführt
wurden. Im allgemeinen wird an Sal-
wirks Arbeiten nur das ansgesetzt, daß er
— wohl eine Folge lückenhafter Vorbil-
dung — zu wenig Zeichner war. Nach
beinahe 40jährigem Wirken starb er im
I. 1819 (oder 1820) unverehelicht^ und
noch überlebt von seinem an demselben

Institute als incnsore nZZiunlo angestelllen
früheren Meister, Landsmann und Onkel
Wocher, welchen S. längst weit überflügelt,
und hinterließ er seinen Verwandten ein
bedeutendes Vermögen. Seine Büste wurde
aus Dankbarkeit abgeformt und ein Ab-
guß dieser Form befindet sich nebst an-
deren Gipsabgüssen verschiedener Art in
dem Mailänder Mnnzgebände.
Handschriftliche Mitteilungen rc., u. a. von
vr. F. Kenner, Direktor der k. k. Minzen-,
Medaillen- rc. Sammlungen in Wien, zum Teil
nach Notizen von Bergmann sowie von vr. Solone
Ambrosoli, Konservator des nuinismatischen Ka-
binetts an der Brera zu Mailand; „Diöcesan-
Archiv von Schwaben" X 1892, S. 84, woselbst
eine weitere Medaille Salwirks: „Zur Erinnerung
an die Schlacht von Lodi" beschrieben ist. —
Nagler und nach ihm Bolzenthal in seinen „Skizzen
zur Kunstgeschichte der modernen Medaillenarbeit"
machen aus Salwirk gar einen „alten Schweden";
wie dies kam — nämlich daher, daß sie in
italienischen Nachrichten „Lueco" statt „Luevo"
lasen — ist des näheren im „Diöcesan-Archiv"
XI 1893, S. 44, unter „Biograph., Beiträge III"
auseinandergesetzt. In Wnrzbachs Biographischem
Lexikon von Oesterreich ist Salwirk gar nicht auf-
geführt. In Deutschland finde» sich Arbeiten
von Salwirk nur selten vor.

Writili dor Wuppen der Minnesniger
uns Schwuven.
Beitrag zur Geschichte der christlichen Mystik in
Schwaben und Alamannien.
Non F. Mo ne.
XXXI.
(Gehört zu XXVIll Nr. 9 1897.)
Die Behandlung der Helmzier imMauesse-
Codex in manchen Wappen giebt zu der
Vermutung Anlaß, daß der Wappenmaler
kein richtig gezeichnetes Original vor sich
hatte, oder daß er selbst die sinnbildliche
Bedeutung des Helmkleinodes nicht überall
verstand. Die Herausgeber der Wappen
des Manesse-Codex, Prof. Karl Zange-
meister und Karl v. Nenenstein, sowie
die Verleger Starke und Siebert in Görlitz-
Heidelberg haben in ihrer Ankündigung
der Wappen des Manche-Codex die Be-
hauptung ausgestellt, die Wappen und
Helmzieren seien nach eigener Anschauung
des Künstlers (Malers) entstanden. Bei
den meisten Wappen scheint dies durchaus
nicht der Fall gewesen zu sein. Auch
haben Zangemeister und v. Nenenstein
für ihre oben citierte Behauptung von der
eigenen Anschauung von Rüdiger, Manche
und von Johannes Gadlaub keinen einzige»
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