Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 18.1900

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würdigkiiSeniorundwohlverdientenArchivar '
Gallus Dingler, nach in dem Ordensstande
hinterlegten fünfzig Jahre» mit aller Feier-
lichkeit seine den 13. November 1751 ab-
gelegten Ordensgelnbde. Die Herren Neichs-
grafen und Neichsgräfinnen von Babenhau-
sen, Zeit, Iminenstadt, Wnrzach,
die Abgeordneten der Reichsstädte Memmin-
gen, der Klöster Jrrsee, Roth, Wiblingen n.a.
zierten mit ihrer Gegenwart den hohen
Verlvbungstag. Am 15. ward eine aus
besonderer Dankespflicht von dem Verfasser
(Feyerabend geb. zu Schwabmünchen 7. Ok-
tober 1754, gest. 8. März 1818) ver-
fertigte und von unserm Mitbrnder, Herrn
Theodor Klarer (geb. zn Dorndorf bei Ulm
15,J»li1766,gest.18.JnliI820) in die Musik
gesetzte Kantate: „Das Opfer Noahs"
betitelt („Ulouoratus, ut alter Dloaolrus,
in orbis cliluvio suorum saluti intentus."),
und am folgenden Tag das große Meister-
stück.der Tonkunst: „Die Schöpfung"
von Joseph Haydn von einem zahlreichen
Mnsikchvr mit vielem und ungeteiltem Bei-
falle in dem sogenannten hohen oder Kaiser-
saale anfgeführt — und so dieses Jubel-
fest zum Vergnügen der hohen anwesenden
Gäste mit einem ebenso zahlreichen als
feierlichen Abendmahle beschlossen."
Damit endet die Musik- und Theater-
geschichte des Benediktinerstiftes Ottenbenren
in würdiger Art. Ein Jahr nach Abhaltung
dieses geistlichenEpithalamiums am 1 .Januar
1802 erschien die kurfürstlich-bayerische
Kommission und erklärte die Auflösung der
1036 Jahre alten Benediktinerabtei.

Vor looJahren. — NuF einem alten
DereLheimer Lilostertagestnch ^c.
(Fortsetzung.)
Den 22., 23. und 24. September war
die Herbst-Aderlässe, wie gewöhnlich. Am
23. d. M. erhielten wir hier von General
Grandjean die sichere Nachricht, daß
der Waffenstillstand auf 45 Tage ver-
längert sei, und daß der Kaiser als
Unterpfand seiner Bereitwilligkeit zum Frie-
den die drei Festungen Ulm, Ingolstadt
und Philippsbnrg bis zum Abschlüsse des
Friedens den Franzosen übergebe. — Den
25. September kam schon der General
Marcognet mit seiner 108. Halbbrigade in
unserer Gegend an und wies derselben
ihre Standquartiere von hier bis inS

Höllische hinunter an. Auch unsere Ort-
schaften wurden diesmal, obwohl nur gering,
mit Quartier belegt. Marcognet blieb mit
seinem Generalstab über Nacht bei uns. —
Am 26. September/ Was ich schon lange
voraus sah und worüber ich mich wunderte,
daß es solange nicht geschah, geschah heute!
Es kamen nämlich drei Offiziere sante
von Nördlingen heraus zu uns, mit dem
Aufträge von dem General Terrin, Chef
des Generalstabs der Division Grandjean,
hier sich umzusehen, ob man kein Spital
für gedachte Division anlegen könnte?
Sie besichtigten zuerst das Städtchen Nereö-
heim, wo sie aber keinen tauglichen Platz
fanden; daun kamen sie wieder ins Kloster
zurück und sagten: Der Hofrat Ellen-
rieder, Beamter im Städtchen, habe ihnen
gesagt, sie könnten in der ganzen Gegend
keinen besseren Platz zu einem Spital finden,
als in unserm Kloster, und daß sie also
hierauf antragen müßten. Ich sagte ihnen
geradezu, daß ich nie zugeben würde, daß
man hieher ein Spital lege, daß ich mich,
im Falle, daß General Terrin und Grand-
jean bei ihrem Anträge bestehen sollten,
unmittelbar an Moreau wenden würde,
der gewiß nie zngeben werde, daß man
ein Spital in einem Kloster errichte, das
ohnehin schon so vieles erlitten hat, das
er in dieser und andern Rücksichten immer
schonte und noch ferner zu schonen ver-
sprach. Sie verlangten die Gründe meiner
Weigerung schriftlich, welche ich dann in
einem ausführlichen pro memoria nieder-
legte. — Den 27. September übergab ich
ein pro memoria dem Kommissär, ent-
schloß mich aber zugleich selbst mit ihnen
nach Nördlingen zu reisen, um mündlich
mit dem General Grandjean zu sprechen.
Hiezu bestimmte mich noch mehr eine sehr
drückende Requisition, welche der Kriegs-
kommifsär Benard in Dillingen für das
in Echenbronn befindliche französische
Spital an unser Kloster forderte. Grand-
jean kassierte die Requisition von Benard,
indem er das Betreffende darunter schrieb:
In Betreff des Spitals erklärte er sich,
daß er dasselbe in Nördlingen lassen, oder
anderswohin verlegen werde. Neresheim
sollte auf jeden Fall davon befreit bleibe».
— Am 28. September singen wir unsere
Herbstvakanz an. Auf den Hochstatter Hof
geht man, wegen der Ungunst der Zeit
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